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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-27 · Heft 2102 (27.12.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2102 (27.12.1924)
Date
1924-12-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ I Po len 20aro»zyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1, Bez„ Wollzeile 11 Mit Postveraand für Wien u jOesterr. monatl. K 40.00t j _ Ta che e h o-S 1 owa k e i Mon. K20. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 31/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Pres. 15 Wiener vrgmzeilimg I Pretc k 1400 | England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 < he, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon.PO 1 ewa, Schweix nnd das übrige Ausland monatlich Frei« 4. Redaktion u. Administration Wien. II., Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-38,43-Z-1A AhüGhr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—5 (Druckerei Steinmann) MP Nachzahlungen ^WW .. bei PreUerhShnniren vorbehalter Nr. 2102 Men. Samstag, 27. Dezember 1924 Oesterreichisches Postspar» kaac^n* Konto Nr. 1*?0.f»Q3 6; üftbrpang ♦ Der BuÄaprster Ehrenmann. —y. Wien, 27. Dezember. Meremen wesen der AmneAefrase. — Radikale gegen Sozialisten. (Eigendienst der Den Senat hat mit 213 gegen 37 Stimmen das Amnestiegesetz angenommen. Tie sozialistisch-radikale Kammergruppe hat nach Prüfung des Amnestie ent Wurfes nnd der hieran dom Senat vorgenommenen Aenderungen einen Antrag betreffend die Herstellung eines vorherigen Einvernehmens mit den Sozialisten in dieser Sache ab gelehnt. * Wenn diese Entschließung von der Fraktion aufrecht erhalten wird,, müßte sie notwendigerweise zum Zerfall des Link'skartells führen. Die Fraktion hat nämlich beschlossen, die A m n e st i evorlage in der Fassung des Senats in allen Teilen gutzuheißen, obwohl sie in drei wichtigen Punkten von der Fassung der Kammer abweicht. Gerade' diese drei Punkte werden von den Sozialisten heftig bekämpft, und da diese Punkte einen wesentlichen Teil des sozialistischen Programms darstellen, ist es sehr unwahrscheinlich, daß die Sozialisten sich dem Beschluß der Radikalen'unterwerfen werden. : Es handelt sich uiw folgende drei Punkte: .1. Die Klmnestie wird denjenigen verweigert, die. sich a n a r ch i- „Wiener Morgenzeitung".) st i s ch e r Umtriebe schuldig gewacht haben. 2. Die entlassenen Staatsbeamten, : insbesondere die Primarlehrer und E i s e N b a h n e r, sollen nicht wieder in den Dien st eingestellt werden. 3. Frontkämpfer, die nach dem Ausland desertiert sind, bleiben von der Amnestie ausgeschlossen.' In parlamentarischen Kreisen rechnet man jedoch mit einem Kompromiß zwischen Radikalen und Sozialisten, wodurch eine Sprengung der Regierungskoalition vermieden wurde. Jedenfalls ist die Position Herriots jetzt sehr erschwert, umsomehr als seine Bemühungen um den Ausgleich mit Rußland auf große Schwierigkeiten stoßen. (Siehe unsere Meldungen über die Unterbrechung der Verhandlungen zwischen Frankreich und Rußland.). Herriotr Befinden. Paris, 25. Dezember. (Havas.) Ministerpmsident Herriot Haidas Bett de rlassen. Da jedoch das erkrankte Bein noch der Schsmvrvg bedarf, ist er genötigt, in evnsm Lehn st u h t sitzend zu arWteu. ' Die sranzö'M-rufsWen Verhandlungen unterbrochen. Wegen der Vorkriegsrenten. — Statt Krassin Rakowski? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 26. Dezember. Die Verhandlungen zwischen .Ser französischen Kommission unter Führung des Senators' de Monzie -und dem russischen Botschafter Krassin über die Regelung der schwebenden Fragen Zwischen Frankreich und Rußland find' heute unterbrochen worden. Die französische Kommission gibt zur Information der Oeffentlichkeit bekannt, daß sie die Verhandlungen deshalb abgebrochen habe, weil Krassin sich weigerte, den französischen Standpunkt, nach welchem die französischen Gläubiger durch Rußland vollständig zu befriedigen seien, anzuerkennen. Krasfin will nur eine gewisse Kategorie Keiner Besitzer von russischen Renten befriedigen. Der ursprüngliche Plan, diese' strittige Frage' durch eine g ewischte frauzösisch-rusilische Kommission prüfen zu lassen, ist inzwischen von beiden Teilen fallen gelassen worden. Gleichzeitig verlautet, daß zur Wiederherstellung der sranzösisch-rusilschen H a n d e l s b e z i e h u n g e n bisher noch keine Basis gefunden werden konnte nnd daß infoilgedessen Krasfin im Jänner nach Moskau fahren werde, um vom Rat der Bolkskommifsäve neu« I nstruttionen ei'chuholen. Diese Reise soll vom französischen Außenministerium gefordert worden sein. Ein Gerücht will wissen, daß Krasfin demnächst durch R a k o w s k i ersetzt werden soll, der in den Verhandlungen mit Frankreich mehr diplomatische Geschmeidigkeit bewiesen hat als Krasfin. Das Attentat auf Krasfin. Paris, 26. Dezember. (Hadas.) Mary Dickson, geborene Jewgenjiewa, die am 11. d. den Versuch . gemacht hatte, den Sowjetbotschafter Krasfin zu töten, ist wegen Tragus einer verbotenen Masse zu drei Wochen Gefängnis verurteilt woden. Gleichzeitig wurde über sie die Ausweisung verhängt. Frau Dickson, eine geborene Russin, die sich. als Schriftstellerin einen Namen gemacht hat, ist eine amerikanische Staatsbürgerin. Sie hatte bekanntlich vor dem russischen Botschaftsgebäude D r o h u ng e n. gegen den Botschafter ausgestoßen und später erklärt, sie habe ihn erschießen wollen. Sie erklärte, sie 'habe eine Zeitlang m Sowjetrußland 'die Stellung eines Untersuchung8r i ch t e r s bekleidet. Die Räumung am 10. Jänner unmöglich. — Crne Demarche der Alliierten in Berlin. Paris, 26. Dezowber. (.Havas.) Die B -o t s ch a f t erkonferenz wird morgen den Bericht über die Entwaffnung Deutischitands einer - Prüfung unterziehen und 'das Verfahren feststellen, nach wölchem Deutschland die Unmöglichkeit der Räumung der Kölner Zone am 10. Jänner miigeteilt werden soll. Es ist wahrscheinlich, daß die Konferenz eine D emarche der alliierten Botschafter in Ber- 11 n böfchließen wird, die im Namen der betvaffenpen Regierungen eine in diesem Sinne gehaltene Note überreichen w'evden, deren Wortlaut im gemeinsam-en Einvernehmen festgesetzt wevden wird. Die Demarche dürfte anfangs Jänner erfolgen. Der französische und der englische Standpunkt. ^Journal" stellt fest, daiß bezüglich der Notwendigkeit einer Verschiebung der Räumung von Köln zwischen Paris und London Einvernehmen herrsche, sagt aber, daß Meinungsverschiedenheiten beständen über die Twgweite dieser VwschiÄmng. Der englische Standpunkt bi-ate den Deutschen Zeit, eine neue Regierung zu Mden, entsprechende Pfänder zu geben und ein K ö m p r o m i ß vovzubereiten. Die französische Theist stelle fest, daß Deutschland wegen F r i st v e rsäuinui s des FälligkeitsteiM'ines des 10. Jänner veriustig gogangen sei, Mid komme zu dem Schlüsse, die Alliierten würden einfach die Maßnahmen zu prüfen haben, die geeignet seien, die wirkli che nnd endgnlt i g e A b r ü st u n g Deutschlands zu . sichern. Die Frage. der Räumung werde erst dann aknt werden, wenn alle Bestimmungendes Versailler Vertrages er füllt seien. Die deutschen Waffen. Paris, 26. Dezember.. (Havas.) Der „QuoUdien" meldet, man habe in Berlin in sorgfältig versteckten Schranken einer Fabrik mehrere zehntausende zylindrische Stahlblöcke, entdeckt, die dazu bestimmt waren, in Rohre für.schwere Maschinengewehre umgearbeitet zu werden. ' HEUTE RADIO-RUNDSCHAU . Als der Oberkommissär Hohler dem Ministerpräsidenken Lloyd George meldete, Horthy sei ein Gentleman, war das CchavoEterbild dieses Reichsverwesers noch ziemlich lückenhaft. Daß er das wehr- und waffenlose Ungarn medevgeworjen, daßermtt den rumänischen Okkupationstruppen gepackelt hatte und nach einem glänzenden Feldzug gegen alte Juden und jüdische Mädchen durch eine riesenhafte Allee von Galgen nach Budapest gekommen war, das reichte hin, um sein militärisches Talent und seine Loyalität gegenüber Ungarn zu erklären. Aber er konnte doch als der Mann gelten, der, im Dienst der monarchistisäen Idee eine Gegenrevolution durchführt und in der Treue gegen den Mann, dem er einen doppelten Eid geleistet^ unbedenklich auch den Mord aus sich nahm. Könige haben immer Diener gefunden, die den Weg zum Thron mit Schwert, oder Strick fteimachten, ohne sich dabei etwas Besonderes zu denken, und'ihre Namen sind als die nachahmenswerter Gesinnung in die Lesebücher für Kinder ausgenommen worden. Horthy wurde Reichsverwesen. Alle Welt glaubte, er wolle seinem König -den Thron freihalten und nur einstweilen sichern,- bis sich diepolitische Situation in der oder jener Weise geändert haben wird.- Auch der König glaubte dies und starb. a-n gebrochenem Herzen, als--er von Horthy mit Waffengewalt vor Budapest angefalle-t.' worden war. Bo.rher hatte er - die Treue des Vajallewjn einer Unterredung Aug' in.- Äug' kennen gelernt. Was er' hierbei erfahren, hat Zr seinem Sekretär diktiert, und die Umuittelbarkeit seiner Aeußerungen, die nunmehr einem breiteren Publikum dorliegen, lassen keinen Zweifel an der Authentizität der Darstellung. Ein Beweis liegt übrigens auch darin, daß die Wiener „Reichspost", die de n Rassen schutzlern sicherlich nicht weh tun will, die bezügliche Stelle aus dem Werkmaunschen Buch ohne Zensurstrich veröffentlicht. Der letzte . Habsburger spricht aus dem Grab sein Urteil über seinen Reichsverweser. ' Hätte Horthy die Uebergabe der Macht lediglich aus Gründen der Kriegsdrohungen der kleinen Entente und der inneren Ruhe des Landes verweigert, so wäre dieses Nein immerhin , aus Patriotismus zu erklären gewesen. Volksrecht bricht Kronrecht. Das ist zwar Grundsatz der Revolution. Aber da der Bürgerkrieg gekommen wäre, der mich nicht durch den von Karl erwogenen Einmarsch rrach-Oesterreich hätte abgelenkt werden können, so bestand sogar für diesen Horthy ein plausibler Grund zum Eidbruch. Aber er nützte die Lage zu Erpressungen an dem ihm Vertrauenden aus. Den .^erzoatitel, das Flottenkom,mundo (das außer Ehre noch Geld bringt) und einen hohen Orden mußte ihm sein König Zusagen, um dann zu erfahren,-daß er doch nur der Betrogene, ins Land Gelockte war. Man-lese in Werkmauns Aufzeichnungen, die wir in diesem Blatte folgen lasten, genau "nach, wie dieser Horthy schacherte, tvahrend seine Kameraderie im Vorzimmer grinsend horchte. Sie kannte den Reichsvevweser genau. Karls Thron'b'^eigung wäre vielleicht gleickbedeutend mit innerer Ord-! nung gewesen, der neue König hätte das Gesindel der Räuber und Mörder, das binter dem Reichsverweser steckte und sich unter seinem Schn^ die Taschen ans dem Vermögen gefolterter jüdischer Kaufleute vollstopfte, vielleicht doch gebändigt. Trat Horthy ab, dann winkte seinen Hejjas und Bibo und Francia Kiß vielleicht doch der Galgen. Aber sie, die so viel von dem Reichsverweser wissen und in ihren Brieftaschen seine Mordb"ieble bergen, sie kannten ihn und waren deiner sicher. Er durfte nicht gehen. Daß er die Konjunktur ansnützte und dem König rasch noch abpreßte, was er konnte, das verstanden und billraten die Schmchphäbne vollkommen. Das gehört zum Handtverk. Mas noch zu Horthys Charakterbild gefehlt hätte, das liefert nun der Tote, der für diesen Reichsverweser unheimlich lebendig wird. Für ihn und für die Sippschaft, die ihrer Flagge den Mmen des christlich-nationalen Kurses gegeben hat. Als christlich-nationales System fand sie Änwert und werktätige Hilfe überall m der VIEL GELD mmtswm ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen- und Herrenwäsche, Leinen waren, Strick- und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. im Warenhaus Nb Schiffmann II. Taborstraße 48 ffllenSon 47-1« 7S kn gras En detail

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