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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-18 · Heft 2094 (18.12.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2094 (18.12.1924)
Date
1924-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I I Pol an 20 aroszyl ■ Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einer Verse hieisstelle (Trafik) monatl. FC 40.000 * Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bes,. ' Wollreile II ■ Mit Postversand für Wie» u Gestern monatl. K 40.00« Tschecho-Slowakei Mon. K 20. Jugoslawien Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3‘/t Zloty, Deutschland: Mon. Gold mark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 15 lener MS* Na eh « ah I o n j»«a “MS bei Preia^rhöhuneeB »erbeb «Ue* Nr. 2094 Wien. Donnerstag. 18. Dezember 1924 | Preis K I4QO| England:.Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Pu manie nMon. 150 Lei, Bulgarien Mön.80 Lewa, S ch w e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. Redaktion u. Administration I Wien, II., Taborstr. 1-81 Telephone: 44-0*38,43*3-19, | Ah6Uhrabds. 21-102,25-2821 IX: Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) O österreichisches Postspar* leassen-Konto Nr. 150.698 6. Mrgaug Lklarz - Sesterreich Cm seiner Komvagnon. Die „Wiener Movgenzeltun'g" hat bereits im Oktober dovausgesagt, baß der . Wöllersdorfer Berschleppungsskaudal vertuscht werbenwird und daß sich ' ' die Regierungsparteien auf diesem Gebiet -in Brüderschaft finden werden. Die Regierung hat nun, wie gestern gemeldet, tatsächlich mit dem SÄarzschen Metallumkonzernin Berlin einen Ausgleich geschilosien, der im Wesen > die Änevkennung des Herrn Heinrich Sklarz als Kompagnon der Republik Oesterreich aussprichL Wer ist nun dieser Kompagnon? Diese Frage ist, wie man zugeben mutz, sicherlich berechtigt. Herr Sklarz führt eben in Bautzen in Schlesien einen Prozeß, bei dessen Einleitung die folgende Liste der Vorstrafen ' des 5Aägers festgestellt wurde: Dreimal hohe Geldstrafen wegen Steuerhinterziehung. Einmal hohe Geldstrafe wegen Nötigung einer Behörde. Drei Monate Gefängnis wegen: Bestechung. ' ' Die österreichische Retzierung>---die aus Vertmuensmännern der C h r i ft t i ch stoz i a l e n und Gr o tzdeutschen, also ... . . . - . antisemitischen Parteien besteht, schließt ein Kompaguiegeschiäft mit einem Manne von solcher Vergori-geiiheit. Die antisemitischen Parteien verbrüdern sich mit einem Judevstämmlmg übelster Sorte. Ihren Antisemitismus betätigen sie ansonsten in reichlichem Ausmaß au Juden über die kein Baratt existiert und keinerexistieren kann, weil sie sich nie gegen -das Gesetz vergangen haben. Jüdische Studenten werden von den Hochschulen verdrängt, ftüdiische Prose sso r'e n a-ngopvdelt, j ü d i s che äle ing ewe rbetreibende, die nur ihrem Berufe;nachgehen wollen, werden schikaniert. Die .arische WisseuHaft- und das bodenständige christliche Gewerbe müssen vor den Juden,geschützt werden. Auster anderen Seite aber schließen, diese Antisemiten mit -emem i vorbestraften Individuum dunkelster Art ein '.Kcm'pägnvegeschäft ab, ohne sich -dabei au der jüdischen Abstammung des Gogenkdntrahenten zu stoßen. Ob. , ein. solches Geschäft der Kreditfähigkeit und _ . dem guten Namen der Reprihlik i im Ausland nützen .wird,7 darüber werdest' sich Wohl , die - DhriMchsöziailen/' wie die.GrößdeüLsch^^. Llinßrs.Mnschnrdg! hingebeiL können... . UaAberlM gegen die AllianüierSMe. London, 16. Dezenrber. (Reuter.) Das Oberhaus hat vutfc^ 356 gegen 136 Stimmen. den Zusatzautvag der A rbeiter.Partei abgelehnt, worin dem Bedauern über die Politik der Regierung Ausdruck gegeben wirdi die den Bau von brlligenWohnungen der' Pribatindustrie überlasse. In Beantwortung einer Anfrage Kenworthhs iur Unterhawse erklärte?lußenmini!fter 'C Ha mberla i n, er habe niemals beim Ministerpräsidenten H e r r i o t die. Anregung genracht, mit Bviand in Nom über den Abschluß eines englisch-französischen Pa kt es gegen die b o l s ch e w i k i s ch e, die d e u t sch e und die p a u i s l a m l t i s ch e Gefahr zu verhandeln. Die Vorzugszölle. In Fortsetzung der Adreßdebatte brachte der Abgeordnete Wedgewood-Venn eiriert liberalen Zusatzantrag ein, worin das Bedauern der Liberalen darüber ausgedrückt wird,, daß die Thronrede keine praktischen Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit enthalte, sondern im Gegenteil. die Einführung hoher Zölle ankündige, die die Lebenskvsten erhöhen und die Arbeitslosigkeit noch, vermehren würden. Bald Win antwortete sofort. Er führte einige Negierungsnmßnahmcn an, die. der Arbeitslosigkeit steuern sollen, wie Schissbauten und die Förderung des Zuckerrübenanbaues. Der Premierminister verteidigte die Vorzugszölle. Herriots Befinden. Paris, 17. Dezember. (Habas.) Die st etige Besferuug im Gesundheitszustand des Miuiftevprästdenten H c r r i o t rechtfertigt die Erwartung, daß der P.itie"t u ä ch st e W o ch e das Bett Verlässen wird. Sie deuisch-franzWschen Berhaudlunge» wieder unterbrochen. Paris, 17. Dezember. (Havas.) Staatssekretär. von Trrrtdelenburg ist infolge des Ablebens fein.es Vaters nach Berlin ab geweift. Die deutsch-französischen Handels vertragsverhandlungen sind bis zu seiner Rückkehr, u n 1 -e r b rio. ch e u worden. Angesichts der Unmöglichkeit,. den. Händelsvertvag vor dem. 10. Jänner 1925 abzufchließen, ist es.Ivahrscheiulich, daß Fvainkreich und Dsittschland den Status, quo/provisorisch aufrecht erhalten' werden. StrekMaM lehnt aö. lC',' i.imst der „Wiener Morgenzeitung".) Berl u.. 17. Tezeniber. Der Reichspräsident hat heute dem Re chsm'nister des Auswärtigen Dr. S t r e s em a n n die Regierungsbildung angeboten. Die deutsche Volkspartei jedoch, welche fiir eine Bürgersleckregierung eintr'tt, hat sich infolge des Be- 'chlnsses des Zentrum s, sich an' Liner Koalition der Rechten nicht zu beteiligen, entschlossen, sich an der Regierungsbildung nicht führend zu beteiligen. Aus Grund dieses Beschlusses hat Reichsminister Dr. S t r e s e m a n n den R ichspräsidenten gebeten, von der Betrauung seiner Person mit der Regierungsbildung abzusehrn. We verlautet, soll eine „überparteiliche" Per'vnlichkört mit der Kabinettsbildung betraut werden; es wird -er bisherige amerikanische Botschafter Wiedtselbt genannt. Eine Koalition der Mittelparteien mit einer umgebildeten Regierung Marx, ist durch den letzten Beschluß der deutschen Volkspartei unmöglich geworden. Allgemein wird verwirkt, daß bei der Wahl des Vorsitzenden der d e n t s ch n a t i o n a l e n Reichstagsfraktion Graf Westarp unterlegen und der Abgeordnete Schiele zum Fraktionsdorsitzenden gewählt wurde. Dr. NenesÄ über das Genfer Protokoll. Prag, 17. Dezellnber. (Tschecho-slow. Preß-Bur.). Im Anßenausschuß des AbgeordnedenilMses gab heM Minister des Aeußern Dr. Be ne sch Erklärungen über die außenpolitische Lage. In Rom sei die I.uichtige Frage der M i l i t ä r k o u t r o l l e Deutschlainds, Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens verhandelt worden. Diese Fv.ige fei in ihreit Grundzügen gelöst worden, während die Verschiebung der Vorbeveitmigen. zur Geltendmachung des Genfer Protokolls d-iests Problem u n g e l ö st lasse. Er glaube nicht, daß dies eine Berschiobung der Frage des Protelolls ad calendas graevus bedeute, ebenso wie sich andererseits niemand, der die Lage kenne, eine Illusion >darüber mache» daß die Geltendmach u n g d e s P r o t o k o l ls noch bedeutende Zelt- und eine Reihe v o n,B e r a t u n g e n erfordern werde. , Der Minister hob sodann^ vom- Siandpunkt der tschecho-slowabischon Außenpolitik die Handelsvertrugsvevhandlnmgen namentlich mit Oesterreich bervor, Ser Kamvl regen dr« liidische Stecht. —y. Wien, 18. Dezember. Ueber den Jemfalemer Preßprozeß gegen, den „Doar Hajom" ist hier bereits berichtet worden., Das Blatt hatte in einer Glosse, die der Taufe .Hans Herzls galt, eine Anekdote erwähnt, die sich auf. die. Taufe Chvisti bezog. Der lateinische Patriarch Barlassina, der auftragsgemäß sich über alles Jüdische ärgern muß, schlug gewaltigen Lärm und veranlaßte trotz einer inzwischon erschienenen Lot-alitätserNärung der Zeitung einen Prozeß. Es ging bei der Verhandlung ganz.europäisch zu. Barlassina hätte sicherlich gerne - Daumschvauben und spanische Stiesel gesehen. Mer da die Jnkulpaten geständig waren, konnte die Inquisition beruhigt schlafen. Der Zeitnngsherausgeber wurde zu fünf Pfund Strafe, der Autor zu 25 Pfund verurteilt. Der Jerusalemer M.-Korrespondent der „Reichs- Post", dessen Stimmungsmacherei gestern von uns'besprochen wurde, ist mit dem Urteil nicht zufrieden. Er nimmt es gewaltig krumm, daß der anglikanische Kanonikus Tanby, der als Sachverständiger geladen war, sich durch den Artikel nicht beleidigt gefühlt hatte. Er kanzelt darob die Anglikaner höchst unwirsch herunter. Diese Seite der. Sache ist für uns nebensächlich, obzwar sie den Ernst der angeblichen Beleidigun'g. deutlich illustriert. Wichtiger ist, daß der Korrespondent die eine Anekdote zu „blasphemilschen Angriffen auf das Christentum" potenziert, genau so wie sein Herrmnd Meister, '^rnMorvsignoreMlrlassiM:M-MützM^lM^LchlM^rM Ausland alle gläubigen Gemüter ^egen:das Judentum aufgePiMert. werden können und sich zu' einem neuen KreuMg sammeln. Zu diesem höheren; Zwech -ad maforem dei gloriam, entwirft der brave Berichterstatter ein wahres Gvnselbild: „Nsuerdiiygs bricht sich im Volke die UcherMigu-ng immer mehr durch, daß im Heiligen Landender Wiege des - Ghristentums, die Katholiken gegen das Gespött und die .Verhöhnung ungläubiger Zionisten nicht gsnngend göschützt sind. .. Desivcgen. erneuern die Christen Palästinas ihren Entschluß, ' mit der größten Energie jede zionistische Provokation zu bekÄnip-fen. Hier handelt es sich nicht um Antisemitiswns, sondern um den Schutz religiöser Rechte, die von einer acheistischen Bewegung bedroht sind und welche cvüch die Protestanten interessieren sollten." Es ist selbstverständlich kein einziges Wort wahr in diesem Jammerruf. Die Wiege des Christentums ist keinen Augenblick bedroht. Aber sie wird geschickt dazu verwendet, um die Wiege des Judentums den Inden vorzuenthalten' und der Außenwelt vorzuspiegeln, daß das berechtigte und völkerrechtlich anerkannte Streben der Juden nach einer freien Zukunft in ihrem Larrde Spott und Hohn für dos Christentum bedeute. Diese Tendenz richtet sich insbesondere an die Mresse Englands als der mit' der Ausführung des Mandates betrauten Macht, und um sie von ihrem Auftrag abznbringen, läßt die Kurie außer den profunden Entstellungen des Monsignore und seines M.-Leibschreibers auch noch das reiche Register ihrer politischen Mittel spielen. Sie stellt England ihren Einfluß im Orient zur Verfügung , und hat bereits einen ihrer englischen Hierarchen zum Weihbischof in Jerusalem ernannt. Sie beglückvünscht England zur Haltung gegen Sowjetrußland und das,' obzwar sich zwischen Moskau und Rom bereits sehr intime Fäden gesponnen haben. Die zwei Mächte des Dogmas wollen Übereinkommen, einander nicht zu stören und sich lieber zu vertragen. Der Glückwunsch an London ist ja sicherlich politisch irrelevant, weil ja die Konsovvaftven zwar den Handelsvertrag verworfen, aber die Anerkennnng Rußlands nicht zurückgezogen haben, was bedeuten will, daß auch sie zu Verhandlungen nicht alle Brücken abgebrochen haben. Mr.' Chamberlain mag darum die Gratulation des heiligen Vaters nicht allzu schwer aufgefaßt hoben. . Aber die Vorgänge, die sich am 10. Dezember in Rom.abspielten, beweisen, daß der Kampf der. Kurie gegen das jüdische Endziel auf allen Terrains geführt wird, und daß er nunmehr auf das heikelste Gebiet getragen worden ist. Außer Chamberlain wellte auch der Generalsekretär des Völkerbundes im Vatikan und es VIEL GELD ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen- und Herrenwäsche, Leinenwaren, Strick- und Wirkwären, Teppichen, Vorhängen usw. int Warenhaus [ Schiffmann II. Taborstraße 48 Telenhon 47-1-78 Pn gros Eit datali

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