Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2063 (15.11.1924)
- Date
- 1924-11-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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kVien, Samstag Das Arbeitslosenamt. Das Haus in der AlMertenstraße. » Nicht allzu vielen dürfte tu' der hinter der Nowwestbahn^ gelegenen Alliierteustraße das düstere, graue Haus 'mit der Wohl/schon "antiquierten Aufschrift „K. k. ittwrmcil-' aichunigskommission" bekannt gewesen sein. Als dort noch Mage und Gewichte geaicht wurden, mag auch der Andrang nicht so groß und der Eindruck nicht so traurig gewesen sein wie jetzt, wo dort Menschen auf ihre Tauglichkeit für das schwelgerische Leben eines „Staatsrentners" oder, etwas Prosaischer, Arbeitslosen geaicht werden.. In langen Zügen kommen sie herbei, die stelleuloseu 'Privatangestellten, Bankbeamten, Bühue>nn>gestellten, Musiker mtd viele andere, aus allen -möglichen Berufen, in den „Allgenteinen paritätischen Stellennachweis für Angestellte in Wien", wie der etwas langatmige Titel sautet, stellen sich an, lassen ihre Dokumente prüseu, erscheinen. pi'iulilich persönlich zur Kontrolle und bekommen auch manchmal, toenn sie zufällig weiße Naben find, eine Stelle zngewieseu. Das liegt aber wahrlich nicht an der Führung des .Amtes, das in seinem Sekretär G u t s ch einen bewährten und waMtsühlenden Förderer hat, sondern irr den traurügeu Verhältnissen aus dent Arbeitsmarlte. Die meisten Parteien sind elegant, manche sogar sehr elegant gekleidet, letzte Andenken an bessere Tage. Hauptsächlich junge Leute, darunter ausfallend , viel hübsche Mädchen in Peltzen uud Akrdeschuheii, aber mit hungrigem Magen. Einer erzählt, das; er sich das Bibechttier aus seinem Pelz habe herausnchmen lassen, weil es ihm zu schwer sei: Wenn er selbst daran glaubt, so. sott matt ihm bissen Glauben nicht nehmen, das wäre grausam. Lange werben sie nicht mehr so schon gelle,idet ins Arbeiislosenamt kommen. Bald wird ein ärgeres Sfcut ihre letzten „Fahnen" aichen. Hoffentlich Mts noch bis über den Winter.! Urßpvüniglich war der Hauptzweck des Amtes ein Stellennachweis. Heute gehen die Leute in die Allnerteustraße fast ausschließlich, um die Arbeitslosen u n t e r st ü tz u n g zu bezichen. Das Gebäude ist viel zu klein geworden und wird jetzt durch einen Znbau und durch Adaptierungen vergrößert, jWer ist zum Bezüge dieser Unterstützung berechtigt und welche l Formalitäten hat er zu erledigen, um in ihren Genuß zu kommen? Jeder stellenlose Angestellte, der mindestens zwanzig Wochen innerhalb des letzten Jahres vom Tage der Geltendmachung in einem iur Sinne des Kraukenverisichernngsigesetzes versichevuttgspMchttgeu Unternehmen int Inland oder in Deutschland beschäftigt war, österreichijsche Staatsbürgerschaft besitzt mtd bedürftig ist, hat auf die ihn: gesetzlich zuftchende! .Arbeitslosenunterstützung Anspruch. Treffen alle diese Voraussetzungen zu, so geht der Arbeitslose mit einigen Dokumenten Mttd dam MMezettel in die Müertenstraße 1, erhält dort nach!Prüfung aller dvcher UmstaM eine amtliche Meldekarte, auf Grund der ihm au seinem bestimmten Zahltag in!dex Stmnpergasse 10 die Unterstützung liquidiert wird. Die!große Entfernung dieser beiden Aemter läßt sich einerseits aus idem Mangel an geeigneten NatmMchketten und andererseits daraus erklären, daß man sowohl die Bewohner der östlichen 'als auch die der westlichen Bezirke nicht, benachteiligen will. 'Die AnsMlungsstelle in der Stmlipergasse ist ein stadtiisches Gebäude, weil die Gemeinde Wien die Hassenderrechnung durchführt. i! Das Arbeitsloisenamt hat in zweiter Instanz die industrielle VeMskMtinission mtd m dritter Instanz das Ministerium für soziale Fürsorge über sich. Jeder im Genuß der ^Unterstützung Stehende hat sich nach dem Gesetze mindestens zweimal in der Woche persönlich beim Amte einzusinden,. um eine Kontrolle über seine wirkliche Arbeitslosigkeit ztt ermöglichen. Die eine Kontrolle findet in der Alltterte-nstraße, die andere gleichzeitig mit der AusKahbnng in der Stnmpergasse statt. Außerdem gehen Kontrollore in die Wohnungen, um die wirkliche Bedürftigkeit feistzustellen. Boi Mißbrauch wird .mit stva-ftveisem Entzug ans eine bestimmte Zeit oder mit gänzlicher Einstellung der Unterstützung vorgegangen. Die gesetzliche Uuterstützungsdauer beträgt sechs Wochen. Sie wird aber von der Industriellen Beziriksikomm-ission critf 30 Wochett ausgedehnt. Nach dieser Frist hört die Arbeitslosenunterstützung auf mtb es tritt die jeweils vom Nationalrat zu beschließende außerordentliche N ot stand sunt erst iitzung ein. Diese ist jetzt bis zmn 81. Dezewber gewährleistet, dürfte aber weiter verlängert werden. In der Zeit, für die Absertigungssu muten gedacht sind, wird k e i n e U u t c x st ü tz u it g gezahlt. Die Unterstützung beträgt für Lenke, die im Familicuvcrbande stehen, täglich 16.000 K., den von beit Dienstgebcrn tutd Dienstnehmern (jeder Teil nngesähr 68 Prozent der normalen KraulenkassenbeiträAe), von der Gemeinde und vom Bund ausgebracht. Im ganzen tragen die ersten beiden Gruppen 84 Prozent, der Bund 12 Prozent und die Gemeittde Wien -1 Prozent bei. Obwohl der Staat einen verhältnismäßig geringen Zuschuß leistet, stcht doch das ganze Arbeilslosvnwesen unter seiner Oberhoheit. Am 31. Oktober waren 16.00 0 Stellenlose (dar unter 6500 weibliche) in der Stelleiwermittlnng vorgemerkt und 8659'bezogen die Unterstützung (darunter 3248 weibliche) Die Differenz erklärt sich daraus, das; sich unter den Borge merkten viele Lcifmdeu, die noch feinen Anspruch ans Unter stützuug halben, weil sie Anfänger-find oder ihnett aus irgend einem anderen Grund die Berechtigung zum Bezüge der Unterstützung fehlt. Mr weMche Angestellte ist cs relativ leichter, einen Posten zu bekommen, weil ihre Bezahlung hiitter der ihrer männlichen Kollegen meist weit zurnckstcht. Das Antt beschäftigt gegenwärtig 26 Beamte, für bereu Kosten ztt fünf Neuntel die für die Auszahlung beistintuiten Beträge verwendet werden und die zu vier Neuntel von den Arbeitgebern uuö -U'chmern Mglleich mit - der Krankenverftchermng aingchoben werden.;;; Bei dem großen/ Andrang und der iumter steigenden Zahl der Arbeitslosen ist es Wohl nicht zu verwundern, wenn besonders im Anfänge einige Orgautsationssehler Wiener Morge«zeitu«g. TEPPICHHAUS MÖBELHAUS S. SCHEIN WIEN, I, BAUERNMARKT 12-14 BEVOR SIE IHREN EINKAUF von Teppichen, Vorhängen, BetfundTischdecken, Uebervviirfen eie. BESORGEN BESICHTSGEN SIE UNSERE 32 SCHAUFENSTER damit Sie sich von unserer enormen Auswahl und von unserer Leistungsfähigkeit überzeugen! 16. Noventber 1924 Beite T, Preise auf jedn Stick ersicltilich IM SOUTERRAIN: IjffekttHltte TEPPICHE . und LAUPTHMHCH RISTE 188 vorgekom-lnen sind. Sie sind zum Teile schon behoben und werden mit der Vergrößerung des Amtes ganz behoben werden. Das Arbeitslosenamt ist jetzt leider rin Faktor geworden, mit dem man rechnen muß, und wird, wie die Verhältnisse liegen, wahrsche'mftch nicht allzu bald aus dem Stadtbild verschwinden. R. S. Selbstmordversuch ans Eifersucht. In einem Stadthoteil wohnte feit etwa gehn Tagen der Student Henri R o nt s aus Brest in Frankreich. Gestern früh kaut er gegen 5 Uhr in das Hotel mtd jagte sich bald wach der Rückkehr «ns einem Revolver eine Kugel m die linke Brustfeite. Der ju-nye Ma>mr blieb be-NmßÄos liegen und wurde von der Rettungsgesellschaft in das Sanatorium Auevspevgstvaße gebracht. Vorgestern! abends besuchte er stwit zwei Damen und mit einer Reihe junger Wienier aus guter FamA-ie ntehvere Bars und BergnüguugsetaMssements. Diese Unterhaltungett danerten bis halb 6 Uhr morgens. Es wird nun erzählt, daß eine der beiden Da,men im Laufe der Nacht mit einem anwesenden Wiener Herrn sich auffalleinid diel uuterhivlt. Darüber war der Franzose so erregt, daß er angeblich aus Eifersucht den SHnß gegen sich selbst aiögegeben hat. Dar Wetter. An SechzehuMriger fabrtziert Hundert' tausender. Ein Junge hat in sehr geschickter Weife Noten zu 100.000 mtd 69.000 K. nm ein Stück verkürzt und aus den Resten sich neue Noten gebildet, die er dann verausgabt hat. Am 11. d. wurde im Geschäfte eines Kaufmannes in der Taborstraße ein kleiner Junge sestgenommen, der eben eine derart verkürzte Note zu 100.000 K. verausgaben wollte, um damit Keks um 4000 K. zu.bezahlen. Er ist der noch nicht 16jährige Grinerbeschüler Robert B. Der kleine Junge würbe schon im vorigen Jahr vom Jugendgericht wegen versuchten Diebstahles mit zwei Monaten strengen Arrests bedingt bestraft. Er behartptct, daß er höchstens 60 derart verkürzte Noten zu 50.000 K. und höchstens 200 zu 100.000 K. verausgabt und daraus einen Reingewinn von beiläufig 2,100.000 K. gezogen hat. Austritte nur dem Judentum. 1910, Dr. W e geb. 27."Oktober 1877,' Wien. Wien, ~ Falticzek Harry Fritz, geb. 23. April ^.tudent, 3. Bez.. Neulinggasse 16. Dr. Weisweiler ^ustav, geb. 27. Oktober 1877, Wien. W e i s w e i l e r Lea, H. 12. Oktober 1883, Schanghai. W e i s w 111 e x Pauline Louise, geb. 21. Mai 1913, Schanghai. Wei sweiler Deuise Marte, geb. 26. Februar 1915, Wien. Ko r a n y i Amelie geb. H aas, geb. 2. März 1889. Wien. 18. Bez., Czermakgasse Nr. 12. K o b l e r Alice, geb. 31. Jänner 1901, Wien, 2. Bez., Neftroygasse 11. Graf Hanna, geb. 4. Oktober 1906, Wien, 9. Bez., Eisengüsse 30. K o r a n y i, Magazineur, geb. 15. April 1882, Mahr.-Budwitz. 18. Bez.. Czermakgasse 12. Marbach Oth. Walter, geb. 25, Dezember 1888,. Caslau, 2. Bez.. Tabor- Cstraße 98. Haas Blanka, Beamtin, geb. 1. November 1895^ Mernowitz, 8. Bez., Albertgasse 53. Beck Friederike geb. H e r z l. Leb. 4. April 1888, Wien, 8. Bez.. Wickenburggasse 19. Baß m.ovold, geb. 8. Dezember 1875, Szenilz, 2. Bez., Taborstraße 23. L' ö w y Felix, geb. 9: Februar 1882, Wien, 2. Bez., ^rdmandstraße 13. P o l i tz e r Jda, geb. 15. September 1882, 5leit,-l. Bez., Lowelstcaße 8. B e n j a m i n Viktor Anton, Beamter, geb. 19. Mai 1897, Wien, 7. Bez., Kaiserstraße 64 a ß Leo, Beamter, geb. 13. März 1918, Wien, 15. Bez., Johnaße 56. F o r st . Max, Redakteur, geb. 29. September 1877 ien, 18. Bez., Martinstraße 6. ifacilin, WrmiWNGS~7AB!LgfflEN! Vollkommen unschädlich, kein Purgier* mittel, keioeSchilddrüse. ärztlich erprobt. gegen Fettleibigkeit etc. 1 Fi., 50 St. (»X tgl. 1 St.), K 45.000 in allen Apo .heken. Provinzvers. franko. \ Ilanpldepot: 8291 Dr. FRIEDRICH, Apotheke, Wien, XV, Mariahilferetratm« Nr. 15* Wie n, 15. Novcncher. Wetter. Das kalte, trockene Wetter hält an. Del Marganftost hat sich verschärft. Die VorauKsa.ge meldet: Keine wesentliche dkendernna. * Die Lebensmittelmärkte. Gestetn wirkten sich im Klein- Handel der Großmarkthalle die Preiserhöhungen für Nindfleisch und Kalbfleisch aus, die währeich tzes Eisetiibahnerstrciks im Großhandel eitMtreten sind. Rindfleisch mußte bis 2000 St., Kalbtlei.ltb bis 4000 K v»vn Kiwnrnninr tiMivn* SnoWiMMt gebieten sind die Ankünfte sehr günstig. Besonders günstig waren die Kartvffelznsnliren. * Von der Universitätsbibliothek. Die Uinversitätsbibliothek wird Mantag den 17. d. wieder eröffnet und vom 24. d. ab wie gewöhnlich von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends -geöffnet fein. * Eröffnung der ersten LawittenbrvbachtnugSstatioti in Oesterreich. Ti? Generatdirektion der Ocsttrreichismen Bttudcsbahtteu teilt mit: .Kürzlich wurde die von den Oesterreichischeit Bundesbahnen erbaute Lawtnenbeobachiungssta'ion unter Tech gebracht. Die Station steht in 1150 Meier'Höhe nm Südhange des Tamischdachttirmes im Geiäus'. Das Hans wird mi: "allen für W.'iierb.wlmchtung notwendig?!, Instrumenten ausgerüstet. Die täglichen Beobachtungen werden der Talstation und der Meteorologischen Anstalt in Wien inlnteteilt * Straßenbahnverkehr über die Kolmgasse. Vor, Alantag den 17. d.^ an wird die Linie 9 (Nen.banMrt-el—Hormayrgass-e)' über die Kreuzgosse und eutlari-g «der Bororlelinie der Stadtbahn bis Mr Gentzgasse tveitergeführt. Bon, gleich?,. Tage an fahren die Züge der Linien 37 , 38, 39 und-41 nicht mehr zuan 8reiß * n d e r g - D e tr k tu a l, sondern über die Kolingasse—W asa- Wsse—Hetzgass? zur neuen Endstelle auf d?m Schotteuring. Nicht aufspriugen! Am 13. d. um 7 Uhr abends sprang der^Ciseiidr-eher Karl L-anik aus eine,, Straßenbohn-Mg der Linie 18 ans, stürzte iirid 'blieb bewußtlos liegen. Er wurde schwer verletzt ins Spital gebracht. * Zusammenstoß zweier Automobile. <riestern früh gegen 2 Uhr «erfolgte an der Schottenkreuzung bei der Utn-versitätsstpaß-e ein Zusammenstoß zwischen einem Autobus -und einem Autotax-i. Änr Autobus wewde eine Fetrst-erscheibe dadurch /Kert-vmmste-rt, daß die Pribatt.. Frau Stella E rdödy, im Hotel Jmp-evial wohnhaft, in die Scheibe fiel. Frau Erdödy hat eine schwere Wunde am rechten Auge erlitten. * Die Lebensmüden. In'der Triesterftraße wurde gestern vormittags,^ au citmn Zaune häuZend, ein zirka 41 jähriger Manu erhängt^ anfgefuudeu. Nach Vorgefundenen Papieren ist der Tote mit ein-em gewissen Josef Hu ig identisch. — Gestern «nachmittags hat sich der Bürstenbindergehilse Johann Urbanek dü Krantpsaderu am Fuße geöffnet und starb. Ursache der Tat dürste Arbeitslosigkeit sein. * „Dein unglücklicher Sohn . . Se.it dem 24. Oktober wird der 19jährige Frffeurlchrliug Johaun Nawratil aus der ritterlichen Wohnung. Klosterueuburgerstraße 16, vermißt. Er hatte Stvei-t unt semntr Familie gehabt und au seine Mutter «einen Zettel mit den Worten Hintertassen: „Liebe Muttcx! Verzeihe mir, daß ich sortgch', denn ich n-ehm' mir das Leben. Dein unglückvicher Sohn Haus." * Verhaftete Bankdirektoren. Das Aintsgericht Hof in Bayern hat seit Wochen zwei Bankdirektorcn wegen-vielfacher Betrügereien mit nnigadeckten Schecks steckbrieflich verfolgt. Es sind dies der.ehemaliige Direktor der Bayrischen Hand-es-A.-G., . Erhard Löhne r. eiti junger Mann von 25 Jahren, und der 33jckhrM Direktor der ^nämlichen Gesellschaft imd der Oberfräu-. ttschen Diskontbank, Artur S ch w e tz aus St. Veit.an der Glast? in Körnten. Löhner wurde schon am'14. d. in-Leipzig verhaftet. Nrtn wurde auch Schwetz in Magenfurt festMomitten. > * Verhaftung eines Betrügers. Der 21jährige Kaufttwrut Rudolf Kaiser haWoon Marz bis Juli dieses'Jahres dent Vertreter einer DaWftnühle, Franz Fürchtegott, rmtor dem Vorwand, ihm Wecho-flowakisches Geld zu liefern, nach u-nd mach 210 Millionen vsterreichi-sche Kronen entlockt. Er wurde verhaftet.; * ' , * 13. österreichische Staatslotterie für Wohltätigkeitszwecke. Domterstag den 4. Dezember um 6 Uhr a-bends findet ml Zirihungssaale dLr Staatsiottorie in Wien die öffentliche Zichmtg der 13. StMswÄMt-igkeitslotterte statt. Der Käufer eines Loses (Preis 10.000 K.) sichert sich nicht nur die vielen noch vor Weihnachten zur Auszahlung ariangenden hohen Geldgewmne (HaMtreffer 600 Millionen Kronen), sondern ermöglicht durch seine Beteiligung an der im Diiauste der öffentlichen - Wohltätigkeit veranstalteten Staatslotterir vielen char-itatioen uttd sozialen Anstalten und Körperschaften die Abhaltung von Weihnachtsbescheruttgen. -l- Artistenprüfung. Samstag den 22. d., 3 Uhr, nachmittags, findet im Olynrpiasaabe, 1. Bez., Rotoasse 3, wieder eine Artfftenprüftrna statt- Der Besuch ist,nur mit Aitweisungskarten (inikl. Jausenkaffee) gegen einen Regiebeitrag von 20.000 K. gestattet. Anweisungen smd int Bureau der 1. A. O., 2. Bez., Pratarstraße 48, erhältlich. * Bon Hemden und Taschentüchern in alter Zeit. Das erste Hamd wurde im 16. Jahrhundert van der Königin von Frankreich getraigen. In alter,Zeit ivar es ein Grund zur Ehe« scheidung, wenn eist Mann ein Hemd, eine Frau Hosen trug. Das Taschentuch wurde um 1600 in Denffchland begannt. Nur Kön-iige, FüOen und Personen von Rau-g durften es benützen. FüusMhn Jahre später wurde fein Gebrauch den Dresdener Bürgern durch eine Verordnung ausdrücklich unterisagt. Die Gabel war im 17. Jahrhundert noch unbekannt. Anna von: Oesterreich, die „Königin mit den schönen Händen", griff,bei einer Gelegenheit mit der Hand in Ragout und steckte ihre Deute znm'Zeichen besonderer Gunst ihrem Tischnachbar in den Mund. Den ersten Filzhut trug Kaiser Karl der Fünfte mr J<chr-e 1547 bei einer Truppenmusterung. Als cs regnete, ncchm er ihn ab, damit er tticht naß wurde. Die ersten seidenen Striiaupfe tmg die Königin Elisabeth von England im 17. Jahrhundert. Sie trug ein und dasselbe Paar „nie länger" . als vierzehn Tage. Im königlichen Palais in Berlin gab es unter Wilhelm detn Ersten noch leine Badewanne. Wann der Kaiser zu baden wünschte, schickte man in ein nahe gelegenes Gasthaus, das erst vor kurzem abgebrochen tvurde, und ließ von dort eine holen. * Ein sonderbarer Scheidungsgrund. Bor den englischen Gerichten spielte sich kürzlich ein, Ehescheidungsprozeß ab. der in seinen Motiven nicht gerade alltäglich mst. Frau ^ainpl-e klagt wegen fortgesetzter Grausatttkert ihres Ataunes am Sche,- duuia. Die Grausamkeit erblickt sie darin, daß Hr Mann seit Jahr und Tag kein Wort mit ihr gesprochen habe. Er zchlim allein. Er aß'allein. Wenn er ihr begegnete., towm sah er ste nicht. Der beiderseitige Verkehr wurde durch ein Dienstutcidchen, das die von Herrn'Sample geschriebeneu, Zettel vermittelte, ausrechtechalten'. Zettel wurden nur gqdm-ebctt, wenn es um Geld ging oder das Essen schlecht tvar. Jeder Ver,nch von «rau Sample, ihren Mann zum Sprechen zu bringen, schlug seht. Sie .konnte ihn reizen, herausfordern, beleidigen — Herr Sample ScheiLung ^.... — WT..T7. ... .» persönlich grausam gegen ftme ^rau griwösen. Wenn steqem Schweigen als grausam «smptfande. so sei ks ihre eigene Sache. 4^215474