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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-22 · Heft 2098 (22.12.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2098 (22.12.1924)
Date
1924-12-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1P o l e n 20 groszy | Wien: Zum Abholen in der Expedition, H. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.00< Strassenverkauf in Wi e n durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wieu > Oesterr. monatl. K 40. OC- Ts cheeho*Slowake Mou. K 20. Jugoslawien Mon. Dinar60. Polen: Mon 3‘/s Zloty, Deutschland Mon.Gofdmark4, Frankr„ B e I g i e n: Mon. Fres. 15 Wiener WT Neeh* ah I u n f i °W> hei PreUerböKhns-en vorVeltaHee Nr. 2898 Wien. Montag, 22. Dezember 1924 1 Peel«» K 1400 England: Mon,4Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 150Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa* Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 4. *edakti'/n n Administration Wien, II., Taborstr.1—3 «lepbone: 4d-0-SS,43-3-19. Ab6Uhrabds.21-102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar» hassen - IC onto Nr. 150.693 6. stastrgang ♦ Warschau, 21. Dezember. (Polu. Tel.-Ag.)' Gestern empfing Ministerpräsident Grabski die Vertreter d-er Presse, um ihnen eine chronologische Uebersicht über die Tätigkeit'der Regierung während des Jahves 1924 zu geben. Zu Beginn des Jahres sei d.m Sturz der Polnischen Mark Einhalt getan und der Druck von Papiergeld für die Bedürfnisse des Staates eingestellt worden. Im Februar sei dann das Gleichgewicht im Sta-a-tshanshalt henaestellt und. im folgenden Monat die Anleiihe in Italien durchgeführL uitb ein Lefizitloser Betrieb der Staatsbahnen erreicht worden. Im April habe' .sich die Nation aus eigener Kraft die N ote n b a uck.mrd eine neue Währung geschaffen. Die folgenden Mongte brachten die mit der Fittanzreform unausweichlich verbundenen K r i se n z uständc in Industrie und HaydA, die noch durch eine Wracke Ernte- und das Ansteigen; der. Getveid-epreife eine Verschärfung erfuhren. Zur Linderung der. Krise habe die, Regierung der«. Volkswirtschaft, 63 . Millionen Zloth zur Verfügung gestellt und - antzeve - Maßnahmen getroffen, darunter die Aufhebu n g der Koh.lensteuer. Im tveiteren Verlaufe seiner Ausführungen, erwähnte der Ministerpräsident die m diese-Zeit halsende Verstärkung der Bandenbewegung inOstpoleu und gab - sohann kirre .Tgrstellung dev" Tätigkeit' der Regierung auf legislatorischem und außenpolitischem Gebiet, wobei er unter anderem auf die Bereinigung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Polen und Deutschland in den Fragen der Option und der Staats zugehörig k eit hinwi-s. Im letzten Viertel des abgeilausenen Jahres machten sich, wie der Ministerpräsident hervorhob, Zeichen einer Besserung der Situatüm auf wirtschaftlichem Gebiet bemerkbar, vor allem im St.igen der Staatseirmähmen. Das budgetäre Gleichgewicht wurde endgültig erreicht und die Schulden des Staates an Annvika, England und andere Länd-r konsolidiert. Auch mehrere Handelsverträge wurden zum Abschluß gebracht und die-Verhandlungen für eineganze R.-ihe solcher Verträge' eingeleitet. Der Teuerung wurde im November Einhalt, geboten. Der Warenverkehr hat sich gegenüber den Sommermonaten verdoppelt, die Zahl der Arbe-itslosen istzurückgegangen. In politischer Hinsicht verwies -der Ministerpräsident auf die in den letzten Monaten eingetvetene -Besserung der- Lage in den östlichen Gebieten Polens,, stellte die weitere Befestigung. der Allianz mit Fw-nkreich/fest - und teilte schließlich mit, daß ein- Kon kordät mit dem Hei. l i g e n Stuhl in Vovberoitung begriffen fei. ’•-T i; Sine Rede der Finanzminifterr in Graz. Graz, 21. Dezember. - Der Grazer Jouvnalistenverein „Coneordia" gab heute zu Ehren , seines fördernden Mitgliedes, Bn'ndesfi-nänzminister Dr. -Ahrer, ein Bankett. Minister Dr. Ahrer dankte der Grazer „Concordia"- für die' Begrüßung und versicherte, daß. er mit seinem ganzen Herzen und seinem ganzen Wesen in der Steiermark wurzle. Der. Minister wandte.sich dann der Besprechung aktueller Finanzfragen der Regierung zu und erklärte, obwohl ihm das Parlament ein verhältnismäßig langes Budgetprovisorium bewilligt habe, werde er im Hinblick auf die innere Notwendigkeit und die Wirkung gegenüber -dem Auslande für die baldmöglichste Verabschiedung des ordentlichen Bundesvora-nfchlages durch das Parlament cintreten. .Mit dem Sch il 1 i ng sr e ch n ung sge s e tz als Vorbedingung zur Goldbilanz solle ein dicker Strich unter die Vergangenheit des inflationistischen Systems gezogen und mit der Festlegung der Gol-drelation ein großes Vertrauen smoment ins Ausland getragen werden. Zur Frage der Goldbilanz erklärte der Minister, es hieße die Wirkung dieses ungeheuer wichtigen Gesetzes auf einen Nullpunkt treiben, wenn man di-eses Gesetz in fiskalischer Auswertungdazu benützen würde, daß die Leute einen Großteil ihres Vermögens verlieren, und es Ware verfehlt, durch einen wüsten Zugriff des Fiskus unter dem Titel „Besteuerung von Scheingewinnen" das Gesetz ad absurdum zu führen. Ich kann in dieser Beziehung, sagte der Minister, nicht scharf genug sprechen. Auf-der and.reu Seite bin ich nicht so kurzsichtig, mir einzubilden, daß ich uur Wirtschafts- und nicht auch Fiimnzmin-ifber zu sein habe. Es sind zwei identische Kreise, sine vernünftige Finanzpolitik und eine vernünftige Wirtschaftspolitik, und da muß ich naturgemäß auf dem Standpunkt stehen, daß auch die Bedürfnisse des Staates selbstverstä-Mich befriedigt werden müssen. Aber es gibt dazu genug Möglichkeiten und mein Grundsatz ist der, muß das - Vertrauen zwischen Fiskus und Steuerträgern hevgestell-t werden. Heute stehen, sich vielfach Fiskus, und Steuerträger -in Kampfstellung gegemiber. Es gibt jedoch nach meiner Ueberzeugung zwischen diesen beiden keinen Kampf. Der Kampf ist gemeinsam gegenüber der wirtschaftlichen Notlage zu führen. Das ist nicht durch- Pedantische, radikal zugreifende fis-kgliM Maßnahmen zu erreichen., sondern nur dadurch, daß ich in diesem Gesetz den Begriff der Wahrheit, der Ehrlichkeit und-des Vertrauens verankere. Wird es mir gelingen, die Steuer-moral zu heben, -dann wird dem Fiskus mehr zufließen als die kompliziertesten Eingriffe in das Vermögen tragen. Der Minister erörterte sodann die, Reform der Steuergesetzgebung,-^ aus das Problem ,ß un d und Land er" übergreise, und stellte fest, -daß die Frage Bundesländer und Gemeinden viel zu viel aufge-ba-uscht werde. Es komme kein Ausländer zu dem Minister, der ihn nicht dahin interpellieren würde, o b n i cht de rZ erfall Oesterreichs in Kan tünchen bevorstehe. Es^ ist auch falsch, wenn man behauptet, daß der Finanzm'mister als Sieger, als Exponent 'der Länder nach siegreichem Kampfe in das Kabinett eingetreten ist. Es gibt keine Sieger und keine Besiegten, denn wir Länder sind eben der Bund. Diese Basis müssen wir fe-stihalten. Es ist in der allerletzten Zeit gelungen, auf diesem Gebiete ziemlich weit vorwärts zu kommen. Viel weniger, sagte der Minister., macht mir . die finanzi-elle -Frage auf dem Gebiete der Länder, be.ziehungsweise Bund-Länder Schwierigkeiten als die finanzielle Frage auf dem Gebiete der Gemeinden. In dem Verhältnis Bund, Länder und Gemeinden , spielt die Kreditfrage eine ungeheure Rolle. Wir - brauchen langfristige Kredit«. Nach Einführung der Goldbilanz beabsichtige ich, - die Frage des Hypothekarkredites einer Lösung zuzuführen. Ich denke daran, in enger Fühlung mit den Provinzinstituten eine Zentrale zu schaffen, in der man eine großzügige Organisation für die Placierung der Pfandbriefe schafft. Es Wied dabei notwendig sein, daß man die gebührenfreie oder .gebührenerleichterte Zessionsmöglichkeit zwischen den Provinzinstitüten und der Zentrale durch Gesetz festlcgt. Wenn das geschieht, so ist das zunächst eine halbe Maßregel, und zwar deshalb, weil der städtische Besitz heute durch das Mietengesetz furchtbar belastet ist. Aber es wird immerhin gelingen, die Hypothekarkredite aus rustikalem Gebiete einer positiven Äsung zuzuführen. Der Minister richtete dann an die Presse den Appell, die Negierung in ihrer schweren Aufggbe zu unterstützen. Verbot der kommunWistn Demonstrationen. Die Polizei in BereitschafL Das unter reichsdeutscher kom-MuniftWer Führung stehende Zentr-alar-b-e i tslos-enkoni it-ee - h-a-tt-e für heute eine Versamnllung, vor -dem Rathaus und einen Demonstvatians-zu-o über den Ring geplant. Da an diese Veranstaltung verschiedene Befürchtungen geknüpft wurden, hat di« Polizeidirektion die Bevsnmmlung und den Zug verboten und -den Met-allarbeiter Ludwig Haas als den Anmel-der aufs schärfsü verwarnt, die Verfügung zu übertreten. ' Unter -den aus Berlin emgetrossenen -ange>Mch konrmunistifchein Agitatoren bvfindeir sich mehrere Personen, die auch bei den rechtsbolfchewikifchen Verfammlungen der Nat-onalfozialiston sich bemerkbar m-achm. . - Für alle Fälle ist für den heutigen Tag die ganze Wrene- Pblizeimannscha-st und dve Dtadtschutztvache konsigniert worden - Der Behörde stehen 500g M-ann zur Verfügung. Bundesrat David gestorben. - Gestern nachts ist hier der sozicvvdelnokvatifche - Bundes» rat Anton David im 76. Lebensjahre geovben. Er war in Ottakring gewählt und fungierte in der ersten Nationalver' s-ämmluu-g der Republik als Alterspräsident. . Die Voiksover spielt wieder. Gestern abends wurden die Voüstellungen in der Volksoper wieder ausgenommen. Man gab „Fledermaus", leider vor fast leerem HauS. - Die Musiker haben gestern beschlossen, b i s 31. D ezember ihren Dienst zu versehen,-verlangen jedoch dje Einleitung des Ausgleichsvevsah-ve-ns. . s Im Th eater an b e r W ie n werden die Vorstellungen bei K l a v i e r b eg l e i t u n g fortgesetzt. Die Orch estermitglieder erhielten vorgestern die Cntlassungsbriefe. Die Betriebsräte der Operettenbühnen werden morgen (Dienstag) über eine Ausdchnung des Musikerstreiks beraten. Das tschechische Beamtenabbaüqesetz erledigt. Prag, 21. Dezember. (Tschech. Pretzbuveau.) Der Budg.tausschuß des Senats hat heute vormittags die vom Abgeordnetenhaus erledigten Vorlagen, darunter dü Be am tengefetze, genehmigt. Die amerikanischen Kanonen. (Eigendwnst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 21. - Dezember. Das „Journal" melidet aus Washington, England habe kürzlich a-n die Verein Uten Staaten sine Note gerichtet, die sich mit der Tragweite der neuen Kanonen boschästigt, die auf den amerikanischen Kreuzern eingebaut werden sollen. Die Tragweite dieser Geschütze sei größer als die im Wachingtoner Protokoll über die Herabsetzung der Rüstungen vorgesehene. Der Inhalt dieser enig-l-ischen Note sei noch nicht veröffentlicht worden, man versichert jedoch in gu-t unterrichteten Kreisen, daß die englische Regierung gegen diesen Plan der amerikanischen Marineleitung protestiere. Die Missionsausstestung in Rom. Rom, 21. Dezember. (Stes-ami.) Heute wurde in feierlicher Weise durch 'den Papst die Eröffnung der Mis- .sion saus sie llung vorg^enommen. Der Papst hielt eine Rede, in der er rühmend das Werk der Missionäre hervorhob, die den christlichen Glauben und die christliche Z-ivikifation selbst in die en-tferntesten Teile der Welt tragen. Er gab seiner Freu-de darüber Airsdruck, daß dis Ausstellung am Vorabend des Heiligen Jahres er» öffnet wsrde, da auf diese Werse die vielen Akenschen, die nach Rom kommen werden, sich einen Begriff davon wer« den machen können, was die Missionen b*■ deuten. 8in Hydroptan iu Flammen. Rom, 21. Dezember. Gestern gegen Sonnemvnter-- gang fing ein italienischer Militävhydropla-n, der die Küste bei Porto Clementino überflog-,, plötzlich Feuer. Die beiden Insassen, der Militärpilol und ein Unteroffizier, konnten sich durch einen SPmng ins Meer retten. Es scheint, daß der Brand infd$c eines Lecks im Benzrn-behälter entstanden ist. i

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