Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2117 (11.1.1925)
- Date
- 1925-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IF»m> ■ rviu-mt Wien: Znm Abholen in der Expedition, II. Tabor atr. 1-3» oder in einer Verschleiaatelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strastenverkaaf in Wien durdi dieKolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er., WoIIteile 11 Mt Poitversand für Wien o. Oeeterr. monatl. K 40.OOG Teehecho-Sloerakei: Mon. K 20. jneoalawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon, 3*/t Zlotv, Deutschland: Mon. Goktmark 4, F r a o k rn Belgien: Mon. Frea. 15 Btt N«ali*ab<naf«a W Pniwrliinintni ttrMiahas _. . Wiener Norsenrrttuug (prelc K m<H>[ England: Mon,4 Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 1501 ei, Balgarien Mon. HO Lewa, Schweix and das übrige Analand monntlieh Frcs. 4. Redaktion u. Administration Wien. II., Taborstr. 1—3 . ciephone: 44-0-38,43-3-19, AH6Uhr abda. 21-102,25-282 X. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oeaterreiehisches Postapar kanten-Konto Nr. 150.698 Kt. 2117 Sita, Sonata«. 11. gönn» 1929 7. gahiaang Staatssekretär Hughes rurülkgetteteu «.ini - - Washington, 10. Immer. (Reuter.) Der Staatssektttar für Aeutzercs, Hughes, ist zurückgetrete«. Er wird am 4. Mürz aus dem Amte scheiden. Tein Nachfolger ist der bisherige amerikanische Botschafter in London Kellogg. _ Stresemaunr Strohmann. Der Finanzminister Luther soll die Bildung des ReichskabinettS übernehmen. — Ein „ungebundenes" Bürgerkabinett als Schrittmacher für ein Rechtskabinett Stresemann. WgendiLich der „Wiener MorgriHeitAmy.) Berli n, 1V. Jänner. Wie vorauszusehen war, haben nach dem Mißlingen der Mission Dr. Marx' sofort die Bemühungen um die Bildung eines Rechtskabiuetts eingesetzt. Da jedoch das Z e n t r u m, in dem sich ein sehr starker rechter Flügel befindet, seinen Umfall noch nicht offiziell vekanntgebeu will, wird jetzt ein verschämtes Rechtskabinett gebildet, das für ein Kabinett Stresemann, welches sich auf die deutsche Bolkspartei, die Deutschnationalen und.das Zentrum stützt, Platz halten und Raum schaffen soll. Der gegenwärtige Reichsfinanzminister Dr. L u t he r, ein Mann der S ch w er in d ustr ielle n, pottttsch vem rechte n, also ausgesprochen Monarch! st ischen Flügel der deutschen Bolkspartei nahestehend, hat Mit den Parteiführern Aber die Kabinettsbildung Fühlung genommen; eüie offizielle Mission hat er. vom Reichspräst drnte« «och nicht erhalten. vertragSverhandlungen bekanntgab. Eine Nochmalige Zusammenkunft der beiden Delegat ionsvorsitzenden ist für Montag verabredet worden, um die vom Vorsitzenden der deutschen Delegation abgegebenen Erklärungen weiter zu prüfe« und zu erörtern. Wirtschaftlicher Mohns vivendi mit Italien. Rom, 10. Jänner. Die seit der Rückkehr der deutschen Delegation nach Rom im Gange befindlichen Verhandlungen haben heute zu einer Einigung über einen Modus vivendi,zwischen Deutschland und Italien geführt, durch den die H a n d e l s b e z i ehungen zwischen den beiden Staaten bis zum 31. März d. I. geregelt werden. Re Wahabiten vor Rcheddah. London, 10. Jänner. (I. T. A.) Nach den neuesten Meldungen Hobe« sich die Truppen des Wahabiiensultans Jbn Saud ^dam Hauptquartier des Königs Ali in D s ch e d d a h genähert. Nicht weit von der Stadt haben bereits KamPfe zwischen den Wahabiten und den Truppe n des Königs Ali von Hedschas stattgesunden. Wie Reuter berichtet, hat der Londoner Vertreter der Regievung von Hedschas, Dr. Naji el AM, ein vom 5. Jänner datiertes Telegramm vom König Ali erhalten, in welchem der König witterst, die Truppen Jbn Sauds hätten D s ch ed dah e r r e ich t, seien -aber . durch **< Kräfte der. Haschjinnten z u r ü ck g ewp rf e n worden. _...... vmijaitttjen Parteien" sei«, in welchem natürlich Stresemann, ferner drei ^Vertrauensmänner" der Deut sch nationalen, darunter der gegenwärtige Ernährungsminister Graf K a n i tz und — was am meisten bezeichnend ist — ein Vertreter des Zentrums, der Arbeitsminister Brauns, der dem rechten Flügel angehört, sitzen dürften. Parlamentarisch würde dieses Kabinett nur bei den Sozialdemokraten und wahrscheinlich bei den Demokraten aus Opposition zu rechnen haben. Bis die Schwenkung des Zentrums, die sich ja seit langem vorbereitet, endgültig vollzogen ist, würde dieses Kabinett Luther dem richtigen Kabinett Stresemann Platz machen. Es ist aber nicht ausgeschloffen, daß die Situation, welche nach dem illusorischen „Sieg des republikanischen Gedankens" den politischen Kurs immer mehr nach rechts treibt, schon jetzt den Strohmann Stresemanns entbehrlich «acht. Die deutsche Kvlrrnote wertlos. London, 10. Jänner. Das Reutersche Bureau meldet auS Paris, die Botschafterkonferenz werde zu entscheiden >haben, ob die deutsche Note über die Nichträu'mung der Kölner Zone eine Antwortnote erforderlich mache. In London werde die Ansicht vertreten, daß die j u r i st i s ch e n Beweisgründe der Note wertlos seien, da sie auf einer falschen Auslegung des Vertrages von Versailles beruhen. Es handle sich nicht um die Frage einer Verlängerung der Besetzung als Sanktion, sondern um die Weigerung, die Besetzung zu beendigen, da Deutschland die Bedingungen des Vertrages nicht erfüllt habe, wobei zu bemerken sei, daß die Dauer, d e r Besetzung mit f ü n f z e h n I a h r e n festgesetzt wör- ' den sei mit dem Versprechen einer allmählichen, etappen- Weisen Räumung, falls Deutschland seinen Verpflichtungen nachgevow'men sei. Man sei der Meinung, daß es nicht Sache Deutschlands sei, darüber urteilen, ob die deutschen Verstöße so beschaffen seiend daß sie die Schwere der von den Alliierten getroffenen Entscheidung rechtfertigen. Die Wirtschaftsverhandlungen mit Frankreich. Paris, 10. Jänner. Der Führer der deutschen Handelsdelegation, Dr. T r e n d e l e n b u r g, welcher heute aus Berlin nach Paris zurückgekehrt ist, hatte heute mit dem Handelsminister Raynaldy eine Unterredung, in welcher er ihm nach dem amtlichen Commnn-ique — die Stellungnahme der deutschen Regierung sowohl betreffend den von Frankreich vorgeschlagenen Modcks vivendi sowie betreffend das gesamte Problem der Handels- EnsMld UIW Me dönÄe»fchaFMllei«? . „MorNiNg Poft" veröffentlrchr eine - DMeibmg. aus gut informierter Quelle, m der fsstgestellt wird, die von Kreisen der’ Hedschasregierung geteilte Ansicht, England wünschte, daß Jbn Saud endlich Dscheddah erobern -möge, damit die Kämpfe ein Ende nahmen, entbehre jeder Grundlage. In der Mitteilung heißt es weiter: Neutralität ist die beste tt n t c r ft ützun g, die wir I b n Saud in der gegenwärtigen Lage geben können. Er kann nicht um Intervention Wen. Aber die b r' t i s ch e R egt e r u n g wird in mohammedanisch«« Interesse den Frieden vermitteln. Wenn a-ber Jbn Saud -den Vermittlu-ngsvorschkäg ablchnt, so wird die britische Regie-' vung König Ali raten, den hoffnungslosen Kam p f a u f z.u g e b en, ^damit nicht weiter mohammedanisches Blut vergossen wird. Weizmanns mitteleurovSifche Reife, Politische Konferenzen in Berlin. (Eigendionst der „Wiener Morgeru-eitung".) Berlin, 10. Dezom-ber. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Prof. C-Harm W e k z m a n n, der am 7. Dezamber aEends in Begleitung des Keren-Hajessod- Divektors Dr. Bertold F e i wel in Berl i n eintraf, hatte am nächsten Tage eine Besprechung im Auswärtige n Amt. An diese schloß -sich eine Konferenz mit einer Reihe von führenden jüdischen Persönlichkeiten Deutschlands, die dem Präsidenten durch Prof. Einstein und Direktor Wassermann vorgeftellt wurden. Freitag fand im Hotel Kaisechof ein vom Auswärtigen Amt zu Ehren Weizmanns gegebenes Frühstück statt, zu welchem der Staatssekretär v.. Schubert eingeladen hatte. Honte abends findet auf Einladung Direktor Wassermanns eine Zusammenkunft Weizmanns mit einer Reihe deutscher Parlame «tarier und Politiker stast. Der Präsident -war Freitag abends Gast Prof. E i nst e i n s, der ihn mit einer Anzahl von deutschen Wissenschaftler u aus Berlin und anderen Universitätsstädten bekannt «lachte. svkolow in Henwwitz. Czernowitz, 9. -Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum S o k o l o w, über dessen Bu-karester Aufenthalt die ,Wiener Morgenzeitung" berichtet hat, trifft am Mittwoch hier ein. Er wird bis zum 17. Jänner verweilen, dann nach Bukarest znrnckkchren und von dort über K l a u s e n b u r g seine nüttelenropäische Reise sortsetzen. Herr Sokolow reist in Begleitung seiner Tochter. Zwischen Abendland nvd Morgenland. —y. Wien, 11. Jänner. Me wird einst, nach unseren Tagen, das Urteil der Geschichte über unsere Zeit lauten? Diese Frage wird in jedem Zeitalter gestellt, besonders häufig unb dringend aber jetzt. Bor der Anklage, die sie einschlietzt, verstummt der banale Hinweis, daß mit unserem physischen Ende auch der Neugierde die Grenze gesetzt ist. Das kann und darf nur für das Individuum gelten, nicht aber für die Menschhensgruppen, die mit allem, was sie wirken, schaffen oder unterlassen das Schicksal ihrer eigenen Nachkommen formen, und die Entwicklung vollzieht sich nach Gesetzen, die von längst Toten ersannen wurden. In jedem Menschen leben die die vor ihm waren, und was ihn bewogt, das gibt er in die Zukunft weiter. Und darum ist die Frage nach dein Urteil der noch nicht Geborenen eine strenge Mahnung an die Verantwortlichkeit, die jeden in seinem Tun Und Lassen begleitet. Dieses Urteil wird ein grandioser Fluch sein. Die Nachkommen werden hier Reparationen zahlen, dort in bei Kaserne dienen, um die Zahlungsunwilligen zu zwingen. Die Nachkommen werden heute schon m diese Pahn ihres Politischen und wirtschaftlichen Wollens gezwängt. Alles, was heute geschieht, scheint diesem Zwecke zu PWn,und es ist genau zu sehen, wie die Führer unö Senfef der Entwicklung, die Ersinner ihrer Gesetze, immer weiter in den ausgetretenen Spuren ihrer Ahnen trotten, auf Wegen, die immer tiefer in den Urwald der Politischen Piraterie führen. In ihrem Tun liegt gleich die Strafe; nicht für sie, wohl aber für bte Völker, die sich und ihre Zukunft solchen Pfadfindern anvertraut haben. Die Nachwelt wird dies erkennen, über zu spät. Sie wich erfahren, daß der große Wöttkrieg, der lange vor uns vorbereitet und durch uns zur Explosion gebracht wurde, auch m ihre Zeit hineinreicht und sie vergiftet. Sie wird sehen, wie trostlos dumm die weiße Menschheit Europas war, die in der dreisten Anmaßung ihrer Vorherrschaft die Wurzeln ihres Wohlstandes selbst zerstörte und die Axt an die Grundlagen ihrer Existenz legte. In ununterbrochenen heftigen Kämpfen, in bluti- , gen Kriegen, in einer Kette der in ein Rechtssystem gebrachten Verachtung des Rechtsempfindens hatte sie sich die Führerrolle erstritten. Und auf der Höhe ihrer Macht hat sie die Pandorabüchse selbst mit eigenen blutigen Händen geöffnet. Sie haben die unterjochten Helotenrassen selbst bewaffnet, ihnen die Technik des Mordens gesclienkt. Unter den Füßen der hochmütigen weißen Rasse wankt der Boden und die Naäftommen werden den Strauß mit Gelben und Braunen und Schwarzen in erschiitterter Kraft,, in gegenseitigem Mßtvauen auszusechten haben. Sie werden mit wenig Dank und viel Zorn an die Hexenmeister denken, die aus Recht Unrecht, aus Wohltat Plage gemacht haben, Herren- und Rafahdölker stehen einander heute in Angriff oder Berteidigilng gegenüber. Hs ' - Die Lebenslinie des Okzidents scheint, einsüveilen freilich in schüchternen Versuchen, auf die Kontinentalpvlitik zuzulaufen. Die Bereinigten Staaten von Europa bestehen heute nur erst in der Ideologie, aber der Gedanke ist vorhanden und werbekräftig. Die Schwierigkeiten liegen darin, daß Pie Kvlonialstaaten einen Ersatz für die aus den niedergehaltenen Völkern kommenden Ressourcen gesichert haben luüssen Die Wirtsck)aft Europas muß wieder gehobelt uns forteutwickelt werden, die Kapitalien, die m den Kajernen festgerannt sind, muffen. für. den geiftlgeu, kulturellen und landwirtschaftlichen Fortschritt freigemacht werden. Jin Orient beginnen sich gleichartige Tendenzen zu regen. Noch fohlt die Pevsönlichkeit, die dies klar erkennt und an die Organisierung der auf diesem Kontinent ruhenden ungeheuerlichen positiven Kräfte zu denken imstande wäre. Aber es sind Strönmngen vorhanden und sie können in der 9daivität und Ursprünglichkeit des orientallischen Denkens, in der Primitivität seiner tech- Bett-und Tischwäsche ÄÄS'Ä Kann & Fried Vi. Linke Wi zeile 4u Müh) v