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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-21 · Heft 2097 (21.12.1924) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2097 (21.12.1924)
Date
1924-12-21
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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' wm 39 " Me«, eknttttaß Loliswirt. ftotifemitismiu. - Wkrlschastrkrife. - zahlovgrbilanz. Jetzt, wo die Krise immer schwerer auf der österreichischen Wirtschaft lastet, wo das ertvartete Weihnachtsgeschäft der Kaufteute ausgeblieibeu ist und die Zahl der Arbeitslosen von Tag zu Tag größer wild, beginnit nran stch ernstlich mit dem PrcÄl.m der Ursachen der jetzigen Wirtschaftskrise zu befassen. Man fragt sich, warum die Frernden, die früher nüsere Läden bevölkerten^ ausbleibeu, warunr der Fremdenverkehr ein geringerer geworden ist umd kaim sich nicht rmwer Rechenschaft über die Gründe geben. Schon vor zwei Jahren sind die Folgen, die jetzt eingetreten sind, an dieser Stell« bis auf die Einzelheiten vorausgesagt worden. Der FmanKreprent der Gemeinde Wien, Brei tu er. hat vor kurzem anläßlich der Frvindenverkehrsdebatte im Wiener Gsmeinderat als wichtigste Ursache des sinkenden Fremdenverkehrs nicht die Teuevimg der Wiener Hotels, die noch immer billiger als die New-Aorker Hotels sind, sondern vielmehr die Propaganda Men den fremdländischen Studenten an -er Wiener Universität und di« Affäre Höchen egg bezeichnet. Wenn Breitner auch zum Teil recht hat, .so hat « doch nicht sämtliche Ursachen geschildert. Es ist nicht nur. die Propaganda gegen die fremden Studenten, sondern überhaupt die Hetze gegen die Fremden, die hier Platz gegriffen hat und Äe mmmrehr Wien zu einer öden Stadt gemacht hat. Doch diese FrAndenPropaganda hatte ihre Ursachen einzig und allein im Antisemitismus, der sich seit Kriegsende m Wien betätigt und srchessive die Fremden aus Wen hinausÄelt. Es wurde schon längst von allen Seiten erkannt, daß Mens Zukunft in erster Reihe in seiner Rolle als Verkehrszentrum Kege, daß ähnlich wie in der Schweiz auch die Zahlungsbilanz Oesterreichs einzig und allein durch einen starken Fremdenverkehr günstig beeinflußt werden könne. Dies wurde an dieser Stelle mehr als einmal betont. Dennoch wurde ununterbrochen in Form des Antisemitismus gegen dieses Prinzip g.l.üMgt. Keine der Regierungsparteien ist hier freizusprechen. Sie haben alle gleich große Fehler begangen, den EhriftlichsoFialen angesangen, -re ihre Bürgermeister in ihrer judenfviMichen Haltung untevsbutzten, über die Duntrschnationalen, d»a ihre Haken- ' kvouzlermarmen mutig in den Kampf gegen wehrlose Identen und Juden schickten, bis zu den Sozialdemokraten, deren famoser, aber von ebenso, tiefem Spießsrgeiste atmender Sever-Erlaß sich auf demselben. Niveau halt, trifft alle gemeinsam die Schuld. Die RegiermM oh sie mm christlichsozial, soglaldemorkratiisch oder, wie dir jetzige, eine chräsÄchscgüllchakenkevuAevifche. ist, hat vhre Hand dazu gelben, daß die Universitäten dm fremden Studenten den Aufenthalt in Wien nicht nur mmwAich machten, sondern auch verleide haben. Unter d« Maske der UniveHtätsautonomie hat sie die hakenkveuzlerischen Mivepsitätsprofefforen, die infolge Mangels an wissenschaftlicher Schulung sich um so stärker in anti- Miti'schör Politik ausleben, fwi schalten und walten lassen Md hat es bewirkt, daß nicht mchr die wiffenfchaflliche Bildung der. akademischen Professoren, so-ndern vielmehr Lhre U-nkviffenheit und Dummheit zu europäischem Ruf, gelangten. Nych jetzt glaubt die Technik, jvdean Fremden' MbedinAt Hindernisse b:i seiner Aufnahme in ün Weg Legen Zu müssen. Diese Technik, die nur vom alten Fett gehrt, die vielleicht in den FünUigerjahren des vorigen Jahrhunderts etwas geleistet hat, die aber jetzt von der Neinlsten deutschen oder fvauMrschen Technik weitaus überflogen wird..'Welchen Anreiz soll es für den.Wien auffuchenden Universitätsjünger bedeuten, wenn seiner Ausnahme alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt werden? Diese akademischen Professoren wissen in. ihrer Dummheit und UrMdimg nicht einmal so viel, daß sie. mit diesem Vorigehen ihre eigeue Wstenzbevechtiguing auf d« Tauer untergraben. .Herr Bveitner hat den >.*■ HochemM-Rumviel ttfe eine der Ursachen des Ausbleibens der Fremden erklärt. Es ist ganz richtig. Doch dieser Hochenegg und alle die Deutschnationalen, die neben ihm standen, hatten keine Ahnung, daß eigentlich sie allein die Ursache diesesßocheneg^Rummels gewesen sind. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Hochenegg darüber verärgert war, daß ihn die Kranken meiden und chm nicht mehr die großen Aerztchoworare zuströmen. Waren es doch feine intimsten Freunde und Jünger, die der deutschen Kultur unbedingt schuldig zu sein glaubten, daß jüdische Studenten nicht vn Wien Medizin studieren. Ist es denn da ein Wunder, wenn die Eltrrm dieser jüdischen Studenten sich. von diesen antisemitischen Herren nicht. behandeln Lasten wollen und lieber andere klinische Zentren aus-. suchen? Der jüdische Arzt, der, in Wien ausgebildet, nachher in seiner Huimat die Praxis ausübte, hat feine Patienten zu seinen Lehrern geschickt. Der Arzt aber, dem an der Wiener Univevsität die Türe gewissen wurde, wird sicherlich nicht diesen Professoren Patienten zuschicken. Aehnlich ist es mit der Technik. Der jüdische Techniker, der irgend welche Uawevmhrmmgev feiner Heimat leitet, Wiener Morslenzektnns. L vvirmvis BAN KEN VE LT Litt- -1 wwl Bfommanditgesellschaft R/igmund Amarant & Co. Wien, I. Elisabeth «treese 2 iinnkpesf'hHtte nl er Art Dorotheum-Bankabteilung Wien, 1. Dorotheergasse 17 Oesterreichische Holzbank Wien, I. Tuchlauban 17 Tel.: 63-5-25 Serie u. 66-3-05 Tel. Adr.: „Holzages.“ Bankhaus M. koKshfN Wien, I. Maria Thereslonsträsse 10 Telephon 11-4 60, 11-4-61 Wiener Handelskreditbank AG. Wien, i. Wlpplingarstt eise 23 Telegrammadresse: .Hacredo* Telephon 84-8 SS Serie Expositur: I. Sohottenrinc 18a — Telephon 69-H4 hat mstinkt'w an ferner Lchrftätte geklebt und den ofterveichffchen Falbriken lüe Aufträge vrtKt. Wenn er aber jetzt in Leipzig, Cha'vlottenbuvgj, Pavis oder Mailand studiert, wird es ihm sicher Mcht einsallen, die Lanze unbediuiFt für österreichische ErFeugniste zu brechen. Dies sind die iveiteren Folgen, die sich in Konsequenz dieser antisemitischen UmvevMtsPolrtA -einstellen. Die direkten Folgen haben sich schon gezeigt. Die Wiener Universität und Technik werden öde. Das HochschuLbudget muß mit bedeutenden Abgängen rechnen. Der österveichiische Staat kann sich heute nicht den Luxus leisten/für diese akadem-i-- schen Pflanzstätten des Antisemitismus, mcht aber der Wksfenlschaft, viel übrig zu halben. So wird das Universitätsbud'get gedrosselt. So wird aber auch diesen akademischen Professoren und ihren Instituten der Brotkorb, höher gehängt. Sie mögen nur mit chrom Assistentenklüngel, den siein vielen Fallen ausihren Coukeurbuden' und nicht aus ihren - -wiffenis.ch^Mchen Forschungsstätten .MtMbvacht/i «Mich am eigenen Leibe die -FÄgenihrer antdfvniitischens Politik spsiMN. 'Auch -die Astrstenten, die m ihrem'Untisemi-'. tismus noch nicht ^das Mische. Geld derschmikhteu, das ihnen aus den ^Kursen gustoß^ begMuenr-jetzt Äienfalls s 'darüber zu 'klagey/ daß ihre Kurse gsrni^en: iwerperr ^Mch' . daß sie nicht mehr über die notwendkgen^Miittel 'vevsu^m Ist dies? ein Akunder? Als Studenten haben sie. ihren Mischen KommNtonen den Eintritt ry die Universität der- , wehrt und als fertige A-erzte wollen sie gerade von solchen Studenten und von den Auschörigen diefer Studenten und Patienten verdienen? . Mailand, Leipzig, Zürich, Prag und andere Mivevsitäten, die jetzt wenigstens ebenso hohen Rang wie Bien haben, ■ . . - reißen sich förmlich »m diese vertriebenen Studenten, die der Wiener Antisemitrsmus von seinen Stätten fortgewiesen hat. . > Die Folgen stellen sich nicht nur an der Universität ein. Auch sonst hat das Wirffchastsleben dävnnksr zu leiden. Diese 3000 oder 4000 Studenten, die'die Wiener Hochschulen leicht vertragen konnten, haben —- wenig gerechnet — zwei bis drei Milliarden monatlich Angebracht. Der Verlust dieser Summe ist verlorener Vottsreichtnm, den dieje-nigen am ersten.spüren werden, die chr antistmit')sches, jeder Demokratie hohusprechendes «Svudeniterdrecht geschaffen und die . die Universitäten gu Grwidstätten des'rüdesten Antistmitismus herabgewürdigt haben. UMSONST erhält jeder Abonnent der „Wiener Moraemettuite" bei Vorauszahlung der BezugsgebQhr för ein ganzes Jalw in drei eleganten Halbleinenbänden in drei eleganten Halbleinenbänden FOr Versandspeaen des ’ ..Orsefz'* sind ' ausser (ler JahresbezugegebOhr noch 90.000 Osterr, K. zu eotrlöhteo Nt. Depmber 1924 ' ' ' Nr. LOS.' - Damit, daß Bveitnvr die Propaganda gegen fremdländischen Studenten rügt, ist nichts getan. Seiiri Partei hatte diese Folgen längst verhindern Hnmn, wenq sie etlwas energischer gegen diese Mißgeburt Md Bevdvei hung der U niversitälsautonomie ausgetreten, wenn sis offen die jüdischen Studenten als Fremde betrachtet hätten deren Zustrom für die österreichische Wirtschaft unbedingt uotivendig ist. Die Stadt Wien leidet davuter ebenso , wi^ die chriMchsoziale RegieruW. Was sich bei den Studenteq . zeigt, zeigt sich auch sonst bei der merktvürdigen Fremdenverkehrsstatistik der österreichischen Re^ernng, Da bevust man an allen Orten und zu allen Zeiten En^ queten ein, wie der Fvomdenstvom nach Oesterreich bracht werden könnte. Auf der anderen Seite läßt man eiw)LlnL Gemeinden Beschlüsse saffenj, die den jüdischen Kurgästen den Auftnkhalt verbieten. Dda-n laßt auf G.kst« statten Hakenkreuze anbringen und es fldet sich keine österreichische R-egierung, die sich dazu ansvaffen könnte, zuj erklären, daß solche Wirtsstätten öffentliche Lokale sind, niemand wegweisen dürfen imd daß darauf gerade ihvq KontzestionsbMchti'gung bericht. Man macht Reklame fütj die österreichische Alpettwelt in der ganzen Welt und läßt einen senilen Bevgvat, der viel eher auf den Höhen deS Wilhelminenbergies in der bekannten Stätte weilen sollte^ durch nicht gang em>wa.ndfvsie Mitgiliedevaufnahmen eine, Agitation einleiten, daß die.Berghütten keine Juden her-, einilaffen sollen. Es wird dabei nicht bedacht, daß düse^ . Berghütten nur deswegen manniigsache Vorteile besitzen, weil sie als frertzdenverkehrssiörderrch angesehen wurden^ , und daß sie mit dom Mcment ihre Zugeständnisse vnq . -lieren müßten, wo sie und ihre Patronanzorganisationett sich eher als fremLenvertreibend als fremdenverkehrssördernd evwoisen. Auch Südtirölhat schöne Berge. Die , Schweiz ist auch nicht ohne, wen« schon Juden unbsdiM Berge besteigen wollen so «werden sie auch dorthin den Wag finden. Die Folgen hingegen wird nur die vstvrreichie sche Wirtschaft tragen. , ' So ließe sich eine Unzahl von weiteren Beispiele« anführen, die b.weisen köwntsn, von welch ungeheure« wirtschaftlichen Nachteilen, für Oesterreich dieser Anbisemitismus begleitet ist. Ma« wollte sich von der Last dev Mischen Fremden befreien und ächzt jetzt unter der Last der ungüuistvgLn Zahlunysbilainz und der Steuern. D'u^ jetzige Krise hätte lange nicht den Umfang angenommen, wenn - nicht die Folgen . dieser antrse-, mitischen Politik der Nachikviegsjahve sich so kraß singe-, stellt hätten. Während die Schweiz mit der Masse des Geldzustromes Ä» 'letzten Jcchve ihre Währung auf dis' Goldparität erhöben hat, muß Oester-reich im selben Jahve! nach London um neue Anleihen betteln gehen. Es ist zu befürchten, daß die Folgen dieses Antisemitismus noch vr^l stärker sein werden, wenn sich nichE endlich die maßgebenden Kreiffe dazu entschließen, dem Treiben einiger Mrren Ei«hcrlt zu tu«. Sve schädige«!' du-rch ihre Untätigkeit die Psfam'twrrtschaft und Verzöger«! / nur die Echolung der ofterreächiijchen Wirtschaft «iS de» Polnische WIMchastswache. Von vnserem polnische« M. S.-KozrefpoiÄente«. Die letztens veröffentlichte Handelsbilanz Polens füv die M-onale. August und September ist anda-uernd stark passiv. 'Im August betrstg. die Einfuhr den, Wert von LI,23, die Ausftchr den Wert von 63,48, im September die Einfuhr 112.84, Ausfuhr 93,42 Millionen Zloty. Wie stark die Passivität ist, ersieht matt , dm besten aus der Zusammenstellung für die Zeit vom Jänner bis Oktober 1924, wo in den ersten. Monaten dieses Jahres die Bilanz noch aktiv war. In dieser Zeit erreicht die Einfuhr de« Wert von 1002,89, der Export nur den Wert von 895.74 Millionen Zloty. Die Aussichten für die Zukunft sind nicht die besten, die Lage der Industrie ist andauernd ungünstig und vovderhalyd hat , man keine Hoffnungen, daß eine Besser rimg ded Exportes eintreten könnte. , Di« Geldnot dauert mit unverminderter Starke an, nimmt sogar letztens Zu, da zum JahvesWuß Steuer und RatenKaGungen >der Vermögensabgabe, zum Geldfammel» zwingen. Pro Kopf der BevölkeMNg entfallen derzeit vom.. Banlnotenumlaus 15 Zloty, wogegen die Steuer die Höhe von 40 Zloty, also zweieinhalbmäl so viel, erreicht Unter solchen Verhältnissen kann man auch auf keine 'Besserung der Lage aus den polnischen Börsen rechne». Wahrend der Berichtswoche machte der AbbröÄungs- Prozeß weiter« Fortschritte und' fast alle Effekten verlöre» wieder einen Teil ihrer Notierungen.. Nachdem auch aus der Wiener Börse die flaue Stimmung vorherrschend war, fehlte auch jede Anregung vom . Ausland und auch die Avbitragewerte verzeichnen Kursverluste. Cs ermäßigte« sich Zkleniewski-'Mien auf- 950, Tepeae auf 2,10, Gmcßa aus 16,50, Chodorew aus 5,66, Gälizische .Montan ' aus 4,55 Zloty. Verhältnismäßig fester war' die Le-mbevger. Börse, jedoch auch die dortigen Effekten . neigten zur Schwäche. Lewbecher Brau notierte 9,30, Rakszawa 2,05, Hhpothekenlbrnk 0M, Jndustriebank 0,34 Zloty. Malopolskibank andauernd schwach bei 031, Warschauer Dis« sontobank -bei 6,10 Zloch. Cs.besteht derzeit keine Hoff-» nung, düß.ein Stimmungswechsel eintreten.würde. Langsam beginnen die Gesellschaften ihre Kapitalien umzuwerten. Als eine der ersten führt es die Maschinenfabrik' A.-G. Trzebinia in Krakau durch. Das Kapital wurde auf 900.000 Zloty «mgewertet, der SchSüffel .für. die Aktien-« Zusammenlegung M 25 alte für eine neue im Werte da« 50 Zloty. C0$^

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