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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-20 · Heft 2067 (20.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2067 (20.11.1924)
Date
1924-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPomn 20nrogzyl -Wien: Znm Abholen in der Expedition, II. Taborstr.1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40,000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, X. 6er.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien >, Oeaterr. monatl. K 40.0(> Ts cbech o-S)owikei Mon. K20. Jugoslawien: Mon. Dinar6Ö. Polen: Mon. 31/» Zloty, Deutschland! Mon. Goidmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frei. 15 W* N»eb*abluBr«» bei PrelierböbuBje» verbebaltee Rk. 2867 Wiener ♦ M—H—HBWBjBlüBBIilffilBmMIRliilgaifill Gien. Donnerstag, 20. November 1824 | Pre1«i K 14001 England: Mon,4Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa,! Schweiz und das ubrigej Ausland monatlich Frcs. 4.j Redaktion u. Administration Wien, II., Tabofstr. 1—3 •lephone: 44-0-38,43-3-19. ... .! A.ßT. Ihr abtf *.21-102,25-282 j IX. Universitätsstfasse 6—-Bl (Druckerei Steinmann) i Oesterreichiaehes Postspar* j ka**rn - ^on^n Nt. 150.598; 8. Salstfinng j Sie österreichische Krankheit. —y. Wien, 20. November. Der Generalkommissär des Völkerbundes erklärt zur österreichischen Regierungskrise, daß die Genfer Abmachungen einen Staatsverlrag bilden, an den jede österreichische Negierung gebunden ist. Es versteht sich von selbst, daß die Bindung nur in bezug ans jene Bestimmungen gilt, die von den Genfer Kreditmächten und von der österreichischen Negierung, veröffentlicht worden sind. Geheime Abmachungen, von denen feit zwei Tagen viel gemunkelt wird, können niemanden in Oesterreich verpflichten, zumal die Publikation der letzten Protokolle unter der Verantwortung der Regierung erfolgt ist und auch dem Hauptausschuß wie dem Nationalrat keine anderen Mitteilungen gemacht worden sind. Mau weiß, daß idie Vormundschaft noch sehr lange dauern wird und daß sie nur dann beendet werden kann, wenn der österreichische Ausschuß des Völkerbundes die Zeit hierzu für gekommen erachten wird. Es liegt nur 'bei Oesterreich, die Frist abzukürzen, wenn Negierung und Parteien sich zum Programm des Schaffens und Sparens nicht nur mit Worten bekennen, sondern es auch iilben. Von Ordnung, Arbeit und Sparen wird in Oesterreich sehr viel gesprochen und auch die Regierung, die sich heute dem Nationalrat vorstellen soll, wird sicherlich kein Programm verkünden, das mit einem dieser Punkte in Widerspruch steht. Von der Verlesung aber bis zur Ausführung ist ein weiter Weg. Er ist mit guten Vorsätzen gepflastert und es fehlt nicht an gutem Willen, wohl aber an der Kraft. Die Länder wollen nicht so wie die Zentrale, die Agrarier nicht so wie die Industrie und keine Regierung konnte bisher ein dauerndes Kmnzeigte sich' die-letzte-- Koalltionsregierüng, in der nur die Autorität des KabineLtschefs ein erträglliches Provisorium erzielen konnte. Dicise Regierung war nicht einheitlich zusammengesetzt. Das ist sin Uebelstand, an dvm auch die Regierungen anderer Staaten kranken. Aber die, österreichische . Spezialität besieht darin, daß die Mchrheitsparteien die gegenwärtige. Staatsform als ein Uebergangsstadium ansehen und behandeln, daß sie der Republik im Innersten als Gegner gegeni'tberstchen und nur aus den Augenblick warten, wo sie ihr Herz wieder öffnen können. Die Ehristlichsozialen haben sich, nur aus nüchternen realpolitischen Motiven dazu bereit gesunden, die demokratische RePMik anzuerkennen, weil eine andere Form derzeit nicht gesunden werden kann. Sie sind mit halbem Herzen bei der Sache. Die Großdeutschen streben, wie sie behaupten, den Anschluß an Deutschland an, wissen aber nicht, an welches Deutschland, wissen auch nicht, wie dies geschehen soll, da ja die von ihnen vertretene Trustindustrie sich noch nicht geäußert hat. Die Sozialdemokraten haben in den AnMußweiu viel Wasser gegossen, aber da sie nicht in der Regierung stehen, opponieren sie einstweilen nur theoretisch der Genfer Diktion. Alle aber haben das eine gemeinsam, daß sie den Staat, so wie er da steht, nicht wollen, und deshalb behandeln sie alle die Forderung des Aus- und Abbaues nur unter dem Gesichtspunkt des Provisoriums und demgemäß stößt auch jede Regierung immer auf Schwierigkeiten, die sich nicht aus Gründen der Sachlichkeit, sondern aus parteidogmatischen Prinzipien ergeben. Das ist die Krankheit Oesterreichs, mit der das Ausland immer wieder zu tun bekommt. Diese Hemmungen -wirken eben auch aus die äußere Politik, die offiziell aus den Frieden instvadiert i>st, inoffiziell aiber von allen gemeinsam sabotiert wird. Wenn man ausbauen will und dazu die Hilfe der Welt braucht, muß man im Inneren Ruhe halten und darf das System nicht durch Gifte aus 'der klerikal- oder alDeutschantisemitischen Küche durchsetzen. Diese Erkenntnis hat in der Regierung bisher keinen Platz gesunden. Es gibt kein österreichisches Bewußtsein und die Arbeit für den Kredit und das Ansehen der Republik rft in keinem Parteiprogramm vorbehaltlos zu leisen. In- Wahrheit regiert das Hakenkreuz mit souveräner Gewalt. Alle Macht im Staate geht von chm aus. Ae papierene Miistuua. kuglaud und dar Genfer AbrSftnnssprotokok. — Aue britische Bor- Wäge. — Zooiibges AbrSftnagsstziel. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) L o n d o n, 19. November. Die britische Regierung hat - an den Völkerbund eine Note gerichtet, in welcher sie ersucht, daß in der nächsten in Rom stattfindenden Tagung des Bölkerbundrates das Protokoll über die Sicherheit und über die Abrüstung nicht verhandelt werde, da die englische Regierung vorher über diese Fragen Beratungen mit den Dominions abhalten müsse, welche bekanntlich gegen das Protokoll starke Einwände erhoben haben. Wenn auch diesem Schritt Englands halboffiziell der Kommentar beigegeben wird, daß keineswegs die Preisgabe des Genfer Protokolls beabsichtigt ist, so läßt schon der Nachsatz dieses Kommentars: „Die britische Regierung hat nicht den Wunsch, den vorliegenden Plan umznstürzen, ohne ein n eues Projekt an seine Stelle zu setzen," deutlich erkennen, daß die Regierung B a-l d w i n s die feste Absicht hat, die Genfer Beschlüsse über Sicherheit und Abrüstung An Attentat kyf dsn englischen Merbejehlshaher in AWpM Lee VtaEfchlvev vevletzt^ Kairo, 19. November. (Reuter.) Gegen den Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee, General Sir Lee Stack, wurde, als er heute um dreiviertel 2 Uhr nachmittags vom Kriegsministerimn wegfuhr, eine Bombe geschleudert. Als die Bombe nicht explodierte, feuerten die Attentäter einige Revolverschüsse ab, durch die der General, sein Adjutant und ein Polizeimann getroffen wurden. General Lee Stack, der von drei Kugeln getroffen wurde und eine schwere Verletzung in der Magengegend erlitt, wurde ins Spital gebracht. Die Zahl der Attentäter betrug drei oder vier. Sie sind e n t k o m m e«. Der Zustand* des Generals ist e r n st. - Kairo, 19. November. (Reuter.) Zu dem Attentat auf den Gemeral L-e-e Stack wird noch gemeldet, daß sein Adjutant, Hauptmanu Campbell, m die Brust und sein Chauisseur in den Arm und in das Bein getroffen wurden. Ter Polizist, der die Attentäter verfolgte, wurde durch drei Kugeln schwer verwundet. Die Polizei glaubt, die Nummer des Autos, in dem die Attentäter entkamen, zn kennen. Die Ncgievung hat auf die Entdeckung der Attentäter eine Belohnung von 10.000 Pfund ausgesetzt. LM'Anmev'Tsrif auf der Sttaßenbm. Ab 1. Dezember. In einer Vollvcrse-m.mlung des Kl-ulbs der Sozialdemokraten rm Wiener Geineinderat wurde gestern beschlossen, daß vom 1. Dezember 1924 an der Preis des gewöhnlichen Tagessahrscheines von 1700 mtlf 2 00 0 K., im Vorverkauf von 1000 ans 1900 K. erhöht werden soll. In ähnlichem Ausmaß soll auch der Preis der übrigen Fahrschomgattungen erhöht werden. Die Vorlage Wer die neuen Tarife wird bereits am Montag den Gvlminidera t Z au sschu ß für die städtischen Unternehimm-gen beschäftigen. Die Erhöhung des gegenwärtigen Fahrpreises, der seit dem 24. September 1932 gilt, wird -unter anderem mit -der Verlängerung des Betriebes um sine Stunde und der Verdichtung des Verkchrsnetz-es begründet. zu revidieren. Wie „Daily Telegraph" erfährt, hat auch der Völkerbundvertreter, der heute nach Gens abreist, den Auftrag erhalten, die Pläne der britischen Regierung zu motivieren. Mit. diesen Richtlinien der konservativen'Außenpolitik wird — trotz aller gegenteiligen Versicherungen — die durch mühevolle Arbeit einigermaßen in den Hintergrund getretene Frage der Sicherheit Frankreichs. . wieder aufgerollt und danrit Wasser aus die Mühle der Opposition gegen Herriot getrieben. Jetzt 7 zeigt sich deutlich, was von allem Anfang,zu befürchte» war: daß das Abrüstungsproblrm an der Machtpolitil > scheitern muß. Das' Genfer Protokoll ist geschaffen worden, ohne daß die moralische Sicherheit für die Sicherhüt der * Staaten da war, die es herbeisühren wollte. Das Spiel mil der Abrüstung kann zu keinem Resultat führen, auch, wenn - es jetzt von Coolidge durch die von ihm einbörns:-*-i: Abrüstungskonferenz fortgesetzt wird. TZr Auch der Angeber leugnet jetzt. - - •-(Eigettdienst der „Wiener -MörgeWstnys,^)l.. . .. Budapest, 19.- Niwembär. Zn MgsiiMv.M.-henlMch Verha-ndlmrg im Prozeß Mars fy und Mnyssim. cnt*, schuldigte sich Abgeordneter Uta i. n in seinem mild litt Namen der übrigen gestern'mit einem SNindstl abgetretenen Verteidiger und erklärte, daß er. die Vevteiö'.guug des Angeklagten Marossy wieder aulsuehme. Sodainn wurde der Angeklagte Rad-o verawen-nlen, dessen Angaben und Geständnisse ■ i#e i -der Pülizei und vor dam Untersuchungsrichter die gesamten Dat en Wer das Bomibenatten-tat laiu-f das Elisabechstüdter Kasino geliefert 'hatten. Heute leugnete Rado nach dem vorbereiteten Rezept alles und erklärte, er wisse 'von gar nichts, seine früheren Geständnisse seien ihm durch MißlhaMumigerr erpreßt worden. Es folgten die AuHagen .-der Geschädigten. Ein erschüttevndes BW bot das Erscheinen der Personen, - die das bestialische AtitenM zu Krüppeln gemacht 'hat; den furchtbarsten Eindvnck machte es, ails der 64jä.h r ige Arzt Dr. Moritz M a r -o s in lden Saal geführt wurde, der durch das Attentat sein linkes Bein verlören.hat Mrd jetzt vollkommen arbeitsunfähig ist. Die Geschädigten schilderten in alben Einzelheiten die-Vorgänge am Tage des Attentates. ' Sodanin twurde die Verhandlung aus morgen vertagt Das iugoslawisch < griechische Mndnis jefSnDigt. Athen, 19. November. Wie ein olffizielles Commumqur der griechischen Regieming besaigt, Hw der Gesandte des Königreiches S. H. S. den Beschluß seiner Regierung mitgeteilt, das seit 1913 desteherw: Bündnis z w i's ch r n den b e i d e n 2 ä n o r r n als beendet zn betrachten. G«!eichzeitig wurde der Wu-isch beider Staaten zum Ausdruck gebvackst, Verhandlnngeir zunc A b s ckl u ß e i u e s neuen Vertr-.grS ciinznir-teu. Die Beziehungen r'-v-schen den beiden Staaten bleiben nawie vor s.chr srrümdschMiche und feste. Ter jugoslawische Gesandte hatte hvute mittags ein-' Unterredung m-it dem Minister des Aeußern. Der Weneichische Gesandte in der Türkei. Konstanttnopel, 19. November. Der österreichische Gesandte Kral ist nach Angora abaereist, um der Regierung sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. mmmmm VIEL GELD ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winler, Damen- und Herrenwäsche, Lemenwaren, Strick- und Wirkwaren. Teppichen, Vorhängen usw. £0F* Im Warenhaus Mi Schiff mann II. TaborstraBe 48 TstsnHss 47-1-79 Ingres ln data t

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