Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2088 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Po len 2Q nroszy I Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taboratr. 1-3, oder in einerVerachlelsstelle (Trafik) monatL K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien o, Oesterr. monatl. K 40.000 Ts ehe c h o-SI owi k ei i Mon. K-20. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon, SV« Zlotv, Deutschlandi Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Fres. 15 sr Naebsablea Pr*U»rV*Rli«n>y«B H vorbchiltai Sr. 2088 Wiener Wien, Freitag, IS. Lezember 1824 [ prelfl K 14QO| England: Mon,4Schilling, Italien:. Monatl. i5 l-ire, Rumänien Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und dai übrige Ausland monatlich Fres. 4. Redaktion ». Administration Wien,!!., Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-38.43-3-19. A'i6Ulirabds. 21-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichische« Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 6. Jahrgang Sie Völlerbundtagum. Rom, 11. Dezember. Der VÄkevbundrat hat heute nachmittags 'die Jrakgrenz e, die Einsetzung einer Kommiission für die Fortentwicklung des internationalen Rechtes, die Frage der Mohammedaner albanisch en Ursprungs in Griechenland, die Saarfrage (namentlich mit Berücksichtigung des Schulwesens) und die internationale Staatenver- «Lnigung für gegenseitige Hilf« bei nationallen Katastrophen besprochen. Am Schlüsse der heutigen Sitzung richtete der englische Mhenmiirister Chamiberlain, der Freitag vormittags Rom verläßt, einige Albs chiedsw orte an die Mitglieder des BÄlkerbundrytes, in denen er diesen für seine Aufnahme dqnlkte. Er wolle die Rats-mit-Mder versichern!, daüer nach Ervcrliand mit einem noch größeren Re spekrvor dem Völkerbund zuviickckehre, da er ihn jetzt persönlich am Wevke gesehen halbe. Er habe sich überzeugt, mit welch gutem Willen, mit welch gegenseitiger Berücksichtigung und mit welchem Geschäftsgeist die Fragen behandelt wurden. Er kehre «deshalb mit -einem vergrößerten Vertrauen in die Zukunft des Völkerbundes nach England zurück. Die Militär kontrolle. lJtt der hieraus folgenden zweistündigen nichtöffentlichen Sitzung «beschäftigte sich der Völlkeribuindrat mit der Frage der Ausübung seines^ Mili.tä.rkontrollrechtes in Deutschland ^"sterreich, Bulgarien und Ungarn. - Cs wurde eine Entschließung Briands angenommen, die die Permanente -könfultÄive Kommission für Militärsragen beaustmgt, dom Rat Praktische Vorschläge zur Anwendung aus die entmilitarisierte Rheinzone vorzulegon. Die Blatter beri«chten, daß ail-8 Vorsitzende für die militärischen Un-tersu!ch.u>ngskommi'isionen, die eventuell von Fall zu Fall an Stelle der bisherigen Militärkontrollkommifsionen in den besiegten Ländern treten sollen, für O e st e r r e i ch ein Vertreter Italiens, für Deutschland ein Vertreter Frankreichs, für Ungarn ein Vertreter Englands und für Bulgarien ein Vertreter Schwedens ausersehm se>ien. GrÄnbergers Besuche. Rom, 11. Dezember. BumdeAminister a. D. Doktor Gründerg«er hatte heute vormittags eine Aussprache mit dem jwA slawischen Minister des Aeußern Dr. N i ne i e. Den Gegenstand der Erörterungen bildeten Pie beikanntlich derz-eit in Wien geführten österreichischjugoslawischen Handelsvertrags Verhandlungen. Heute Mittags wurde Dr. Grünberger - dom Papst in Privataudlieuz empfangen. Er -war hierbei vom österreichischen Gesandten beim Heiligen Stuhl, Doktor Pastor begleitet. Sodann stattete Dr. Gvünberger -.in Begleitung des Gesandten Dr. Pastor dem Kavdinalstaatsstkretär Gasparri einen Besuch ab. Am klagen gegen die litauische Minovttätenpolitik. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 11. Dezember. Unter den vielen Angelegenheiten, mit denen sich der Volk erb und rat während seiner römischen Tagung zu befassen hat, haben die vorliegenden Beschwerden der nationalen Minderheiten von Litauen besonderes Interesse. Zunächst liegt ein Ansuchen der polnischen Minderheit «wegen Entsendung. einer Spezialkommissiou nach Kowno vor «mit «dem Austrag, die Be>schwerdePn>Me an Ort und Stelle ' zu überprüfen. Im selben Sinne ist das Komitee der jüdischen Delegationen uame-n's der jüdischen Minderheit in Litauen und gleichzeitig wegen Wiederherstellung der widerrechNch ausgehobenen Autonomie de r ,I u d e n in Litauen eingeschritten. Interessant und politisch bedeutungsvoll iist eine umfangreiche g?-meinsame Denkschrift der vier nationalen Min.derheiten in Litauen: der polnischen, deutschen, jüdischen und russischen Minderheiten in Anges«egerche>it -der nationalen Vertretungen in der litauischen Na-tiönalviersammlung. Dieser Denkschrift -liegen auch bereits die Gutachten französischer-und schweizerischer Fachgelehrter des internationalen- Rechtes be«i, die übereinstimmend schstelle-n,daß -die Bergungen «der «litauischen Regierung! sowohl dem Gesetz über de Mind'eoheitsrechte als auch der litauischen StaaMerfassung widersprechen. Wie Deutschland abrWet. Die Pariser Ausgabe der „Daily Mail" berichtet über das Ergebnis der Tätigkeit der Mrillt ärkontrollkommission in Deutschland. Die Schlußfolgerungen der Kommission seien folgende: . 1. Die interalliierte Kontrolle habe kein bestimmtesErgebnis gezeitigt, weil die Arbeit der KommPon von den deutschen Behörden sabotiert worden sei. 2. Der Völkerbund sei aus diesem Grunde nicht in der Lage, die Abrüstung Deutschlands .festzustellen. . 3. Deutschland setze seine Rüstungen fort, habe den General stab wieder organisiert und sei imstande, einen neuen Offensivkrieg vorzubeveiten. 4. Deutschland besitze außer der Reichswehr 100.000 Mann 'bewaffnete Polizei. 5. Die Maschinen zur Herstellung «von Kriegsmaterial seien nicht zerstört, Ka-uonen und Munition in großen Mengen hergestellt worden. Seerkt mutz gehen? (Eigendie-nst der „Wiener Morgenzeitung") Paris, 11. Dezember.. „Journal" meldet: Im Bericht der Iüterall'i'ierten MNtärlkontvoVlkoM'Mission wird die Aufhebung des Postens des -Generalissimus der Reichswehr verlangt und Htgestellt, daß die Schleifung der KlüstenbchestiFUNgen nicht erfolgt ist.' Die Demifsisk des Kabinetts Marx. Nächste Woche. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 11. Dezember. Reichskanzler Dr. Marx stattete heute vormittags dem Reichspräsidenten Ebert eiuen Besuch ab und berichtete ihm über den Verlauf der gestrigen Kabinettssitzung. In der heute nachmittags stattgefundenen Sitzung hat das Reichskabinett den Beschluß gefaßt, dem Neichspräsidenien zu Beginn der nächsten Woche das Rück triits«ge such zu unterbreiten. Der neue Reichstag soll noch vor Weihnachten zur Wahl des Präsidiums und zur Vorstellung der neuen Regierung z u s a m m e n t r «t e n und sich dann bis zrmr 25. Jänner vertagen. km MißtrsuenevoMm für de» kölnischen UnterrichtsmiMer. Warschau, 10. Dezember. (I. A. T.) Wie erinnerlich, hat der polnische Unterrichts-minister M i k l a 's z e w s k i während seimr letzten Anwesenheit in Wilna dem jüdischen Deputierten und Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Wilnas, Dr. Wigcdski, gesagt, er wolle nicht die jüdischen Schulen besuchen, da die Juden Fein«de des polnischen Staates «sind. Als nun am 5. Dezember das Budget des Unterrichtsmintstertu'ms i«m Sejm beraten wurde, brachte Deputierter Wigodski den Vorfall in Wilna zur Sprach« und beantragte, al's Zeichen der Mißbilligung für den Unterrichtsmiuister von dem Budget 100 Z'oty zu streichen. Der Antrag wurde mit 146 gegen 132 Stimmen angenommen, , MMaszewski seines Amtes enthoben. Warschau, 11. Dezember. (P. T.-A.) Entsprechend dem Antrag des Ministerpräsidenten enthob der Staatsprälsident den Unterrichtsminister Boleslaus Miklasze wski von seinem Amte und ernannte zum Leiter des Unterrichtsministeriunis den bisherigen Chef des Unterrichtsdepartements Zawidzki. Wie die Blätter -melden, soll da«s Unterrichtsministevmm erst nach der Rückkehr des Abgeordneten StmMans Grabski aus Rom dofmitiv -besetzt werden. Gvabski gilt als vova«uSsichtl'!«cher Kandidat für den Posten des Unterrichtsministers. Die Blätter nenuen als Zjve.iten Kandid-'ten den ehemaligen Ministerpräsidenten Penikowski. za-MI Pascha erkrantt. Paris,. 11. Dezember. (HaVas.) Wie „New Por«k Heva«ld" aus Kairo meldet, ist Zag hl ul Pascha an einer L u n g e n e n t z ü n d u n a erkrankt. Sein SMtajtih Ät ern«st. Hi«» Herz! als »athilWn NWmär in Wien. Unsere Behauptung, daß die katholische Kirche dir Taufe Hans HerM, des Sohnes Theodor .Herzls, für ihre Zlvecke ansnützen wird, hat rasch Bestätigung gefunden. Hans Herzl soll nunmehr,als Streiter fitt den Katholizismus' gegen das Judentum, vor allem aber gegen den Zionismus, also gegen die Wiederaufvichtung des jüdischen Volkes, auftrcrcn. Wsi r e*r'f ä h rem a ü s a b s o l u t s i ch e r er Q u e I le, daß H a ns Herz!' i n de n n a ch ste n Ta.g e n i n Wi e n c i nt r e f f e n w ird, u nd zwarim Austra g e de r k a t'h olischen Kirche und m it e iner ste sti numten M i ssi o n. Er hat die Wersung cvt>atieu, Spenden für den Armenfonds der kacholiscken Kirche in.Wien einzuheben. Es ist wohl klar, daß es der Wiener Klerus nicht nötig hat, für teures Geld Sammler von Woihnarbtsspenden aus London zu. beziehen. Ueber Menschen, die an Erfahrung und Fähigkeit auf dem Gebiete des GeldsanunÄns dein Hans Herzl 'zumindest, glejchkommen, verfügt der Wiener Klerus in reiHkicheln Mäße.- Der Sohn des größten jüdischest Führers soll -einfach als Schaustück verwendet werden. .Der Mlye. seines Vaters' soll benützt, werden, um Türen, und Herzen' zu öffnen, die bisher der, kätholischen Propaganda veviMossen geblieben sind.' Die Sensation, welche sein. UebertM ex-> regt hat, soll nunmehr 'a-usge-münztwerdtz-y.,-./.^, , Wir steheü nicht, ach zu behaupten, iwß die Wenep Mission Hans. HerMnur den Charakter eines. Versuches, eimr Lehrlingsäufgabe' trägt. ' Hans Herzl in Wien ist nur ein Anfang. Wenn das Wiener Experiment auch nur annähernd den Erfolg zeitigen wird, den - sich die Auftraggeber versprechen, wenn Hans 'HerA sich nicht als völlig unbrauchbar erweisen wirdj -glauben wir, ihn bald dort zu sehen, wo heute das Zentrum des großen Kampfes ist, welchen die katholische Kirche gegen das lebende, aufgertchtete Judentum führt/ in Palästina. Dort, wo des Vaters herrliä-es Gerne '-neues, kraftvolles jüdisck^es Leben hervorgezaubert hat, - dort' wird der kleine Erbe des großen Namens vorgeschoben werden, als Streiter gegen den Geist des Vaters. Vor Hans Herzl braucht das Judenvolk wahrlich nicht M erzittern. Aber es wäre töricht, den Umstand zu; ignorieren, daß hinter dem -schwachen- Täusting das starke Rom stcht, Rom, in dessen Händen das unscheinbarste Instrument zur scharfen Waffe werden kann. . / Weihnachtsgaben für arme Chvistenkmdlein sammeln, warme Hüllen für frierende Kleine und- Feiertagskuchen und blinkendes Spielzeug, das ist' eine schöne Sa-che. Wer ohne Hans Herzl hat's die katholische Kirck^e auch zuwege gebracht. Twrum mußte sich Herzls Schn nicht taufen lassen. Und dennoch soll man nicht daz-n lächeln, wenn der Klerus den^Hans Herzl als guten Weihnachtsmann von Tür zu Tür ziehen läßt. Es ist nur die erste Episode. Die nächste wird weniger harnrlos sein? _ Samuel Sompers gestorben. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) ' London, 11. Dezetnber. Wie ans Mexiko gemeldet wird, ist dort der Führer der nordamerikanischen Getver-kschastsunion, Sant«nel G o m p e r s, gestorben'. Gvmipers war mit 200 Del^iertien der nordanier'lkauisckM ÄrbEltersedemtion nach Mexiko gekomuren, ri«m an den Feievlichkeiten des Präsidents-chastsantrittes dirrch den neuen wex'ckansschen Präsidenten, Ge ne ml Callles, teilznnehmen. Sanruel Gompers hat ' ein Alter von 70 .Jahren erreicht. Er sta-wd seit 23 Jahren nnunierbro-chen an der Spitze der nordamerikamschen Gewerk-. schläftslunion. _ . . . Die muarWe TrrrokseWftsordnms. ' Budapest, 11. Deze.'.nber. (U. T.-K.-B.) In 'der heutigen Sitzung der Natiouaiversa'Mmlnng wurde die neue Geschäftsordnung auch in den Einzelheiten a n g e-' n o m m e m Da die neue Geschäftsordnung in -der nächsten Session m Kraft tritt, -wurde eine Zuschrift des Rvrchsver-. 'wesers verlesen, womit die e r st e S e s s i o n der Rationalversammlung heute geschlosse.n und dpzw eit: Session firr morgen einterufen wird.