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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-01 · Heft 2078 (1.12.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2078 (1.12.1924)
Date
1924-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Pol bii 20proszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle, (Trafik) monatl. K 40.000, Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bex„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien i> Oesterr. monatl, IC 40.001 Ts eh ee h o-S 1 owa lc e i s Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. 37t Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frankr.. Belgien: Mon. Frcs.,15 lener | Preis K 14QO| Englandl Mon,4 Schilling, JtaIien: Monatl. 15 Lire, vRn manie n Mon. 150Lei, Balgarien MonV80 Lewa, Schwei r und das übrige Ausland monatlich Fres. 4. Redaktion ü. Administration Wien, II., Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-38,43*3-19. (MF* Nsehsahlungtn “M® bei PrelfsrhShunreB vartiaWtas AhöUhr abds.21-102,25-202 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisehes Postspar* kassen-Konto Nr. 150/»°8 9tf. 2978 Wien. Montag 1. Dezember 1924 6. Fahrgang Polizei und in Bereitschaft. Budapest, 3V. November.; (Tel. der Miener Mvvgenzeitung".) Die durch die Freitagslandale ent* ftottkw politische KampWimmung ist noch immer nich t abgeflaut. In dm, Qppvsitionskvvisen rüstet man zum schärf.ft.en Kampfe. Es ist Mit Sicherheit <vntzu» nehmen, daß die Tnimul^zenest eine Fortsetzung finden Merden. Die Mitglieder der sozialdemokratischen, der Kossnthwnd der demokratischen Partei haben beschlossen, an der, morgigen Sitzung des Immumitä'tsansschusses, der die Angelegenheit der von der Wache ans dem Aitzwngssaal entfernten Abgeordneten verhandeln wird, u i ch t t e i l z u n e h m e n und den Beschluß des Ausschlusses auf jeden Fall für ungültig zu anzusehen. Diese Deklaration der oppositionellen A^-eordneten wird aber vermutlich den Ausschuß nicht hindern, die ^maßregelten Wgvordneten für mehrere Sitzungstage auAzwschlließen. Die Opposition will im Zusiaimmenhamg mit den Fret. tagflandailen eine mehrtägige Hausordnungsdebatte provozieren. Der sozialdemokmtische Abgeordnete Payer, erklärte einem Mitarbeiter des „A Reggel", daß die Opposition entschlossen sei, den Kampf solange fortzusetzen, bis das ungarische öffentliche Leben von den Panamisten gesäubert fei. Lemgegmüber ist die Regierung entschlossen, gegen den Ter- Der zionMsche Delegierte«!«». Die neue Leitung. ..... Dtt - österreichische. zionLstifche . DÄ^ievtentag, -irbLL., desien Eröffnungssitzung wir Ln unserer gestrigen Ausgabe berichteten, wurde Sonntag den 30. November fortgesetzt und in später Abendstunde ge'schlosien. Die Wahlen in die neue Leitrmg hatten folgendes Ergebnis: Zum Präsidenten des Zionistischen - Landesikomitees wu rde Herr Dr. Jakob Ehvli ch' gewählt. ' Dom Zioniist-ischen Landeskomitee gehören ferner die folgenden Herren an: Direktor Siegjm und Epiker, Paul Földes, Dr. N. M. Gelber, Dr. Leo.Goldhanvm e r, Herzog, Dr. Isidor K l a b e r, Dr: Josef L5w e n h e r z, Frau Erna P d t ä I,J Gememderat' Dr.. Leopold P l a s ch k'e s, Aaron Sch wer finger, Dr. Michael Steinberg, -Obsrba'uivat Stricker, Dr. Chaim Tartakower uud Dr. Georg Weiner. Der Delegiertentag war gestern außeroMnMch stark besucht. OberbauM Stricker erstattete am Nachmittag sein'politisches Referat. ' Frankreich kan» seine Waffe« nicht niederlegen. Der fvcvnKöstslche Mnisterprästhent hat gestern in dem Bogesenort Sai-nt-Die eine Rede gehalten!,' die ' LeuNch unter dom Einfluß der Rechtsschwankung rn'EnMnd steht. Herriot nimmt in 'das Fviedenspvogmmm auch die Sicherheitsforderimg auf, wa's' im Wesen ein' Zurückgreifm auf die 'politische Linie Poincares bedeutet.. Bet der Ankunft Herriots" gab es Dsmonstrültiouen der politischen Gegner, die aber belanglos' Mebsn. Es liegt folgender Bericht Vor: ' Paris, 30. November. (WoM) ’ Ministerpräsident^ Herr i o t ist heute, vormittags i-n Begleitung des iinterrichtsmiuksters in Saint-Die (Bogesen) eingetrossen. Bei. seiner Ankunft versuchten einiige politische, Gegner ihn' a u's zu p seife n, doch, wurde, diese Kundgebung durch die Ovationen seiner Anhänger.ersticht. .Bei. einemMm zu Ehren veranstalteten Frühstück hielt jder Miniisterpräside-nt eine Rede, inder er unter anderem a'usfülhvte: ■ . \ ' ,, Ich empfehle allen Einigkeit für Friede n u n d Sicherheit. Es ist eine Verleumdung, zu behaupten, daß wir die Rechte Frankreichs aufgeben, daß wir nicht die gleiche Sorge für die Rechte Frankreichs hätten wie unsere politischen Gegner. Frankreichkan n s e i n e Waffen nicht niederlegen,, bevor ihm nicht die Sicherheit gewährt, wird, ayf die es Anspruch' hat. Diese These habe ich in Genf'Min.Siege geführt.. Schied.sge r i ch t, En t wa f fnung und Sicher hei t, auf ror der Minderheit mit den schärfsten Mitteln vorzugehen. Der gestrige und auch der heutige Tag sind in v o l l e r Ruhe verlaufen. Die Polizei hatte alle Maßnahmen getroffen, um eventuelle Ruhestörungen und Zwischenfälle hintanzulhailben; es wurde jedoch weder eine Versammlung abgehaltm, noch irgend eine Demonstration verunstaltet. Dagegen rechnet inan für Montag anläßlich der Sitzung der Nationalversammlung mit größeren Zwischenfällen, doch ^hat auch für diesen Tag die Polizei alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. Abgeordneter R u p p e r t wurde gestern im Restkiurant des Ost'bahnhofes von dem Hanchtmann NMaus B u d ahazy, einem der bekannten Hejjas-Mörder, überfallen. Rupert hatte als Rechtsvertreter des „Mag", der dem Budaihazy zwei Mordtaten vorgewovfen hatte, eine Duellfordevüng dieses Offiziers abgelehnt und ihn auf den gerichtlichen Weg gewiesen. Gestern überfiel ihn Budahazh, schlug ihn mit der Fa'ttst ins Gesicht und lief dann davon. Die Wahl in Nagyatad. Budapest, 30. November. Im N a g h a t a d e r Wahlbezirk ist heute Oberstuhlrichter Baranyr auf das Programm der R e g i e r u n g s p a r t e i einstimmig zum Abgeordneten gewählt worden. diese drei Ziele find meine Augen unablässig, gerichtet. Frankreich kann es sich zur Ehre anrechnen,'m 'Genf diese-dvei Worte ausgiesprochen zu Mim, die nie von und Friede nach aüßeit, bas tst das schönste Programmr, ein moralisches Programm, denn die Politik muß die Anwendung der Moral in öfsientlichen An>?elegenihei.ten sein. Das französische Böillk darf' nur eine Sorge haben, die Einigkeit. ' In E p i n al traf Herriot gegen Mittag e'm. Kurz darauf fand ihm zu. Ehren ein Bankett in der großen Indnstrie'halle swtt, an dem 3000 Personen teiilnahmen. Nach der Roberte" sollen auch m Eptncvl bei der Awkunst Herriots Kundgebungen feiner Gegner stattgefunden haben. '__ Der AuMnd ln Charta«. 15 Todesopfer. Kairo, 30. November. (Reuter.) Bei der Niederschlagung der Meuterei im Sudan soll auch ein italienischer Advokat ums Leben gekommen sein. 15 Meuterer, darunter ein Offizier, wurden getötet. Dir FmmnnM der ffghptische« Abgeordnete». Kairo, 30. November. (Reuter.) Das 4. Bataillon der ägyptischen Infanterie ist aus C'hartum hier emgetrosfen und wird eine Woche.tonsigniert Meiben. Eine Delegation ägyptischer Abgeordneter hat den Gerichtsbehörden einen Protest gegen die Fest- Haltung von fünf verhafteten Abgeordneten überreicht, wobei sie geltend machte, daß die Vertagung der Kammer die parlamentarische Immunität wicht aufhebe. Bor dem Ende der Diktatnr kn Spanien. London, 30. November. Der. Sonidevberichtevstatter des „Obsewer" in Madrid schreibt, er verlaute, daß General Pvimo de Rivera ernstlich seinen Rücktritt als Chef des Direktoriums und die Uebern-ahme des Postens eines Oberbefchlhabers der Tvirppen in MaroWo erwäge. ' Ms sein Nachfolger werde Admiral Magaz ernannt. Die rnffische« Wertpaviere in Frankreich. Paris, 30/ November. (Wolfs.) ' Der Kongreß der französischen Besitzer r u s s i s ch e r W e r t p a p i e r e, der gestern in Paris tagte, hat beschlössest, sofort alle materiellen und finanziellen Grundlagen zu sammeln, um ein möglichst genaues Verzeichnis der Forderungen, die an Rußland gestellt werden sollen, zu erlangen, sei es, daß es sich um die Zeichner russischer Anleihen oder um Aktionäre russischer Unternehmungen handelt. Es werde die Gründung einer Gesellschaft geplant, die die Valorisierung der betreffenden'Wertpapiere durchführen soll. Die vemeindenüowMen in MederSfterreich. Die Sozialdemokraten behaupten sich. Die Gems'mderatswahlen in Niederösterreich, die gestern durchgefühvt wurden, hatten eine ganz / besondere politische Bedeutung. Es sollte sich zeigen, ob auf dem Lande die i>n der Revolutionszeit eingetretene Verschiebung der Pavteiverhältmsie sich Wieder rü^länfig bewege oder ob die Sozialdemolvaten ihre Position sesthalten. In .1700 Gemeinden wurde gewählt. Das Resultat ist noch , nicht bekannt, doch küssen die schon vorliegenden Ergebnisse erkennen, daß die Soz'icüldemokraten tm großen und ganzen ihre Stellung behaupten. Die Abwanderung industrieller Arsteilter aus den JndustriebeZirken verursachte ihnen einige Verluste, die jedoch - an anderen Stellen wettgemacht werden konnten. Erfolge!hat die Opposition in den Landgememden miszulveisen. Hier hat sie etwa 300 Mandate, davon 20 Äürgermeistersitze, erobert. Die Hakenkveuzler haben nur in einigen Städten Erfolge gehabt, und zwar auf Kosten der Großdeutschen. In B a d e n b e i W i e n, wo ihre Agitation besonders frech war, fielen ihnen zwei Sitze zu, in Krems vier Die Herabsetzung der Goldabgabe. Das Finanzministerium wird in den nächsten Tagen die Verordnung über die Herabsetzung der Goldabgabe erlassen. Gegenwärtig werden noch Verhandlungen über das Ausmaß der Herabsetzung geführt. Für die gänzliche Aufhebung der Goldabgabe wäre ein Beschluß des Nä t i o n ä l r a t e s erforderlich, der aber jetzt nicht so leicht zu erlangen wäre., Die Goldabgabe bringt jährlich vier Milliarden ein. Bei den knappen finanziellen Mitteln,- über * die das Finanzministerium verfügt, kann es auf diese - Summe. nich,t tzerzichten, wird also trachten müssen,,sie auf anderem 'Wege hereinzubringen^. ‘ ' '*'&£>** galomek vor dem SWffengettcht. Das Attentat auf den Bundeskanzler Dr. Seipel. > Heute begann vor dem Wiener Schwurgericht die. Ber» haMuidg gegen den Arbeiter Karl Jawurek. Den Voisitz Wird Hofrat Dr. Altmann führen. Die Anklage läutet-ans versuchten Mord und wind vom S:aatsanwal-11 Tckt'vr Jmmendörfer vertreten. Als Berrcidiger fungiert-RechlZanüoÄt.Dr. Hochsinger. . Mit Rücksicht aus den als Zeugen vorgela'denm gewesenen Bundeskanzler Dr. Seipel ist das neben dem Schösfensiaal gelegene Jmrrncvliste^immer als Warbeyimmer linpcrichtet worden. Der Raivm für die DerhaMung ist Völlig uinguwlchend. und man merkt bei seiner Anstvahl das Bestreben, kein zahlreiches Publillim zuzulassen. Jawurek hat am 1. Juni d. I. auf dem SWba'hnhos das Attentat verübt. Als -Dr.. Soipel. von einer Agitationsfährt aus dem Buvaenland zurückkahm, trat ihm JawurE entgegen und Gib zwei Schüsse auf ihn alb. Eine Kuigel dran-g in die L n n g c. Die ■ Verletzung war wberisgefähvlich. Dr. Svipel befand sich monatelang intzDPitallspflem. Der Wtentäter Karl Jawurek hatte sich durch zwei Schüsse selbst schwer verletzt, Bon seiner Verwunidnüg D er vollkoonmen wieder hergostellt, er steht, gnt aus. er «ft nur nieldergeschlagen und. anscheinend reuig. Gleich nach dom Nevolveranschlag äußerte er Reue über seine Tat und nachher hat er immer wieder beteuert, daß er tiefe Rene eonpsintde. Als seine Frau ihn -im Jnqnlisitcnspit-ail besuchte, saigte ihr.Jaüvuret: „Verzeih' mir, was ich a ct'a n h a b e." Margarete I a w n r e k lobt mit ihren zwei kleinen Kindern in Pötten stein als Aribeiterm. WährerD sie ihrem Mann ver^stchrn hat, haben die Eltern und Geschwister des Mannes für ihn kein Wort, keine Zeile. Als Beweggrund der Tat hat Jawurek Notlage angegeben. Infolge' seiner mißlichen Lage sei er lclbensüberdrussig geworden und. habe Selbstmord verüben wollen. Nun hörte er'in Bevsam'MlMgen oft, daß der Bundeskanzler Seipe-l an der. Wirtschaftskrise schuld sei. Da sei er aus den Gedanken gekaimnen, durch Beseitigung des -Kanzlers ent« Besserung der Vechäl-tnisse hevbeizusühren und habe beschlossen, vor dem Selbmord den Dr. Seipel zu töten. 'Seiner Politischen Gesinnung lvach ist Jawurek Sozialdemokrat. Er scheint ein fleißio-er Versammünigsbesucher gewesen zu sein, aber ein fauler Zahler. Mit seinen Beiträgen für die Organisation und die Gewerkschaft war er wenigstens seit Monaten oereits im Rückstand. Nach den Aussagen von Zeugen erfraut sich Jawurek in seinen Kvoisen keiner Beliebtheit. Er wiw als ein wenig zugänglicher, in seinen AnschanUcNgen gefestiqt>er Eigenbrötler geschildevt. Karl Jawurekstst am 5. Oktober 1895 in St. Georgen am SteimM, Niedevösterreich, geboren, dahin zuständig, katholisch, verheiratet, Spmnereiarbeiter in Pottenstem. ,vovbestmst, - Nach dem Gutachten der Gerichtsärzte rst Karl Jawurek charalkt-eriologisch abnorm veranlagt, also minderwertig, aber geiistesaesnnd und dcher strafrechtlich voll verantwortlich. ‘ Zur VerhaMung sind insgesamt sieben Zeugen vorgeladen, als erster der ehennalrge Bundeskanzler Dr. Seipel dann der Bahnhosvorstanid Jahanin Stückl, Hofrat Seemann und Redakteur Josef Geßl. i

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