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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-05 · Heft 2111 (5.1.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2111 (5.1.1925)
Date
1925-01-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Der Getreideanbau andererseits war nicht für unsere Zwecke geeignet, weil seine Monotonie Einkärmigkeit nicht der jüdischen Mentalität entsprach und weil der kloine N 'ben. den er in Palästina abivarf, nicht genügte, mn das Eriheu^ minim um von Menschen zu decken, die an einen europäischen Lcbensstandard gewöhnt waren. Es war daher nötig, nach n e u e n M e g e n zn suchen, um das Problem zn lösen. Die während der letzten fünfzehn Jahre der Siedlnugsarbeit mühsam errungenen Erkenntnisse n'nd ihre praktische Auswertung mögen wie folgt zus'ammengefaßt werden: 1. Es wurde grundsätzlich eingeführt, daß jeder Siedlung eine Sanierung der Gegend vorangehen muß. 2. Die Wasserversorgung durch Anlage von Wasserleitungen in den Häusern der Siedler gilt jetzt als ein wesentlicher Teil der Einrichtung. 3. Jede neue Siedlung ist mit der nächsten Eisenb a h n st a t i o n durch Chausseen, verbunden. 4. Jede Siedlung wird nach einem wissenschaftlich durchgearbeiteten Plan in .Harmonie mit dem LandschaftMld angelegt. 5. In oder bei jeder Siedlung wevden Wälder angopslanzt. 6. Die Errichtung kleiner Siedlungen wird.vermieden. Der Plan für di« Kolonien wird so angelegt, daß er die Ansetzung von mindestens 80 bis 100 Familien vorsieht. 7. Gute Milchkuhrasfen wurden aus Damaskus und Holland eingesührt. 8. Gute Geflügelrassen wurden aus Amerika' und Europa eingefuhrt. 9. Neue Arten von Fruchtbäumen und Tafeltrauben wurden aus Europa eingesührt. 10. Die Kultur von Luzerne, Sndangras und anderen Futterpflanzen wurde gefördert. 11. Die Handelsgärtnerei wurde angeregt. 12. Der Verkauf von Molkerei- und Gartnereiprodukten wurde organisiert. 13. Eine landwirtschaftliche Versuchsstation, der ausgedehnt« Terrains in verschiedenen, zwei Skizzen aus dem neue« Palästina. Bon Dr. Josef Silvermann lNew-Aork). Die beste Investierung. Ich besuchte eine Roche der orst kürzlich in Judäa richteten Siedlungen Sie tauchen plötzlich mit ihren Waldftecken, ihren sauberen Feldern mzd Hcmsem cnls der Landschaft auf, wie Oaen tot der Wüste und für mich bvinahe wie Luft» spiogol'ungen; denn es haslok ihrem Vorhandensein doch etwas RätsoHa.ites. UmvirNch-eS an. Dennoch sie sind WiMchkvft mit ihren Fruchtplan vagen, WeizenscDeru, Gärten, Bienenstöcken mid GeiMgolhösen, mit ihren s«onn«ngchräMten, schwer arbeilteniden Männern nnd Framn und ihren herrlichen Kindern. Welcher Kontrast Pr den verfallenen, schmutzigen Hütten der benachbarten Ara.berdö ser! Die Irtden haben alle Echmdmigen und alles Wissen der modernen Landwirtschaft nach Palästina gebracht, dchnunter den Traktor, di« Kunst der Trockenbewirtscha 1 tung asm. Ich stand aus hM Hügel pharhM der Kolonie, welche DM genannt wich oder Kirsach Anamim (die Saat der Weinberge), ein kleines Dorf Mt einer v«ngesä-hr hunidyrtköpsigen Bev-ölkernitg. hie als eine mim Genossenschaft arbeftst Im Westen sicht man Mizäh, eine ander« jüdcische Siedlung, werter unten die Hiigol von Je-- vusczlWN, int Norden di« rahlen ft'idi'chen Steüchngol, die zu hem südlichen Gartanstädtchen oinen mächtigen Kontrast bilden. Ich bin ,'onst Lei« Dagträlvmer, ober Hier kannte ich die! Vision nicht 'Mttckldrängen, wi« da» Land Mt »sehen würde, Wenn sich durch Z»:,k>rrkvast die jüdiscl>en Si.-dlumgeu strecke«, bi» das gan-ze GHiol ainr yi«NM leuchtende Fläche Grün würde, mi-t idem-dazwischen -evstreutm Weiß der Hütten und If**«* f»* N,„„ p.u/,..,,vr, wichtigen Kolonien zur Verfügung gestellt »wurden, wurde eingerichtet. 14. Den Kolonisten wurde Unterstützung durch den Rat landwirtschaftlicher Instruktoren und Spezialisten gewährt. Io. Die Büchcr der Siedlungen wevden durch u mherrei sende Buchhalter kontrolliert. 16. Die landwirtschaftliche Ausbildung von Mälchen wurde organisiert. Diese Liste wäre nicht vollständig, wenn nicht der große Fortschritt Erträhnung finden würde, der in der Aupassnug der Mentalität der Kolonisten an die landwirtschaftlich!: Arbeit gemacht wurde: An Stelle des liosen Kontaktes, der in den alten Kolonien Mischen den Siedlern und der Landwirtschaft bestand, beseelt die Siedler jetzt eine wirkliche Hingabe an die Arbeit. Bor fünfzehn Jahren gab es kaum etwas Milch und kein Gemüse in den jüdischen Kolonien. Heute kann man sie in jeder Siedlung finden. In immer steigendem Maße herben die Siedler sich landwirtschaftliche Erfahrungen und Sinn für wirtschaftliche Betriobkführung angeeignet. In den neuen Siedlungen gibt eS eine recht beträchtliche Anzahl von Farmern, die der Landwirtschaft jedes Landes Ehre machen würden. Vor fünfzehn Jahren konnten die Leute, die landwirtschaftliche Arbeit liebten und verstanden, noch nach Dutzenden gezählt werden, heute gibt es Taufende bctaon. Trotz dieser Zweifellos großen Fortschritte wäre es selibstverständlich ganz und gar falsch, wenn wir uns e'mbilden wollten, daß wir bereits nahe dem Stadium der Vollendung sind. Jahre, vielleicht Jahrzehnte werden vergehen, bevor wir sagen können, daß wir unser Ziel erreicht haben. Die L'ndwirtschast ist in der ganzen Welt gegenwärtig in einer schwierigen Situation, u-nd die jüc'He Kolonisation in Palästina wird sich in ihrem Wettbewerb mit anderen Ländern natürlich dauernd neuen Problemen gegemidersehen. Die Menschen werden überall einen harten Kampf mit dem Boden führen müssen. Darüber hinaus wevden die jüdischen Kolonisten dauernd der großen Versuchung ausgesetzt sein, die nationalen Gesichtspunkte ihrer Arbeit uns Rücksicht auf ihr individuelles Wohlergehen zu vernachlässigen. Wir müssen damit rechnen, daß auf Jahre hinaus dieser Konflikt zwischen individuellem und nationalem Interesse andauern wird, und wir müssen Maßnahmen treffen, um die Präponderanq des letztgenannten zu sichern. Wir sind daher noch weit von dem Stadium entfernt, in dem uns das Schicksal der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina keine Sorge n zu machen braucht. Die jünakten BodenkSufe des Mischen Rationalfonds im Emek. Der Emek ist der Stolz des jungen Creg Israel. Noch vor Boginn »der großen Aktion des Keren Kcrjomoth l'Isvael jut Aufbringung von 500.000 Pfund hat der Keren Kcrjemetih l'Jsvael seine Arbeit des verflossenen jüdischen Jahves durch die vertragliche Abmachung über den Kauf von neuen 99.000 Dunam im Cmek Jefreel gekrönt. Die Uebertragung einiger Teile dieses neuen Kaufeauf den Namen des Keren Kajemeth l'Jsrael ist bereits vollzogen. Ein TeA dieses ES ist keine Zauberkraft da. Der Prozeß geht sehr langsam, schmerzhaft langsam für den ungeduldigen Hellseher, vor sich. Ich wünschte, ich wüßte ein Mittel, ihn zu beschleunigen. Di« meisten Leute in den kleineren Kolonien sind ehemalige Chaluzim, die tot den ersten paar Jahren bei Straßenibau und Eulsumpfutigeit geartoefttet halben. ,M>« haben Sie sich als Farmer niedeulasson können," fragte -ich. Sie antworteten: „Wir haben uns nicht fovbstämd'rg angesisdebt, wir wurden angesiedelt Der Natt onalsondS gab unS den Boden Mcd für das UeEwige: Häut'er, Mach-iuen, Geräte, Damen, Dünger, Deibcniulventar <u>fw., müssen wir dem Keren Hajeffod danken." Ich erfuhr, daß sie »das Land nicht als Grgengut bekonmven hatten» föndern m Pacht, da daS dem Ijidischen Nat.ionassonds gehörende Land «Nicht veräußert werden darl. Md wa» sie vom Keren Hchessod erhalten haben, ist chn DarbHen auf sehr lange Frist. Sie «denken schc>u an die Zeit, da sie sich all «ihrer Schu>'den entkl-edigsn werden. „Na fa," meinte ein junger Bursche «mit bi-t^eram Auflachen, ,chas Mische Post steckt sein Geld tot uns. Halten Sie ««8 sür e«»ne gute Jnvesti eru«g?" „Die beste. d«re jemals d>ie Juden als Ges«a«mtheit gemacht haben," erwiderte 'ich kleintlant . .. Das Tal de« Leistung. DaL kleiu'e Lä-ndchen Pcvlästma, »di«eser Landstrich von ton? srucht>ba.vrn, «tot der Sonne gedörrten Hügeln und Ebenen, vom auSWwocknerdon Sümpfen und zn bewässernden Wüsteneien, ist wie eine mächtig Lint'e, Hie die tiessten Svhn'üchte u«nd Hoffnu'N'gVN des jüdiichen Volkes in einen Bre.nnp.:«kte sammelt. Das jijdische Lehen hier ist e:n M gepffawjieT Baum, der sich bangfam, mteniwsgt, nnauhciÄsam auSbreitrt. E» drhngt mich, da» nled.srMchroüben. nachdem ich emigs dsr jüngsten jüdischen DtodlunR» ton' Tale Jesreel besucht We. Gto sind fast olle erst seit »dem Jahve jM ««'standen, eücka ein Dvdeub DiMm'W«. Hie -v-ten «ms Äeben^ qtt B«K)cus in N n r i s wird Ptr Vergrößerung der dorligen Siedlungspunlte dienen. Der Komplex -zwischen Merchawia und N a h a l a l ist zur Gründung nei'er Tiedlungen bestimmt. Ter Bodenbesitz des Keren Kajemeth l'Israel im Emek erreicht jetzt 117.000 Tunam. Der Gesamtbodeubesitz des Keren Kajemeth l'Israel zirka 160.000 Dunam. Der neue Kauf im Emek ist in vieler Hinsicht dem ersten Kauf im Jahre 1021 ähnlich Damals wie jehk stand di« Zio- ' nistische Organisation oor der traurigen Tatsache, daß Boden , für neue Siedlungen fehlt«. Inzwischen aber sind drei Jahve i energis^'^r Arbeit verstrichen. Me'-rehn neue Siedlungen im Emek wurden gegvinrdet. Heute hat der Keren Kajemeth | l'Israel nrehr Mut, mit der Parole der Erwerbung großer Bodenflächen vo daS Volk zu treten. Der jüngste Kauf muß den Anstoß zrrr Sanimlung aller Kräfte geben, um dem Keren Kajemeth l'Jsrael den Erwerb von 100.000 Dunam zu ermögl'ichen. PaMrueMche Lebensfragen. Der Hafenbau. — Verständigung mit den Arabern. Der High Condmiffioner Sir Her«bert Samuel besuchte, wie schon berichtet, eine Reihe der wichtigsten Zentren Palästinas. In Haifa eurpfing er eine Abordnung der Dtadtbovölkevung, die ihm unter Hinweis ans den seinerzei-tigen Bericht deS Ing. Palmer cmr die Zentralregierung m London die Notiwrndigleit der Errichtung eines modernen Hafens in Haisa auseinandersetzte. Herbert Samuel versicherte der Abordnung, daß der Bau des Häsens in Haifa in kurzer Zeit in Angriff genommen werden soll. Samuel stattete auch em«er Anzahl inldustrieller Unternehnvungon Haifas einen Besuch ab. Zu seiner Besichti«gung des Rut enbergschen Elektr izttälswerkeS, das jetzt in Haifa gebaut wird, schreiben die Londoner „Times": „Es ist bezeichnend, daß bei diesem Bau Juden nnd Araber in gleicher Weise beischäftigt sind, und zwar die evsteren meistens für qnabifizierte nnd die letzteren für ungualvfizierte Arbeit. Dolche Fälle im Verbindung mit mehreren Beispielen, wo Angehörige der beiden Völker sich zu gem-emsamen GeschäftsnntevnchMNN« gen, wie Zigavettenfabrikaticm oder Ovangenpflanzungen, vereinigt häben, sind znm«indest eine ermutigende Hoffnung aus ein künftiger wivVschastlicheS Zusammengehen, und stehen in direktem Gegensatz zu der dauernden, hartnäckigen Weigerung der politischen Führer, sich auf Kompromisse einzulassen." (Ziko.) Die Novembereinob'nge des Keren Haieffod. Die Bareingänge deS Keren Hajessod im November betrugen rund 86.000 Pfund. Besonders erfreulich ist, daß in diesem Monat alle Lander an dieser Leistung teil haben. Zu dies«em Betrag trugen die Vevei-nigren Staaten von Amerika etwas weniger als die Hälfte bei, da di« dortige neue Kampagne noch nicht eingesetzt hat; die größeren Eingänge aus Europa und anderen außereuropäischen Ländern haben bewirkt, daß trotzdem der durchschnitMche MonatSeingang erzielt , wurde. Polen ÄberkvieS nt diesem Monat z. B. 4800 Pfund. Südafrika sandte auch in diesem Monat mit gewohnter Treue seinen monatlichen Beitrag, der dieSnial 4200 Pfu>nd ausmacht. Zum ersten Male seit langer Zeit nimmt England unter den zum Keren Haj«essod.beitragenden Ländern einen Ehrenplatz «in mit 4000 Pfund. der Nationassonds diese «große Landstrecke von 16.000 efcey 20.000 Acres kaufte, als die Chaluzim kamen und die Sümpfe auStrockneten und als der Keren Hajes»'od «imstande war, sür die Ervichtu'ng von Häusern nnd Scheunen, für den Ankauf von Maschinen, von Lebendinventar und anderen nötiigeut Dingen Gold vorzustoecken Diese Emek-Stedluugen, wie man sie nennt, sind die erste Fmcht des neuen Regimes unter dem - britischen Mandat. Nach außen hin bieten sie einen außergeivöhnl'ichen ArüMck, nicht immer angenchm für das Au^ge, eher geschäftsmäßig -veal. Da ist'K f a r E z e ch iel mit seiner Menge Hütten, Ställe, Scheunen «und seinen sechzig Farmen, die sich mit «ihren Guikalyptus-, Lein-, Orangen», Feigen- und Apvikosenanlagen und chren Milchhäusern nach allen Richt>u«wgen ausdehnen. Da ist B a l f o u r «i a, die „AmevilVaner" -Kolonie, mit ihrer Reihe weiß getünchter kleiner Häuser und chren grünen, schrägen, ton Sonnenlicht leuchtenden Dächern. Da ist Nahalal mit ifvüven Häu'erzeilen, die wie Speichen eines RadeS strahlenförmig vm «der Mvtte der Kolonie ausgebaut sind und an emon Bienenstock ermrtern Es ist köstlich, di« Mäunar und Frauen auf den Foldern zu sehen und die frischen Kmderftilnvnvon aus »den Alasscnräumen der Schule zu hören. Ein Gefühl der Ungsduild übet«rom'ini den Bes«ucher beton Anhilick des Gegensatzes zwischen dem Mhenden Neuen tmd dem trostlosen Allten. M«ie lange," fragte «ich,,-braucht es, bis das ichri«ge Enrek und das ganz« übrige Palästina mft Kfttt Ezechiels, BallfouviaL tbrck N«ahalals bedeckt jeim wird?" ,^ch fekbst war auch ungeidu'Mg," sagt« mein Wirt, „che ich mich hi«vr «rviedevließ Jetzt hin ich vollbonrmvn ruhig. Jedweder Tag brin«g!l ferne AvhoilKgs'chichte, und ich weiß, daß man nur vineS machen kann j~ tue Ausgabe restlos sLfüllon. Asses andere wird von selber werden." DlK'er neu« Siedler hat schon die spvichwö;Mche Geduld der allten Landwirte angenommen!

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