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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-05 · Heft 2082 (5.12.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2082 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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WWWWWWW Sekte 6 Wen, Freitag Mienen Morgenzektuns. IilmrukriK 3! „Wr- Morgenzeitunz" Film ottb Kim ßrscheinl jeden Areitag „Wenn dev Winter kommt." Eines dir erfolgreichsten anrerikanrschen Theaterstücke wurde hier vmr Harry Millarde außerordentlich geschickt verfilmt. Es wurde hier ein Werk geschaffen, das tief aus dem Loben unserer Zeit schöpft. ausgezeichnet verschieden^ Charaktere zeichnet und Wirkungen, die bleibend sind, bietet. Der Lebenslauf eines Menschen wird hier geschildert, der idealer denkt, als es für die moderne Zeit gut ist, ein Mensch, der dem praktischen Leben immer ein bißchen unpraktisch gegemübevstcht, und der*schllietzlich durch die Zusammenballung verschiedener, durchaus glaubwürdiger Zufall Weiten 'in ein scheinbar nicht endenwollendes Martyrium gerät, aus dem ihn schließlich die Frau, deren Lebensweg immer nur parallel mit seinem lausen durste, rettet. Der Regisseur hat es verstanden, diesPsychologisch so reichen Stoff nach jeder Richtung hin wirkungsvoll auszuavboiten, gckb chm, durch die selten gute Darstellung unterstützt, wirKiches Loben, hielt ein immer flottes Tempo ein, das die vorhandene Spannung nie abreißen läßt. Hie und da gewinnt sein fftfat auch epische Breite und hier w.cder versteht er es, durch Keine, mit seltener- Präzision herausgearbeitete Genreszenen neue, eindrucksvolle WiÄungen zu schaffen. Percy M a r m o n t gibt in der Hauptrolle sehr viele Beweise einer kraftvollen Gestaltungsgabe und weiß in feinem sensiblen, wohl durchdachten Spiel immer unbedingt zu fesseln und Sympathie in feinem Publikum zu verbreiten.' Der etwas ungeschickte, immer. auch in den alltäglichsten Dingen, idealisierende Büchevmensch, der alle Geschehnisse absolut nur in seiner Perspektive sehen will und schon über das kleinste Hindernis durch den zu großen Aufwand an Herzensgute uno Vertrauen strauchelt, findet durch ihn eine prachtvolle Verkörperung. Ausgezeichnet ist auch Anm Dorrest als eine ihm wesensähnliche Frau, die alber immerhin praktischer zu denbm und handeln vermag. Sehr gut fft mtdj Margaret Fiel ding als immer kühle, nur ihrem Verstand«, nie ihrem Herzen folgende Frau. Gladys L e s -l i e, Sydney Herbert und Wallace Kolb bieten ebenfalls Bestes, sowie auch alle übrigen Darsteller. Photographie und Beleuchtungstechnik schufen hier wundervoll klare und plastische Bilder von eindringlichster Wirkung. „Die spanische Tänzerin." Eine spannende Handlung und eine Zeit, die reich an pittoresken Kostümen war, geben hier P o l a N e g r i beste Gelegenheit, "ihre hinreißende DarstellungÄunst und ihr übersprudeiludes Temperament in einem äußerst günstigen Rohmen entfalten zu können. Vielleicht bietet die Handlung nur ein triviales Geschehen und bringt nichts, das schon so und so oft da gewesen wäre, aber durch die routinierte und zum Großteil wirklich künU-erisch arbeitende Regie bietet sich hier' dom Auge so viel Schönes, bleiben auch oft erprobte Effekte noch immer wirksam und -bestechend. Es reiht sich hier ein prächtiges Bild ununterbrochen an das -andere. Ist auch das Ende schon nach den ersten Bildern leicht und sicher zu erraten, wird der Gang der Handlung so geschickt geführt, daß -ununterbrochen ehrliche Spannung aufrecht erhalten meivt. Pola Nsqri spielt hier eine Art Zi-geunevfüvstin und selten noch hat sie eine Nolle gefunden, I ihr so -gelegen ist wie diese. Hier kann sie einen Effekt an d.'-n anderen reihen, ihr Exterieur immer aus das Vorteilhafteste zur Wirkung bringen, hat hier in ihrer Rolle keinen Moment, der nicht irgendwie für sie dankbar wäre und sie, die für solches ungome-in empfänglich ist. instinktiv jeden Vorteil für sich sofort zu erfassen vermag, brilliert und fasziniert hier wie noch kaum vorher. Ausgezeichnetes leistet auch durchwegs das übrige Ensemble, das hier für Amerikaner selten gut den Stil der Ze'ff' den die Handlung vorschreibt, zu erfassen wußte. Prachtvoll sind Bauten und Ausstattung, ganz erstklassig ist das Werk in seinen technischen Belangen. „Königssünden." William Fox beehrt sich in diesem Film, ein Großwerk darzubieten, das au Aufwand von Prunk und Pracht noch „Die Königin von Saba" bei weitem übertvifft. Er schildert die beschichte Davids bis zu seiner Dhroübesteiguwg und ist in seiner einfachen Kombination^ und seinen packenden und hochdrymatischen Komplikationen glänzend. Der Regisseur Gordon Edwards schuf hier eine Reihe prachtvoller Bilder aus Aegypten, Syrien und Palästina, machtvolle Kampffzenen, und leitete voll Geschick und Verständnis das Spiel eines seltenen Ensembles, das wir zum Großteil schon m der ,Königin von Saba" zu sehen Gelegenheit hatten. Kolossales leistet hier wieder die Ausstattung. Fünftausend Mitwirkende wurden allein in Palästina ausgeboten, weiters zweihundertfünfzig Kamele und an tausend Pferde und Esel. Die Kämpfe wurden durch die englische Garnison Jerusalems gestellt. Weitestes Entgegenkommen bei seiner Arbeit fand der Regisseur auch in Aegypten durch den König Fuad. Dieses außerordentliche Großsilmwerk wird im Jänner bereits erscheinen und gewiß auch in Wien 'beim Publikum den großen Beifall finden, der ihm vollauf gebührt und der ihm auch überall gezollt wurde, wo es bis jetzt noch lief. Was werden die Frauen 195V tragen? Dies war eines der zahlreichen Probleme, mit denen sich Will am Fox beschäftigen mußte, als er seinen neuen Film „Der letzte Mann a u f E r d e n" in Angriff nahm. Die Geschichte spielt im Jryre 1950, nachdem alle Männer bis aus einen .mzrgcn durch eine Seuche dcchmgerafft worden sind. Ter einzige überlebende Mann ist Eremit und hat sich in die Berge zrrriickgezoaen. Man darf den modischen Prophezeiungen dieses Fklms mit Spannung entgegen-schen. (ft& öniga«andeii> Der grösste jüdische Kost'lmfilm der Welt •lännep 19^5 xn solle sei FOX-FILM KORPORATION G m.b.H. ff. Weze-inve« E4 . Nr. LVW -------— - Die Filme der Woche. „König Ludwig und Marion, die Wirtin dom „Goldene« Lamm." — „Die Fahrt ins Verderben." — „Wenn der Winter kommt." — „Ninon, die Königin von Jazzmania." — „Moderne Ehen." — „Das Gesetz der Heimatlosen." — „Der Schmuggler von Lugano." — „Das Geständnis einer Dime." — ,^V1e Dame vom Maxim." Von deute dt« 8. Dezember NIN/^N D,E rcöNiQm von 1111 Iwll J/IZZflANICN Sensationelle Liebesgeschichte in 7 Akten mit Mae Murray und das übrige Schlagerprograram Beginn der Vorstellungen: */45. */*6, V*8, */*9 I. Kärntnerstrasse (Ecke Johaiutesgasse) Von heute bis 6. Dezember II. Teil: Slagfrlada Tod und da« übrige Programm ROTENTURM-KINO WIEN, 2. FLEISCBMAJRK11 , . Von heute bis 8. Dezember Moderne Ehen Regie: Hans Otto und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Voretellnngen: */*6. */»8, V»* tmd */»> Uli Berleitmnaifc einer «mUkls-siLen NSn»tl«rir»p«U» — SCHOTTENRING-KINO— I. SC HOTTEN RING 5 // TEL. 17-4-26 Von heute bis 8. Dezember Auf allgemeines Verlangen nochmalige Aufführung! DniBecuneen I-Teil: Slagfrlada Kampf ml! dam Drachan and das übrige Schlagerprogrämm Vorstellungen täglich: 4. x/46. '/.7. ^8. 9 ~; CENTRAL-KINO II. Tabor strasse 8 Direktion: J. S c h u I z Von heute bis 8. Dezember NINON DIE KÖNIQ1N von JAZZft/fNIEN Sensationelle Liebesgeschichte in 7 Akten mit Mae Murray' und das übrige Schiagerprogramm Beginn: VA. 7> V,9 Uhr Copyright 1924 by Äacddrukk verboten, Deutsche Berlazsani'.'aü, Stuttgart. 49. Fortsetzung, Die Stadt an der Moldau. Roman. Von Auguste Hauschner. „Ich lauf schnell nach meiner Wohnung, sie ist nur ein Paar hundert Schritt entfernt von hier. Vielleicht kann meine Wirtin mir noch etwas geben oder sie kocht schnell einen Brei." Ten Blick demütiger Dankbarleit, der ihn belohnte, zu verdienen, hätte er sich zugemuiet, einen Diebstahl zu begehen. Doch blieb ihm verbotene Tat erspart. Ms er zurückkehrte, lief ihm Gittel schon erwartungsvoll entgegen. Tiefe Ringe 'hatte die Angst in ihre blassen Wangen eingezeichnet. Das Kind, erschöpft vom Weinen, stöhnte leise vor sich hin. Er nahm ihr das Bündel ab, sie, vor den Schemel hvngekauert, labte der Kleinen ausgedörrte Kehle. Gierig trank der Säugling und unterbrach sich nur -von Zeit M. Zeit zu einem zwitschernden Laut, als ob er sich über erlittene Entbehrung beklagte, stieß dann einen Seufzer tiefer Besriedigumg aus und war eingechlasen. Behutsam hob Gittel d'e Schlummernde zu sich auf. „Veigele, du 'Süßes, du Geliebtes, du Gebenedeites." Wie zu einem Gottge'andten sah sie zu Jakob auf. „Wie kann ich Euch das jemals danken., Herr." Er, die Wärme des federleichten Kindevlevbchens noch am seiner Haut, fühlte sich umspü-lt von einer Welle mütterlicher Zärtlichkeit. Er fragte: „Ist sie de me Schwester oder dir sonstanverwandt?" Gin stummes nein, niemand gehört zu mir". Wie ’ in einen Mantel barg sie in ihren Armen die kleine Kreatur. „Armes Beigele. Ist auch ganz verlassen. Den Vater haben sie ihr nmgebracht im Krieg, die Mutter ist auf der Fahrt gestorben, sie war nicht die einzige. Oh, schrecklich, schrecklich!" Ratlos litt er ihren Schmerz. Sein mahnendes „gib. Obacht, Gittel, daß du Veigele nicht weckst," brachte die Fassungslose zur Besinnung. Sie heilte eine mit Stoffäbfall ausgestopfte Schachtel, nahm iihr Tuch ab und wickelte ihren Schützling dicht hinein. Jakob fragte: „Und du, wo ist dein eigenes Lager?" Sie hob die Achseln. Irgendwo. Wenn ich nur allein sein und bei den Kindern bleiben kann." ' Er fotzte ihre 'Hand. Wie ein welkes Blatt flatterte sie in der se'men. „Du tust Unrecht, Gittel, du machst dich krank. Wer Zimmert sich dann nm deine Kinder?" Der Ausdruck bitterer Hoffnungsilosigkeit, der die Jugend der Weinenden versteinte, schnitt in Jakobs Herz. Kaum daß er sich enthalten konnte, sie an sich zu ziehen. ,Me werden -mir doch balld genommen wevden." „Warum glaübst du -das? Willst du denn nicht bei ihnen bleiben?" Sie sank in sich zusammen, wie in Twostloisigkert hin- . geschwunden. ,ß8kx fragte mich, ob ich will." Ue'be-r den Schenkel hingeworfen, schluchzte sie im das harte Holz hinein. „Arm bin ich, weiß nicht, ob mir noch die Eltern und Geschwister leben." Jäh und wild, als sprengte sie den Riegel von fest in sich geschlossener Verzweiflung, schrie sie auf: „Aus Mitleid 'haben sie mich mitgenommen auf ihrer Flucht, die fremden Leute. Oh! warum -haben sie mich nicht gelassen in der Gru-be liegen, wo er mich hat h'mgeworfen, der Derruchte. Daß ich wäre verkommen und vevhungert -wie ein Tier." Sie stürzte auf den Boden, schlug die Brüste mit den Fausten. „Ich bin nicht wert, daß bje Sonne mich >bescheint/Auf mir liegt Scha>nde." Nun hatte er ihn wirklich eingefangen, den aus dem Nest gefallenen Vogel. Eiln Windhauch. meinte er, könne die zuckende Gestalt ihm aus den Armen blasen. „Gittel," redete er ihr zärtlich .zu, ,-du versündigst dich, auf dir liegt Segen, In dir liegt Gottes heiligstes - Gebot: die Liebe, vor dir liegt eim langes segensreiches Leben." Er zwang ihre tvostvevlaffenen Amgen KU de« seinen. „Sag, Gittel, möchtest dm nach Palastbm gehe«, mit Beigele und den anderen armen Waisen?" » Er meinte etwas Holderes noch nie gesehw zu hcrbech als -das Lächeln, das die Knos>pen ihrer Lippen aufschloß und den Schimmer ihrer Zähne zeiaie. Wie unter warm«« Regen erblühte -bet FrühlingAroiz ihrer achtzehn Jahre. Er vergrub den Kopf im die schwarzen Flügel ihrer schweren Haare. „Siebe Schwester," sagte er Andächtig berührten seine Lippen die feine Weiße Lime, die ihre Scheitel teilte. „Liebe Schwester, fasse Vertrauen zu der Zukunft. Sie wird dir jede Treue mit einer Freude lohnen du wirst glücklich sein." 35. Ueber die Stufen, die aus de-m JnfevM des SpvbM in die Höhe eines lichten Kreises führten, trug Therese ihr Geschick. Während sie langsam die Treppe ' aufstieg, Be* grübelte sie das Rätsel ühves DoPPMebens. Bor jedem Kommen daheim von innerer Hemmung feftge'ha'lton und überwunden, wie durch äußere Gewalt. Deutlicher als je war sie sich «bewußt, wie dieser stete Kampf zwischen Widerstand wnd Niederlage an ihrem Willen zehrte. -Wie chr Ich verkümmerte gleich einer Pstanze, der man das.Erdreich abgräbt, ihre Wurzeln Avtzlegt, bis sie dasteht schutzlos, nackt. Ging sie nicht «durch ihre Alltagspstichten wie sm Trau-nl? Nichts war ihr wi«vklich. Schatten nm Md Mas«, . ken alle Mnschen, die an ihr Vombevgkitten. Wie immer löste sich der Zwies«palt jenseits dev Schwelle des runden Zimmers, m dem es wie MoMicht von den Wä-uden floß. Josefs Begrüßiung gab ihr die Sicherheit: hier ist dein Zuhause. Hier ist fite; Welt, In die du gehörst. Hier fin«dest du >das Maß der Dinge. Ganz leer., war ihre Seele, ^bereit, sein Wesen insich einströmen lassen. Eiue f.ist schmerzhafte Sehnsucht bemächtigte sich ihrer, ihm zu dienen«, ihm zu nützen. Gortfetzrmg folgt.)

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