Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2112 (6.1.1925)
- Date
- 1925-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1P o 18 n ZOgrMZjll Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr, 1-3, oder in einerVerschleisstelle fjtafik) monatl. K 40.00C Strassen verkauf in Wien dnrch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien Oesterr. monatl. K 40.00(' Ts e h e c h o-S I owa bei: Mo®. K 20 lojfoslawien: Mon. Dinar60. P o I e n: Mon. 3Vt Zloty, Dentschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 15 MT Nach* «hl unyen MW bei PretMrhShtin?en Vorbehalte* «r. 2112 — n Wiener IBorntnitiluim Wien. Lieurtag. 6. gSnner 1928 | Preis R l4QO| England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 > Ire, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. HO Lewa, Schweix und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. Redaktion u. Administration Wien, IL, Taborstf. 1-3 Telephone: 44-0-30,43*3-19, ,Ah6Uhr abds. 21-102,25*282 JX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oestenreiehisehes Postspar* kassen-Konto Nr. 150.698 7. ftabrsang Ae beide« Wanderungen. —y. Wien, 6. Jänner. Die jüdische OeffeitMidjfett steht in letzter Zeit unter dem sich stetig verschärfenden Druck der Wanderung. Der Strom des bittersten Elends ist wieder in Bewegung gekommen und nimmt Dimensionen an, deren Bewältigung die Menschenkvast fast übersteigt. Die Entwicklung der wirtschastliäM Verhältnisse im Osten, der Boykott-Antisemitismus und die von der Sowjetregierung gelenkte Dampfwalze halben hunderttarrftnde jüdische Existenzen vernichtet und ihre Träger ^gezwungen, sich ins Ungewisse hinauszuwagen. Ihnen ^schließen sich die Flüchtlinge an, die vor der dolischewirischen Knute nach dem Balkan ausgewichen sind und dort von der heimischen jüdischen Gemeinschaft unter Ausbietung der äußersten materiellen Kräfte notdürftig über Wasser gehalten werden. Alle großen Transiltstationen für menschliche Fracht sind überfüllt, in den schmutzigen Hasenbaracken der Nordsee, des Mitte lmeeres und des Atlantischen Ozeans kampieren diese Hungevkavawanen, an den Grenzen der Vereinigten Staaten, in Kuba, in Kanada, in Mexiko, stehen Tausende, die aus die Erlaubnis .zur Einreise oder aus irgend einen gslüMchen Zwischenfall warten, überall ungebetene Gäste, überall wehrlose, naive Opfer der Auswandevungsschwindler, betrügerischer Kantinenwirte und TranSportischlepper, überall von Krankheit und Demoralisation heimgesucht. Neben dieser von Polizei und Reglements feindselig und argwöhnisch in Dämmern gehaltenen Masse der Ziellosigkeit und Resignation beginnt sich ein neuer Zug zu formieren. Hier und da entwickelt er. sich>schon, kreuzt aus seiner Straße den .Heerwurm der Müden und strebt in jünger frischer Energie einem neuen Ziele zu. Präsident Weidmann hat in seiner heißglühenden Rede an die Wiener Judenschaft ans dieses neue Bild hingewiesen. Aus seinen Worten dröhnte der neue trotzige Ma-vschvhythmus der jiidischen Jugend, die sich m allen Weltgegenden aufmacht, um die. Hennat, ihre .Heimat, neu zu bauen. Sie will mit Spaten und Haue dem Hohn und .Haß der Geschichte antworten und sie achtet die M-ühsalen der Wanderung fiir nichts, weit ihrer die Mühsal der heiligen Arbeit wartet. Sie ist nicht gewillt, länger für Fremde und Feinde zu Werken, sie will für sich'und ihr Volk ein neues Heim aufrichten. In diesem Zug liegen sicherlich große Schwierigkeiten für das nationale Werk und wer Herrn Weizmann zuhorte, der konnte aus seinen Worten auch diese Sorge herausfühlen. Aber es ist doch eine Sorge voll schöner Aspekten. Die Kraft der Idee, die in einem Vierteljahrhundert ausgebreitet wurde, beginnt sich auszuwivken. Es gilt, die beiden Wanderungen miteinander zu vereinigen, sie sorgsam unter vorsichtigster Bedachtnahme aus die Gebote der brüderlichen Solidarität, aber auch aus den Zweck der nationalen Zukunft m ein geregeltes Bett zu leiten. Das jüdische Volt wandert, der eine Teil in die hoffnungslose Weite, der andere nach Hause. In beiden Zügen fluten unsichtbar ungeheuerliche Ströme von geistiger und physischer Arbeitskraft, Energien, stark genug, um eine ganze Welt neu zu schaffen. Diese für die jüdische Freiheit und Erneuerung frei zu machen, ist Zionismus. Den einen Trost und den anderen Bekräftigung zu bringen, ist jüdische Pflicht. Weizmann hat es ausgesprochen, daß vielleicht einmal die Kutturwelt, die uns das Mandat und die Zusicherung ihrer politischen Unterstützung. gegeben hat, uns zwingen würde, diese Verpflichtung zu honorieren. Dieser Zwang wäre die furchtbarste Demütigung des gesamten Judentums, das sein Geld, seine Kenntnisse und Erfahrungen immer mit Wonne und Freude den anderen schenkt und von ihnen nur Verachtung als Dank erhält. Die beiden Wandernnc^en nach Erez Israel zu lenken, sie zu organisieren und ihre Energie den eigenen Zwecken dienstbar zu machen, ist tausendmal mehr wert, als bei den New-Aorker oder Washingtoner Hundextprozent-Antisemiten um Milderung der Quote zu betteln. Wir wollen keine Gnade, sondern Recht, und das erwirbt man und erringt man nur durch sich selbst. Ser politische Kampf in Stallen. Demission sämtlicher Minister des Kabinetts Mussolini. Umbildung der Regierung. Rom, 5. Jänner. Die liberalen Minister im Kabinett Mussolini haben ihre Demission gegeben. Es sind dies die der Gruppe Salandra angehörigen Rechtsli-beralen Ca sa t i (Unterrichtsminister) und Sarroechi (Arbeits- Minister). Infolge 'bei- ' Erklärung, die Mussolini a-m vorigen Samstag in der Kammer abgegeben hat, hat Salandra feine Demission als erster italienischer Dole g i e r t e r b e i m V ö l k e r b u n d r a t gegeben, Heute abends wurde ein amtliches Communique veröffentlicht, das besagt, naß alle Minister dem Ministerpräsidenten ihre Demission überreicht hckben, die angenommen wurde. In Parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Mussolini unverzüglich ein neues Kabinett bilden werde, in dem ungefähr die Hälfte der Sitze neu besetzt werden sotten. Die neuen Minister. R o m, 5. Jänner. (Stefani. — Amtlich.) Der König hat die D e m i s s i o n des Justizministers O v i g l i o, des Unterrichtsministers C a s a t i und des Avbeitsmmisters Sarrocchi angenommen und den Präsidenten der Kammer R o c c e zum Justiz min ist er, den Abgeordneten Prof. F e d e l e zum U n t e r r i ch t s m i n t st e r n«d den Abgeordneten und Minister ohne Portefeuille Ginr i a t i zum Minister ftir ö f f e n t l i ch e A r b e i t e n ernannt. Die Minister haben heute abends den Eid in die Hände des Königs abgelegt. MufLSsnng bev ^Jtalüt libera". Die Regierung -hat 'beschlossen, den Verein Jtalia l'ibera, besten Mitglieder Frontkämpfer sind, wegen seiner angeblichen rep n ib l i k a n i s.ch e n Tendenzen a ufz n l öse n. ' Mobilisierung der Miliz. Rom, 5. Jänner. Mussolini hatte mit idem Kommandanten der Karabinieri und >dem Chef der Sicherlheitsf wache Besprechungen. Es wurde die sofortige Mobilis i e r u n g d e r E i s e n ba h n m i li z angeordnet. Man nimmt an, daß die Kampfbereitschaft der g a nz e n M i l i z folgen ' wird, und befürchtet Z us a m nr e n st ö ß e. Die Lage wird als se h r e r n ist angesehen. Verhaftungen. Rom, 5. Jänner. Honte morgens wurde eine Reihe anGchenervegender Vevhastnngen vorgenommen. Der Journalist Camillo Ciaufarro, der Korrespondent der „Chicago Tribüne" und frühere Korrespondent der „United Preß", wurde verhaftet, ferner der Redakteur des „Nuovo Paese", Battistoni der mit dem nach Frnkreich geflüchteten Direktor >dcs Blattes, Bazzi, in Verbindung stand, «und der Korrespondent der Mailänder konmmniftischen „Unita Platoni". Camillo Ciausarvo wird beschuldigt» bonnvrchigende und tendenziöse Berichte verbreitet zu haben. Äluster 'den genannten Journalisten wurde auch der Führer der abtrünnigen Faszisten, Artuw C a >l z o B t n o, festgdnommen. Gewalttaten. Rom, ö. Jänner. Gestern abends versw reu Faszisterr, den römischen Hanptbositz der Freimaurer zu stürmen. Ihr Angriff auf das Gebäude wurde jedoch von berittenen Karabinieri znrückgcschlagen. . Infolge der Ue'bevfälle auf mehrere Albgeordnebe, die zugleich Advokaten sind, hat der Vorstand der Advokatenkammer von Bologna demissioniert. In Bveszia wurde ein Angriff der Faszisten auf das Gebäude des Popvlare Organe verhindert. Das deutsch-arische Panama. Der Sachverständigenskandal in Wöller Adorf. Mr haben in der vorigen Woche berichtet, daß die Untersuchung gegen die Wöllersdorfer Schwindler, welche mit Hilfe pflichtvergessener Beamter den österreichischen Staat um Hunderte von Milliarden betrogen haben, eingestellt werden soll. Die Ursache für dieses uner^rte Beginnen bildet der Umstand, daß der österreichische Staat mit den Gaunern «in Kompagniegeschäst ekngegangen ist und den-famosen Geschäftsfreunden Schutz vor dem Zuchthaus versprochen Ijäl. Unsere Nachricht hat naturgemäß Auffehen erregt und die Sache verzögert. Wir sind in der Lage, den Beweis zu führen, daß die behördliche Untersuchung von vornherein so angelegt war, daß eine Vertuschung leicht zu beiveckstelligen ivar. Wir werden-diesen Beweis führen, einerseits um zu verhindern, daß durch Unterdrückung des Verfahrens Österreich vor dem Ausland in schwerster Weise kompromittiert und seine Wirtschaft jedes Ansehens beraubt wird, andererseits um klarznlegen, daß die Tendenz, den Wöllersdorfer Skandal als „I u d c n p a n a m a" hinznstellen, verlogen ist. An der Wöllersdorfer Diebsasfare sind zahlreiche österreichische und deutsche Financiers und Industrielle beteiligt. Ihre Zahl ist eine sehr große, midie Barmat-Affare in Berlin, welche mit der Wöllersdorfer Sache in Verbindung steht, förderte bisher nicht genannte Namen Wiener Financiers zutage. Unter den Beteiligten sind Juden. Wir wünschen, daß sie bestraft werden und ihnen die Diebsbeute entzogen wird. Aber als die moralischen Urheber des ungeheuerlichen Betruges sind die hohen und höchsten Beamten anzusehen, welchen die Wahrung des Staatsgutes «nd des Gesetzes anvertraut ist. Es ist kein Judcnfkandal, fondenr em waschecht deutsch-arisches Panama. Zu Sachverständigen wurden vom Wiener Landesgericht die Herren Jn-genienr R o t ih ttttb Kommerzialrat B u ch w a lbestellt. Ingenieur Roth war bis zum 31. Juli 1924 Beamter -der ,-Gefia" ttö Wollersdorf. Die „Gefia" gehört zu den Firmen, welche ungeheures Material von den Wöllersdor'er Werken gekauft haben, unter audewm das ri-ssige Kraftwerk uüd dessen Keffelanlage. Der gange Wöllersdorfer Schwindel beruht darauf, daß R'iesenwerte zu Schl>euberpreisen abgegeben wurden.'Die 'Sachberstänbigen 'hatten alle die Devkaufe zu prüfen, a l s o a u ch da s Geschäft m i t de r „G esia". Da s La nbe sae r ich t hatte n u n ni ch ts besseres zu tun, als den Herrn Roth, der H i s 31. Juli 1924 i m D i e n sie de r „G e fia" «stand, am 3. August 1924, also drei Tage später, zum Sachverständigen zu bestellen und mit der Prüfung aller Geschäfte, also auch der Gesia-Geschäfte, zu betrauen. Wie sehr dem Lande'sgericht an der Person des Herrn Ingenieur Roch gelogen ivar, geht daraus hervor, d a ß H e r r R o t h zur Zeit seiner Ernennung kein beeidigte r S a ch v e r st a n «d i g e r w a r. Dem Gericht sieht eine Liste einiger Hundert beeideter SachverstäMger zur Derfiigung. Ausgerechnet Herr Roch, welcher in dieser Liste nicht vorkam, wurde mit der Untersuchung der Wöllersdorfer Affäre betraut. Allerdings bemühte man sich, diesen „'Schönheitsfehler" gntznmachen. .Herr Roch wurde nach seiner Ernennung am 8. September als Sachverstän'diger beeidigt. Während sorfft nur solche Herren beeidigt und >bestellt werben, bezüglich derer Person ein Antrag und ein Gutachten der Handelskammer vorliegt, stellen wir fest, daß im Falle Roth solcher Antrag überhaupt nicht v o r l a g. Herr Roch ist noch heute „Sachverständiger" in Wollersdorf. Dieser eine Fall genügt eigentlich zur Charakterisierung des Riesenskandals. Aber es kommt noch besser. Der zweite Sachverständige, Herr Wrirmann in Brünn. Brünn, 6. Jänner. (Tsch. P.-B.) Der Präsident der Zionistischen Woltorganisatwn Dr. Ch. Weizmann ist heute ans Prag hier cingetroffen und wird Mittwoch nach London abreisern Komnterzkalrat Buchwald, I ist im Gegensatz zu Herrn Roth wirklicher, seit vielen -Jahren beeideter Sachverständiger, anerkannter Fachmann und in keiner Weift an den Wöllersdorfer Geschäften beteiligt, also vollkommen einwandfrei. Herr Buchtva-ld ging die ihm irrr--—f WinterRSumunasverkauf zu tief reduzierten Preisen Im Warenhaus tSchiffmann coa II. Taborstraße 48 Tuluohon 47»1"78 En gros En datail