Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2097 (21.12.1924)
- Date
- 1924-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Drusch im Emek Der Stolz einer Siedlung im Emek Es gelangen die modernsten Systeme der Arbeitsmaschinen zur Anwendung Die Erfolge der Viehzucht in einzelnen Kolonien sind überraschend ' '< ‘n ' J - >-* j ^WNW *.?*<• üX«s*f : heitlicher Wille, aus der Seele eines einzigen, einheitlichen Volkes. Aber die Christenheit zerfällt in viele .Nationen, die einander, manchmal blutig, bekriegen und die auch in Friedenszeiten' leider nicht davon lassen, miteinander zu rivalisieren. Ausserdem ist die Christenheit noch auch durch viele Bekenntnisarten getrennt, die sich gegenseitig immerfort bekämpfen. Es gibt zwischen römischen Katholiken und orthodox Rechtgläubigen, wie sich die russischgriechischen Konfessionen nennen, zwischen Katholiken und Protestanten wohl keinen offenen Krieg, aber auch niemals einen Frieden. Und gerade auf dem Boden von Palästina gerät dieser Gegensatz jedesmal in Brand, ist gerade hier eigentlich beständig im •Glimmen. Die Flammen des Zankes jedoch haben noch immer jedes Haus, das feindliche Parteien bauen wollten, in Asche gelegt, ehe es vollendet war. Die Juden aber sind von Urzeiten her mit Palästina verknüpft und verbunden. Es ist ihr Land, ihre Wurzelerde und da zwei Jahrtausende die Fäden nicht zerreissen konnten, mit denen Volk und Land Zusammenhängen, wird Palästina immer das Land und die Wurzelerde der Juden bleiben, in Ewigkeit. Amen. Alle Nationen der Erde haben in einem offiziellen Akt diesen Zusammenhang anerkannt; Der grosse Wille zum Wiederaufbau lebt gewaltig in dem Volk, das in der Welt zerstreut ist. Aus allen Himmelsrichtungen zieht die Sehnsucht dieses Volkes hieher, -eilen die Arbeitsfreudigen, die Opferwilligen herbei. Palästina vereinigt Wille, Sehnsucht, Denken, Hoffen und Schaffensdrang der Juden, wie das Brennglas die Strahlen der Sonne. Den Arabern, die im Lande und rings um das Land in grossen Gebieten wohnen, sind •die Juden stammverwandt; und wenn sie nicht politisch verhetzt sind, werden die Araber erkennen, wie viel Antrieb und Ankurbelung ihren eigenen motorischen Kräften durch die Arbeit der Juden zuteil wird, welch ein Aufschwung ihren eigenen Ländern durch -die geordnete Arbeit der Juden in Palästina bevorrecht. Von europäischen Einflüssen auf die Dauer nicht zu> stören noch zu hindern, wird sich die Verbrüderung mit den Arabern vollziehen, wird sich vollziehen müssen als die einzige, wirklich feste Grundlage für das Bestehen Palästinas wie für das Bestehen eines freien Arabien. Dieses winzige "kleine Fleckchen Boden wird man den Juden, die "hierher kommen, um es mit ihren Händen zu bebauen, mit ihrem Schweiss zu tränken und mit den Berbern ihrer Toten zu düngen, wohl gönnen müssen, da man ihnen doch sonst jede andere Scholle auf der grossen weiten Erde als Heimat weigert. Auch die Heiligtümer wird man in ihre Obhut geben müssen, da man sie doch so lange in der Obhut der Türken lassen musste! Sie sind ja aus ihnen, aus den jüdischen Heiligtümern entstanden, diese geweihten Stätten des Christentums, sie sind aufgebaut auf den Trümmern jüdischer Heiligtümer ,und sie sind gar nicht zu denken, wenn diese nicht vorher gewesen wären. Niemand vermag dieses Land zu retter als die Juden, und durch nichts in der Welt kann das Judentum gerettet werdei als durch dieses Land. Nun bin ich auf der Strasse gefahren, die aus dem Gebirge sacht hügelabwärts niederleitet zur Ebene. Bei Amwas, dem Dorf, kam ich vorbei, das vor Zeiten Emmaus geheissen hat, und wo Judah Makkabäus siegreich kämpfte. Mein Auto saust durch die Ebene Schephela, vor mir glänzen wie goldene Seide die fernen Dünen, blitzt in Sonnenfunken das Meer auf, um mich her grünen die Felder, weit hinter mir blauen die Berge von Judäa. Mir zittert das Herz, so stark fühle ich hier die ungeheure Kontinuität, die in zwei Jahrtausenden nicht zerreissen konnte. Es ist das Land der Verhejssung, immer noch! Es ist das Land, das verdorrte, weil es wartend lag; das wieder aufblühen will. Lasst es nicht warten! Rechts und links der Strasse sehe ich die grünen Matten und gelben Aecker gesprenkelt mit weissen, beweglichen Tupfen: das sind die Männer der ersten Hilfe, das sind die Jünglinge, die den wunden Boden hier heilen und in ihrer Seele gesund werden an dem Heilungswerk, das sie vollbringen. Das sind die jungen Brüder, die ihr Leben einsetzen und die verloren sind, wenn nicht wir alle zu ihnen halten, wenn nicht wir alle wenigstens halbwegs unsere Pflicht tun, da sie. doch mehr, weit mehr tun als bloss ihre Pflicht. Mit einemmal denke ich des reichen Mannes in Kairo wieder, der mir gesagt hat: „Es ist nichts los in Palästina . . .“ Und ich lächle. (Aus dem Buch „Land der V e r h e rf s s u ng“, das demnächst im P aai 1 Z s 01 n a y-V e r 1 a g erscheint ) Mein jüngster Besuch in Erez Israel Von Dr. Chaim Weizmann Der Präsident der zionistischen Organisation, Prof. Dr. Weizmann, ist vor einigen Wochen von seiner jüngsten Reise durch Erez Israel zurükgekehrt und hat einem Londoner Massenmeeting Bericht 'erstattet. Das Referat Weizmanns wurde in der ganzen jüdischen Welt mit grossem Interesse erwartet, denn man weiss, dass Prof. Weizmann ein überaus verantwortungsvoller und kritischer Beobachter , ist. Sein Referat ging durch alle jüdischen Blätter. Wir setZen aphoristisch ' jene Stellen seiner grosszügigen Rede hieher, welche die lebendigsten waren, weil sie Eindrücke und Erlebnisse beim Besuche der Kolonien bei der Begegnung mit Arbeitern und bei Betrachtung des Zusammenlebens von Juden und Arabern schildern. Ich war Zeuge folgenden Vorfalles in einer Kolonie: Gegen sieben Uhr morgens herrschte grosse Erregung und Sorge, da sich in einem der Ställe eine imbekannte Krankheit gezeigt hatte. Um drei Uhr nachmittags war bereits von unserem biologischen Institut die bakteriologische Analyse und Diagnose in der Kolonie eingetroffqn. Diese biologischen Laboratorien gehören zu unserer hebräischen Universität, welche in Bildung begriffen ist, und Sie mögen daraus, entnehmen, wie wichtig das Werk der Errichtung unserer Forschungs- und Lehranstalten ist. Dieses Jahr wird ausgezeichnet sein durch die Eröffnung einer technischen',Schule in Haifa, welche höhere technische Bildung verbreiten wird, durch Eröffnung einer landwirtschaftlichen Frauenschule in einer unserer Siedlungen, sowie auch durch die Eröffnung und Weiterausgestaltüng einer landwirtschaftlichen Station, die zur Instruktion und Anleitung von Kolonisten in allen Distrikten Palästinas dienen soll, durch die Entwicklung der meteorologischen St a t i 0 n e n. Palästina hat ein bestimmtes Klima, und wir Wiener Palästina-Pioniere Das vorstehende Bild zeigt eine Gruppe Wiener jüdischer Jugend, die sich planmässig für die Pionierarbeit in Palästina erzieht. Es ist in der breiten Oeffentlichkeit nicht genügend bekannt und gewürdigt, dass auch in der Wiener jüdischen Jugend immer stärker der Drang lebendig wird, an dem Aufbauwerke in den jüdischen Kolonien mitzutun. Die Wiener -„Chaluz“-Organisation umfasst bis nun an die 250 Jünglinge und Mädchen, welche die erforderliche Probezeit absolviert haben und für geeignet befunden wurden, die verantwortungsvolle harte Pionierarbeit in Erez Israel zu leisten. Ein grosser Teil von ihnen hat nach dieser Probezeit mehrjährige Ausbildung genossen. Landwirtschaft und intensive Gartenkultur wurden getrieben und die hier abgebildete Gruppe der Wiener Palästina-Pioniere hat nach entsprechender Vorschulung im Vorjahre vier Monate auf dem Gute des Grundbesitzers Weiner in Pernhofen sehr erfolgreich gearbeitet. Nebst der landwirtschaftlichen Ausbildung wurde planmässig dafür gesorgt, dass jeder junge Mensch ein Handwerk erlernt. Die'meisten dieser Wiener iüdjschen jungen Menschen sind heute schon qualifizierte Schlosser, Dachdecker, Tischler, Bautischler, Schuhmacher, Buchdrucker und die Mädchen sind in der Kleintierzucht, Hauswirtschaft, Säuglingsfürsorge und Krankenpflege ausgebildet. Die Erziehung der Wiener Palästina- Pioniere ist so weit gediehen, dass die erste Gruppe, die „Chwuzah A w 0 d a h“, bereits geschlossen nach Palästina iiber si ed11. Der Wiener jüdische Sportklub Hakoah, der am 25. Dezember eine Reise nach Palästina antritt, hat es sich zur Ehrenpflicht gemacht, diese Gründer einer Wiener Kolonie nach Erez Israel mitzunehmen. müssen daher das Wetter dort vorher ansagen — was freilich leichter ist als hierzulande. Schliesslich und endlich wird es ausgezeichnet sein durch die Eröffnung der ersten Abteilung der Hebräischen Universität auf dem Skopusberge. Am 4. Oktober besuchte ich im Emek Jesreel die Siedlung Nähalal, die vor zwei Jahren buchstäblich noch ein Morast war. -Wir schliefen in der Nacht bei, offenen Fenstern und ohne Moskitonetz und nicht eine Moskitofliege ■ zeigte sich. Wo vor drei Jahren Sumpf war und eine gefährliche Ansteckungsquelle, liegt heute, ein blühendes Dorf, und das Wasser, durch Drainage reguliert, dient jetzt zur Bewässerung der umliegenden Ländereien. Ich denke, die Zeit liegt nicht fern, wo es für einen Reiter — sei er Jude oder Nichtjude — möglich sein wird, von Tiberias nach Haifa oder Jaffa zu reiten über Land, das nicht nur Juden gehört, sondern auch von jüdischen Händen kultiviert, bebaut und entwickelt wird. All dies Land war Oedland, und niemand musste enteignet werden. Erst kürzlich wieder, vor etwa sechs Monaten, kauften wir einen Streifen Land im Emek Jesreel, der unsere Besitzungen zu einer Ausdehnung abrundet, die uns die Möglichkeit gibt, eine jüdische ländliche Bevölkerung zu schaffen und zu entwickeln, die, wie ich glaube, nicht nur für Palästina, sondern auch fiir andere Länder mustergültig sein wird. Unser Schulsystem musste selbstverständlich mit der Entwicklung Schritt halten. Im Monat August hatten wir — dies ist ein wesentlicher Faktor für diejenigen, die für den Keren Hajessod werben — ein Erziehungsbudget für Palästina aufgestellt. Das Budget betrug etwa Pfund Sterling 65.000 für dieses Jahr. Seit August sind nun in Palästina 1 20 0 schulpflichtige Kinder ein getroffen. Für sie sind Schulen zu beschaffen, und deshalb muss das Erzieh ti n g s b u d g e t dem a 11 g e p a s st werden. Ich glaube, die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden gestalten sich in dem Prozess von Arbeit und Zusammenarbeit täglich normaler. Ich habe nicht nur auf den Feldern, in den Obstgärten, in Städten beim Handel, Verkehr oder im täglichen Umgang beobachtet, dass zwischen Jude und Nichtjude gar keine wesentliche Trennung besteht, sondern ich war auch Zeuge des folgenden-Vorfalles: In Haifa stürzte ein ägyp-