Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2084 (7.12.1924)
- Date
- 1924-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Polen 20proszyI Vien: Znm Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einer Verscbleisstelle (Trafik) monatl.K 40.000' Strassenverkauf, in Wien durch die. Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien t Oesterr. monatl. K 40.00 TschecHo-SIowa ke Mon. K 20 Jugoslawien Mein. DinaröO. P o I e n: Mon J*/» Zloty, Deutschland Mon. Gofdmarlc 4, F r a n lc r., Belgien: Mon. Frcs. 15 WM* Naehtr » »«v *W M PrefMtrhMvorhehaltes i teuer l P--SI-- K 1800 I England: Mon.4 Schilling, ,1t a I i e n; Monat*. 15 i.irt, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. SO Lewa, Schweiz and das übrige Ausland motutüch Frcs. 4» Redaktion n Administration Wien. II., Taborstr, 1—5 .sleplione: A'Wfcrahd« 2M02.25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisehes Postspar * -^orto Nr. mmoBommmmmmmmmm Nr. 1884 fflien. gonatog. 7. Setemtiet 1921 8. siaftrqana Vor der Bolkerüundtagung rn Rom. Die Dcrclubarttngen zwischen Herriot «nd Chamberlain. Paris, 6. Dezember. (Havas.) Bei der Zusammenkunft deS englischen Außenministers Cha mb erlain mit dem französischen Ministerpräsidenten H.e r r i o t, welche überaus herzlichen Charakter trug, wurden mehrere auf die bevorstehende Tagung des Bölkerbundrates in Rom bezügliche Fragen behandelt. Was die S i ch e r h e i t Frankreichs anlangt, so versicherte Chamberlain dem französischen, Ministerpräsidenten, Latz das englische Kabinett sich bisher nicht mit Nutzen dieser Frage widmen konnte, da es'andere, dringende Probleme zu lösen hatte. Dis beiden Minister haben auch die Frage der Räumung des Kölner Brückenkopfes geprüft, die möglich ist, fällö die interalliierte Kontrollkommission, die gegenwärtig den Stand der Rüstungen Deutschlands feststellt, einen befriedigenden Bericht erstattet. In diesem Falle würde der Völkerbund die Kontrolle Deutschlands übernehmen und es ist nur logisch, daß Frankreich den Vorsitz in dieser Kontrollkommission führet Chamberlain sprach Herriot heu Dank aus für die Haltung die Frankreich gemäß den Verträgen im anglo-ägyptrschen Konflikt eingenommen hat und 'versicherte ihm, > Latz England das gleiche Desinteressement an den Tag legen würde, falls die Ereignisse in Marokko zu etwaigen Weiterungen führen follterr. ' Auch bezüglich -er Fragen des na hen Ostens, die in Rons zur Verhandlung kommen, wurde zwischen: beiden Ministern volles Einverständnis erzielt.. Frankreich und Englqnd sind übereiiygekommen, in KonftantinoPel .B o tschaffr^ zu bestellen, -itz Zeitweise in Ars göra-ihren Sitz werden nehmen können. Beide Länder beabsichtigen, g e m e ins« m e Nicht-; liniek in der Politik gegenüber Sowjetrußland festzusetzen. - Äe Besprechungen, welche zur Feststellung gemeinsamer, dem Wesen der Entente cordiale entsprechenden Ziele in der Politil beider Länder wesentlich beitrugen, werden nach der Rückkehr Chamberlains aus Rom fortgesetzt. Im übrigen dürsten die beiden Minister noch itn Jänner zu einer eingehenden Aussprache Gelegenheit finden, au der, wenn möglich, der britische Premier Bald Win teilnehmen, soll. , Die Vorbereitungen in Rom. Rom, 6. Dezember. Der bvMche Minister des Aentzevn C h a m b e r l a i n, der heute abonds mit dein Pariser Expretzzug vn Rom singetvoffen ist, wird morgen vormittags dem MmdsterpräsideMn Musso l i n i einen Besuch aibstatten. M-chmittägs wird bereits die e rst e V e rsam m* lung der Delegierten des Völkerb-undrates im Palazzo Doria sta-ltisin'den, um die Eröffnungssitzung am Mon t a tz. vovzubevoiten. Ciha>mbeMi-n wird Montag die Vertreter der Presse empfangen. Generalsekretär D r ü m m o n d ist heute früh aus MaÄand in Rom ei-ngetvöffen, Mgfeich mit Avenol und dem ts'checho^awaikischen Gesandten in Wien Dr. Krofta, der Dr. Benesch bis zu seinem-EMtveffien am Montag abends vertreten wird. Der Beriet der Knn4uolfk"MtnissilM über die deutsche Abrüstung. London» 6. Dezember. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" will aus vertrauenswürdiger Quelle erfahren haben, daß .der Bericht der Interalliierten Militärkvntrollkornmission. über die E n t w a f f n un g Deurschlands-weniger günstig ausgefallen M,.als man im allgemeinen gehofft habe. Unter diesen. Umständen würde die Räumung der Kölner Zone neue Schwierigkeiten verursachen Ne nächste Konferenz der kleinen Entente. Am 5. Jänner in. Bukarest. Bukarest, 6, Dezember. (Orient-Radio), - Die, nächste, periodisch« Konferenz der kleinen Entente wird' 'wahrscheinlich am-6. Janmr in Bukarest zusa-mmmtretm. Sie österreichische Frage vor dem Völker« bnnprate. Bekanntlich sind die Beratung des BöPwbundrates für den 8. b. mit bern Tagungsort Rckm bejtmmit worden.. Der Bericht des Generalkommissärs . Dr. Z: m m e r- ,man an den BöAevdundra't .bildet - einen -Punkt der Tagesordnung und wird den Knasten Äbstnr'!:. des Sa--' nierunaswer-kes umfassen. Die österreichlsch>. Neuerung wird bei biesein Gegenstand durch den früheren Min.stcr 'des Aeußorn Dr. Grün'ierger eine Ktklärung alhgHben. daß sie entschlossen ist, das Genfer Sanierungswerk fort;u fuhren'.und auch den b.'i der letzten Tagung zustande gekommenen Mord roll zu übernehmen. _ , Hinrichtung Sgvvttfcher Ssfiüm. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Kmro, 6. Dezeniber. Drei ägyptische Offiziere sind geistern bei Anbruch der Morg>:ubämmerung in Chartum erschossen worden. Die ArEge hatte dachm gelastet, daß die Offnere an der Äi e u te re i anläMch der Räumung des Sudans durch die Aeaypier beteiligt gewesen seien. Ein vierter Offtzier, der e>tenstrlls chm Tode vevurtM worden war, wurde zu 15 J a h r e-n G e f ä n gnis begnadigt.' ' ' Man .befürchtet, daß die Hmrichdumg e r n ft e S ch w rer i g k e i t e n . nach sich ziehen? wird. In dem Augenibsicke, in dem. H e n d e r s o.-nbeguistv^gt ist, mit Z i w a r P a s cha z.u u n t e r h a n d aln, gesührdet dieses UrteÄ das -beresis echvelte Ei-nvenstÄndnis, und.,es ist mög- > llch^ .Htz^es den M ü r z w Psil ch'ä M Folge' haben.wird.. , \ :- -: .... Die Verschwörung aeaen die englischen Minister. London, 6. Dezember. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung des „DaÄH Ehvoniobe" aus Kairo we-iß man in ' ägyptischen Kreisen nichts über eine V c rschwö r u n g . gegen die eng-lischen Minister. Man läßt in I! Karvo in offiziellen Kvoisen hevauKfühlen, daß eine,! soll che Verschwörung sehr u n w a h r s ch e V n l«i ch sei, da selbst die heftigsten Gegner Englands nie den Mut hatten,- i-m A n s l a -n d. ein Verbrechen zu begehen, wo die Mög- Dichikeit eines Gelingens sehr gering sei. \ Wie verlautet, werden in SecÄvnd- Hand umfassende Sicherheitsmaßnahmen für den Zug des Königs aus dem Buckingham-Palast- Mm Oberhaus, getroffen. Jedem Mi'Mster werden zu seiner perfonlichm Sicherheit zwei bis! drei Geheimpoliziisten deigegeiben. In Cheguers .wurde! heute abends, die pe.rsönli che Wache Baldwins verdoppelt. -Eine g^nze Anzahl von DetMys hat in den. Kreisen der ägyptischen und sudanesischen Studenten Londons die Untersuchmtg fortgesetzt. Die englische Rottmhasts in Singapore. ' London, 6. Dezember. Das Reutevsche' Bureau meldet aus, Washington: Wie die Blätter melden, sind die unterrichteten Kreise.tm Ansicht, daß der Plan der Schaffung einer englische n Flotten bas is in S in-gap orekei ne Einwend nng seitens der Bereinigten. Staaten zur Folge haben werde, da er in keiner Weise dem Geiste und dem Buchstaben der auf-der-Washingtoner Konserenz abgeschlossenen Verträge-widerspricht. Mchwahl i« MkkM. M^skölez, 6. Dezembers (U. T.-K.-B) Bei d^r hier vori genommenen- Ersa tz'wä h lfür.-die'Raiim'M^rsammsung erhielt der Demokrat WikhsÄ H u s la 22:37 der Nassenschützler Emil Borbaly-Maczky 1682 und der Parteilose Julius Tarmay 1084 Stimmen. Es ist dtcher eine S t i ch w a h l zwischen den beiden erstgenannten Kandidaten erforderlich. ^_ JerMMProM * Dienstäs das Urteil.! - Budapest-' 6. Dezembert (Ung. TE-Korr.-Bur.) Im EMtt-Prozeß. wurden'heüte^ die Pl aidoyers beendet. - AngMitzter E s'k ü t t hielt - z-um Schluß eine lange Berteibi-!gungsrsde. Hierauf wurde die- Verhandlung vertagt. Das :U xi «il wird D i e ns t a g-v o r m i t tag s veckündet. Geistreiche Schadenfreude. — Aegypten in Mode. —. Haus Herzl, Jesus und Monsignore Barlesfiua. 8t. W i e n, 7. Dezember. Arnerika hat seinen Genossen im Kriege i zwölf MM liavden Dollar geborgt. Mit- Ausnahme Englands, hat noch keiner der Schuldner daran gedacht,-etwas zurückzuzahlen. Und wenn er daran dächte, würde das wenig an der Sache ändern, weil man mit. Gedanken weder Zinsen noch Roten tilgen kann. So taucht denn immer wieder da und dort der Wunsch - auf, Amerika, das am Kriege reichlich veMent hat,z möge einen Strick» -unter die Reck?nung machen. Die Amerikaner wollen '' diesen Strich nicht -ziehen, und jedesmal, wenn in. den - Vereinigten Staaten, ein neuer Mann ans Ruder kommt, beeilt er sich, zu versichern, daß seine Regierung nicht einen Cent Nachlassen wich Auch Herr Coolidge hat nach seiner Wahl als erste Tat diese für Amerika sehr ängenehnw, und für Frankreich, das am stiefsten drinsteckt, sehr peinliche Versicherung von'Stapel gelassen. Darob höllische Freude in Deutschland. Man wqlzt sich vor Behagen, weil Amerika dem französischen Erb- und Erzfeind' den Hals zuschnürt. Die Deutschnationalen brüllen.rhr Vevgnügen in die Luft und auch die Demokraten uüd Sozialdemokraten; zeigen ihre Freude daran.' ' Nun ist' diese Freude, gelinde-gesagt,' etwas blödsinnig.; Wenn Amerika 'den Franzosen Geld: abpreßt, dann cher--- den.die ^chn-zvsen dieses Gelda.yderswv herholen müs-' /sen. 'NatüHch' nicht vom Mond, ..sondern von Deutsch-/ ‘ lanv. Mrd. dssch., ^artuchckiHr^ - wich - - > daK DeutiKaE d.w Kriegsentschädigung leistet. bezahlt alsy, Deutschland. Und darüber - freuen i sich' die guten Deut- : schen-so gewaltig! MerkwüÄges/ Volk!: Man sagtdaß Schadenfreude die herzlichste- Freude ist.' Möglich. -Aber sie ist nicht immer geistreich, wie das Exempel lehrt. ' Augenblicklich ist Aegypten Mode. Man nimmt warnten Anteil am Schicksal des unglücklichen, geknech-. teten ägyptischen Volkes u-nd spricht sehr viel von Nilwasser, Baumwolle, Zaghluil Pascha und dem- Suezkanal.' Europa wimmeR förmlich von Aegvptenkennern. Raucht doch jeder dritte Mensch a^vtische Zigaretten und hat auch eine Idee vom. König Tutankhamen, der nach viertausend Jahren ausgegraben werden mußte, bannt die Shiimnyiomponisten geistvolle Texte und die Schneiderinnen neue Mn ster für Abendkleider bekommen. Alles-schwärmt für Aegypten. Warum geben diese bösen Engländer den braven Aegyptern nicht den Suezkarral? Warum machen sie einen, so ' unangenehmen Krawall, weil Man ihnen einen schäbigen'Gouverneur^ weggeschossen hat? Kleinliche Krämerseelen! Europa ist auf einmal warmherzig: und.fteigebig geworden — auf Kosten der Engländer. Nur denken die Engländer nicht daran, die Spesen dieser Begeisterung zu tragen. Den Suezkana'l herge>ben heißt England von Indien trennen, den Sudan, preisgeben heißt Frankreich und Italien zu Herren der Situation machen. Hiyter dem. ägyptischen. Studenten, der nationale Selbständigkeit fordert, stehen - ' französische, italienische und amerikanische Baumw-oll-' interessenten, W auch was hahen wollen. England wehrt sich heute seiner Haut',, und solange Frankreich und Italien ihre Kolonien festhalten und Deutschland sein heiliges Anrecht auf die weggenommenen Kolonien in alle Richtungen schreit,' so lange ziemt esr irM-öll^en.-italienischen und deutschen Zeitungsschreibern nicht, England wegen Aegypten zu verbellen. * In Jerusaleni wird jetzt ein für Unbeteiligte ergötzlicher Prozeß abgesührt. Aber es sind sehr viele beteiligt. Monsignore B arl e s sin a, der Vertreter des Heiliget: Vaters m; Palästinafordertschreckliche Sühne, .weil mn. jüdischer.Aournalist die katholische Kirche schnöde' verunglimpft, hat. So sagt wenigstens Herr Barlessina Tatsache'ill, daß dieser Journalist anläßlich -der Taufe deslSohneö Herzls den alten Witz vom jüdischen Gottvater/ dessen Sohn. Jesus M hat taufen. lassen/ variiert hat. lieber den ' Geschmack laßt sich streiten. Aber — wie He^ Barlessina das Mt — aus dieser übermütigen Zeitungsfloskel den Schluß auf eine zu ganz abnorm billigen Okkasionspreisen bei VI. LlnVe Wien' zeile 40 (im ttoh)