Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2062 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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T beite 6 Vien. Freitag Wiener MorFenzeitung. 14. Ä'oveniber 1924 . Nr. 2063 IBRSmaMIttlWM wwMtwinnwnii Litmrubrik CS »er „Wr-ZKorgekijeiLunz" Grscheriil jeden Arcitag - naaaarxr „Die Wunder deS Meeres." Ein wundervolles siiuiltnaiverk ist sicher Fiil.in, der in an« scha»üicher Weise das sttbniarine Le>beu der Siidsee Plastisch und überaus fesselnd .7.M Ans-Srnck bringt. Gleichzeitig ist er ein Ivimn'pil) der Teltzük und ein chrendes Zengiüs 'menschlichen Mutes. Wie der Film in einigen nervenispanneniden Momenten .Zeigt, hirtten die S-mic. die sich hier in dsn Dienst der Forschung stellten, nicht unlx'trächtliche Güsahreu zu überwintzen und Kämpfe nur den Un-gchenern unter der 'Meeresoberfläche zu beitdfym.. 2o bakonumt der Filnr eigentlich eine HaMnug und diese in packender als so manche eines gewöhnlichen Dra-maS. Das wunderbare Untevsee'billd, das'hier entrollt wird, ist von einer üderwwltigonben Großartigkeit. Eine gänzlich neue Welt erschließt sich denk Auge des Beschauers. Mit allerlei grotesk geformten Pflnirnen ist der Grund des Meeres destanden, die. in der^ Stromnna sich dünnend und wieder cvivsrichtend, ern eigentümliches, immer?. ück-Vteibendrs wub doch •uv intensiven Betrachtung zwingeich es?/,.'iel übgebon. Fische aller Arten, aller Großen, ziehen in dichten Schwärmen vor« nucr, Nahrung suchend, als Rahrunig anderen dienend — ein Geschehen, ans unerrdlich vielen Lernen Tragödien zusammen« gesetzt, ein Drama aus dem Alltag der lliu'-vu'c. Und in dieses Gasicktstföld, erfüllt von dwi ewigen Bersch.ingen und Zeugen, die das rastlcse Walreu der Natur charakterisieren, ''an.st plötzlich ein weiblicher Menschenfürper. Die Tauchersn Miß Lnllu M c. tz) r a t h dringt in die Diese. Schlangengleich windet sich dieser wundervoll trainierte Frauenikörper durch die Wassermassen, die ihm Widerstand entgegensetzen, und spielend wie ein rissiger Fisch geht ihre Silhouette vor bunt Objektiv auf und nieder, Schwärm? kleinen Unterseegeners vor sich Herschouchend. Ein wunderbares. von heftiger Spannung durchtränktes Bild ist der Kanchf der Taucher mit dem riesigen Polypen, dessen im Wasser umherwirdslnde, furchtbaren Arme unzählig scheinen. Imnier wieder neue scheinen aus dem nnfövmigen Körper hervorzuschießen, jeder einzelne gleich rinenn Send« boten furchtbaren Todes. . Dieser prachtvolle Film verdient seitens des Publikums die größte und ausin erksaniste Würdigung. Er hat schon im Auslände den stürmischen Beifall von Dansenden und aber Tausenden gasunden und man wird sich auch hier seiner eindringlichen Wivknnig nicht entzichen können und ihn richtig ein« zuschätzen und zu würdigen wissen. „Die Liebesbriefe der Baronin S . . ." Ein Werk der CnTagung. iir dessen MittÄpunlkt die Frau entre derix cnges sicht. M t a May spielt sie, man möchte bei» nahe sagen: Erlebt sie. Ein ergreifender Roman rollt sich hier ab. Die welterscchrme Frau, die noch immer sckwn, noch iemner heißesten Begehrens wert ist, wird von ihrem Gatten vernachlässigt. Einen Bettelnvusikanten findet sie, der vor Hunger zusammenbricht und den sie pflegen läßt, um ihn nach se'in-er GHrndung anständig zu Keiden und in ihrer Gesellschaft auszufüljreiu. llitö dieser junge Italiener, in seiner Denkungsart einem Kinde gleich, verliebt sich rn die große. Wände Frau und schreibt ihr Briefe doll des hoißcsten Begehrens, voll Inbrnnst der Derchruing. Schon will die Frau, die eine zweite Jugend zu erleben vermeint, dem Locken unid Drängen ihres Biliutes nachgelben, da erinnert sie sich ihres Alters und entsagt. Spinnt den Roman, der hier begann, still für sich nach innen aus. beantwortet all diese lidbesglnhenden Briese und läßt nie die Antworten an den Adressaten gellangan, sammelt sie nnd verbirgt^ sie. Dis die Stund« des Abschieds naht. Dann gilbt sie den: jungem Italiener die Briese, die ihn nie hätten erreichen sollen, offenbart ihm so ihre Seele. -CENTRAL-KINO- II. Taborstrasse 8 Direktion: J. Schu 11 Von heute bis 17. November Die Liebesbriefe der Baronin $• mit HIA MAY und das übrige Schlagerprogramm Beginn: 726, 7, >/s9 Uhr —-BURG-KINO, I. Opifm IS— Von heute bis 17. November Die Liebesbriefe der Baronin S. mit HIA MAY und das übrige Schlagerprogratmtt Beginn der Vorstellungen: y,5. */46, lfß, */<9 Was nun folgt ist nicht mehr als ein zimulliches Durch« schniittskriminaldrama mit seinen obligaten Bevwickllniigen und Lvisiingen, die — dies utuß unbodingt z,ugostanden werden — in ihrer Präzision allerdings über den Durchschnitt tveit hinausragen. , .Henryk Gallecn hat dieses Drama mit schr viel! Geschick um Mia. May. herum inszeniert, wußte viele wunderschöne Bilder vou eindringlicher Wirffamikert zu schaffen. Nur oines veralbtsäumte er. Der BettolWiHkaul hätte unlbeldimgt irgend etwas Künstlerisches, vielleicht Birtuoisenhastes in seiner Gestallt und seiusnr Spiel bergen müssen. Man müßte suhlen, das; sein Spivl den Anlaß zu der Neigung bildet, die die diel höher gestellte Frau ihm entgegenbrin'gt. Die köstliche Jugend allein, wenn sie mir einem zerlumpten Straßenbettler gchört, ist.wM nicht der Plausibelste Grund hierfür. Äroistechaft ist die um Mia May gescharte Darstellung, bte nicht nur durch ihr Spiel aUein, sondern auch noch immer durch chr Amßeres m faszinieren Veviuag. Drei Italiener spioleu hier ausgezeichnet drei überaus markante Figuren und ihr Temperament, von der verständnisvollen Rogi'e gezügelt llnd in die richtigen Bahnen gslenkt, zeitigt schr schöne Leistungen. Prachtvoll sind die Anfnahmm von der Küste des Aegäi« scheu Aieeres und ausigMichnet die Beleuchtnugstechnik und die klare unfo plastische Photographie. Die neue Hennh^Porten-Produktion. Die Künstlerin wird nun nach der Fertigstellung ihrer beiden Gwßfilme bei der Berliner Mesti", die hier unter dem Titel „Das goldene Kalb" und ,^Pratertraum" in dieser Saison hier erscheinen wvvden., mit dein Regisserlr F r 0 e h l i ch eine weitere Serie von Filmen in Berlin drehen. — Auch diese werden von der Firma BÄtor Micheluzzi im Westi-Kon- -ern in Wien -u>m Erscheinen gebracht werden. Die Filme der Woche. „Gewitter am Morgen." — „Harolds tolle Streiche." --, „DeS Komödianten Glück und Ende." — „Die Braut ohne' Mann." — „Dle Liebesbriefe der Baronin S..." — „Llea. die Pfauentänzevin." — ROTENTURM-KINO — WIEN, 1. FLEISGBMÄRKT 1 Von heute bis 17. November Die Liebesbriefe der Baronin S. mit MIA MAY und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: >/,5. */«6. 'Iß nnd */ß Uhr BBfleitTnfwUc einer erstklassigen KdasUerkapeile P-MARIA-THEREBIEN-KIHO— VII. Mariahilferstrasse 70 Von heute bis 17. November nr>’ JISKOR (Gedenke) Regie: Sydney M. 0 01 d i n und das übrige Schlagerprogramm Beginn: 1/ß, 7, I. Kärntnerstrasse (Ecke Johannesgasse) Von heute bis 17. November Nelly, die Braut oimo" Komödie mit L i a M a r a — und Die Macht der Finsternis und das übrige Programm Beginn V*4, */«6, 7, '/.Y Uhr ,— SCHOTTENRING-KINO —, l SCHOTTENRINQ 5 // TEL 17-4-25 Von heute bis 17. November (KEAN) Sittenbild mit Ivan Moajouklne u. Natalie Llssenko und das übrige Schlagerprogramm Beginn: VA VA V.» -WELT- BIOGRAPH -- IX. ALSERBACHSTRASSE 39 Von heute bis 17. November Rätsel im Weibe Drama in 6 Akten und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 5, V«7, ‘/*9, Sonntag 4 Uhr .DIE WUNDER DES MEERES' erscheint heute in den führenden Wiener Kinos EXCELSIOR-FILMf WIEN, VII. Copyright 1924 by Nacbdruck vrrl»olen, T?.ttjchr Bcrlazromlalt, Stuttgart. 7A, Fortsetzung, Die Stadt an der Moldau. Roman. ^ori Auguste Hauschner. E^uar-^s Zustaivb stürzte in die anrüchige Umgebung tvie auskochende Wssigkeit in offenes Gefäß. Alles Triobhaste, das sich in ihm angesammelt hatte während seines Spieles, beim Wie-derausrosten der Wollust künstlerischer Zeugung, in der anfrezeupen Nachbarschaft von Frauenschö:-.d:il, die rhm -unerreichbar lvar, sprengte die Fesseln der BkodräntZung und riß ihn über die Dämute -der Besoimenheit. „Set:," bestellte er. Unfähig, sich zu zügeln, packte er das 2iädchrn, das die Flasch? brachte, und warf es über seinen Dvchos;. Sie entwand sich ihm mit derber Rede. Cp".:i:e't. hier Wiper-naud m fi-nideqr, schrie er sie unrüterl'.lr?-n: So zmc'vröich? Berlangst du, daß matt, dir :>:'t N''7: Here?! dein TmügeÄ zahli? Oder gefalle -ich dir »ich " S : i:'?.ß ihn frech von Kopf M 'Füß-rn, die flache Brust, d'e schildere.'. Ha^re. dos willenSs-chivache Kinn. „Der a-ndere gefä-l! m: - besser." sagte sie, -mit einem Blick cnf den Brii-antring, der an Komgrüns Aeigesinger glänzte. 7"ewn'-etzr in s-eiucr Ma-n-rrhert, sagte der Verschmähte bru:?. „Du versprichst dir dom ihm mehr V-orgnügen. Kammist dich aber i-rreu. Die vielen Haare machen es auch -nicht aus." Tor R-usse schien weder durch der Kellmevin Huldigung geschmeichelt, noch divr-ch «Eduards Ungezogenheit dtzlei-digt. ,-Schön dnimn .'bist du, Mäidsl," sagte er. „Stolz wirst du einmal sagen können: ein großer Ku-nsKer -hat mich lieb se^rbt." „Der?" fragte sie gev'mHfchätzig, „schaut just nach großem Kü-nstler aus." „Wart nur. dis er als Kapellmeister vor «dem Orchester stehen wird und se-iue erste Oper dirigieren." . Ungläubig maß sie den blassen Blonden wieder mit den Blicken. Etlvas Persönliches blitzte aus -ihren Zügen, unter der Ddaste von Augenibramentusche, Wangenrot nmd Lippen schminke. Ueber die Tischplatte geboMw, daß sie Eduard mit ihren Mcken stverste, richtete sie a-n KorngrÄn das Wort: „Glaubst du, er kaum mir ein Engagonwnt verschaffen?" „Pasquitta," rief es von außen, w-o steÄst denn, deine Nummer kommt, Pasquitta. Oho," lachte der Russe hinter der DavonspvingVn«den her. „Ihre Hoheit, die schöne Pasquitta selbst 'habe-n uns beehrt." Mrar-ds verzerrter Ausdruck hatte sich beruhigt. Er stammelte: „Was werden Sie von mir denken, lieber Freund?" Gelassen füllte der Fremde i:hm den Kelch. Gr selbst hatte rroch keinen Schluck ge trunken „Daß Sie Unwichtiges zu wichtiig nehmen. FrauenzimnvergeschichtÄn 'haben mit dem WestnÄichen eines Künstlers niiAs zu schaffen. Eduard ldachte: wie gtü er 'ist, er will mich mcht beschämen. Er sagte: „Glücklich sind Sie mit 'Ihrer überlegenen R-uhe. Und so fre!i von Bovurtailan. Ich kaivn's kaum glauben, daß Sie ein jüdischer Kultusibeamber sind." ,/War, mein Dieber. Leüder, leider. Und säße heute -noch im Ghetto eingepfercht und angeschmiedet, hatte nicht die Hölle das Gefängnis aufgebrachen und mich an'sgespven. Und IvaS Sie überlegene Rühe nennen," er seufzte schmerzilich aus,. „ist nichts als ein vollständiges Fersigsein mit eigenem Geschick." Er sank in sich Ws-armnen. Weit entfernt von sich fühlte Eduard bert Geführten, an Eindrücke vevloren, die er schaudernd v-evschwieg. ,Ihve Familie?" tastete er vorsichtig nach dem Vertrauen des Borstmirnt.ten. Haar und Bavt des leise Stöhnenden schoben sich noch dichter ineinander, es war als schlage ein schwarzer Schleier, über ihn Kusamnwn, unter dem zwei schwere Tränen langsam abwärts rolltelr. „Das Schicksal war mir gnädig. Voll GnGetzen^ hat melnie Frau zu früh enbbu>niden. Noch im eigenen Bett ist sie gestcrben und fjat «das Kind mit sich genommen. Der Ewige sei gepriesen." Seltsam gellte ein wieherndes GMchter >i-n die stille Totenfeier. „Und Ivas gedenken Sie jetzt zu unternehmen?^ Musternd suchte Eduard den Weg zur Gegenwart zurück. De-r Russe gab sich einen Ruck. ,/Aufatnten vor allem, zu wir kommen. Dann «fett SprUiNg über alle Hindernisse, die zwischen mir und meiner Rache liegon. Tarife, Nainenswechsdl, jedes Mittel soll mir recht sein. u>m reich zu lverdon, Macht zu erringen nnd dies« DhrHstenhnnde an die Waütd zu dviicken, sie zu schädigen wv ich nur kann." Noidvoll bestailirte Eduard diese Entschlosienheit zum Bösen. / „So stark zu se-irr" . . . ,-Ps't, pst," zischte das Publikum. Der lange Jüngling hatte sich an «m schw-irrdsüch» tiges Instrument begeben um Pasquitta zu bereiten, die vim Couplet sang mit dem Kehrreim „$«„ meine Herren-, wie man's ansaßt, daraus kommt es an." . Sie lvar fast enÄloidek. Zwei Streifen roten Mitterstoffs m1.t Goldschnnvein aus-den Schuilkern gehalten, ließen die Büste frei und klafften bei jeder Drehung seitlich auseinander. tFortsetzung folgt.) 49