Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2064 (17.11.1924)
- Date
- 1924-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen 20groszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerscYileisstelle' (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkäuf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien » Oesterr. monatl. K 40.00* Tachecho-Slowakei Mon. K 20 .1 u g o s I aw i e n Mon. Dinar60, P o I e n: Mon 3f/t Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Fr es. 15 mmimmiis -Film I »täfcrAj Heute im i Maria-Aerefien-Z i Kino i Marlahilferlrratze 70 § W N•ah*«hlunj>»» "WW Sa) rra)aei’Knhuna«n vi>rb*n»ire» Nr. 2064 Wie». Mantag. 17. November 1024 I K 14001 England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15. Lire, Rumänien Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland mon> t'ich Frei« 4. Redaktion u. Administration Wien. II., Taborstr. 1-8 Telephone: 44-0-38,43-3-19, Ah6Uhrabds.21-102.25-282 IX. UniversitatsstTasfre 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisehes Postspar* Waisen-Konto Nr. 150.698 6. SaBowag I Batavia, 15. November. (Neuter.) Die Erdstöße dauern an. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Aus den Flüssen treiben Leichen von Menschen und Tierkadaver. Drei weitere Ortschaften sind zerstört. Kairo, 16. November. (Reuter.) Za^uilvPafcha hat nach längerer Audienz beim König seine Domissi.cn zurückgezcgem Jersey-City (Reu^Ierseh), 14. November. (Reuter.) Eine Sa'lpeterfabrvk ist hier abaebrannt. Durch die entstehenden Explosionen sind zahlreiche Personen verletzt worden, darunter 15 schwer. Der. Schaden wird aus wahrere Millionen Dollar geschätzt. Amerikanische Kredite für die österreichischen Bahnen. Wlie das chcksMchsoKiale „Neue MontagMatt" nrerldor, wird der Gen>evaK»ireItor der Oesterreich ischen Bundesbahnen. Dr. Günther, in der nächsten Zeit mit amerikanischen Bankiers eme große Anleihe absWießen,, nviit deren Erlöse die Elektrisizierung der Bundesbahnen großzügig weNygeführt und vollendet ' ungefähr sineünMb^ Blllipnen betragen. England Bleibt Bei der MerBundpolilik. ^Jn New-EaM hat Lovd G r e y am Sonntag eine N>ede gehakten, in' der er bemerkenswerte AsußeruiNlgen über die Politische Richtung des konservativen Kabinetts und scher dessen Stellung zur Abrüstungs frage machte. Danach wind die Linie Mac Donalds niilcht verlassen worden. Bon hohem Wert sind seine ErMävungen Mer das KviegSproblem. Lord Grey war im Sommer 1914 Minister des Aeußevon und es ist noch erinnerlich, daß er den Vorschlag machte, die SchKchtumg des wegen des österro'chi schon Ultimatums ausgedvochenen Konfliktes zwischen Oesterreich imrd Ruf/and einer Schie-dSgenichtsEonserenz der Mächte zu übertragen. Leider unterstrich er /diesen Vorschlag mit der Drohung, -daß Enailand sich scmst zum letzten Schritt entschließen müßte, und gab damit den Tis'a und BerchiM das schwerwiegende Apg!ument des Prestiges m di>e Hand. Lord Grey ist heute, zehn Jahre später, anderer und besserer Ansicht. Hätte er sie damals gehabt, so wäre vieles anders gekommen. Er sehe jetzt, sagte er am Sonntag, was er 1014 nicht gesehen habe, daß ein Krieg infolge des Anwachsens der Rüstungen u n v e r m eidlich war. Er sei zu dem Schlüsse gekommen, das; es, was auch immer die Schuld Deutschlands geweftn sein möge, doch schließlich das Anwach s e n d e r Rüstungen gewesen sei, was den Krieg unvermeidlich gemacht habe. Der nächste Krieg würde das Ende der Zivilisation bedeuten. Wenn Großbritannien den Völkerbund zu einer Wirklichkeit machen wolle, so müsse es erklären, daß es nicht für Sonderbündnisse eintreten werde, die schließlich zur Rivalität zwischen den Nationen führten. Diese und andere damit zusammenhängende Fragen müßten in Verbindung mit dem Genfer Protokoll, beantwortet werden. Grey erklärte schließlich, er werde niemals dafür eintreten, daß die britischeFlotte in den Dienst eines ausländischen Tribunals gestellt werde. Lord Montagu gestorben. In ■ London ist der frühere Staatsiakretär von Indien Lord Montag» gestorben. — ,Lord Montag», der einer Miscken Fanälie entstammte, war im Jahre 1921 van feinem Posten zurückgetreten, um gegen Dlevd Georges Indien-Politik zu -demonstrieren./Sein Nachfolger wurde Sir Nnfui- IsaaeS. •rr I» i Regierung in Sesterreich. Re Krise der Kabinetts Seipel. Die beiden Feiertage waren ausgefüllt mit Verhandlungen, die den Zweck hatten, jene Vorbedingungen zu schassen, die der designierte Bundeskanzler Dr. Seipel für die Uebernahme der Negierung und die Neubildung des Kabinetts verlangte. Die Landeshauptleute erklärten am Samstag vormittags, daß sie unmöglich länger von ihren Amtsorten sernebleiben können und daher auf eine baldige Beendigung oder auf eine Unterbrechung der Konferenz bestehen müssen. Tatsächlich ist auch Landeshauptniann S ch u m y aus Kärnten schon am Freitag abends abgcreist. -Im Anschluß an diese Vorbesprechung fand dann im Parlament die Länderkonferenz ihre Fortsetzung, der wieder Bundeskanzler Dr. Seipel und Finanzminister Dr. Kienböck anwohnten. Es wurde sehr eingehend die Frag'e der Verwaltung sresorm und die der Reform der Finanzverfassung erörtert, doch gelangte man zu keinem abschließenden Ergebnis. Der Bundeskanzler ist daher noch nicht in der Lage, eine Entscheidung über die Regierungsbildung zu treffen. Am weitesten sind die Verhandlungen über die Verwaltungsreform gediehen. Dies erklärt sich Wohl aus dem Umstande, daß eben schon in den letzten Klubberatungen der Christlichsozialen der Wunsch nach der Reform der Verwaltung und der Beseitigung der Doppelgeleisigkeit, die nicht nur die Ausgaben erhöht, sondern - auch andereUnzukömmlichkeiten mit sich bringt, vielfach /laut wurde.'■ W - gibt' ÜÜch - in den Länder- Verwaltungen bureaukratische Erscheinungen, welche die Bevölkerung dort ebenso beseitigt wissen will, wie in den Zenträlämtern in Wien. Hingegen ist in den zwei anderen wichtigen Fragen der UeberWeisungen und der Sanktionen keine Annäherung erzielt worden. Bei Behandlung dieser beiden Fragen traten die Gegensätze zwischen dem Standpunkte des Finanzministers und der Ländervertreter klar und deutlich hervor. Doch waren es nur rein sachliche Gegensätze, und die Gerüchte, daß es hiebei zu Konflikten gekommen sei, entsprechen nicht den Tatsachen. Sowohl der Finanzminister als auch die Ländervertreter führten jeder für ihre Standpunkte sehr gewichtige Gründe an. Der Finanzminister erklärte unter anderem, daß er bei dem gegenwärtigen Stande der Bundesfinanzen nicht in der Lage sei, den Ländern die etwa 640 Milliarden Kronen aus den Ueberweisungen zu geben. Die Ländervertreter wieder betonten, daß sie diese Summen unbedingt benötigen. Namentlich Länder, wie Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Kärnten, die über keine solchen Einnahmsquellen wie Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark oder gar wie Wien verfügen, kommen dadurch, daß sie diese Summen aus den Ueberweisungen nicht erhalten, in die schwierigsten Situationen. Nun will man, wie verlautet, hier einen Ausweg schassen und den kleinen Ländern in irgend einer Form Zuwendungen machen. Es gibt hiefür bereits einige Vorschläge. Die Müßte SchiwiericHeit foi'Pbet jedoch die Frage der Sanktionen.' Tie Länder sollen ihre Finanzgesetze, bevor sie sie in. den Landtagen beschließen lasten, vorher dost Begutachtung dem Finanz.ntiinist>erin,m übermitteln. Diese Forderung rief den größten Widerstand bei den Ländervertvetern hervor, weil sie mit der Durchführung derselben eine Schmälerung der Autonomie der Länder erblicken. In diesem Punkte sind die Länder am empfindlichsten, vielleicht noch enrpfinWcher als in mancher finanziellen Frage. Movgen werddn die Ländervertreter wieder nach Wien kommen. Ob es dann möglich sein wird, in den beiden Streitfragen mit ihnen jju einer Verständigung zn gelangsn, wird'sich n-cch zeigen. * . Die Umgebung dos Bundeskanzlers rechnet damit, daß schon morgen "die Entscheidung fallen und daß bis da>hin die vom Bundeskanzler verlangten Vorbedingungen geschaffen sein werden, so daß es chm dann möglich sein wird, die Regierung wieder zu übernehmen.. Der Bundeskanzler selbst hat bisher noch keine Avußerung getan, aus der zu schließen wäre, daß er sich schon nach der einen oder der anderen Richtung hin entschieden hätte. In der Landerkonferenz, bei der er sich sehr reserviert verhielt, hat er nur zu Beginn di« Ländervertreter darauf cvwfmevkfa>m gemacht, daß wir dem Ausland zeigen müssen, daß das SanierulNgswerk fortgesetzt wird und daß der Wille vorhanden ist, dasselbe auch zum Abschluß zu bringen. Bon'anderer Seite wird jedoch bezweifelt, daß die Wahl der Regierung bereits morgen wird erfolgen können. Kontrolle für die Post. Zwei belgische Beamte. Brüssel, 16. November. (Privattelegramm.) Del Generalkommissar des Völkerbundes für Oesterreich, der sich um die Mitarbeit Belgiens bei der Wiederanftichtung Oesterreichs beworben hat, hat von der belgischen Regierung die Zusage erhalten, daß dem Bölkerbundkommissär Zimmerman zwei belgische Beamte, beigeordnet werden. Es handelt sich hiebei um den Postverwaltungsdirektor C h o k a e r t und um den Telephon- und Telegrapheninspektor De Smet. Beide Ernennungen sind vom Generalsekretär des Bölkervundes genehmigt worden. Den beiden Beamten wird die Aufgabe zufallen, das P o ft- und Telegraphenwese« in Oksierreich zp überwachen. Prügelei zwischen Kommunisten und Hakentteuzlern. Die Bereinigung der nationalsozialistischen Jugend berief für gestern vormittags 10 Uhr im Saale des Vereines der Oberösterreicher in Hernals eine Versammlung ein, in der es zu einer regelrechten Sesselschlacht zwischen Nationalsozialisten und der kommunistischen Jugend, die in der Absicht, die Versammlung zu sprengen, gekommen war, kam. Um viertel 11 Uhr wurde die Versammlung von dem jugendlich:» Vorsitzenden Knapp eröffnet. Gleich daraus verlangte ein Kommunist das Wort in der Absicht, den Vorsitz an sich zu reißen. Der Vorsitzende trat diesem Kommunisten entgegen und im Nu wollten die auf der rechten Seite des Saales befindlichen Kommunisten, etwa 100 an der Zahl, die Rednertribüne stürmen. Aber die Nationalsozialisten, die in der Mehrheit waren, warfen sich den Kommunisten entgegen. Die Kommunisten ergriffen hierauf einige Stühle unschleuderten sie gegen die Nationalsozialisten. Dies war das Signal zu einem regelrechten Kampf. Nun flogen Stühle un- Bierkrügel und beide Parteien hieben mit Ses'eln auf die Köpfe. Dabei gab es ein ohrenbetäubendes Geschrei. Tie Kommunisten wurden schließlich zum Saaleingang gedrängt. Da erschien Polizei, trennte die Raufenden und drängte schließlich die Kommunisten auf die Straße. Einige Kommunisten, die im Saale verblieben, beteiligten sich an der Debatte und mußten es sich gefalle« lassen, von Gattermayer als Genossen reklamiert zu werden. Er sagte ihnen, es sei erfreulich, daß der Antisemitismus in die Arbeiterschaft e'ndringe. Der N ationalsozialismus werde die Erbschaft W Marxismus antreten. Jer autonome Zolltarif Sesterreichs. Wie wir erfahren, sicht fo'te Inkraftsetzung des autonomen Zolltarifs in Oesterreich unmittelbar bevor. Inr Zusammenhang damit ist eine Revision der Ein- und Ausfuhr litte erfblgt. Unter den Verboten, die aufrecht bleiben, ist das der Einfuhr von Saccharin, Tabak nnd elektrischen Maschinen bemerkenswert. Die Ausfuhr von Lumpen und Kriegsmaterial bleibt auf dem Parier verboten.