Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2106 (31.12.1924)
- Date
- 1924-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPbibb iOgromi Wien: Zum Abholen in dar Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einefVerachleiastelle STrafik) monatl. K 40.000 trassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, l»Bez. Wollzeile IV Mit Poatversand für Wien i. Öesterr. monatl. K 40.00t Tachecbo-SIowa.V.ei , Mon. K 20. Jugoslawien. Mon. DinaröO. Polen: Mon., 3*/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Pres. 15 teuer Nachzahl un;aa *Vfll bei Praiaerhühunveii Vorbehalte» | Frei*» K l4QO| England: Mon.4Schilling, Italien: Monatl. 15 I ire, Rn man ien Moq.1501 ei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz and das übrige Ansland monatlich Frei. 4. Redaktion o. Administration j Wien. II., Tabdwtr.t—Sl Telephone: 44-U-3b,43»3-19, J Ahöühr abds. 21-102.25-282 j DC. Universitatsstrasse 6—81 (Druckerei Stemmann) : Oesterreichisches Postspar1 kacaen-Konto Nr. 150.69$ Nr. 2106 Me«. Mittwoch. ZI. Serembrr IM k.5!M«auk Sar Verfahren gegen die Wöllersdorser Verbrecher eingestellt. Wie wir erfahren, soll heute das S t r a fv e r f a h r e n len die Wo l l e r s d o r f.e r Schwindle r, welche den österreichischen Staat um Hunderte von Milliarden betrogen haben, eingestellt werden. Wir haben erst vor wenigen Togen dazu Stellung genommen, daß der deutsch-arisch regierte österreichische Bundesstaat, der jüdische Studenten, jüdische Kleingewerbetreibende schikaniert, keine« Anstand nimmt, mit berüchtigte« Schwindlern jüdischer Abstammung ein Kompaaniegeschäft zu machen. Zur. Perfektionierung dieses Geschäftes war es wohl notwendig, die Herren Kompagnons" vor dem Gerichtssaal «nd dem Zuchthaus zu bewahren. Die Einstellung des Strafverfahrens war also zu erwarten. Aber wenn gewisse Kreise der Regierung ein. Interesse daran haben, daß üher „Wöllersdat f" geschwiegen wird, so hat speziell die jüdische Bevölkerung daS größte Interesse daran, Latz gesprochen wird, und zwar mit aller Deutlichkeit und Schärfe. Hat man sich doch bemüht, aus der Wöllersdorser Sache eine „Judensache" zu machen! Wie liegt der Fall tatsächlich? Einige Pdische Schieber, fromme, getaufte und h-lbgetauste, habe« gestohlen. Das Judentum ist an -jesen Individuen absolut nicht interessiert. Die Spießgesellen aber, die Leute, ohne deren teuer bezahlte Mitwirkung, ohne deren Schntz die Schieber nicht hatten stehlen können, sind. Zirden der deutsch-arischen Gesellschaft, Beamte in dm höchsten Stellungen, politische Größe» und «och heute Hüter des Gesetzes und der Ordnung!. Ist.das nicht ei« deutsch-arisches Panama? Die Einstellung des Strasverfabrens gibt nunmehr die Möglichkeit offenster Aussprache. Wir werden sie pflegen, denn die jüdische Bevölkerung hat nicht den Wunsch, daß Diebe, loeil sie-jüdischer Abstammung find, geschützt werden. Sie hat aber das größte Interesse daran, daß ihr nicht eine Verantwortung zugeschoben wird, lvelche voll und ganz von jener deutscharischen Gesellschaft getragen werden muß, welche diesen; Staat mit hohen und höchsten Beamten, mit Diebeshelferu versorgt.., - ,/ ‘ - — tzinberulung des Kür den 5. Jtznner. ernb erufe.y--tvorden. Ob bis 'dahin die . Veiten, die der Neubildung der Regierung entgegenstehen, überwunden werden können,. läßt sich' nicht voraussehen.' Auch der p r e u ß i s ch e L and t a g lmrrde aus den 5. Jänner einbrrufen. - Die Note öber die Muer Zone. Die Räumung nicht zu rechtfertigen. — Vor- ' läufiger Charakter der Note. London, 30. Dezember. Das Reutersche Bureau erfährt, daß die van der Botschafterkonsevenz entworfene Note an die deutsche Regierung^ deren Gvundliage die Er- Aävirng bildet, daß, so weit es die augenblicktichrn Au-: Zeichen Vevmutm laffen, die R äu mu ng der Kölner Zone am 10. Jänner nicht ,zu rechtfertigen' sei, den beterligten alli i erte n Reg i erängen zur Hm-: jung vorgelegt worden sei.. Es. sei möglich,.' daß A bändern n g e n notwendig seien und. daß die Wie daher morgen noch nlcht abges.an dt werden' könne. Es sei indessen sicher, ' daß die BotschaftevkmffeveNz die Note namens der Regierungen in ihrer-Gefamcheit abschickt oder daß mehrere gleichlautende Noten von verschiedMen Botschaftern überreicht werden. Jedenfalls werde die Note mehr oder weniger ' vorläufigen Charakter haben. ' : ' ' ' In einer zweiten Note werde.dämr die allgemeine Haltung derAllirerten hirvsichtlich der. Frage der ehrlichen Ausführung , des- FriedenZvertrages durch Deutschland davgelegt. Die letzten Waffenentdeckungen in Deutschland. Paris, 29. .Dezember. .. (Ha-Vas.) ^Jm Verlaufe der gestrigen .Kanrmerbevatmug über die Interpellationen bet-Lsfend die Verfolgung des „Eclair" gab Kriegsminister Rollet eine historische Darstellung der Kontrollo p e r a t i o n e u t jt Deutschland und. erinnerte an .die letzten W.asfenentd'eckung^n, die die Bot- . schafterkonfevenz zur Feiftstelluidg - bestunurt . haben, daß Den ts ch la n.d' nicht, die.. Bie'.L.L n g u ng e n e rf ü l l k h a b e, die. b ic Räuntung von, Köln am 10. Jänner ^errnöglichen würderr. . , _1; Keine gleichzeitige Räumung Kölns und der ■;: Rühr. Paris, 30. Dezember. (HavaZ.) In französischen diplomatischen Kreisen .ist von der seitens, der englischen Presse der a m erikan ischen Regierung zugoschriebenen Absicht, den Wunsch, ansznsprechen,- daß.; die. Alliierten und Deutschland, zu. einem K o mp r o m-i ß bozügjlich Kölns ^gelaMn^mögen,.nichts bekannt.,-Richts gestatte die H er r ro t- und C ha m b e r- EiMernchmen zustande gekomdes Ruhr- ... „ vomMln, **%}**&(■ ■■ BelharchtÄng, da ß lat n ein uren sei, um die-> . Offizielles Dementi ans Washington.; London, 30. Dezember. (Tel.^Kchnp.j Wie der WaMngtoner Korrespondent des. „Daily Chvonicle" berichtet, - hat das a. me r i k a n i sch eAuß ena mt offiziell die.Nachricht deme nti-ert, . wonach ' die Mremigten Staaten eine bestimmte Haltung in der Frage des Kölner Pvobloms ckngenömmttt' hatten'.Staatssekretär Hughes habe dem deutschen Botschaster W i e d f e 5 d t erklärt, daß A-Mrika. nicht daran detÄe> in den sMnwartigen Ko»-. Mt der Aüiicrten mit Deutschland einzugreifen. Was Stresemänn zu sagen hat. Berlin, M Dezember. .Reichsaußenminister Dosttor .S t re se.m a'n n -hat.'heute, in einer. Presiekonserenz der attMMscheit Korrespondenten über die, Frage der Räumung Kölns' unter anderem evllärt: Das Nichtzustandekommen.einer Verständigung über die Räumungsfrage n-nd der etwaige Ausspvuä) des Gedankens-der Alliierten: „Wir 'bleiben-in der'nöridlichen Zone des besetzten Gebietes", die Ablehnung von BerhaMu-NFen mit Deutschland über ein ,Kompro miß und> die etlva gleichzeitige Räumumg von Ruhr und. Rhein Ware ein, vollständiger Bankrott b e r D aw e s - P o l i t.i k und würde vondem deutschen Bobk dements!preche.njd gewertet werden. Man muß e§ aus das tiefste bedauerndaß nach der. starken und tiefen Beruhigung in Deutschland sich erneut eine ganz unerwartet starke E«ttäus.ch'ung geltend macht und eine ernste politische Lage geschaffen-wirb.. Wenn das Unrecht der Nichträmnnng Kölns bleiben sollte, würde nach Neujahr ein großer Umschwung der öjifenMchen bemeMar. werden. Die allmähliche Emsügung der nationalen Orgamsatronen in den Staat und die^KänrPfe in. diesen für die Aufgabe der.OPPositionSstellmtg'würden' ins-Gegenteil verkehrt werden. Die vernüinstigen Leute würden den Boden unter ihren Füßen verlieren und die Extremen Oberwasser gswinnen. Darin bin ich eines Sinnes mit dem ganzen Kälbinett und den Weitesten Kreisen /des deutschen BoWes.' Wenn man sagt, die geistige Verfassung des deutschen Volles sei nicht diejenige m oralischer Abrüstu ng, so ist das.nach der ganzen NachkriegsPolitik gegen Deutschland verständlich, trotzdem '1924 nach der. Londoner Konferenz eure starke seelische'PemchMmg durch das deutsche BM gLgaugeit ist. Die Mnerten hätteü zur Förderung der moralischen Abrüstung kein besseres Mittel als die Räüimumg der Zonen in der vertragsmäßigen Zeit. Wir vevlan'gen die Beröffentlichnng her Protokolle der Kontrollkontmission über ihre-1800 Besuche im Wortlaut. Wir wünschen genau - zu'- wissen, tva's bei den Besuchen hera-u-Agekommvn ist, well, wir der Ueberzeugung sind, daß die'Differenzen zu gering sind,.um 'die'.Gefährdung 'der Londoner Politik zu begründen und für eine längere Besetzuno deutschen Landes den Anlaß abzugebe«. Der 3weü heiligt das Mittel. —.7. W i e n, 31.^ Dezember. Der römisch-kirchliche Kampf gegen die jüdische Siedlung in Erez Israel ist endlich darauf gekommen, die „Weisen von Zion" heran Mziehen. Da§ arabische Organ des Monsignore Bavlaffrna stellt einen Zusammenhang Mischen Freimaurertum und Zionismus her und beruft sich auf die von jedem Antisomiten verehrten Protokolle, die beweisen sollen, daß die Loge das Werkzeug zur Aufrichtung der Mischen Weltherrschaft sei. Es bleibt der rührigen Phantasie dieser KatWrie von Judengegnern überlassen, im emzelmn und im ganzen darzuftellen, wie diese Weltherrschaft gewde von dem kleinen Land zwischen Dan und Bersebq cmsgvübt werden konnte o^r mitzuteilen, welches Interesse die Juden an Palästina nehmen sollten, wenn, sie die Herrschaft über die ganze Welt erobern wollen. Es Mßte auch eine Beeinflüssung des Freimanrertums durch das zionistische Judentum aufKzeigt werden. Das mag ein schwieriges Werk sein, weil die Freimaurerei sich mit dem. Dunkel des Geheimnisses umgibt und in ihre Riten, die wahrscheinlich höchst harmloser NaturPnd,"niemandem Unberufenen Einblick gewährt. Aber, diese Schwierigkeit reizt direkt zur FMfchiung und.es wich sicherlich schon in. irgend einem. Schlupfwinkel ein Brief eines RaMners an einen .Meister vom 'Stuhl fabriziert, , der dann in der politischen Propaganda auftauchen wird'.'.^ - Mrf^WeseH Gebiet ist schon vielesgesD»fst>w'wür^ d^foiWShWsgen WHMntuU'Wie ^WeWe rKtifch- Satholffche Kirche. Me Jesniteni l fwnbeN lange Zeit M Brennpunkt einer leidenschäMch' geführten AMation, - die ihnen Weltherrschaftspläne zuschrieb und sogar mit Dokumenten phantastischesten.Inhalts ' arbeitete. Man sollte meinen, daß die Erinnerung 'an diese' noch nichtso lange zurückliegende Zeit gerade den Vatikan' und seine Organe davor zurückhälten sollte, nach Fälschungen zu greifen. Davor sollte ihn übrigens auch das Reinllchkeitsempftnden hüten. Denn die Mischung der Protokolle ist zu dem Zwecke geschehen, um für Judenmetzeleien 'eine brauchbare Unterlage zu schaffen. Sie sollte nicht, etwa Waffen für einen geistigen' Kampf liefern, wozu das Machwerk, das in den Gehirnen einer ganzen Gesellschaft, politischer Idioten entstanden ist, ein absiMt umtangjliches Mttol wäre. . Bon den Protokollen haben zuerst die gegenrevokutionären 'ruffischen Generale Gebrauch gemacht, die ihre beutelustigen Mordbrennerbanden auf die' jüdische Bevölkerung in der Ukraine, in der. Krim, in Sibirien und in der Mandschurei losließen. Ms das weiße Gesindel von den Bolschewiken zersprengt würde, retteten sich die Reste aus deutsches, japanisches, jugoslawisches und türkisches- Gsbiet und brachten überallhin diesen Katechismus des RitualmmÄes^ mit. ' Dies erklärt den Umstand, wieso i die Protokolle zur gleichen . Zeit an den verschiedensten Punkten der Welt cmftauchten. Cs waren in der . Hauptsache deutsche Landsknechte, die aus diese Weise ihre arischvölikische Miffion der Weltaufklärung erfüllten und auch prompt rhven lichtscheuen Zweck , erreichten. Me Protokolle sind das Zentralwerk, die festeste Säule des Blut- .antisemitismus geworden. - Die ernste wiffvwschaftliche Forschung hat sich mit dem Buch nicht abgegeben, auch .nicht die-deutsche, die doch sonst jeden Eckstein beriecht.' Äerftvürdigerweise spielen diese „Geheimnisse der Weisen von Zion" auch in der antikatholischen Propaganda der Hitler-Leute eine große und wichtige Roll«, und eS ist eine groteske Fügung, die den braven Patriarchen in Jerusalem ausgerechnet nach diesem Pamphlet hat greifen lassen. Er bringt die Kürie in politische Verwandtschaft mit offenkundigen Pogrommördern, und das in einer so klaren Werse, daß sie sich durch etwaige spätere Er- .klarungen nicht wegdementieren lassen wird. ^Jn Rom weiß man aus der Bismarck-Zeit her in FAschungerl Bescheid und es ist dort gewiß nicht unbekannt gMieben, aus wckchen Quellen der Gottfried zur Beek geschöpft hat, der seinen Namenauf die Protokolle, geschrieben hat. Aber in Rom ist die alte Vorsicht fallen gelassen worden. Cs geht aufs Ganze. So lange die famosen Geheimnisse nur zur geistigen Alimentierung weißterroristischer Offiziere irgendwo im Osten-: oder zur Ausbildung der Erzberger- und Rathenau-Mvrder, für ^atiMaLdsuwknUische Äudenten m Polen, für Horchtz