Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2063 (15.11.1924)
- Date
- 1924-11-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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G. M3 Wien. ZMistatz Wtener Moraenzettuns. 15. November 19S4 Seit« A Viihne und Kunst. ManWeler-KomZdien. Zwei Premieren des Burgtheaters. AEademietheater. Di« Komödie der attewden Diva wurde mehr als häufig geschrieben. Wenn neben den ungezählten Vorgängern die Herren Jacques Be n sque t und Paul A r mont mit ihrer Komödie „Ma ma Nicole" bestehen und vortrefflich bestehen, so mag mau die Kliugheit der Szenen« und Anmut der Dialogführung ermessen, die es ^bewirken, daß diese Komödiantenikon'ödie nicht überffüsffg ist. Eine Prominente von Kultur und 45 Jahren entschließt sich, rechtzeitig Abschied von der Kunst KU nehmet!. Anlaß gab ein Liebes-schmerz. Der langjährige Freund hat sich verlobt. Wie das auch bü kultivierten Bühnensternen zu sein pflegt, erinnert sie sich erst im Aiugonblick ihres Rückt vittes vom Pri-madonnentum des 25jährigen Sohnes. Der kommt ans England und bringt, höchst überraschend, eine hübsche Frau und einen vierjährigen Spvößling mit. Mama .Nicole, die gefeierte Bühnenschönheit, war also schon vor vier Jahren Großmama! Der Schmerz ist groß. Es ist sehr fein gezeiot, wie das Loben ans den Brettern, diese Welt des heißenden Scheins» auch bei Menschen von Gemüt und sauberer Lebensführung die besten Empfindun-gen erschlägt, die teuersten imenschlichen Beziehungen zerreißt. Frau Nicole freut sich leidlich des Sohnes, schaut die junge frische Schwiegertochter mit scheelen, lauernd veraleichenden, ach, besorgten Blöcken an und weiß m«it dem süßen EnleMnd Nichts anzuisangen. Außerdem und überdies hat der Freund die Vevlubung gelost und M)«rt .sich wwder. Soll sie ■tf;nt die Wahrheit sagen, sich als Großmama >dekllari'eren? Soll sie zur Buhne zurückkehron, die neue große Nolle übernehmen, die ihr eben angeboten wurde, und gHch',eitig im Leben eine Keine Komödie inszenieren? Man ahnt, daß Bühniengilanz. FrancneiteVeit und Gier liegt wohl das verzeihliche Hauptmotiv) Bangiakcit vor dem einsamen Altern die Entscheidung für Berhei-mlichung des Großmamatums herbeiführen. Die kleinere Lüge verbricht die schöne überreife Dame selbst: Sie gibt den Sohn für dm Bruder aus. Die größere Lüge muß sie nicht ansspreclen. Da hilft die geistvolle Laune der Komöd'rendichter. Im Augenblick, da ihr iw§ Geständnis über die Lippen treten will, ist der Wdsaubere Enkel im Boudoir, der Freund unterbricht sie, er weiß schon alles und drückt hechle -iückt das blonde Knäblein in die Arme, das er — für das Kind der Geliebten hält. So ward, Gott sei Dank, aus Großmama Nicole» Mama Nicole. Vorhang. Jede gute Aufführung des Bnrgthcaters ist doppelt unterstrichen anzuzeigen, denn sie gelingt bekantlich unter überaus erschwerenden Umständen. Diese war einfach entzückend. Ihren seltenen Kunstverstand, den köstlichen Charme und das schöne Pfund Gemüt, über das FrM A l b a ch - R e t t i verfügt, hat die Künstlerin für die Hauptrolle der Komödie in bezwingender Dosierung verwendet. Wer mit so reifer Kunst auswarrten darf, mag es lächelnd verwinden, nicht mehr „Naive" zu sein. Ganz ■ hervorragend Alma Seidler als aschblonde, „barbo" Tochter Mbious. Das par^distische Talent der jungen Schauspielerin enbwiMt sich zur Meisterschaft. Herr D ev ri e nt als platonischer HanHfreund der Diva bringt mit vollendeter Sicherheit ihre Verwaltungs-, Familien- und Liobesa'NgeleglSNheiten in Ordnung. In der Beherrschung -des Textes war er weniger sicher. Bemerkenswert Rita Burg in der Rolle einer feschen, ordinären, unbegabten Schauspielerin mit ausgezeichneten BMih-mgen. Hans König, ein neuer Mann, frisch und anmutig, wenn auch ein wenig Ncbig. spielt den Sohn der Diva sehr angenehm und alle übrigen dieser von Hans Brahm geschmackvoll geleiteten Vorstellung sind'am Platz. fÄbst wenn man Burgtheatevmatzstab anliegt. Ern Abend, der die Sanierung -der Staatsbühne fördert. * Burgtheater. Im großen Hanse ging leider auch eine Schanfpielerkomödie in Szene. Ich scbätze Schönherr, den Dramatiker, Gestalter, eminenten Techn'ker, und ich glaube, daß ganz besonders seine-„Kindertragödie" ein Gipfel neuerer Bühnendichtung ist. War kr'in genügend nmtiger und starker Berater zur Hand, der das Bürotheater und den bedentenden österreichischen Dichter vor dieser UraiuWhvung seines jüngsten Werkes „D e r Komödian t" beivabren kennte? Der Dramatiker, Gestalter, eminente Technik.c — alle drei waren bvi d'estr Schöpfung abwesend. Die Figu-xen des KomödiantenmMeus sind durchaus abgiegTlffen und die Handlung läßt den Verfasser von „Karnerlout", „Erde", „Kindertragödie" nicht ahnen. Gin Prod'miMme nach höbeven Zielen strebend, gewinnt die Liebe Mer biederen Sch'osserstochter. Bravheit ,und Lüderlichkeit, Wahrheitsliebe des einfacheNl. nüchtermn Mädchens aus dem Vc>We und Verlogenheit «des Komödiantentums, schwerfällige Beschränktheil und Künstlergoist geraten in die allzu bekannten Gegensätze, woraus sich natürlich auch Ghekonslikte er-, geben. Der Held des Stückes, eine Art HanÄ^tf'gur, schwankt zwischen Sehnsucht nach Ruhm, wie ihn die Welt des Rampenlichtes verspricht und einem einfachen Leben in Wahrheit als Buchhalter an der Seite der braren Schlofferstochter. Daß er sich gegen sie und für die Schau-' fpielevei entscheidet, ist weit begreiflicher, als es den Intentionen des Dichters entspricht. Denn , diese. Schlosserstochter (von'Frau Medelskh künstlerisch gestaltet) äst eine unerhörte Zwidevwurzen. Aber wozu den Inhalt erzählen, wozu . die Offensichtlichen Mängel anfzuzählen? Einige..MM.- .H?rvo,rraaen'de Schauspielerleistungen. der Damen. M a r - e r g, Matze n, M e d e l s k y. sowie des, Herrn Schaller machten den Ablend erträgli ch. D. A. . VERSTEIGERUNG dEMXl.DE ERSTER MEISTER vo;wi«yendl des IS» Jahrhundftrit 7. Ajdukiowicz, A. Achenbach, C Axrlc.nl«, 11. Alt, J. Br mdl, P\ Braekaleor, J. F. IPolomnn, M Daflimror, P. Fendi, H. J Fre»enltu», H. Gudo, H Idehrandt, iJ. Hellemen«, A. Hartinger. G. van Hannan, F. v. t.enbach, J. Kriolmbor, C. Marko, J. Nofti, A. Potiflnkofen, J. Raffelt, J. Straß*»chwandsaer. A. Scherns, H. Vernct, F. 0. WaHmtlller KilnsCarigcher Mvchlsffi des (Utwlaner Malers WlLSmiM RICMTSR Aiturlenctr Porseransammlung. Glas, Silber nnd Vitrinangegeostlinde, Mobiliar, Teppiche, Tapirserie Ausstellungi Noch heutou. tnorsen Snnnf agdenlö.November Versteigerung! Montag den 17. und Dienstag der; 13 Nov., ab 8. Uhr nac'nn, MINIATURE NSA 14 MLUNG WARNECK t Krsirancljo Frantosen des 18. nnd 19 Johrhundertr; Anbr«', Anpäetin B'arenborjh», Dnargooin, Baovler, Gamptan, Capot, Carrle"'«, Clisrlier Derauton, Dnhonr', Humenl, FraconHrd, Guerin, «all, Iaabey, Lahiile Guiard, Morean, Mosnler, O«, l’erio, 1 nyos, Ritt, Sicardi, Vec'ier«, Villersete Ausstellung« täglich bis D-enstag den 18. November Versteigerung: Mitiwoch den 19 Nov., ab 8 Uhr, in lm kunstauktbonshaus Wien, lM Tuchiauben Nr. 8 Telexrsmm-Ack es»»: Schidanktlon,. Wien. Telephon : 67-3 05 n. 67-9-3» „Geld/ Erstaufführung in der Reniaifsancebuhnr. Wenn einem Draniatiker nichts einfällt, hält er sich — ans Milien. Da kann nicht Viel passieren. Milieu gibt es überall, wo Menschen Wen, und'das Modell ist williger als der Geist und billiger als-das Fleisch. Und gar ein russisches Jlldenmilim, das scheinbar seine Anziehungskraft noch immer nicht Verloren, noch immer Ge-stalrer anlockt und sie einfpmnt, bis sie Verderben. So erging es Juschkewitsch. Er wollte den. Tonfel „Gold" an die Wand malen und dabei blieb es bei, einer Silhouette, die ihre Flachheit in sich trug. Aus dem Dämon Geld ward das Nngcheuer „Langweilige Brutalität".' M. Hirschmanns Uebersetzung war diesmal warm und echt. Fritz Feh er kämpfte nnd rang mit einer Schibdkraut- Rolle, aber , kein Gott gab chm zu sagen, was er leide. Seine Kunst war an der Regie Verpufft, für den Moische MendÄejewltsch blieb nichts mehr übrig. Um ihn herum eine Reihe mittelmäßiger, uninteressanter Typen, Von Werbezirk-Forrnat Grote Wittels, rührend-einfach die junge Liobstöckl. Das Publikum war mehr entsetzt als ergriffen, denn es wollte an die Möglichkeit solchen Geschcheys'nicht glauben. 01 r. Aus de« Theatern. S t a a t 8 o p e r. Morgen, 7 Uhr, „Die F l t b e r- Mau s". R eb o u t e n s.a all. ..Morgen- V28 Uhr,^ „D B a rbier V 0 n . S e V i l l a^.' . . - . V 0 l k s 0 p e r. Moraen naKmittagS „D i e Z a u b e rf l ö t. e". Abends „Der; Be t t elstude nll". Raimunb-Tbeater. Dienstag österreichische Uraufführung von Pirandellos Komödie ..S 0 ist eS . . . ist es s0V Morgen, nachmittags Va^ Uhr, „Das Kamel g e h t b u t cf) das Nadelöh r". Abends, ^/,8 Uhr, „Pension S ch 5 l l e r". , DOROTHEUM Versteigtroigs-Elitellgni Pret oten täglioh; jeden Di Silber und ClMiasilber; jeden Ri Brillanten* und Perlenschmuck im Franz-Saal. . Verfallene . Pret:osenpfänder der Plandleiharnla't der Meidlinder Vorschuss- und Sparkasse, XII.. Mandie. 3, am 28. u. 29 >m Frara-^aal. . QebreuonageQenstände tägl:th im Ludwlastorff-. Rössler- und Koiowraf-Saalt ferner vom 24. an jeden Di. Don. Sa im HorhssRl; loden Dl Pelzet eile,tchSn«Wc«ohe. le'der, Anzüge, Staffq und Teppiche, Jeden Ml Photoapparate. Ob]aKtivo Mikroskope, Reisszeuge. Operngläser. Treder. -.chreibmaschltten. Feh räder und Mfihmasoh nto; ferner Mi den 19. nnf Grund ArbVel 811, H G. B , 24 elektr. Haadsiaubsaugapparate, komplett, für 110 u. 220. Volt im LudwigetorffSaal. Verladene EffektenpfSnder der Pfandleihanstalt Oerhold ,& Weirich, I., Wipplingei strasse 24, am 10. und 21. im Röss'er-Soal Di. den 18., u. Fr, den 81 . von Mo, den 2i. an., jeden Mo,-Mi u Fr Möbel, Bilder Beleuchmneskörper, Haushaltungsgeräte und Oefen im Glashof. Ml, dm lg., Böbol, Bilder Im Hoon-Ssal. Di, den 18 #u. Fr, den 21.. von Mo den 24. an jeden Mo, Mi u. FrKunatgeweibe, Uemä'de Stiche. Antiquitäten u. Perserteppiche im Hooh Saal. «kr 14 Tage jeden Do. aohSne* Mobiliar, Perstrteppich«. Gemälde, Luster, Kunstgewerbe u. Kaminverkleidüngen im Frsn>losef-8«at. Briefmarken: jeden Dl u. Fr Einzthiücke und Sammlungen im Versteigerunessaal, VI., Mariahllferatrasse 73. Büoher: iedeti Ho bis Sa, ausserdem Mt den 19. Xl. Spezialauktion. moderne Bücher, Gesamtausgaben. Luxusdrucke,. Klawker im Eminger-Saal 387- Kunatauktion: Do, den 27., | n. ,>a. den 29., XI. Gemälde Aquarelle, Miniaturen, alte Möbel u. Antlqui Uten im Kielttiansegg- Saal. 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Die heutige Nachmittagsvorstellung entfällt. Morgen ^P o l e n b l u 1*. I o ki a n n S t r a u st - T h e a t e r. Mizzi Günther wird ans Grund einer Vereinbarung nüt Direktor Erich Müller im Johann-Strauß-Theater ei» Gastspiel in der als nächste Novität in Aussicht genommenen Operette „Pu 8z t a l i e b ch e n“ von Michael Krausz absolvieren. AIS ihr Partner wurde Otto S t o r m verpflichtet. N e n,a i s s a n c e b ü h n e. Täglich, */,8 Ubr abends, „($ c I d". Heute und morgen gebt zum erstenmal das Märchen-- »stsyie! „D a8 tapfere Schn eiderlein" in Szene. Die Krise der Tschechischen PhUharmonie in Prag. Alle bisherigen Forderungen der Tschechischen Philharmonie nach einer staatlichen Subvention sind infolge der ablehnenden Haltung des Ministerrates erfolglos, geblieben. Die . Krise ist nun in ein entscheidendes Stadium getreten. Vorgestern hat die Dschechische PihWavmouie dem Laudesausschns; und bcrtt Prggcr - Stadt rat ein Gesuch um Subvention über-' reicht. Wird auch diüses abaelchnt werden, so ist sie entschlossen, zu liquidiere n, was die vollständige Ä n sl ö s u n g dieses berühmten Orchesters zur Folge hätte. Eine Enchllopädie des jüdischen Theaters. Unter der Redaktion von Dr. A. M uk>don i und Et. Iud son in New- Aori! wird, wie uns von dort berichtet wird unter dem Titel „Iewiish Theatre Encyclopedia" eine große Encvklcpädie über jüdisches Theater umd Dheaterleute vorbereitet. Das Buch soll ein biographisches Nachschlagewerk über alle Wo rischen nnd persönlichen Daten der Entstchungs- und Entwicklnngsaoschichte , des jüdischen Theaters werden. Es sollen darin a'so nicht nur : di- Geschichte der Mischen Bühne seW. sondern auch die Biographien der Schauspieler der älteren und der neueren Zeit sowie der Dramaturgen. Dheaterkritiker nnd deren kiwitlerisches Schalsten behandelt werden. Die Herausgeber legen Wert darans, die Daten aus erster Hand zu erlangen. Die Redaktion befindet sich 77 Vo>wery New-Bork. „Das Zelt", eine südiische Monatsschrift für Kunst und Literatur Reaktion: Eugen Hässlich. Kunstredaktion: Arch. Josef Hahn. Soeben erschien das 7. und st. Heft als Sonderausgabe: Iudelr in der Tschecho-Slowakei. Das Hell, das beinahe 80' Seiten stark ist und mehr crls 50 vorzüglich reprodusierte Bilder enchM. am einen farbenreichen, viel" gestaltvgen Eindruck des schöpferischen Lebens der Juden in der Tschecho-Slowakei. Von den Mitarbeitern dieses Heftes seien genannt: Präsident G. Th. Masaryk, Max Brcd. Prof. S Livben, Eduard Erwin Kisch. Frantisek Gottlieb, Ottokar Fischer, Karsl Havl '-ck BorovAy, Svatoplu! Cech. Franz Kafka, Willy Haas, Kndols Fuchs. Dr. O. Faust, Oskar Donath. Oskar Wiener, Kwasnik-Rabiuowrcz, Tr. Bron-ner, Josef . Kalmer, Eugen Höeffich. Das reichhaltiae Heft Wird mit der Rubrik „Buch, Kunst und Künstler" geschloffen. Da eine große Menge Vorbestellu-ngen für dieses Heft dorlregen und die Auiflagc begrenzt ist, empfiehlt es sich,', die Prrblrkaiion sofort in jeder bLsseren Buchhandlung oder direkt beim R. Löwit-Berwa. Wien, 1. Bez., Fleischmarkt, zu bestellen. .' ' Serichtssaal. „Laßt's de» Juden aus!" Der Kaustnann Josef Groß aus Troppau war als Messebesucher am 9. September in Wien. Ain genannten Tage befand er sich in Gesellschaft mehrerer Geschäftsfreunde. Herr Groß fuhr dann — es war gegen 12 llhr nachts mit der ■ Elektrischen in sein Hotel im 14. Bezirk. In oer nächsten Nähe des Hotels wurde er ohne jeden Grund von drei Männern angerempelt, beschimpft, wobei einet der Männer seine zwei Hunde auf ihn hetzte. Als Herr Groß den Versuch machte, die Hunde abzuwehren, rief der Besitzer der Hunde: Laßt's den Juden aus. gebt's dem Inden Ruh'!" Herr Groß rief, khm zu: „Wer ist denn bei Ihnen a Jud?" und wollte seinen Weg weiter gehen. In diesem Augenblick stürzten sich die drei Männer, die stark alkoholffiert waren, auf ihn und mißhandelten ihn. Herr Groß, der sich der drei Raufbolde nicht erwehren konnte, rief um Hilfe. Inzwischen hieben sie auf den Wehrlosen em und brachten chm eine blutuntevlaufene Schwellung deslinken Auges. - Hautabschürfungen an der Schläfe und weitere Verletzungen bei. Auf die Hrlsemfe des Ueberfallenen, auf den Lärm und -das ivüte-nde Hundegobell erschien der Portier des Hotels Rudolsshof. Zwei der Männer ergriffen die Flucht, während der dritte der Weißgärbevgehilfe Josef Mach, von dom Portier nird Herr Groß festgehalten und dem durch die Rufe hevbcigeeilte-n Wachmann übergeben wurde. Er wurde aus das Kommissariat gebracht; dort benahm er sich äußerst^ raoiat, so das; er in den Arrest gebracht werden mußte. Aus dem Kommissariat hat Herr Groß angegeibeU. daß es haichtsächlich der Arretierte war, der ihm die Schläge ins Gesicht versetzt und die zwei Hunde auf ihn gehetzt hübe. Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Bezirksgericht erklärte der Angeklagte, daß er über das, was er damals getan oder was'mit ihm'geschehen sei, keine Auskunft geben könne. Eines wisse er nur ^bestimmt, daß er selbst geschlagen worden sei. Die Richter beschloß, die Verhandlung zu vertagen. Mit Rücksicht daraus, daß es sich um einen, vom Ausland nach Wien zur Messe gekommenen Besucher' handelt/ sei es .notwendig, diesm Messebesucher. Herrn Josef Groß, auch beim Trotzpauer Bezivksgericht in der Richtung zu vernchmen, ob der Angeklagte, Josef Blach, mit dem er sich beim' Koimnissariat Rudolfsheim emgesunden hat, es tvar. .der ihm die Verletzungen beigebracht hat. Textilwaren. Delikatessen und 7YV Millionen Passiven. Nach ztveitägiger Verhandlung wurde gestern vor dem Schöffen der wogen eines Defizits von 766 Millionen Kronen an-geklagte Kaufmann David Leib Kreisel der fahrlässigen Krida nnd in einem Falle (im Faktum Ham m e i) auch des Betruges schuldig erkannt und zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. Kreisel sowohl wie der .Staatsanwalt hielten sich Bedenkzeit offen. lieber Antrag deS Verteidigers Dr. Sieger wurde Kreisel vorläufig ans freiem Fuß gesetzt. . .' . . Der Olympiasieger als „Profesior" und „Stabsarzt". De-r angebliche Mittelschullehrer Dr. Paul N e u m a n n, der bereits im Mittelpunkt von. Sensationsaffären ,stand, war vorgestern beim Bezirksgericht Währing wegen Ehrenbeleidtgung und wegen Betruges angeklagt. Seine Kinderäktion nach Holland hatte, wie erinnerlich, im vorigen I-cchr Diel Staub ' aufgewirbelt. Bei dieser Gelegenheit wurde bekannt, daß Neumanu, der einer angesehenen Wiener Aerztefamilic entstammt und seinerzeit den erste-n Preis im olympischen Wettschwimmen dabon-getragen hatte, nach längerem Aufeuthait in Amerika nach Wien zurückgekehrt nnd während des Krieges in Baden als Stabsarzt tätig gewesen war, bis sich heraasgestellt hatte, daß er Boeder Stabsarzt -noch - überhaupt Arzt sei. Ebenso habe er auch als Professor am Rainer-Gymnasium gewirkt, bis sich herausgestcllt hatte, daß er gar keine Lehrprüfung befaß. Reumann, per weder zur vorgestrigen Bechandkmg noch zu den vorhergeheMn Verhandlungen erschienen war, wurde zu einem Monat Arrest verurteilt. . ,