Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2077 (30.11.1924)
- Date
- 1924-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolg» 20gro8zy| Wiens Zum Abholen in der Expedition, 11. Tabowtr, 1*3, oder.in emerVerschleisstolle § Trafik) monatl K 40.000 trassenverkaüf in Wien durch die Kolporteure der 9%ma Goldschmied, 1. 8er.. Wollzeile 11 , Mit Postversand für Wien n! Oeaterr. monatl. K 40.00( Taehech o-Slowakei- Mon. K 20. Jugoslawien Mon.DinaröO. PolentMon. 3*/* Zloty, Deutschland: Mon. Gold mark 4, F r a u k r., Belgien: Mon. Fr ca. 15 MP N »«h * #h i u o 5 «b bei PraSaerhühnnreD vorbelmHe« St. 2077 lener I Prel° K moo| England: Mon.4 Schilling, Italien: Monat!.' 15 I ire, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. SO Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. ^edoktinn >i Administration Wien. II., Taborstr. 1—3 .'elepnone: 44-<)-3tS,43-3-19, AK6Uhrabds.2M02.25.282 X. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Wien. Sonntag 30. November 1924 Oesterreichisches Postspar* Icassen - ^onto Nr. 150.693 6. Softtflitna Ae Meuterei in Khartum unterdrückt. Sie knsliiuder Herren der Lage. — Sie Meuterer ergeben sich. — Bor der Auflösung der öghvtische» Parlaments? London, 29. November. Wie das Reutersche Bureau aus Kairo meldet, hat die Meuterei in Chartmn, die am 27. abends, bogaun, bloß zwei Züge des 11. Sudanregiments ergriffen, welche mit Maschinengewehren ausgestattet waren. Sie wurden sofort umzingelt; rin Teil besetzte das Kvamkerchaius. Die Meuterer haben sich nach einer Beschießung des Krankenhauskomplexes ergeben. Zwei britische Offiziere wurden getöt et und acht verwundet. Wie die amtliche Meldung besagt, sind dieEngländerHerrenderLagem Ehartum. den Kämpfen sollen auch drei sYrische Aerzte r d ein italienischer Advokat getötet worden sein. In Aegypten sind neuerlich Protestkundgebungen gegen die B e rh a f t u n g von Abgeordneten erfolgt. Wie „Times" aus Kairo melden, besteht die Möglichkeit, daß infolge dieser Kundgebungen die ä g y p t i s ch e Kammer aufgelöst wird. Der Proteststreik der Studenten dauert trotz des Erlöstes des Unterrichtsministers, welcher die Wiedereröffnung der Schulen anordnet, w eite ran. Verwicklungen haben sich nicht ergeben. Der Oherkommistär, Marschall Allenby, ist leicht erkrankt. Mae Donald für ein Eingreifen des Völkerbundes. London, 29. November. (Reuter.) Namsah Mac Donald hat sich in einer in Port Talbot gehaltenen Rede zugunsten der Regelung der ä g y p t i s ch e n •<$ t a q c durch den Völkerbund ausgesprochen. Er hat weiters , erklärt, er hoffe, daß. England beim Völkerbund um das Mandat zur Ueberwachuug des Sudans ansuchen werde. Persien vermittelt nicht beim Völkerbund. Genf, 29. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der erste Delegi.rte Persiens beim Völkerbund, Prinz Arfa ed Dowleh, der fern Land bei der internationalen Opiunrkonisereng vertritt, hat gegenüber den in Her Presse verbreiteten Nachrichten einem Vertreter der Schweizerischen De- Peschen-Agentur erklärt, daß. er-aus Teheran weder eine Nachricht noch eine Instruktion zur UebermiNung drr ägyptischen Bitte um Intervention des Volkerbnudes erhalten halbe. . s : : . MMckerimseil in der Palästina-1 verwallung. ÄmerÄ Uetcher statt Samuel, Storrs statt Clahton» Wie wiederholt berichtet, laust die ‘ Amtszeit des Oberkommiffärs von Erez Israel, Sir Herbert Samuel, rund des Unterstaatssekretärs, Sir GMert Clahton, M Imvi des kommenden Jahres ab. Nach einer von uns am 27. d. wicdergegebenen Meldung der „Morning Post" soll Generakmasor F l e t ch e r M a c M u n n an die Stelle Sir Samuels treten. Sir Clayton soll, wie „Doar Hafom" mitteilt, durch Sir Ronald S t o r r s, bisher Gmvverneur des Jerusalem-Jaffa-Distriktes, ersetzt werden. Genemkmafor Sir George Fletcher Mac M u n n trat im Jahre 1888 in die Armee ein und diente im Orient und m Südafrika. Er hat mehrere Militär'sche Bücher.geschrieben. Sir Storrs gehört dem rechten- Flügel der Konservativen an. Seine Amtsführung war wiederholt Gegenstand ernster Beschwerden der jüd'scheu Bevölkerung Erez Israels. Er unterhält sehr enge Beziehungen zum 'lateinischen Patriarchen Barlastina. " . Die. Ernennung eines Generals für den Posten, des Obevkvmmistärs dürfte ihre Begründung in der Tendenz haben, in der gegenwärtigen Situation, im Orient die schärfere Tonart, deutlich zu akzentuieren.. Doch ist noch äbzuwarten, inwieweit die' von uns Wiedergegebenen Informationen der „Mormng Post" und des „Doar Hasom" den. Tatsachen entsprechen und ob sie wicht vielmehr als Ballons d'estai au.fizusassen wären. falsche Angaben im arabischen Memorandum. Aus Jerusalem. 28. d., meldet I. T. A.: Die Regierung von Palästina veröffentlicht einem längeren Bericht, in welchem auf >das M>emorandum des Palästinensisch-arabischen Kongresses an die ständige M a uda t s k o m m i s s i o n des Völkerbundes, welches v-n >der Kommission während ihrer.letzten Tagung in Genf Ende Oktober zu Protokoll genammen wurde, ausführlich reffoftieri wird. Das. Memorandum wurde . ^bekanntlich durch die britische Regierung vorgeleot.. Die in. ihm 'berührten Fragen wurden von Sir Herbert S a m u e f im Verlaufe seines müMichen Berichtes an die Kam-, ryission 'beantwortet. Die RegieMng weist darauf hin, daß sich in den: Memorandum 13, fa ls ch e A n g a b e.n . -betreffend die . Eönwäin'demng ivon Juden nM P^tM^ÄrrMichbeMss ber Juden üftv. befinden. ' : : s ' . Asqüith in Erez Wvaol. Herr. Asquith, der britische liberale Expremier, ist am 23. d. .-aus-Kairo in PailüsKna eingetvoffen. Sir.Herbert Samuel fand sich persönlch zum Empfang ein und geleitete Asquich in das Regierungsgebäude, wo er während : seiner Anwesenheit in Jerusalem als Gast des Qberkommissärs wohnen wird. Sic Robert Hörne tritt ins Kabinett Baldwkn ein? London, 29. November. Dem „Sta^ zufolge , wird Marinemimister B r i dg e m a n am 1. Jänner zum Lord echoben werden und-sodann zurücktreten. Er wird durch Sir Robert Horne ersetzt werden. eilte znsammenlunft Benesch-Matma Wie bekannt, begibt sich der tschecho-stowakische Minister des Aeußern Dr. B e n e s ch zu der am 8. Dezember m Rom bcgiMenden Tagung des Völkerbund r a t e s. Da Minister Dr. Benesch über österreichisches Gebiet reist, lag es nahe, diesen Anlaß zu einem Zu- -s a m me ntref f.e n zwischen, dem Leiter der tschechoslowakischen Außenpolitik und dem. neuen Bundesmmister - -für die auswärtigen.Angelegenheiten Dr. Mataja - zu benützen. .Auf Grund der hierüber zwischen Prag und Wien geführten Besprechungen stcht' nunmehr - fest, s-daß, Minister für Aeüßeres Dr. Ma t a j a den über Wien -reisenden tschecho-stoivakischen Außenminister Dr, Benesch begrüßen und mit ihm bis zum Semmering zusammen fahren wird. Die bei-dan Minister werden daher Gelegenheit haben, sich über die a Hg e nte i rt e p o l i t i s ch e L a g e auszufprechm. ' ' Der von Minister Dr< Benesch beabsichtigte offizielle Besuch bei der österreichisen Bundesregierung wird m einem späteren Zeitpunkt erfolgen. ZmnMa Pruscha dernrtM! 15 Jahre schweven Kerkers. Die Geschworenen haben im Mordprozetz E b e r l -die. Hauptfrage auf Meuchelmord mit 6 Ja und K Nein, die Eventualfrage auf gemeinen Mord mit 10 Ja und 2 Ne i n beantwortet. Auf Grund dieses Verd'ktes wurde die Bedienerin^ Franziska Pruscha zu 16 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Das Staatsprlurip des Antisemitismus. —y. Wien, 30. November. Sie wußten alle von Dreyfus' Unschuld: die französische Regierung, die fremden Militärattaches in Paris, der deutsche Kaiser, der deutsche Botschafter m Paris, der deutsche Reichskanzler und der russische Ministerpräsident. Men war es bekannt, daß Dreyfus keinen Hochverrat und keine. Spionage getrieben, daß er dem Major Schwartzkoppen keine militärischen Geheimnisse verkauft hatte, daß das Borderea-u mit dem Zettel, des Kaisers Wilhelim gefälscht war. Sie wußten alle, daß ein Lügennetz ausgebreitet worden war, in dem sich der jüdische Artilleriehauptnrann fangen sollte. Die französischen Kriegsschreier brauchten für ihre Propaganda die Straße und sie konnten sie nicht besser rufen als mit dem Judengeschrei: Die Regierung der Re-publik wollte es nicht wagen, sich für den Juden-zu echauffieren. Die anderen hatten alles Interesse daran, daß . es m Paris recht laut zuging, daß das Vertrauen in die Sicherheit des Staates . und in die Rechtspflege untergraben wurde und daß auch bei ihnen daheim der jüdische Verrat als eine feststehende Tatsache in da sh Bollsempfilideneindrang. Wenn der jüdische Offizier in Frankreich eine Gefahr für den Staat ist, so ist er es auch in. Deutschland, und wenn der Jude! in Frankreich ein schädliches Element ist, so; ist. er es auch i m RuMnd. Der internationalen Kanaille war ein - Opfer vorgeworfen worden, und was immer die: hochsinnigen Verteidiger der Menschenrechte zur Rettung der . , Ehre Frankreichs unterndhnten, konnte sich , nur in . Frankreich , auswi'rien. In Deutjchl'and und in Rußland war der Zweck der JnfMie.-Meicht. Alle, die die Wahr? heit..kannten, schwiegen, der -redselige Potsdamer Kaiser sowohl wie der höfisch-kluge Säsonow. Alle legten bedeutsam den Finger an den Mund: Staatsgeheimnis! Diese Haltung wäre noch zu rechtfertigen, wenn diese Faktoren nichts weiter gekannt hätten als eben nur die Unschuld des jüdischen Offiziers. Sie hätten ja der Meinung sein können» daß die..auf den Boulevards tobenden Camelots wirklich - das -Voll repräsentieren, das in seinem untrüglichen Instinkt auch tatsächlich von der Gefährlichkeit der Ju'den überzeugt ist und in dem Verfahren gegen Drehfus ein.historisches Urteil vollziehe. Aber die Vertreter des deutschen und des russischen Zaren und des italienischen Königs wußten sehr genau Bescheid, und wenn sie es nicht aus ihrer eigenen Erfahrung erkannt, hätten, so sorgte doch die ernste Politik der VerteDiger der Republik dafür, daß die Wahrheit wenigstens zum' Worte kam. In der Kammer gab. es Stürme und erregte Debatten, in denen das niederträchtige Attentat der Männer mit dem. langen Messer enthüllt wurde. Es wurde haargenau, mitgeteilt, daß die Drummond und Regis.und Daudet die Lumpen auf die Straßen schickten und das ün den Kneipen lungernde Ge-, lichter angeworben hatten. Es gab Burschen, denen man in der Redaktion der „Action fvancaife" das „A bas les juifs!" erst einstudieren mußte,, weil sie gar nicht französisch konnten. Das war das Volt und -fein intuitiver -Ruf nach dem Leben des Juden. Und daß es sich so verhielt, das wußte man in den Gosandtscbaftshotels. Und, wie esffich nun hevausstellt, wußten diese so peinlich ehrenhaften Diploinaten, die kein Fleckchen auf der weißen Weste dulden, daß-der Hauptschreier in dem Lärm,. der Oberst Henry, es gewesen .war, der dem Major Schwartzkoppen die Angaben über die neuen Geschütze gemacht und die gefäkschteu Dokumente in den Papierkovb geschmuggelt hatte. Sie schrieben dies als amüsante Pikanterie nach Hause. Aber in Paris schwiegen sie und ihre Auftraggeber anerkannten auch diese Tatsache als Staatsgeheimnis. Wenn , die bezahlten und geköderten Schubiacke in -den Zeitungen,un Versammlungen und an den Straßen, secken das-Judentum zu besudeln unternehmen, Gift unv -Wut speien und in erkünstelter Begeisterung die Befrei- .ung der Welt von der'semitischen Gefahr predigen, dann - ist es Staatsgeheimnis, ihre Lügen nicht zu entkräften. In der Wahrung dieser Räson stimmen alle überein, die Republikaner, die Monarchisten, die Bolscl)ewiken. Welches Staatssystem immer-in. Geltung ist, stets sind MODERNE STOFFE Leinen, Seiden waren, zu sensationell reduzierten Preisen bei VI. Linke Wien- . zeile 40 (Im Hof«)