Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2095 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Po len 20nrmzy| Wien: Zum Abholen in der 1 Expedition, II, Taborstr, 1*3, oder in einerVergchleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00< r Preis K <4001 teuer Ta cheeho-Slowakei. Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. Dinnr6Ö. Polen: Mon. 3l/j Zloty, Deutsehland: Mon. Goldmark 4,Frank r., Kelgion: Mon. Fr ca. 15 IPW" Nach*«h! uns«• ‘M b« rrtfierimtiunv» vt>rb^i«Uw England: Mon,4 Schilling, I ta 1 i.e n: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon.150j.elt Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fret* 4. Redaktion'u. Administration. Wien, H„ Taborstr. 1—a! rdephone: 44-0-38,43-a-l^j AhßUhrabds.21-102,25-282 IX. Universitätsstraase 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar» kansen-fCo&to. Nr. 150.693 Nr. 2895 Wien. Freitag, 19. Dezember 1924 8. Mrgang Marx Dr. Marx' mit de» Parteien. Koalition" nicht mehr lebensWis. Die „Weimarer (Eigrndienst der „Wiener Morgenzeitung".) - ' Berlin, 18. Dezember. . Reichskanzler Dr. Marx wurde heute vom Neichspräsidenten empfangen, übernahm aber lein e n d r r e k t e n A u f t rag zmr Kabinettsbildung, sondern «besprach mit den '%ührern der -einzelnen.Parteien die Möglichkeit einer Regierungsbildung. Die Verhandlungen führten-zu keinem positiven Ergebnis,. da. .die einzelnen Fraktionen aus den -von ihnen gefaßten Beschlüssen bestehen. ----- Die deutsche Volkspa.rtei will sich nur an einer Bürgerblockregierung beteiligen, hat dabei aber nur die Gefolgschaft der Dentschnationalen.' Das Zent r u m hat - sich, entschieden, g e g e n die R e ch t sr e g i e r u n g ausgesprochen, - . die. ihn: nahestehende bayrische Bol'kspartei dagegön istui ' einer allerdings.. eiliigermaßen verschchb-MMenenI Re.solüiisn. hechte für. ejne b'ürgerliche Mehrhei tsst e gier ü ng eingetreten. . Die Sozia I d e m o k r a:t e.nnsind - in ihrer heutigen Fräktionssitzung Mr^?lnGassuM -MauK/daß eine -Regve-! rung des Dürgevblqcks. verhindert Mrdan-muß und sehen, wie ihr Cormuüniqche besagt,' ,,m KüKsicht (!)'auf'die^Hal- . tung ■ der. deutschen OollMxtei"7M der. Bildung derisoge-. nannten * „h l e i n e n: W e i m air e r/KV a li.t i o n".^ '(Zen- - tnum, Demokraten - und' SozialdemdLvaten)',' mit' .-welcher: seinerzeit das Kabinett Wirth regiert hat. die gegebene Lösung. Wozu zu bemerken ist, daß'die heutige Stimmen-. zahl der genannten drei ParteienzieMch. stark hinter der damaligen MrüMeibt und diese lKnalitiou nicht tragfahig - genug ist. Unter diesen Umstanden wird Dr. Marxnicht! in der Lage sein, ein Kabinett zü bilden. - - - ' I Die sozialdemokratische Fraktion hat, ferner heute be- ' schlossen, den Anspruch der stärksten -Fraktlon auf die Besetzung des , - Reichstagspräfidlirms zu erheben und für diesen P-osten wieder'den Abg. L o e b e vorzufchlagen. . ' Die Stvesemänner gegen vre republikanische Verfassung. Die deutsche. Doltspartei beschloß in ihrer hentigm FraEtionssitzung die Einbringung von 18 A.n trägen im neuen Reichstag. Unter diesen Anträgen befindet sich ein Antrag auf Wiedereinführung der ReichsflaWe schwarzweiß-rot, ferner ein Antrag, die A bt er sgrenz efür das aktive Wahlrecht von 20 auf 25'Jahre hinaufzufetzen. Ein dritter Antrag.fordert die Einsetzung einer ZSgliedrigen Kommission, die auf Basis der.bisherigen Evfahruiugen die Reichs V erfa ssung einer Nachprüfung mrterAiehen soll. Schließlich fordert ein Antrag auch die -Na chprüfung ' der l^schasts-ordMng'des . Reichstages,'insbesondere in der Richtung, , ob die DisziplinarchefUMisse-.des ReichKtagslprSfideMnir'Hp:die'Wrchvchz''der!M^slMtz.>desMstsMns.'-Ües R^iD^ß ÄMeichrn. r \ MMschinntz ovMnie^j fcfe ■ MEäyk»EvÜer :;. London, 18.' Dezember.' (VZolff.) MchsOner.' Meldung' des Reuterschen BureauZ e'Eärte MlyMr iEu r z o n Än' Oberhaus, .der Bericht der MteralliiertM Mil i,t a r ko n- ■t r o I i! o m m i s s i o n sei. nicht vor Vom MJr-mver zu erwarten, .da ev durch die beständige, un'd andauernde Obstruktion .. 'von seiten Deutschlä. n d s wa-hvend.der' letzten 'Zjarei. Mhre verzögert. Wörden sei. Sobald er eingegangen sein werde, würden die'Alliierten in die Prüfung der Frage der. Räumung der Kölner Zoneemtveten. - " .. Die krwachenden mobWere« (Vigeudie-nst der „Wiener MorgeMitung^.) Budapest, 18. Dezember. Die Rassen schützler und ihre Cchutztruippen, allen voran die Vereine der Erwachenden Ungarn,-'halten die -gegenwärtige -politische Lage in Ungarn für günstig, u-ril wieder .in.'verstärktem Maße -in Aktion zu treten. „Vilag" weiß auch bereits aus durchaus verläßlicher Quelle zu -berichten, daß die 'Proviuzivererne des Verbandes der Erwachenden vW der Budapester Zentrale die streng vertrauliche Aufforderung erhielten,- unverzüglich eine ihrer Mitgliederzaihl entsprechende Anzahl von Delegierten zu Wahlen, welche sichohne weitere Vevständi-: gung Montag den 23. d.. i n. B ü d a p e st zu melden haben, wo mit Einbeziehung sämtlicher raffenschützlextscher Abgeordneten ein Lande sk on g re ß der E r wa che nd e n Ungarn a'bgehalten werden wird. ' .! ,< Dieser Kongreß, wird .entsprechend einem Geheim- 'beschluß in aller Stille vorbereitet, er darf Weder in Plakaten angekündigt werden m\b auch ' den Parteiblättern wurde jedwede Verlautbarung über '.diese Heerschau" der Reaktion strengstens untersagt. „Dilag" fragt, zu welchen Maßnahmen sich die Bethlen- Regierung aufraffeu werde.'Bei der ^letzten Wahl in M: skalez ist die Regierung mit ihneU >h<rnd in Hand gegangen. - ' Der Ausftand in Albanien. Entsendung italienischer Kriegsschiffe. Nom, 13. Dezember, Die Blätter bringen, eine Nach-. Dicht der Agenzia St.scvm, wonach Italien tzwei Kriegs-. schiffe in die albanischen 'G«MssM,^ptjsaM-'habe, -'fe.yper. das Dementi der Agenzia Stosam dariiLer, daß Jtckien Mit Jngosiawien ein. AbkommenabFeschlossen i^lbe, dgK, die. Avabhgngigheit und Integrität Manipns. verletzet? Die hias-g,e albanische.Gesandtschaft teilt mit, .daß' die ÄlLauische - Regierung heute die. .allgemeiM MoLiliisievung alngoovdnet habe. . Ile tlchecho-slowaWea Beamtenvorlasen. Die Opposition beritt abermals nicht «it. . .. Prag, 18. Dezember. (Tschecho-slotyakische^ Preßbureau.) Das Haus hat -heute chie StaatSbeamtenvorliage (ÄVbaugesetz, Pensiomsten-GleichstellMgsgesetz, Remu- .nerationsgesetz) m Beratung gezogen. SämMche Referate wurden von Abgeordneten der bürgerlichen Koalitions- Parteien erstattet. Hierauf wurde beschlössen, die Debatte über sämtliche Vorlagen unter einem abzusühven. In' der Debatte sprachen zunächst oppositionelle Abgeordnete, daun wurde die Verhandlung unterbrochen -und aus formalen Gründen eine neue Sitzung anbevaumi, die nach füHviertelstündiger Dauer eröffnet wuvde. Der deutsche Sozialdemokrat Mgeordneter Czech gab namens der deutschen und der ungarischen sozia-ldemokmtvschen Fraktion sowie über Ersuchen auch' sämtlicher deutscher, ungarischer und slowakischer Oppositionsparteien mit Ausnahme der deutschen Nationalpartei eine Protesterklärung ab, woraus sämtliche deutsche und ungarische Oppositionsparteien sowie die Ludova Sträna Slovenska den Sitzungssaal verließen. Die deutsche Nationalpavtei hatte an den Verhandlungen überhaupt nicht teilgenonrmen. Nachdem die Oppositionsparteien den Saal verlassen hatten, wurden nach kurzer Debatte die Vorlagen in erster Lefung angenommen. Ser spanische Riiikzug in Marokko. Madrid, 18. Dezember. (Havas.) Jir der w e st l i ch e it Zon e ging die Kolonne des Generals F r a n e o drei Kilometer in der Richtung auf S u k T e l a t a 'vor. wobei sie vom Feinde deftig' beschossen wurde. - In der. Zone von L ar a ch e hat die Kolonne -C a r r a S c o die' Stellring von Dar el Atar nnd jene von Taftof mit Ausnahme eines Lagers geräumt. : das Befinden Herrlots. Dans, 18. Dezember. (Havas.) Die B e s f e r u » g im Befinden des Ministerpräsidenten H e r r i o t schreitet normal feilet bs gibt kein Moidgefindel. Dien. IS. Dezember. Ms im Juli dieses Jahres eine Schwarmlime der Hakenkreuzler in Klosterneuburg ein Arbeiterfest durch eine scharfe Decharge geehrt hatte (wobei acht unbewaffnete Leute verwundet wurden), hielten die Wiener Frontkämpfer eine Nachtübung ab uu>d defilierten^ dann vor ihren Kommandanten. Ein Journalist, fragte, in feinem Bericht die Regierung, ob sie es noch - weiser dlEden wolle, daß bewaffnetes Mordgesindel unter den Augen der P-olizei seinen Hokuspokus betwiben dürfe. Die Frontkämpfer verfügen nun über ein sehr enrpsindliches ' EhvgestM und. klagten den Journalisten^ da -sie sich nicht mit den Hakenkreuzlern in einem Atem nennen lassen wollten, auf Ehrenbeleidigung^ und die Geschworenen sprachen den Journalisten schu'ldig, da er den Wahrheitsbeweis nicht erbracht habe. Die Frontkämpfer hatten nur geübt, die Sturmtruppler dagegen auf Leute geschossen. Sie sind inzwischen aus', der Hast , freigegeben und aus dem Verfahren entlassen-worden. Was sie in Klosterneuburg über den Rahmen einer Uobung. hinaus getan haben, ist nach Ansicht der untersuchenden Behörde nicht straffällig 'gewesen. Daraus fplgt mit vollster Falgerichtjigjkeit, daß auch die Uebung, die, Vorbereitung auf.den „Ernstfall", nicht scharfer angefaßt werden darf. Wenn diejenigen, die auf das Kommando „Achtung, Feuer!" schießen, nichts begangen haben, so sind auch die 'anderen, diedas. Schießens nur . markieren, nicht zu bestrafen. Beide sind höchst ehrenwerte Mtglieder der stäatserhaltenden Gese-Uchast; wep sie. schief anfchaut, wird,, „wie. in Moswvneubürg, in - sMU-nravischer '-SeOstjustch a-ngeschossen; werße Mord- - gesirchel' heißt,' muß .zehn Millionen Mwnchr 'Geldstrafe l zahlen oder einen Monat sitzest. . IW Nanien der' Republik. Daß bi*c' Verwundeten von Klosterneüburg nicht , auch noch ' obendrein eingesperrt werden, haben sie nur einer rühmenswerten Milde zu verdanken.; Die Freilassung der Schützen in dem einenFalle und die Schuldigsprechung des Journalisten ' in dem anderen Falle geben zusammen ein Urteil, das über den konkreten Anlaß weit, hinausgreist. Die Frontkämpfer und die Sturmtrupps sind, wie die Verhandlung Meder ftststellen ließ, bewaffnete Formationen, Körperschaften mit Gewehr und Messer und MitraMeusen und ähnlichen „Sportwerkzeugen". Sie haben einen, gewisien Zcheck, eine Art. Funktion .in. dem Bau der Wr'reichifchen Gesellfchast, und da es Mnmehr verboten ist. ihnen in den Weg zu treten oder sie Mordgesindel zu nennen, so sind sie offenbar zu der Anschauung berechtigt, daß ihre Funktion im Sinn und Interesse der OeffenMchkert liegt. Die Frontkämpfer bilden ihre Front zur Bekämpfung des Marxismus, als da' ist:' Sozialismus, Pazifismus, Demokratie. Sie fasten diese drei Elemente In . eines zusammen und sagen schlicht und einfach: Die röten Juden.' Die Nationalsozialisten ha'ben Pas gleiche Programm, nur ist es volkswirtschaftttch verbrämt und in. seinen Ausfühvu n-gensbestirmnu ngen weiter gesteckt. Sie. sagen: die Juden überhaupt. Beide wenden sich gegen Einwohner, Bürger des Bundesstaates Oesterreich. Wird nun ihr Programm, das minimale wie das maximale, das der Vorbereitung oder der Tat, durch behöMiche Beschlüsse oder durch Geschworenenvevdikt als sakrosankt erklärt, so heißt das erstens, daß die Juden außevhaW des Rechtes stehen, und zweitens, daß Frontkämpfer wie Hakenkreuzler zur Führung der Waffe und ihrem Gebrauch, befugt sind. ' Klarheit tut immer gut, und je schärfer umschrieben wird, was in Oesterreich als Gesetz zu gelten hat, um so bester. Nun besteht aber noch ein getvistes öffentlichrechtliches Bakuum. Die Verfassung und der Friedensstertrag wissen nichts von Frontkämpfern oder Hakenkreuzlern. Sie kennen nur eine Armee, die etwa CCiOOO Mann betragen soll, Uniformen und Waffen tragen dürs und zur Verteidigung des Vaterlandes dient.-Diese Armee lostet jährlich 630 Milliarden, was ungefähr dem - Defizit'des.Staates entspricht. Ta- Oesterreichs Integrität .durch die Genfer Konvention garantiert ist, das . Vaterland also aus diesem Titel nicht als bedroht gellen kann (zumal ja niemand wüßte, was er mit dem Berg-, länderbund beginnen soll), so hat die Armee eigentlich keinen Zlveck. Tie Chrisilichsozialen und die Sozialdemokraten haben dies, auch entdeckt und streben danach, die Armee zu entpolitisieren, das heißt zur Parteigarde m macken. Dieses Streben hat ja eben erst beide so stcvck