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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-02 · Heft 2079 (2.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2079 (2.12.1924)
Date
1924-12-02
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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«MS Wkeu, Mnsfttg che Ü.1 ich Wien trieb? Die Behörde war so diskret, nicht nachlzusorschen. Nun, er kam so wie Lechner, Freund und Bachmann und viele andere, den Oenerreichern die! neuen Methoden der Hitlerschen und Luoendvrff Aschen Weltbeglückungspläne beizubringen, preußr^ Sttümmheit den schlappen Wienern einzuflößen, sic Roßbach und Ehrhardt zu präparieren. Er mietete bei einer 66jährigen Witwe ein und trat bei ihr wie soll man es sagen — die Erbschaft seines Mitgenossen Bachmann an. Er treibt sich -in nationalsozialistischer -und grohdeutscher Umgebung herum, der 19jährige Bub hört und diskutiert allabendlich über die Notwendigkeit, den Stamm Sem auszurotten, damit wieder Ehre und Freiheit werde. Und dcchenn hat er ein, sagen wir, Liebesverhältnis mit der 66jährigen Vermieterin, die ihm Geld und gutes Essen vorsetzt,!das sie sich vom Mund abspart. Bei ihr wohnt auch in der dunklen, feuchten, wanzenverseuchten, stinkenden! Stube die Pruscha. Auch ihr ist der forsche, blühende! Junge gerne gefällig. Wenn er von der neudeutschen l Politik genug hat, dann frißt er sich bei der alten >Cberl cm und dann schläft er zwischen den beiden. Es ist ihm übel mitgespielt worden und er wird Wien verlassen, gekränkt in seiner deutschen Seele. Alle anderen aber, diese übelste Sippschaft von Denunzianten, Spitzeln, Mordhalunken und Strichburschen, die noch da bleiben oder zu denen er zieht, werden dazu erzogen, die Sittenverderbnis, so von den Juden ausgehend, zustrafen. Sie sind diejenigen, die in fünf oder sehn Jahren das deutsche Volk führen, lehren und in Den Parlamenten vertreten werden. Mussolini Kr eine Revision der larzistischen ParteUattik. Eine Beschwichtiguugsdotschaft. / Rovt, I. Dezember. (Stesarn.) In den Städten der .Provinz wurden gestern von den Bezirksleitungen der sFaSzistenPartei Versammlungen veranstaltet, in denen «me ^Botschaft des Ministerpräsidenten Mussolini, des 'Führers der Partei, zur Verlesung gebracht wurde.! Die Botschaft erklärt eingangs, daß die politische Er» sichMng in den 25 Monaten de's Bestehens deS FasziSmus die unbedingte Notwendigkeit einer Revision der Moralischen, geistigen und politischen Stellung der Partei dartue. Die Gründe für die teilweise Aenderung in der öffentlichen Meinung, heißt es in der Botschaft weiter, brauchen UNS nicht übermäßige Sorge zu bereiten, denn der FastziSmuS hat noch immer ferne Krisen Äbevwumden und es wird -sicherlich möglich fein, das sozusagen verlorene Terrain ans -Grund der cm fol-genden gegebenen Leitsätze wieder zu gewinnen. Emuß betont werden, daß' jede Ungesetzlichkeit und Gewalt der Regierung nnd der Partei Schaden dringt und keineswegs gsrechtf«rtigt ist. Die Partei -muß mit aller Energie van jenen Elementen aereinigt werden, die den FaSzi'Smus diskreditieren können, mögen sie sich was immer für Verdienste in der Vergangenheit erworben 'haben. i Der persönliche Hader unter den Faszisten ist unverzüglich einzustellen, die Partei muß ihre Kraft« insbesondere in den Gemeinden und Gewerkschaften dazu verwenden, die Solidarität der arbeitenden Bevölkerung zu festigen. Oeffent- Kche Kundgebungen der Partei, Umzüge, Festlichkeiten und sonstige Zeremonien dürfen n-ur auL außerordentlichen NMsftn veranstaltet wevden. ' \!- Zur Neberwindung aller Arten der Opposition Mens der alten nichtfaszistifchen Parteien ist rS nicht nötig, zu außergewöhnlichen Mitteln zu greifen. Es genügt vielmehr, an folgenden drei Kardinalipuinkden .festzichalten: Stille Arbeit, vollkommene Disziplin, kein Gewaltakt eines einzelnen oder einer Gruppe.; Me Ungar« feine Armee versteckt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) / Prag, 1.-Dezember. Die „Prager Poesie" meNet aus Budapest: Bekanntlich umgehen die Ma-gyaren die Bestimmungen des Friedens Vertra ges über die Ergänzung der ungarischen Armee auf die Weise, daß sie den obligatorischen Turnunterricht und die Or- 'WniMlM der sogenannten JüngliingSvererne durchführen, über dir in derselben Weift Evidenz geführt wird, wie dies bei der Evidenz der militärdlMstpfl-ichtigen Personen der Fall war. Die Organisation der „Jünglings- Vereine" in Bcldapest ist noch nicht beendet. Nach der Kon- Pription gibt es allein in Budapest gegen 60.000 Jünglinge, die zum Turnunterricht verpflichtet sind. JnfpEtor der ganzen Origanisatiou ist ein Offizier namens Stephan a l a y. Bisher wurden 56 Uebungsleiter ernannt. In die ersten Organisationen wurden l6.000 Jünglinge vssentiert. Die Hebungen finden jeden Sonntag vor- '<mittags statt. fr . Der zweite Gmd der Organisation der Jünglinge wrvd rm Dezember errichtet werden. Die größeren Jndustvieuntevn-ehmungen und andere Unterrkchmungen, die eine bestimmte Anzahl zum Turnunterricht verpflichteter Personen beschäftigen, werden verhalten sein, eigene Ovgcvnisationen. zu errichten. Kleinere Untevnehwun>gen werden nach einer vorher bestimmten Anzahl von Jünglingen zu Gruppen vereinigt werden. In die dritte Kategorie gehören die älteren Turner, die bei Ge'werbetreiibenden arbeiten. Die organisatorischen Arbeiten sollen bis z,um Aahre 1926 beendet werden. Gegen Unternehmer, die die Wiener Morgerrzeltüirs. 8. Dezember 19SS M. 2079 ft»’ V V Ne ßntWungen gbaner'. Tcc riststeller Blasco Ibanez, der sich -durch ftme realr-stischm Romane weit über die Grenzer, seines Heimatlandes hinaus einen No-men gemacht hat, hat jetzt das Buch, daS bestimmt ist, der poilitischen Propaganda gegen König Alfons den Dreizehnten und den spanischen Militarismus zu dienen-, beendet. Die französische ll-sbersetzung ist unter dem Titel: „Alfonse 13 demasgue. La terreur militariste en Espagne" bereits erschienen. (E. Jlamniarion, Paris.) Die spanische Originalausgabe ist für Spanien und die süda-merltanischen Republiken bestimmt. Es sind im ganzen zwerMillionen Exemplare auf Kosten deS Verfasser'- gedruckt -worden. „Es ist dies meine erste KampfhaMung", erklärte der in Paris weilende Jba-nez dm Vertretern der französischen Presse, „und ich bin gespannt, welche Wirkung meine Schrift in meiner Heimat haben wird. Bisher stand es mir frei, nach Spanien zurückzukehren; ich weiß aber nicht, was man nach Erscheinen meines Buches gegen mich unternehmen' wird, ich trete offen für die Schaffung einer spanischen Republik ein/ Biele haben mich gefragt, war geschehen würde, wenn der König w egg« ja gl würde. Nun, es könnte rrlchtS Schlimmeres geschehen, als wa§ wir 'während des Marokkokrieges erlabt haben: eine Affäre, die uns Tag für Tag fünf Millionen Pesetas kostet und die dazu geführt hat, daß die zwölf Goldmilliarden, die während des Weltkrieges nach Spanien geflossen -waren, wieder verschwunden sind. Was geht uns Marokko an? 25.000 Menschen, das heißt ein viertel des spanischen HeereS, sinbereits rühmlos auf der Strecke geblieben, und seit vierzehn »Fahren bezahlen aut die Kosten dieses kriegerischen MenteuerS. Gr ist durchaus nicht schwer, ein neues Span ie n unter einer modernen Staat'sform zu schafftn, die allen Fortschritten zugänglich ist. In meinem Vaterland kann man heute unter der Diktatur Primo de Riveras , nicht mehr atmen, und jedes frei« Wort ist erbarmungslos erdrosselt. Die Militärzeu'sur unterdrückt aller, was ihr nicht in den Kram paßt. Ein Oh er st überwacht als Zensor die Presie, und ke i n Bu ch, auch wenn es von Mathematik oder Philosophie handelt, kann ohne Genehmigumg deS Divektorinms erscheinen." Ler Rklckzug ln Marotto geht weiter. Melilla, 30. November. (Havas.) Bei der Räumung verschiedener Positionen in der Zone von Larasch verloren die spanischen Truppen etwa 40 Mann an Loten und Verwundeten, zumeist eingeborne Soldaten. Der Martinfluß ist aus den Ufern getreten Und hat Straßen und Schienenwege in der Ebene unter Wasser gesetzt. Da die Fluten auch die Blockhäuser für den Schutz der Furten bedrohten, 'mußten sich ihre Besatzungen auf Tetuan zurückziehen. 1 Rbd ei Krim ermordet? Paris, 1. Dezember. We ,Journal" auö Madrid berichtet, -besagen Meldungen vuS Teduwu, daß der Kaibylensichrer A Ü d e l K r i m, der mit den Spamnern FriedensverhaMungen eingeleitet hatte, von Angehörigen eines ftindilichen Stammes ermordet worden sei. ■ans Durchführung dieser VoMMngen verhindern sollten, wird strenge smgeschritte.n. Nach der ersten Ausbildung wird im Mai die Fahnenweihe stattfinden. Die Mitglieder der Organisation werden das Recht haben, eigene Kappen zu tragen. Im Sommer -werden Uebungen unter freiem Himmel stattfinden. Softrne die schon existierenden Organisationen solche Uebungen wie Lei Satoralya Ujh.ly und hei Nyiregyhaza usw. abhalten, ist der Charakter dieftr Exerzrtien größtenteils militärischer Natur. Es wird also für eine Reserve zur Ergänzung der ungarischen! Arme« genügenld gesorgt. Das «ngarische Ä«mvsparlmur«r. Budapest, 1. Dezember. (Ung. Dsl.-Korr.-Bm:.) In der um halb 12 Uhr eröffneten Sitzung der NattomLvevsmnmlung wird vor den fast gänzlich Leeren Bänken der Opposition der Bericht des Immun!tätsausschusses in der Angelegenheit der renitenten Abgeordneten unterbreitet. Der Ausschuß beantragt die Ausschließung der Abgeordneten Györki und Szilagyi ans 27, der Abgeordnete Propper und Kabock aus 22, der Abgeordneten Payer, Bad res, Süto, Szabo, Sally, Klarik, F a r k a s, S z e d e r und M a l a s >i tz auf 20 und schließlich des Abgeordneten Peidl auf 10 nacheinauder scilgende Sitzungen des Hauses. Abgeordneter Hebelt soll dem Häuft Abbitte leisten. Das Haus nimmt den Antrag des Jmmumtätsausschusies an rvud tritt in die Verhandlung des Entwurfes be-tresftnd die Revision der Geschäftsordnung ein. In der Debatte spricht auch Ministerpräsident Bethlen, der die Anl.vüvft, vre Regierung strebe mit der GsschäD-ordMMgrev-lsion eine P a r lwm entsd-iktaturan oder wolle eine Finanzdik tatur einführen, zurückwieS. Nächste Sitzung morgen. Avgeovdneter Nmppert insultiert. Wie die Montagblatter melden, wurde Abgeordneter Ruppe rt vorgestern abends im R-sstauriMt des OstLahnhofts von dem ehemaligen Hauptmaun Budahazy tätlich insultiert. Zwischen den 'beiden waren seinerzeit wegen einer Ehrenaffäre Differenzen aufigetaucht und Nuppert hatte Bupahazh M satissal tionsmrs-Ähig erklärt, weil dieser kwührand des westungarischen Aavffta-ndes einen seiner Autsrgekbenen ohne kriegsgerichtli-ches Vevftlhven halbe hinrichten lassen. Ru-ppert hat nach dem gestrigen Vorfall die Anzeiige gegen Budahazh wegen Körpiervevletzung erstatteit. Der Eskütt-Prozeh. Bei Beginn der he-utigen Verhandlung i-m Prozeß E's-kü tt vollzog sich abermals ein Wechsel in der Person des Verteidigers. Eskütt macht« heute wieder seine ursprünglichen Verteidiger,,die Abgeordneten Dr. Györki und Doktor Weiß, als Rechtsvertreter namhaft. Sodann wwd das Zeugenvechör fortgesetzt. Der erste Zeuge, der ehemalige WerbaumiMster T.e r s h evköärt, seinen Eindrücken mch könnte Stephan S za ho von' den Mißbräuchen EMtts nt ch t 8 gewußt haben. Der , Großgrundbesitzer K o v a e S, der ftiMMt als Mgeördmtsr im Parlament das erste Rev-olverattentat aus den Graf Tisza verMt hat, sagt aus, er habe von Eskütt gehört, daß dieser die unlerfchlagewn Beträge für Zwecke des w e ist u n g a r i s ch e n Ä u sst a n d e s -verwendet habe. - Nach Verlesung des arMchen Gutachtens, wonach ESkütt st a r k d e g e n e r i e 11 und newvaft'henisch, jedoch n i ch t g e i st e s k r a n k sei, Wird der Gehe! m a k t d « s Grafen Bethlen, der -i-n der Freitagsitzung der Na- -tionälversaimmlun-g s-o -viel Erregung hervorr-ief, im Wortlaut zur Verlesung gebracht. Ans demselben geht hervor, daß nicht vo-n Saurnl>liun>gen stir Parbuz-weck«, sondern von Schenkungen für propagandistische oder p o l i t i s ch e Z w e ck e die Red« ist, von denen der MnisterpräsiLent vevstLndigt zu werden wünschte. Von ftiten der Verteidigung werden noch verschiedM« andere Zeugeneinvernahmen gef-ordert, woraus die BerhaMung aus morgen vertagt wird. Marffy «ad Arza-ßszlar. Budapest, 1. Dezember. (Tel. der „Wiener Ncargenzeilung".)^Jn dem Prozeß gegen Marffy, das Haupt der ungarischen Bombenwerfer, wurden, alle Mmen der. politischen Leidenschaft losgelassen, um in den Reihen der christlichen Bevölkerung den Glauben zu sestigea, daß die überwiesenen Bombenwerfer unschuldig sind und dennoch von einer den Juden ergebenen Regierung schuldig gesprochen werden sollen. Der Verteidiger Marffys, Doktor Kiszely, stimmte sein Plaidoyer auf diese Note, indem er feinen Schützling gleich den übrigen Angeklagten als daS Opfer der polizeilichen Mißhandlungen hinstellte. Nachdem er seinen ganz«-« Vorrat an rassenschützlerischem Wortschwall erschöpft hotte, schloß er seine Verteidigungsrede mit den Worten: „Der Gerichtshof möge sich nicht dem Verdacht aussetzen, daß er irgendeiner fremden Beeinflussung nachgegeben hätte. Ich erinnere den Gerichtshof an den Tisza.Eszlarer Fall, in dem die angeklagten Juden wegen Mangels an Beweisen sreigesprochen werden mußten, obgleich dort viel mehr Beweise für die Schuld der Angeklagten Vorlagen als hier. (?) Auch aus diesen Gründen müsse das Urteil über Marffy «in freisprechendes sein.* Die Bombenwerfergarde hat also für den Fall o'n'.cr Verurteilung der Mörder ihr Schlagwort. Ae 8m!gra«te«vrorrffe. Aus Budapest wird unterm 1. b. gemeldet: Gegen den aus der Emigration nach Budapest znrückgekehrten sozialdemokratischen Führer Jakob Welt neu ist ein Strafverfahren eingeleitet worden, weil er den seinerzeit von den Sozialdemokraten mit den Kommunisten abgeschlossenen Pakt, womit diesen die Negierung übergeben wurde, unterzeichnet habe. Die vom Verteidiger Weltuers erhobenen Einwände wurden heute vom Strafsenat abgelehni und Webner wegen Aufruhrs und Hochverrates unter Anklage gestellt. Der Advokat Dr. Zvltan V a i d a, der während der Proletarierdiktatm die Stelle eines Oberkommandanteu der Roten Polizei bekleidet hatte,. und deshalb zu füuf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, wurde, nachdem er um Wiederaufnahme des Verfahrens angesucht hatte, freigesprochen. Die königliche Tafel hat heute dieses Urteil bestätigt, das in Rechtskraft erwuchs, dct d-' Staatsanwaltschaft keine Berufung dagegen eingelegt hatte. Sine neue Rede der drnWen Reichskamlers gegen die Pogromhetze. ' Berlin, 1. Deysinher. Wie dem Woiffscheu T-el-egmph-evjbur-e<ru aus WberM t-oleH>vaph.ievt wird, hat -dovt R-e-MLa'Wl«r Marx stn großen Saal der Stadthatte vor einem M-assenpMikum gesprochen Wd im Verlauf' seiner Rpde die neuerdings im Wahlikaimpf i-mmer stävk-er zutage tretenden antisemitischen Bestrevungen, dde „mit dem Geiste wahrer VoWgememfchast, aber auch mit dem Geist« des Christentums nicht bmiul-üi: seien", schärf verurteilt. I/! «SS»

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