Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2082 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Pol eil ZOnrotzfl Wien: Zum Ah holen in der Expedition, II. Taborstr, 1-S, oder in einer Verachicisst eile (Trafik) monatl K 40.000 Strassenverkauf in Wien dnrcii die Kolporteure der Finna Goldschmied, 1. Bez., WoUzeile 11 Mit Postversand für Wien n Oesterr. monatl. K 40.00h Ts dti e c h o-81 owa k i: Mon, K 20 Jogoslawiea: Mob. DinaröÖ. Polen: Mon. 3*/» Zlotv, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r, Belgien: Mon. Fr cs. 15 DU" Nathkahlunfco W PnlurliSkBBi«* rorbakahe» | Preis K 1400; England: Mon.4 Schilling Italien: Monatl. 15 < ire, Rumänien Mon. 150 t ei Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrig« Aasland monatlich Fres. 4. Redaktion n. AdministraWwa Wien. II., Taborstf. 1—3 Telephone: 44-0-38,45-3-19, A'^Uhrabds. 21 -102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreicbisehes Postspar* <assen -'Conto Nr. 9tr. 2682 fflten. Freitag. 3. Lezember 1924 6. klabraang Tchüfse. — Schlucht in der Aula. — Zahlreiche BeMimdete. r ’ (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Der Marschall des Terrors. -7. i e tt, 5. Dezember. Belgrad, 4. Dezember. (Segen die bereits gemeldet« Pensionierung der «gramer Universitätsprofessoren M asala und Polie hielten heute die Studenten abermals eine Protestversammlung in der Aula der Universität ab, in deren Verlauf es zu blutige» Zusammenstößen mit der Polizei kam. Nachdem einige serbisch-demokratische Studenten gesprochen hatten, kamen zwei Kommuni st en zu Wort, welche die Versammlung haranguierten. ES wurden wiederholt stürmische « Hochrufe ans Sowjetrntzland und Moskau ansgebracht. Aus den Reihen der Versammlung ertönten die Rufe: „Der 29. Mai (der Jahrestag der Srnwrdvng des Königs Alexander) wird sich wiederholen! N i e d e r m i t d e n T Y r a « n e n!" Die Versammlung, beschloß schließlich, durch einen viertägigen Streik gegen die Absetzung der republikanischen Professoren zu -Monstliere». Nach Schluß der Versammlung versuchten die Teilnehmer, geschlossen zur Wohnung des UniversitätSrettors %, tun diesem die Protestresolution zu überreichen. drLngte die Studenten ins Universtiätsge^ bände zurück. Die Studenten versschtsn, den Polizeikordon z« durchbreche«. Es kam z» einem Handgemenge. Als die Polizei und die Gendarmerie sich-er Aula näherten, wurden sie von den Studenten mit Revolverschüssen m empfangen. Zwei Polizisten brachen schwer verwundet zusammen. Sodann drang eine Abteilung Polizei in das Universitätsgebaude ein. Es entspann sich ein b l u t i g e r Kam p s. Nach offiziellen Angaben wurden zehn Studenten und fünf Gen.dÄrmen verwnnd e t, darunter m e h r e r e s ch w e r, ein Student soll seinen Verletzungen erlegen sein. Zehn Studenten wurden verhaftet. In oppositionellen Kreisen wird behauptet, daß das blutige Renkonter durch, daß ungestüme Vorgehen der Polizei verschuldet worden sei, da diese ohne Ursache sogleich mit blanker Waffe gegen die Studenten vorgegangen sei. Rach dem Zusammenstoß wurden die Straßen in der Umgebung der Universität p o l i z e i l i ch abgesperrt und der Verkehr erst sreigetzehen, nachdem-sie die Demonstranten zerstreuthatteu. .. Ler neue Generalgouverneur des Sudan. Kairo, 4. DeMber. (Reuter.) Der Pulsten eines Ge- MvcvlgMverneulrs des Sudan soll Sir Archer dem Generalyouvernem von Uganda augeboten werden. Der letzte ägyptische Sckldait hat den Su>dM v e räassen. Ziwavs Gchwierrgkeiten. Kairo, 4. Dezember. (Reuter.) Der Gemeindevat von Alexandrien hat den Vorschlag des Mnisterpräsidenten Ziwar Pascha>, dw Mügjkchkait zu prüfen, Len ausländischen Beamten die gleiche Stellung wie den Regierungsbeamten gu geben, Mit Ü gegen 5 Stimmen abgelehnt. Neue Verhaftungen. . London, 4. Dezember. (Tel.-Komp.) Me a-us Kairo gemeldet fornto, tautben neuie-rdm-gs. im Zktsammerchcrng mit der Ermordung des Sirdars 38 Verhaftungen vorgenommen. Die Zahl der für den Schutz der Ausländer bestmrmten PolWsten ist bereits verdoppelt. ..7 Englands Erklärungen Über Aegypten. Genf, 4. Dezember. .(Schweiz. Dop.Mg.) In Mt inifor» enterten. Kreisen gbcmlbt man, daß der britische Außeiunmister Aulstm Thamber.lviin 4n der nächsten BvNerbundratSlststion, die -am nöchsden Gomrtaig in Rom eröffnet werden wird, «in« EEvung über Aegypten und besten Bemühungen zu Großbritannien abgeben wi«rd. Der Rat wird gemäß der in emer heute dom GemratkMetaröat des BMerbu-ndra-tes zu>Iegegangmen. britischen Note, «ach welcher es j-cden versuch ainvr anderen Mc!cht, sich in dir ägyptischen Angelegenheiten o'myumengen, ÄS unfreundlichen Akt bezeichnen und eine Intervention des VöMribundrateS nicht Ätzoptteren würde, voraussichtlich von dieser Erklärung Kenntnis nehmen, yhne in eine Aussprache darüber ünzutrUen. Ghambevlmn ist heute abends in Paris eingetroffen. Reue Spaltung unter den enMchen Liberale«. London, 3. Dezember. (Reuter.) Die -liberalen Abgeordneten, die sich gestern der Abstimmung enchielten oder . gegen den Antrag stimmten, durch den Lloyd George zum Präsidenten der. liberalen Paramentsgruppe ernannt wird, haben sich in einer radikalen G r nP P e. zur Verteidigung der Liberalen Grundsätze konstituiert. Mehrere ehemalige Minister solle»: fcii.drtv %, Der wegen Meuterei verurteilte französisch« Hauptmann als Botschaftsrat in Paris. Paris, 4. Dezember. (Havas.) Der neuernannte^russische Botschafter Krassln -ist heute vormitags h',e?eingetroffen. Er würde im Bahnhofe namens der Regierung v7,m stellvertretenden Protcko^chef, von der in Paris -weilenden russischen Abordnung und v n ei-er Zahl von Führern der französischen kommunistischen Partei begrüßt. Me die AbendMtter berichten, bot die Ankunft des russischen Botschafters Krastin Anlaß zu einer ikoniwu- Mstischen Straßerckundgeb-ung. Im Nordbahnlhof hatte sich eine Menge, die auf 1500 bis 2000 Personen geschätzt wuade, augesammelt, die bei dem Erscheinen KrastinS Hochrufe auf die Sowjets und auf Lenin ausbrachten und die Internationale anstimmten. Mit dem Personal ihrer Botschaft hatte die Sowjetregierung den ehemaligen französischen Kapitän Sadoul, der wegen Meuterei in contimaciam zumTodederurteilt worden war und sich dann in Moskau aufhielt, als B 0 t s ch a f t s r a t nach Par i s entsendet. Seine exterritoriale Stellung soll .offenbar Frankreich zwingen, Sadoul Straffreiheit zu gewähren, obwohl Rußland in den Abmachungen mit Frankreich sich .verpflichtet hatte, .sich jeder Einmischung in die inneren Verhältnisse Frankreichs zu enthaltend Sadoul hielt sich einige Tage in der Botschaft verborgen. Die französische Regierung ließ die Botschaft durch Polizei bewachen und nun wurde Sadoul, als er ein Haus in der Rue Jouffrey in Begleitung eines seiner Anwälte namens Flach verließ, verhaftet. Er wurde in das Militärgefängnis Cherche-Midi gebracht. Amerikanische Anleihen für österreichischen Lander. Günstiger Stand der Verhandlungen. New-Aork, 4. Dezember. (Tel.-Komp.) Es verlautet, daß der österreichische Unterhändler für die amerikanische Anleihe an die Länder Steierm a r k und S a l z b n r g, Dr. Kars, die Besprechungen mit amerikanischen Finanziers wegen des Abschlusses einer Anleihe von 14 Millionen Dollar für die wirtschaftliche Wiederausrichtung der genannten Länder ausgenommen hat. Die Verhandlungen nehmen einen g ü n st i g e n Verlauf. Man rechnet mit dem baldigen Abschluß der amerikanischen Anleihe für die österreichischen Länder. Ludendorffs Stern, neigt sich. Dem Herrn Marschall geht's nicht gut. Ein Blatt nach dem andern fällt aus dem Kranze seines Ruhmes. Erst waren es die Berufsgenossen des Generals, die den bis zur Lesebuchgröße avancierten Heerführer auf das bescheidene Maß eines größenwahnsinnigen * Lichterfelder Kadetten reduzierten. Jetzt im Wahlkainipf ist es der Historiker Hans Delbrück, der die kritische Sonde an die FGe-lerzühlungen über den Heros legi und den so hoch angeschwallenen Ruhm eindämmt. Er mißt ihm im besonderen die Sckuld an dem übereilten Friedensansuchen bei und beschuldigt ihn, die deutsche Regierung zum Hissen der weißen Flagge gezwungen zu haben. Er habe keine Festigkeit im Handeln bewiesen und die wahre Lage das einemal zu schlecht, das anderemal zu gut -beurteilt. Das Schicksal des Vaterlandes könne man einem solchen Mann nicht anvertrauen, auch nicht der Partei, die ihn an ihre Spitze gestellt habe. Das Urteil Delbrücks ist nicht neu und es wäre unter den heuügen Verhältnissen, fünf Jahre nach dem Krieg, herzlich gleichgültig, ob die deutschen Schulkinder einen falschen Helden mehr anzubeten lernen. Mer. da Ludendorff sich trotz seiner unleugbaren Verdienste um die Friedhofkultur auch noch um. das Vertrauender Wähler bewirbt und sich dem Streitwagen der Hitler-Leute vorspannt, ist es nicht gleichgültig, wel-. ches, Urteil die OeffenMchkeit sich über ihn bildet. Lüdendorff.' rst, siehe' Deimling, Schönaich und Delbrück, ein schlechter Fe-ldherr gewesen. Weite Kreise des deutschen Volkes sehen das nicht ein und tragen ihm trotz aller Enthüllungen ihre Verehrung entgegen. Es ist nicht allein in Deutschland so, daß die Generale nicht nur Mt bezahlt, sondern auch noch gegrüßt werden. Aber daß ein geschlagener Feldherr sich nicht verkriecht, sondern vor das Volk tritt und in öffentlichen Vevsammlungen bejubelt wird, daß er eine Partei bildet und von ihr mit einer virtuosen Reklame in den Himmel gehoben wird, das ist nur in dem .vom militaristischen Fieber verseuchten Deutschland möglich. Ludendorff hat rechtzeitig das Mittel gefunden, für die Prügel, die er bezog und für die das deutsche Volk büßen muß, die Juden verantwortlich zu machen. Seine Autorität verkroch sich in einen Schlupfwinkel, als über den Frieden verhandelt würde. Sie evscküen erst wieder, als es der deutschen Republik an den Kragen ging und Kapp, gefolgt von Trebitsch-Lincoln, in Berlin einmavschierte. Der Putsch zerbrach nach zlvei Tagen an dem Generalstreik und Ludendorff flog als Lundströrn mit blauer Brille nach Schweden. Als das Wetter wieder bester wurde, nistete er sich in München ein, und nun organisierte er den Terror. Bester und gründlicher denn den Krieg, aber mit den gleichen Methoden. Mit Brutalität, faustdicker Lüge, mit Bomben und Granaten. Die Juden sind der Feind, sie haben dem siegreichen Heer den Dolch in den Rücken gestoßen, sie haben die Hohenzollern entthront und eine JudenrepuAik gegründet, sie stehen im Dienst des Feindbundes. Gegen sie ist alles erlaubt. Alle Roheit des Landsknechttums, in dem Lundsträm ausgewachsen war und dessen Handwerk er meisterhaft beherrscht, ü'berträgt er aus seiner Münchener Villa auf die Jugend, bildet Geheimbünde, sendet Mörder hinaus. Alle Niederträchtigkeiten, deren Schauplatz Deutschland seit dem Wafs-enstillstand ist, führen auf die Zentrale zurück, die in München sitzt. Attentate in bunter Reihe folgen einander. Aus den gleichgestimmten Kreisen des Auslandes pilgern alle Lumpen zu dem strahlenden Licht in der Ordnungszelle. Wie er im Krieg die deutschen Soldaten in Rußlands im Kaukasus^ in den asiatischen Sandwüsten sterben läßt, so zieht er jetzt seine uferlosen Kreise. Er hat Gesandte in Wien, bei Mussolini, bei Horthy, bet Mustafa Kemal, konspiriert und intrigiert und hetzt die ganze Welt mit Hilfe des Apparates, den er im Kriege zur Verfügung hatte, .mit gesprochenem und gedrucktem Wcfrt, mit allen Mitteln der modernen Reklamepropaganda. Tau>send Mörder nennen seinen Namen mit Ehrfurcht. Und darwischen schreibt er Memoiren und Flugblätter, hält Reden, gerät in die Maschen seiner eigenen Listen. Und ist der große Aiann, der nie nt erwischen ist, immer ein Hintertürchen offen hat, h'nter dem das rettende Wug-'eug wartet. Und immer vo-nhneuem hetzt er die Pogroirbcstie gegen die Judengasse/ mit gutem Erfolg, mit besserem, als er Verdun bestürmte. ff»«neasww>»i