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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-02 · Heft 2079 (2.12.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2079 (2.12.1924)
Date
1924-12-02
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Er wird sich m Prag aushcrlten und an der Tagung der kschecho-ftowakischen Keren- Hajessod-Zeichner teiknehmen, die <m 10. und 11. Jänner wBrünn stattfindet. Der jüdische Nationalmt hat beschlossen, den für den 5. und 6. Jänner einberufenen Mischen Natvonalkongreß zu verschieben. Der Kongreß wird am 1. und 2. Februar staitfrnden. Der Mlsou-Friedenrprek für Lord llecil. ' Die „Bossische Zeitung" meldet aus London: Der Preis von 25.000 Dollar, der vor zwei Jahren zur Erinnerung an den Präsidenten Wilson gestiftet worden war, wurde diesmal Lord Robert C e c i l für dessen verdienstvolle Arbeit zur Sicherung des Friedens verliehen. Loch Cecil wird sich im Jänner nächsten Jahres zur Empfangnahme des Prsses nach New-Jork begebe?. Pole« und die Tschecho-Slowakei. Regelung der handelspolitischen Beziehungen. Prag, 1. Dezember. (Tschech. Preß.-Bur.) Sonntag traf hier eine polnische Delegation ein, um mit der tschechoslowakischen Regierung die Grundzüge zu besprechen, nach welchen die handelspolitischen Beziehungen zwischen der Tschecho-Slowakei und Polen geregelt werden sollen. Gestern und heute fanden im Außenministerium über den Gesamtkomplex dieser Fragen Beratungen statt. In der gestrigen Plenarsitzung wurde eine Unterkommission für Derkehrssragen gewählt, die heute eine Sitzung abhielt. Iie Echlutzbilanz der Semelnderatswahlen in NiederSfterreich. Unverändertes Kräfteverhältnis. Nunmehr liegt eine Zusammenstellung der Resultate her niederösterreichischen Gemeinderatswahlen vor, di« auf Grund Etlicher Berechnungen angefertigt wurde. Da die Ergebnisse telephonisch und telegraphisch übermittelt wurden und erfahrungsgemäß das Addieren und gar erst das Dividieren, das der Proporz erfordert, nicht die starke Seite der Wahlbehörd-en ist, wird wohl noch einig« Zeit verstreichen, bis tatsächlich das richtige Ergebnis vorliegt. Nach der oben erwähnten Zusamme.nstellu.ng stellt sich öa's Wahlresultat wie folgt dar: Nichtsc-stalde mokra ten 15.598 Mandate (15.476 im Jahre 1919). Sozialdemokraten 3439 Mandate (3437 . im Jahre 1919). Kommwmsien 22 Mandate (28 im Jahre 1919). Es gewinnen daher die Bürgerlichen 122 und die Sozialdemokraten 2 Mandate, während die Kommunisten 6 Mandate verlieren. Die Gesamtzahl der Mandate beträgt 19.059 gegen 18.941 vor fünf Jahren. Aus der Vermehrung um 118, die unter anderem auch durch die Teilung der Gemeinden eintrat, in denen die Stadt Wien Versorgungshäuser hat, zagen die Christlichsozialen den Hauptgewinn. Die Sozialdenwkratcn konnten die Mandatsverluste in den Jndwstriebezirken durch Gewinne in ländlichen Orten aufholen. rmerler mffirftgttftefttttifo .' ». DezemVer ML __W. Delbrück über Ludendorff. „Schlechter Politiker tttib schlechter Feldherr." (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 1. Dezember. In der gestrigen Massenversammlung der demokratischen Partei rechnete Professor Hans Delbrück erbarmungslos mit Ludendorff ab. Der Redner teilte zunächst die merkwürdige Tatsache mit, 'daß das ihm abgeforderte Gutachten über die Ursachen der Kriegs Niederlage vom Reichstag bisher nicht veröffentlicht worden sei. Ludendorsf sei ein schlechter Politiker, der aller glaube, daß er ein guter Feldherr sei. Er werde sich als falsch unterrichtet erweisen. Taktische Mhigkeiten lassen sich ihm nicht absipvechen, aber als Feldherr hat sich Lnd-endorff im Jahre 1918 nicht bewährt, und wir haben diesen Feldzug trotz schöner taktischer Eingelevfolge infolge Unfähigkeit des Generals Ludendorfs verloren. Er hat sehr schwere Fchber gemacht. Die Fehler eines Feldherrn würden nach meiner Ansicht noch kein Verdammungsurterl begründen, aber aus d i e A r t d e r F e h l e r kommt es an. Nicht nur war der Plan, mit dem Ludendorff im Jahre 1918 die große Offensive begann, schlecht angelegt, weil er nicht den vorhandenen Kräften angepaßt war, sondern es hat dam leitenden General Ludendorsf an den großen Eigenschaften des Feldherr» im allgemeinen gefehlt, an der Festigkeit in der Durchführung des einmal gefaßten Planes. Nachdem der Feldzug einmal verloren war, kam alles 'daraus an, der Reichsvegieruug rechtzeitig darüber vollkommene Klarheit zu geben, damit sie die Vorbereitungen sür die Friedensverhandlungen treffe und noch rette, waS zu retten war. Am 8. August 1918 war die Niederlage, am 14. A.-gust trat der Kriegs rat in Spa zusammen. Ludendorsf hat später behauptet, er habe dort das Auswärtige Amt und den Kaiser vollständig aufgeklärt. Das i st nicht wahr. Der Staatssekretär des Auswärtigen H i n h e hat ebensowenig wie der Reichskanzler eine Ahnung davon gehabt, wie schlecht die Sache damals stand, und selbst das größte Genie kann keine gute Diplomatie treiben, wenn es über die inititä rischen Machtverhä-ltnisse nicht informiert ist. Nachdem Ludendorff am 14. August nicht klar reinen Weinen über die Lage eingeschenkt hatte, verlangte er plötzlich am 28. September unter allen Um st än den Waffenstillstand binnen 48 Stunden. Als der Reichskanzler Prinz Max von Baden sich aufs äußerste dagegen wehrte, bestand Lndendorff unbedingt darauf. Hier wir er eimiral fest, aber in der Niederlage. Das Aufziehen der weißen Flagge war, wie sich später herausstellte, damals gar nicht nötigjedoch General Ludendorff hat es der dainaligen Reichsregiierung aufgegwungen. Wir sollen das .Heil des Vaterlandes nicht solchen Parteien und Männern anvertrauen. Wir können das Schicksal des Vaterlandes nicht Parteien anvertrauen, die Männer, wie Tirpitz nnd Ludendorsf an '.hve Spitze gestellt haben, die sich in der Vergangenheit nicht bewährt haben. Auch Ir. Kämet will die Teuerung bekämpfen. Der am Freitag abgehaltene Mimstervat beschäftigte .sich mit dem allgemeinen Teuerungsproblem, insbesondere mit der Frage der Preisbildung bei Brot und Milch. Der Ministerrat beschloß die Fortsetzung des Kampfes gegen die Teuerung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und stimmte dem Vorschlag des Bundeskanzlers Dr. Ramek zu, daß der Bundeskanzler selbst die Leitung der aus eine VevLilligung der Lebenshaltung äbzielendon Aktion übernehme. Im gestrigen Ministers wurde der ganze Komplex der mit der Teuerung zusammenhängenden Fragen einer - eingehenden Erörterung unterzogen. Die für dir nächste Zeit in Aussicht genommenen Maßnahmen der Regierung werden in den sagenden Tagen in einem . Mrnisterkomitee nach einmal überprüft und im Mmisterrat am. Freitag endgültig zum Beschluß erhoben werden. Neuerliche Schließung de» Karl-Theaterst Anläßlich der gestern zwischen Frau Direktor EtbenschLtz und deren Anwälten einerseits, den Vertretern der drei Theaterorganisationen und den Betriebsräten des Carl-Theaters andererseits stattgefundenen Verhandlungen wegen Regelung des provisorische» Theaterbetriebes sind in wichtigen Fragen (Wer ist Betriebsunternehmer, Haftung sür den Betrieb usw.) so schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten zutage getreten, da ßnach Abbruch der Verhandlungen mit einer abermaligen vorläufigen Schließung des Earl-Theaters gerechnet werden muß. Heute wird gespielt. Wie die letzten Meldungen besagen, wird jedenfalls heute im Carl-Theater gespielt. Es gelangt die Operette „Polenblut" mit Mizzi Zwereng nnd Paul Ohtmuhl als Gäste zur Aussührimg. Sa» Urteil Des Stadtschulrates im Falle Schwarz. Wie der „Abend" mitteilt, soll der Stadtschulrat in der Angelegenheit des Schülers Schwarz folgendermaßen geurteilt haben: Der Klassenvorstand des Thomas Schwarz, Herr Prof. Gläser, hat eine Rüge erhalten, desgleichen eine Rüge Prof. Hausner, der Direktor des Akademischen Gymnasiums, Wilhelm, der beurlaubt ist, wurde zu drei Jahren Vorrückungsverlust verurteilt. Puceini» Bestattung. Rom, 1. Dezember. Die sterblichen U Überreste PucerniS werden Mittwoch in Mailand auf Staatskosten beigesetzt werden. Nr diesem Tage bleiben alle Theater geschlossen. He-wte vormittags fand in Brüssel die Leichenfeier für Puccmi statt. Der italienische Botschafter in Brüssel wurde beauftragt, die italienische Regierung bei der Leichenfeier zu vertvetrn. äinftein reist nach Argentinien. Professor Albert Einstein wird einer Einladung, in Argentinien Vorträge über seine Relativitätstheorie zu halten, Folge leisten.. Er tritt am 5. Mär z mit dem Dämpfer „Cap Poloniö" seine Reise nach Buenos Aires an. Ae Mannequin-Lady. „Die Kleidung einer Parlamentsabgeordnete»", sagte der Londoner Gerichtspräsident Lord Darling, ,stst eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse." Der Anlaß zu dieser Feststellung gab folgender Streitfall: Vera Florence Anme Terrington, Mitglied der englischen Aristokratie, Gattin des Direktors eines Provinzpvesfekonzerns, Mitglied der liberalen Partei, neun Monate lang Abgeordnete im Parlament, diesmal durchgefallen, hatte Beleidigungsklage gegen ein Blatt konservativer Richtung gestellt. Die Lady, deren Wiege allerdings nicht in einem aristokratischen Palais, sondern im Arbeiterviertel Londons stand, ist eine sehr gut angezogene Dame, vielleicht die eleganteste Frau Englands. Lady Terrington fühlte sich nun ihrer Würde entblößt und trat die Flucht in den Gerichtssaa-l an. Das erwähnte Blatt hatte kurz vor den letzten Wahlen einen A-rttkel veröffentlicht unter der dick ausgemachten dreizeiligen Ueberschrift: „Die bestangezotzene M. P.-Frau. — Lady Terringtons Absichten, wenn sie gewählt wird. Pelze und Perlen." In dem Artikel stand, die Lady hätte in einer Wähler- Versammlung folgendes gesagt: Wenn sie gewählt werden sollte, würde sie nur in ihren besten Kleidern m Westminster austreten. Ein- Reiher werde ihren Hirt schmücken, und sie werde Perlen und Pelze tragen. Sie glaube nicht an die Mission einer Abgeordneten, die schäbig gekleidet gehe, ein guäkerisches Halsband trage und ihre schausten Toiletten nur sür gesellschaftliche Zwecke im Schrank hängen lasse. Bor Gericht entspann sich folgendes Frage- und Antwortspiel: Seine Lordschaft, der Präsident: „Sie interes-- sierett sich für Politik?" Die Lady: „Ich interessiere mich." Er: „Und Sie sind das, was man unter Liberalen versieht?" Sie: „Gewiß." Er: „Das ist eine Auszeichnung." (Lachen im Publikum.) Der Anwalt der Gegenpartei: „Sie rühmen sich Ihrer Zugehörigkeit zur Aristokratie. Sie stammen aber doch aus dem Volke?" Sie: „Ich habe immer gesagt, daß ich aus dem Volke stamme . . . Wir stammen alle aus dem Volke!" Der Anwalt: „Wann betätigten Sie sich zum erstenmal publizistisch?" Worauf der Klägerin ein im Jahre 1922 veröffentlichter Artikel vorgeholten wird und sie zugeben muß, daß sie das Material dazu geliefert hat. Ein Bild wird ihr gezeigt, auf dem sie mit doppelter Perlenkette abgebildet ist. Sie bezeichnet die eine als falsch. Das Publikllnr lacht. Andere nach ihrer Wahl veröffentlichte Bilder stellen sie als Mannequin auf einem Basar dar. Bei dieser Gelegenheit gibt Seine Lordschaft der Vorsitzende folgende Difinition des Begriffs Mannequin: „Ich verstehe den Unterschied nicht, der zwischen einer als Mannequin angezogenen Lady und einem als Lady angezogenen Mannequin besteht. Nach meiner Auffassung ist ein Mannequin ein Mädel, welches ein Kleid trägt, sich darin zeigt und versucht, eine .Lady davon zu überzeugen, daß, wenn sie selbst das Kleid anziehen würde, sie wie ein Mannequin aussähe. Habe ich recht, wenn ich sage, daß jede wie ein Mannequin angezogene Frau wie eine Lady ausschaut?" Die Lady-Mannequin, Ex-M. P., konnte sich zwar dieser letzteren Auffassung nicht anschließen, mußte sich aber schließlich bamit abfinden, daß das Gericht die Klage abwies. 130 ztm. breit <nea«*sM flk S.EI15E 3933

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