Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2109 (3.1.1925)
- Date
- 1925-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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ffaign 20uronrt Wien: Zorn Abholen in der Effkedition. II. Taborbtr. 1*3* oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverknuf m Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez„ Wollzeile 11 Mit Postveraand für Wien v. Oesterr. monatl. K 40.000 K Taehech o-SIowikei Men. K 20. jugoalawien; Mon. DinaröO. Polen: Mon. 3*/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r ankr., Belgien: Mon. Frei. 15 MT Nttktaklitifei “WB W Pwli«Mktiin«ii vorbetiiltm Wiener orgenmlung Sr. 2189 Das jüdische Aufbauwerk. Von Dr. Chakm Weizmann. Präsident Weizmann gewährte gestem emvm unserer Mitarbeiter eine Unterredung, die wir im folgenden wiedergeben: Dir stehen mitten in schtverer Arbeit, die von jetzt ab, wie ich hoffe, systematisch und regelmäßig vor sich f hen wird. Unsere Tätigkeit in Palästina in größerem til datiert feit 1920. Sie ist also ungefähr fünf Jahre M und hat in diesem breiteren Ausmaß in dem Augenblick begonnen, in welchem eine zivile Administration in Palästina eingesetzt wurde. Unsere Arbeit steht auf drei Grundlagen und sie verteilt sich demgemäß auf drei verschiedene Gebiete: Auf die rein kolonisatorische Tätigkeit, womit Einwanderung und Landevwerb zusammenhängt, auf die Jugenderziehung und das Gebiet der öffentlichen Wohlfahrt. Was das kolonisatorische ^Gebiet anbetvifft, so hat die Zionistische Organisation eine systematische Bodenerwerbsaltion erst seit der Balfour-DeKaration durchführen können. Wir halben 43 neue Siedlungen geschaffen und einige von diesen sind schon auf dem Weg zur vollen Selbständigkeit, so daß sie bald auf unsere Unterstützung nicht mehr angewiesen sein werden. Wir können sie im nächsten Jahre von unserer Budgetliste streichen. Wir habpn den neuen Typus des jüdischen Bauern geschaffen. Alles, was sich um die SiMungen gruppiert, wie Häuserbauten, Straßen, Umwandlung des Brachlandes in Anbauland, alles, was als moderne Siedlung angespröchen werden kann, das hat die jüdische Arbeit von Anfang bis Ende geschaffen,. der Pionier, der'Unter Verzicht auf alle AnneMMchEeiten des kulturellen Lebens nur seinem nationalen. Realismus und seinem felsenfesten Glauben an die Kraft des jüdischen Volkes sich hingibt. Dieser Pionier hat es zuwege gebracht, daß die seit Jahrhunderten versumpften Gegenden zu Städten und blühenden Siedlungen geworden sind. Das ganze moderne jüdische Palästina ist das Werk dieser Chalrrzim. Die hebräische Erziehung, der zweite Teil unserer Aufgabe, ist in voller Entwicklung. Der Verkehr mit der Außenwelt und auch der innere Verkehr sind hebräisch. Die junge Generation spricht und lebt in dieser Sprache. Von den 14.000 jüdischen schulpflichtigen Kindern sind über 11.000 in unserem Schulwerk vereinigt, das sich vom Kindergarten bis zur Universität erstreckt. Es hat derzeit noch seine Spitze in dem Technikum in Haifa und wird seine Vollendung in der Universität auf dem SkopuSberg erhalten, deren feierliche Eröffnung im April erfolgen wird. Unser Wohlfahrtswerk wurde im Jahre 1918 mit der Einreise der amerikanischen jüdiscb-medizinischen Vereinigung begründet. Es war dies zunäcknst nur eine militärische Zweckinstitutton, die dem blutenden, gemarterten Land nach dom Krieg die erste Hilfe leisten sollte. Nach und nach faßte sie Wurzel. Das Sanitätswesen ist reich verzweigt. Es . sind alle Vorbereitungen getroffen, um fiir die Einwanderer und für die Kinderpflege zu sorgen. Der Kampf gegen die Malaria und die anderen Volksküchen ist mit Erfolg gefü hrt worden. In den Spitälern werden Juden, Christen und Mohammedaner mit gleicher Sorgfalt. behandelt und diese scheinbar kleine Tatsacb-e trägt viel mehr zur -Herstellung «gutnachbarlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern bei, als irgendeine Mion einer politischen Behörde. Die Ziffern und Berichte, die wir in unserem Memorandum der Mandatskommission unterbreitet baben, sind heute aller Welt bekannt. Sie betreffen hauptsächlich die Einwanderung, die bis vor einem halben Jahr auf durchschnittlich 600 bis 800 jüdische Personen sich bezifferte. Es war dies eine streng ausgewählte und kontrollierte Immigration. In der letzten Zeit ist die Einwandevungskurve angestiegen und wir müssen mit einer Relation rechnen, hie im Durchschnitt auf 2000 Personen monatlich ansteigt. Diese neue Einwandcr'ung besteht zu einem kleinen Teil noch aus Pionieren. Achtzig Prozent sind aber schon Leute aus dem unteren Mittelstand, bei denen Abstoßung und Anziehung zu dem Effekt der Einwanderung nach Palästina führen. Sie verfügen über einiges Kapital, über Beruf und Ersah- Sie». Samstag. 3. Sinnet 1928 England: Mon,4Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon.301 ewa, Lehar eia und da» übrige Ansland monatlich Fres. 4» Redaktion o. Administration Wien, II., Taborstt*. 1—3 Telephone: 44*0-38,45-3-19, AS6Uhr abda. 21 102.25-282 IX. Univeraitätsstrasae 5—8 (Druckerei Steinmann) Oesterr eichlsehes Postspar* kassen» Konto Nr. 150.608 7. Sfafiwong Bor der Eröffnung des Reichstages. Ein unabhängiges Geschäftsministekium. Berlin, 2. Jänüer. Obzwar der neue Reichstag bereits in drei Tagen seine erste Sitzung abhalten wird, herrschte heute im Reichstagsgebäude noch völlige Ruhe. Bon d'.L eben wieder aufgenommenen Verhandlungen zur Regierungsbildung war im Reichstag wenig zu hören. Die Lösung der Krise wird jetzt in der Bildung eines von den Parteien und Frattouen losgelösten „unabhängigen" Ges chäftsmi niste rium's gesucht. In d'eses Kabinett würde die Mehrzahl der bisherigen Reichsmmister übernommen werden, so daß e's sich nur um eine Ergänzung des gegenwärtigen Kabinetts durch Besetzung jener Portefeuilles handelt, die bereits frei sind, wie das Justiz- und das Verkehrsministerium sowie jener Portefeuilles, die bei einer Neubildung der Regierung unter allen Umständen frei würden, nämlich des I n n e nministeriums und des, WirtschastsminPeriums. Die Auswahl der Persönlichkeiten'für diese vier Ministerien werde dem Kanzler die Möglichkeit geben, den Charakter seines Kabinetts als eines Geschäftsmin st e r i u m s zu unterstreichen' und auch den Flügelparteien die Unterstützung des neuen Kabinetts, das die bisherige Politik fortführen soll, zu erleichtern. Das Kabinett würde unter Führung M a r x' und S t r e s e m a n n § bleiben. Dem „Lokalanzeiger" zufolge ist jedoch nach Mitteilungen aus der Umgebung des Kanzlers die Frage der Reg kerrmg8brldung"-n o ch n-i ch ftitl? Man - habe da* 'scheinend die Absicht, zunächst die Ankunft der N o te de r rung und wollen alles für die,' Prodükttvierung ' des Landes einsetzen. Bis. heute hat sich die Absorptionsfähigkeit des Landes klaglos bewährt. Die Arbeitslosigkeit, die noch knapp vor einem Jahr 2500 Personen betraf, ist trotz der großen Einwanderung bis auf 250 zurückgegangen. Ich will kein allzu optimistisches Bild gelben und ich will Nicht sagen, daß dieser Aufstieg' derCinwanderung ununterbrochen anhalten wird. Es ist möglich, daß Rückschläge und Krisen eintreten werden. Aber man darf doch sagen, daß der Zustrom dieser produktiven Elemente die Absorptionsfähigkeit des Landes steigert. Man merkt dies an dem. Entstehen und Anwachsen von Industrie- Unternehmungen, die noch vor zwei Jahren gar 'nicht existierten. Es ist eine fast normale, wirtschaftliche Entwicklung eingetreten, die gewiß auch angesichts der Weltverhältnisse nicht ohne Schattenseiten ist. Aber die Juden kormnen ins Land. Sechzig Prozent der Einwanderer kommen aus den östlichen Ländern, aus Polen, Rumänien und der Ukraine, etwa siins Prozent aus den westeuropäischen Ländern und aus Amerika, 35 Prozent aus den orientalischen Ländern,, aus Mesopotamien, Marokko, Tunis, Arabien, Persien ustv., Elemente, die für das Aufbauwerk von ungeheurer Bedeutung sind. Sie sind bedürfnislos, beherrschen die Spräche und die Lebensgewohnheiten der Araber und sind die richtigen Vermittler Kvischen dem europäischen und dem orientalischen Wesen. Vom zionistischen Standpunkt aus halten wir das Aufbanwerk für den Beginn einer großzügigen und großherzigen Lösung der so lange schmerzlich empfundenen Judenfrage und wir hoffen, daß auch die nichtjüdische Welt, vor allein der Völkerbund, unsere Frage auch in diesem Sinne auffassen werden. Es hat im Völkerbund eine Behandlung unserer Tätigkeit stattgefunden und wir sind mit dom Resultat durchaus nicht zufrieden. Wir sehen aber ein, daß das Mandat mit allen seinen Schwierigkeiten auch dem Völkerbund, gewisse Schwierigkeiten bereitet, die durch die Intensivierung unserer Arbeit, wie ich hoffe, verschwinden werden und daß wir dann mehr Verstäitdnis in der großen Oeffentüchkeit finden werden. Wir verhehlen uns nicht, daß noch große Schwierigkeiten bevorstehen, aber sie sind nur dadurch zu beseitigen, daß wir unsere Arbeit in Palästina wie bisher im Geiste friedlichen Fortschritts weiterführen. Die ansteigende Einwanderung des Judentums ist uns eine Gewähr ftir Botschafterkonferenz abguwarten. Wann drest eintreffen werde, sei selbst in der unmittelbaren Umgebung des Kanzlers unbekannt. Man rechne jedoch mit ihrem Eintreffen um den 6. d. Das weitere Vorgehen werde dann von dem Inhalt der Note abhüngen. Trotzdem werden schon die Namen für die Besetzung der Miniistevposten ge* nannt, wobei auffallendertveise deutfchnational^ Namen nicht erwähnt werden. Präsident Ebert hat heute Dr. Marx beauftragtmit den Parteien neuerlich Fühlung zu nehmen. Eine irreguläre Reichswehr? Berlin, 2. Jänner. Wie die am Mittags meldet, wird der der interalliierten Militärkontroll* kommission zugeteilte französische General R o x t e, aus den'die Mehrzahl der Behauptungen über deutsche Abrüstungs Verfehlungen zurückzuführen sei, morgen einen weiteren Bericht an die. Botschafterkonferenz nach Paris senden, in dem behauptet wird, die Reichswehr unterhalte ungezählte g e h e i w e R ekrutierungsbureaus mit vollständigen Kontrolllisten einer geheimen irregulären Armee und bilde alle drei Monate 120.000 Zeitfreiwillige als irreguläre Reichswehrniannschaft aus. Als Beweis hierfür werde in dem Bericht angeführt, daß die Reichswehr fortwährend lohne zureicherwen Grund i hr % May ns Haften wechsle. die Zukunst und ich glaube, daß im Verlauf unserer Arbeit auch die Reibungen zwischen Ms und den Araber w, die sehr stark übertrieben werden, sich vermindern Werden. Wir werden zu einem vollen Zusammenwirken mit den Arabern gelangen, das wird durch die Arbeit geschehen. Ohne 'zu optimistisch zu sein, glaube ich, daß bte Propaganda, die gegen uns betrieben wird, durch die intensivste Förderung'unseres Aufbauwerkes im Lande abgeschwächt tverden wird. Es ist ein großes Werk, das wir zu vollführeu haben, es ist voll von. Schwierigkeiten, fast einzig in der Geschichte. Ein zerstreutes Volk aus aller Herren Länder soll in seinem Land zusammengezogen werden, Elemente,, die vielleicht auch ohne Tradition für die Tätigkeit sind, die ihrer wartet, sollen zu einem großen Ziel auf eine Linie gebracht werden. Das sind schwere Bedingungen in einer schweren Zeit. Die Zeit ist nicht nur für uns, sondern ftir die ganze Menschheit voll von Problemen, die fast unlösbar scheinen. Trotzdem über gibt unsere Arbeit schon jetzt ein sehr ansehnliches Bild, zumal wir sie mit ganz unorganisierten Finanzen zu leisten haben. Wir geben in Palästina im Jahre fast dreivievtel Millionen englische. Pfund aus. Das ist das Budget eines kleinen Staates und wir haben keine Staatsgewalt. Wir erhalten unser Merk a-üs freiwilligen Beiträgen, find auf freiwillige Mitarbeit, angewiesen und stehen so immer größeren Anforderungen gegenüber. Mer wir sehen, daß in den breiten Schichten der fülbl* schen Gesellschaft das Verständnis und mit ihm das Pflichtgefühl wächst. Das konnte ich am besten in Amerika sehen, wo die größte und finanziell stärkste jüdische Gemeinschaft lebt. Kreise, die uns bisher fern standen, schließen sich mit großem Opfermut unserer Arbeit an. Ich hoffe auf die baldige Begründung des im Mandats- Vertrag vorgesehenen Instrumentes der Jewffh Agency als Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte, die sich um die Zionistische Organisation gruppieren, die das Zentrum und die Kerntruppe des ganzen Werkes ist. Die Ansätze und Vorbereitungen sirw schon geschaffen. Auf unserer. vierten Amerikareise, die Ende Dieses Monats stattfindet, hoffe ich, daß wir die Grundsteinlegung der Jewijih Agency vollenden werden. Ich glaube und hoffe, daß dies einen weiteren Fortschritt für unsere Arbeit in Palästina bedeuten wird und ich bin überzeugt, daß auch das österreichische Judentum die Möglichkeiten zum Anschluß wahrnehmen wird. Winter-RSumungiverkauffs xu tlet reduzierten Preisen Im Warenhaus [Schiffmann mumm II. Taborstraße 48 ▼olonhon 47-1-70 ln grot ln Mail i