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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-24 · Heft 2100 (24.12.1924) · p. [Seite]

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2100 (24.12.1924)
Date
1924-12-24
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Zum ersten Male wird uns eine objektive Sammlung, ein vollständiges und chronologisch zusammengefaßtes Bild der jüdischen Welt, wie Heine sie erlebte, geboten. Am dieser Sammlung wird es klar, wie innig Heine der jüdischen Gemeinschaft verbunden blieb und daß der Satz „Ich liebe s*e persönlich** einem ergreifenden Gefühl und keiner Laune entsprang. Urlel Birnbaum: „Der Kaiser und der Architekt.“ Ein Märchen in fünfzig farbigen Bildern. — „Moses.“ Ein biblischer Zyklus in fünfzig Bildern. Thyrsos-Ver- 1ag A.-G- Wien. Zuerst das Märchen: Ein Wunderland, wo die seltsamsten Städte in glühenden Landschaften stehen, grundverschieden von* einander, unerhört reich an architektonischen Schönheiten, verbunden durch die Phantasie eine schöpferischen Menschen. Der biblische Zyklus „Moses“ zeigt das Leben Moses’ bei aller Realistik vom Hägch des Ueberirdischen umwebt, zusammengefaßt auf den Raum von fünfzig Blättern. Die größte Persönlichkeit der Weltgeschichte, der Urtyp Jude, wird ln großen Linien dargestellt durch einen jüdischen Künstler, dem seine positive Religiosität zum Lebens» und Schaffens» elepient geworden Ist. Vinzenz Zapletal; Jephtas Tochter“ Kulturbllder aus der Frühzeit des jüdischen Volkes. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn. Der Autor macht den Versuch, die •Zustände der Zelt der Richter in allgemein verständlicher Art zu schildern, gibt ein fesselndes Bild aus der an Wechselfällen reichen Geschichte des Judentums und geht Öfter über die nackte Historie hinaus, ohne den Boden der Inneren Wahrheit zu verlassen. Jakob Loawenberg: „Der gelbe Fleck/* Philo-Verlag, Berlin. Erzählungen und Skizzen aus dem Leben der Juden und die Entwirrung unterirdischer Schicksale, wie sie diesem ewigen Volk beschieden sind. Den Abschluß bildet das Drama in einem Akt: i.Der gelbe Fleck,“ ein Familien» stück — Mutter und Kinder — ln der Art des Naturalismus der achtziger Jahre, aber packend und wahr. Z. F. Fjnkolstein: „Stürmer des Ghetto.“ Essays. Safruth-Verlag Rath k Präger, Wien. Vierzehn Bildnisse jüdischer Menschen, der Versuch, die neue Judenseele zu ergründen, wie sie aus dem Chaos zweier Welten erst aufzudämmern beginnt, Individualitäten zu schildern, die, obwohl verschiedenartig an Geist und Ziel, für die gegenwärtige Situation im Judentum typisch sind. Aollorq Dichtung. Hölderlins Werke, Herausgegeben von Hans Brandenburg, 2 Bände: Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig, Endlich eine Ausgabe der Werke Hölderlins, die dem großen, deutschen Lyriker gerecht wird, von einem Geistesverwandten geschaffen. Vortrefflich die Einleitung über Hölderlins Leben und Werke, am Schluß des zweiten Bandes ein kurzer Kommentar, besonders hervorzuhebpn die vorzügliche Auswahl der aufschlußreichsten Briefe, die als wichtigstes »elbstbfographlsches Material zu werten sind. Diese Ausgabe (aus der Sammlung „Meyers Klassiker-Ausgaben“) ist die Erfüllung einer längst erhobenen Forderung,! Prosper Merintee* Gesammelte Werke in 8 Bänden. Verjag Buchenau & Reichert In München, Ein klassischer Novellist, überall interessant, ob er in einer Handvoll Frauenbriefe das Schfcksnf des „Abbe Aubaln“ beleuchtet, ob er ly einer Novelle, „Dschumana“, einen Wunschtraum wiedergibt oder ob er die Blutrache auf Korsika in „Ko, lomba“ schildert. Artur S c h u r I g hat diesen unpathetischesten aller Franzosen vorzüglich Übersetzt. Erst Hart: „Kalifornische Erzählungen,“ Mit 65 Bildern von Rudolf Schlichter. Gustav Kiepenheuer Verlag, Potsdam: Eine reich Illustrierte Auegabe des berühmten "■: IXK.IJJ jj-H', 111 1 ,! ,1.11 i Wilhelm BrauniUlier & Sohn Abteilung: Ayllqu«r i»t »W-- Wien, I. Bezirk, BeuerhmarKt Nr. S a ------- Amerikaners, der mehr bietet als Unterhaltungslektflre; ein Novellist großen Formats, ein Schllderer der Landschaft und der menschlichen Seele, jede einzelne Erzählung ein Meisterstück, für uns Europäer voller Abenteuer, für den Amerikaner e n Stück seiner eigenen Geschichte. Die Welt der Abenteuer, „Vagabumfcn-Brcvter.“ Gedanken und Betrachtungen von Waldemar B o n s e 1 s. Aus seinen Werken ausgewählt und zu einem Bilde seiner Weltanschauung zusammengcstellt von Reinhold Bulgrin. Literarische Anstalt Ru“er dt Lvsning. Frankfurt a, M. Der Sinn dieses Breviers Ist Bonseis Lebensauffassung In systematischer Anordnung mit des Dichter» eigenen Worten darzustellen. Colin RoS: „'Das Meer der Entscheidungen. Beiderseits des Pazifik.“ 336 Seiten Text, P7 Abbildungen. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Eine ungeheure Wasserwüste dort, wo die Welt zu Ende geht, ist nach heute in der Vorstellung der meisten Europäer der Pazifik, Jenes Meer, das bisher mit 'Recht den Namen des Stillen und des Friedens trägt. Schon unsere Karten zeigen diese Einstellung: denn sie ziehen die Trennungslinie mitten durch den Stillen Ozean, so daß es nicht möglich ist, s!ch ein einprägsames Bild von der geographischen Lage der Staaten, die Ihn umgrenzen, und ihren Wechselwirkungen zueinander zu machen?” Und doch werden sich in der Zukunft weltpolitische Ereignisse ersten Ranges dort absple’en. In seinem hochinteressanten „Das Meer der Entscheidungen, Beiderseits des Pazifik“ zeigt Colin Roß, daß Starke dynamische Kräfte am Werk sind, den machtpolitischen Schwerpunkt der Erde von Europa nach dem Stillen. Ozean zu verlegen. Nicht nur Japan, China, Amerika, Australien, sondern auch die europäischen Völker haben dort die größten politischen und handelspolitischen Interessen. Dort ist die Walstatt, aut der diese Interessen zum Konflikt führen müssen und auf der der wachsende Gegensatz zwischen Weiß «nd Farbig einmal ansgetragen werden wird. Edgar Rice Burrough: „Tarzans Lohn.“ Verlag Dieck & Co., Stuttgart. Diese neue Form des Abenteurer? romans, frei von aller Moral und Gpsittungstendenz, ist Überall populär geworden. Unerhörte Geschehnisse, phantastisch erzählt, voller Spannungen und Ueberraschungen, finden stets Leser; man hält sich an die Fabel und kümmert sich nicht um psychologische Tüfteleien. Tarzan ist da! Die Nachtruhe ist hin! Mn M verlangen Sie von HELLER (BUKUM1 {.-Bauernmarkt kostenlos! Das 1 QQ0-Kronen-B8ndchen Die Bücher aus dem Wiener Sesam-Verlag. Die Erkenntnis, was die Gemeinwirtschaft des geistigen Besitzstandes der Welt für den Haushalt der menschlichen- Entwicklung bedeuten würde, hat zu einem Plan geführt, an dessen Durchsetzung derzeit schon Menschen in allen Teilen der Erde interessiert sind. Zur Arbeit an diesem Plan ist der Sesam-Verlag gegründet worden. Was er heute vorlegt, ist nur ein Beginn, der aber doch schon deutlich die Richtung zeigt, in der wir, die wir an die Führerrolle der Seher, der Dichter und Denker glauben, gehen und geführt werden wollen. Wir glauben, daß die Elementarschule aller zivil'siertey Länder die Aufgabe, hat, dem Kinde, dem sie die Welt erschließen soll, picht nur die rein mechanische Kenntnis des Lesens zu vermitteln, sondern ihm zugleich jene Bücher zu geben, um derentwillen es der Mühe wert ist, lesen zu Jemen. Unter die Rechte des Kindes gehört auch das Recht auf Bücher, Jedes Kind müßte ebenso wie es den Unterricht im Lesen vom Staate garantiert erhält, auch den Anspruch auf ein Minimum von. sagen wir, zehn Büchern jährlich haben, die es von der Schule geschenkt bekommt, um s’e als Eigentum zu behalten und zu bewahren. Mit diesem sehr e-nrachen Plan wäre eine Grundlage für die Volksbildung gegeben, wie s'e schöner kaum gedacht werden kann. Die Vorbedingung ist die Auswahl jener Texte aus der klassischen un'd modernen Literatur, die Kindern verständlich s'nd. Diese Texte müssen in guter Ausstattung, von Schriftstellern in ihre eigene Sprache übersetzt, jn sehr großen Auflagen zu einen) sehr billigen Preft hergestellt werden, P'eser Plan wird von Künstlern. Volksbildnern, Lehrern und Lernenden überall mit den wärmsten Hoffnungen begrüßt. Die Künstler erwarten von ihm d:e Heranbildung der breiten Massen zu e!nem Publikum für das echte Kunstwerk; die SchriftsteMer wissen, daß es um ihre e’gene Zukunft und d’e Erfüllung ihrer Lebensaufgabe gebt, wenn es s'cl, darum bandelt, ob in der heranwacltsenden Jugend die Liebe zürn guten Puch, das Verständnis für die echte Dichtung geweckt und gefördert wird. ln englischen. In deutschen. In Schweiger Schulet werden die Sesam-Bücher, die ln zweihundertundzwanzig kleinen Bändchen Werke aus mehr als zwanzig Nationalliteraturen enthalten, bereits als Klassenlektüre benützt. Amerika, das mit großem Enthusiasmus publizistisch von dem Plan der Weltbibliothek für Kinder Kenntnis g*t nommen hat. will jetzt mit der Einführung an amerikanischen Schuten beginnen. Zweiunddreißig Bändchen liegen schon in englischer Sprache vor; sie sind in Wien gedruckt worden. Die Schätze, die Dichter und Denker aller Zeiten, Propheten und Seher aller Völker durch lebenslange hingebende Arbeit zusammengetragen und als wertvollste Frucht ihres Lebens der Zukunft hinterlassen haben, sollen der Jugend aufgeschlossen werden. Nach dem Zauberkorn, das verborgene Schatzkammern öffnet, hat sich der Sesam-Verlag genannt, der seine höchste Aufgabe darin erblickt, allen Menschen den Zugang zu jenen Schatzkammern aufzuschließen, aus denen jeder so viel Reichtum, nach Hause bringt, als er nur immer fassen und tragen kann, Helene Scheu-Riesz. Jüdische flieger im Weltkrieg Im V e r 1 a g der Schild (Berlin) erschien soeben von Felix A. Thellhafeer ein Buch, in welchem authentisches und wohlgeprüftes Material zusammengetragen ist, das zum erstenmal von dem Anteil der Juden an der Entwicklung und auch an den Opfern der. Fliegerwaffe Kenntnis gibt. Obwohl nur ein kleiner Ausschnitt, ist er überaus lehrreich, da die dokumentarischen Aufzeichnungen eine zwingende Antwort sind auf die kritiklosen, dreisten Angriffe gegen die jüdischen Kriegsteilnehmer, indem er beweist, daß während des Weltkrieges der Jude ohne die Vorbedingungen für kriegerische Betätigung Hervorragendes geleistet hat. Wassili) Rosaoow: „Dostojewski und seine Legende vom Großinquisitor.'* Razum-Verlag. Berlin W. 30. « Dostojewski berichtet In einem Briefe an einet) seiner Freunde von »einer Absicht einen Roman zu schreiben, der „Der Lebenslauf eines großen Sünders“ heißen soll. Es ist dies sek) letztes Werk „Die Brüder Karamasow“. Mit der Idee, die durch das ganze Werk geht« hat Dostojewski sich bewußt und unbewußt sein Leben lang abgegeben. Es ist döe Frage nach der Existenz Gottes. Der Held ist bald Atheist, bald Glaubender, bald Fanatiker, bald Sektierer, dann wieder Atheist. Der Roman enthält also zuinnerst eine grandiose Lebensbeichte, wie sie erschütternder von keinem Großen der Weltliteratur abgelegt worden ist. Hier finden wir Dostojewskis ureigenstes Schaffens- und Lebenszentrum, um das sich alle anderen Schriften gruppieren. Hier tritt sein religiöses Wesen ans Licht, aber auch die ganze Qual des Schaffenden, die , sein Leben und »ein Werk durchzieht. Wir greifen aus den Brüdern Karamasow „Die Legende vom Großinquisitor" heraus, die zwar nur eine Episode dieses Werkes bildet, aber doch als (He Quintessenz des Ganzen betrachtet werden kann. Die Legende bildet die Seele des Romans, sie enthält die Grundidee des Dostojewskischen Lebenswerkes und mit ihrer Erklärung ist die Grundlage für die Analyse der Dostojewskischen Weltanschauung gegeben. Wassilij Rosanöw hebt -daher mit Recht die Legende heraus, um zu erklären, daß In diesem großen Seeiengemäide das Ende alter irdischen. Schicksale des Menschen eingeschlossen Hegt. Seine Analyse gibt dadurch auch den Schlüssel für die Lösung aller anderen Probleme Dostojewskis, die darin gipfeln, daß der Mensch auf »einer Wanderung nur das eine Ziel hat, dis Dunkelheit zu überwinden und das Licht zu fördern. Es ist dies eine Erkenntnis, die den Dichter zu den tiefsten Qualen verurteilt, gleichzeitig aber befreit hat In diesem Sinne ist .Die Legende vom Großinquisitor* als religiöses Werk zu werten. ö. r. Almatiaclie, Magazine, Kalender „Der Piper-Bote für Kunst und Literatur“ Winter 1924. R. Piper & Co. Verlag, München. Pas Heft bietet Wieder, wie seine Vorgänger, viel des Interessanten. Besondere Bedeutung verleiht dem Heft der ausführliche Bericht über den Dostojewsky-Nachlaß, der vor kurzem in Moskau urtd Petersburg entdeckt und eröffnet wurde und der. zuerst in deutscher Sprache, bei Piper erscheint. Der Nachlaß an Tagebüchern, Entwürfen, Fragmenten, Briefen, Lebenserinnerungen, unveröffentlichten Erzählungen und Aufsätzen de» großen Russen wird etwa zwölf Bände umfassen. Eine merkwürdige Manuskriptseite mit Federzeichnungen von Dostojewskys Hand ist dem Bericht in Faksimile beigegeben. Ais erster Band des Nachlasses erscheinen die „Lebenserinnerungen der Gattin Postolewskys“, ein ungemein sympathisches Frane^buch, aus dem das Kapitel „Meine erste Bekanntschaft mit Dostojewsky“ mitgeteilt wird. Hugo v. Hofmannsthal schreibt über die Wunderwelt des Theaters, im Anschluß an ein großes Maonenwerk „Denkmäler des Theaters", das die Wiener Natlonalblbliöthek herausgibt. Die Mappen enthalten einet) Ueberrelchtum an Hamlzeichpungen, Stichen. Aquarellen mit Kostümbildern, szenischen Architekturen, Croteskfigurfnem Ballfesten, Illuminationen und Festzügen und umfassen die Zeit vom Mittelalter bis zu Wiens letzter großer Theaterepoche. Wilhelm Fraenger schüttet ergötzliche Text- und Blldpfoben aus seinem tausendseitigen Sammelwerk „Deutscher Hubaf RiHcIa*|$8dKJ* BRAUCHST DU BÜCHER, GEH ZU IÖWIT! W|-N, I. RQTFNTURMSTf* 09

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