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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-12 · Heft 2060 (12.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2060 (12.11.1924)
Date
1924-11-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPolen "20flmzyj Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVergchleisstelle (Trafik) monatl K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien v Oesterr. monatl. K 40.00s Tschecho-Slowakei: Mon. K 20. Jugoslawien Mon. DinaröO. Po I e n: Mon 3‘/# Zloty, Deutschland: Mon.Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frca. 15 OG" Neeh^ahluB*«» 'HW bei PreiierhShungren «orbehaltee Sr. SMJ lener ab JU Nov, 1924 Mria-Zheresien' § Mariohiiferstraße 7V | [preis K 14001 England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland morutlich Frei. 4. Redaktion u. Administration Wi£n. II., Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. Al^Uhrabds. 21-102.25-282 ]X. Universitätsstrasse 6—8 (pruckerei Steinmann) Oesterreichisches Postsparkappen-Konto Nr. 150.6°3 Wien. Mittwoch. 12. November 1824 k. lWrgang (Tigendknst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 11. November. Der Monsterprozeß gegen den Bombenwerfer Marffy und seine Spießgesellen wurde für dm 18. d. zur Schlutzverhandlnng angesetzt. Aus Grund der bisherigen Erhebungen und Einvernahmen unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß Marffh und Konsorten die Mörder jener sieben Mitglieder des Elisabethstirdter Kasinos sind, die von den Bomben der Erwachenden Ungarn getötet wurden. Es ist nun begreiflich, daß die Erwachenden Ungarn alles aufbieten, um diese Verhandlung, sei es auch durch einen terroristischen Putsch und durch Judenpogrome, unmöglich zu machen und das Gericht einznschüchtern. Die Führer der Rassenschützler machen aus dieser ihrer Absicht auch gar kein Hehl. Sie durchziehen seit einigen Tagen wieder das Land und harananieren die Bevölkerung gegen die „verjubele" magyarische Gerichtsbarkeit, obgleich sie gut wissen, daß der ungarische Richterstand dank ihrem Terror und ihrer Beschützer an allerhöchster Stelle schon langst juidenrein ist. Bezeichnend ist, daß alle diese aufreizenden Versammlungen iir Gegenwart von RegieruNgstommissaren abgehalten und die Reden zu Ende geführt werden, ohne daß die Polizei Veranlassung findet, einzuschreiten. So hat der Abgeordnete L e n.d v a i - L e h n e r am letzten Sonntag in Oedenburg, wo die Stimmung infolge der Vorgänge an der dortigen Hochschule ohnehin eine miss äußerste gereizte ist, eine Volksversammlung abgehalten, in der er unter anderem sagte, daß die Juden licht nur den Krieg und den schlechten Frieden gemacht, sondern auch „den sogenannten christlichen Kurs" geschaffen haben, nur um sich an den Christen zu bereichern. Deshalb müssen die Inden ihres Vermögens beraubt werden. Auch die heutige gesetzliche Macht sei in den Händen der Juden und ihrer Söldner. Die Juden haben geraubt und gemordet, deshalb müssen wir, anstatt wie bisher nur gefühlsmäßige, von nun ab Erwachende Ungarn der Tat werden. Er überbringe aus Kecskemet die Grüße und Aufmunterungen des großen Führers Ivan Hejjas und fügte hinzu: „Es bereiten sich wichtige Ereignisse vor. Cs kommt sehr bald die erlösende Tat. Das Voll murrt und verlangt, gegen das Judentum geführt zu werden, damit es sich von diesem schändlichen Joch befreie. Wer kann uns verbieten, daß wir die Ratten vertilgen? Aber über dies hinaus bereiten sich auch andere Dinge vor. Es wird und muß das jrrdenreine Ungarn mit seinen 63 Komitaten wiederkommen! lieber die Vernichtung der Juden gelangen wir zu unserem alten Ungarn." Gleichzeitig fand auch in Szegedin eine große Versammlung der Erwachenden statt, in welcher der gefährlichste Hetzer Lehel Kadar ohne viel Umschweife erllärte, daß jedes Mittel heilig sei, welches das Niederschlagen der Inden zum Ziele habe. Gelinge dies nicht mit Hilfe gesetzlicher Mittel, so sei es die Pflicht jedes Christen in Ungarn, auch vor Gewaltmitteln nicht zurückzuschrecken. Als der Regierungskommissär hier den Redner zur Mäßigung ermahnte, erklärte Kadar, daß seine Rede eine Botschaft nach oben und nach unten sei, um daran zu erinnern, daß die Erwachenden Ungarn nicht eher ruhen werden, bis sie mit den Juden Abrech n u n g g e h a l t e n haben werden. Kadar konnte auch hier seine Rede zu Ende führen. Auffallend ist auch, daß in den letzten zwei Wochen antisemitische Attentäter von den Gerichten ostentativ ireigesprochen und die Angegriffenen verurteilt werden. Ueberall regen sich wieder die Elenieute, die einige Zeit beschäftigungslos im Dunkeln blieben. Auch die Regierung hält es seit dem Sieg der Konservativen in England, unter deren Führern sich die einzigen Beschützendes ungarischen H o r t h y-K u r s e s iu Europa befinden, nicht mehr für notlvendig, auch nur scheinbar beruhigend zu wirken. Sie glaubt, der europäischen Demokratie nicht mehr Rechnung tragen zu müssen. Auch die Verschiebung des großen Prozesses gegen die politischen Emigranten im Ausland auf unbestimmte Zeit ist nicht, wie behauptet wurde, eine Konzession der ungarischen Regierung an die Demokratie, sondern erfolgte bloß deshalb,, weil zwischen der ungarischen Negierung und der Sowjetregierung jetzt ernste Verhandlungen wirtschaftlicher und politischer Natur in Schwebe sind, im . Verlaufe welcher von russischer Seite auch die Niederschlagung der Emigrantenprozesse gefordert wurde. Im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen wurde in den letzten Wochen neuerlich eine bedeutende Anzahl u n g a r i s ch e r K o m m ritt i st e n gegen ungarische’ Kriegsgefangene,' die noch in Sowjetrutzland zurückgehalten werden, ausgetanscht.^ , ßkn Putsch-lau zur Befreiung MarM, Budapest, 11. November. Die Polizei hat ein umfamgreiches BeiweismateviM über die Aktion in dm Händen, die «uläMch des bevorstehenden Prozesses gegsn die B o m!b e >nw e r f t r ,pr EmschÄchterung von Zeugen und Gerichtsfu'nktie.näven durch die g e h e i «m u r svollen Verb ü -n >d e t e n der BauMnattentäter eingeleitet worden ist. Es sind tz'Ämuäßioe Bestrebungen im Gange, die in Hast be-sindl'chen Bombsnwerser vor oder -wähorrid der Ha'atztve xfßwV mng zu. befreien. Die Oberstadtha'Uptmannschast hat die Absicht, ihr^e Unterst! ch n n gs e r g e b >n i s s e in der Ha'Nptbevha.M'UiNg des Prozesses, die für den 18. d. anberauimt ist, an die Oe Deutlichkeit zu bringen. Rache an Karolyr. Budapest, 11. November. Bor der 'königlichen Knrie als höchster Instanz hat heute der seit Jahren sich hmziehe-nde Konsislatiionspr-ozeß gegen dm Grasen Michael Karolyi begonnen. Für jene Vermögens- Partien des Prozesses, die van den anderen Instanzen geheim verhandelt wurden, hat auch die Kurie die OesfentlichNt aiusges'chlossen, doch 'wurde gestattet, daß zwei Vertvauens'miän'ner an der ge h e >i m e n' Verhandlung teilmehmen dürfen. Das Aerar verlangt, daß ifowchl das freie als auch das Fid'Momnrißvermlögm des Grasen Karolhi in den Besitz des Staates übergehen, -weil der materielle >und 'moralische Schaden, dm Karolyr seinem Vaterland zugefügt habe, unermeßlich sei. Die Liste der dem Grasen Michael Karolyi zur Last gelegten Verbrechen ist' sclgende: Arrangierung eines alligeim-einen Airbeitevstreiks i>nr Interesse eines Friedens u m jeden Preis, Verbindung mit feindlichen Spionen des AnMndes, materielle Unterstützung des desaitistischen und auti'milita ristische n Galilei- Klubs, Verhandlung mit feindlichen Großmächten zur Lösung des Bundes Verhältnisses zw'.schon der Monarchie und dem Deutschen Reich, Ausrufung der Volksrepublik und der Abänderung der V e r f a s s u n g, Schasstmg von SoVdatenräten, Abschluß des überflüssigen und erniedrigenden Belgrader Waffenstillstandes und-Uebergabe der Macht an die KomiNMnisten. In der AnWogchchrist wird daraus verwiesen, daß Karolyi, als der Sturz der Proletarierdiktatur nuabweislich schien, aus dem Lande geflüchtet fei, jedoch nicht ausgehör i habe, gegen fein' Vaterland zu intrigieren. Die Verbindung mit dm Kemmmiiisten habe er buch) iweiterchin ausrechterhalten, weshalb er sowohl aus der Tischecho- Slowalei als auch aus Italien au's ge wiesen worden sei. Wegen des Staatsfeievtages erscheint morgen früh in Wien keine Zeitung. Die nächste Nummer der iener M o rg e n z e i t ü n g" wird morgen Donnerstag, vormittags, ausgegeben. Sonntag den 16. d. erscheint gleichfalls keine Zeitung. 35prozentige Erhöhung der Personentarife. Im Streik der Bundesbahnbedienstelen ist gestern eine entscheidende Wendung eingetreien, die erwarten läßt, daß der Ausstand noch im Lause des h e u t i g e n T a g e s b e c n d e t und der Verkehr heute mitternachts wieder ausgenommen wirld. Die Generaldirektion der Bundesbahnen teilt mit: In der gestern unter Vorsitz des bisherigen Präsidenten der Verwaltungskommission der österreichischen Bunoesbahnen Dr. Günther abgxhaltenen Besprechung zwischen den Vertretern der drei Angestelltenorgamsationen der österreichischen Bundesbahnen und der Generaldirektion wurde ein Vorschlag zur Behebung der schwebenden. Differenzen beraten, welchen 'die Vertreter der Organisationen den voll ihnen für heute einbevuifenen Versammlungen ihrer Mitglieder zur Beschlußfassung unterbreiten werden. : - Wie vertäutet, werden hie Unterhändler der Eisenbahner in den heutigen Versammlungen die Annahme des Einigungsantrages enipsehlen und sich für den sofortigen Abbruch des Streiks einsetzen. Es sind bereits alle Vorkehrungen getroffen, daß u m 12 U h r nachts der Verkehr wieder in Gang gebracht werden kann. Die Behebung -er Güterstaunngen und die Wiederinbetriebsetzung aller fahrplanmäßigen Züge dürfte im Verlaus des morgigen Tages erfolgen. Die den Eisenbahnern gewährten Mehrvezüge sollen, wie verlautet, durch eine Erhöhung der Personentarife um 25 bis 35 Prozeß hercingebracht werden. UniverfitA und ßhreuschutz. —y. Kien, 12. November. An der Wiener Universität Hai gestern die RektorSrmvu'guration nach den herkiynmliche-n Zersmonisn stattgesunden.-Die Reden, die bei dieser akademischen Feier gehalten wurden, gehen über den Rahmen dieser Anstalt weit hinaus. Dies ist freilich nicht zu vermeiden, da mich die Stätten der Wissenschaft vom Strom der Zeit erfaßt worden sind und zu Fragen des Tages Stellung nehmen müssen. Die Hochschulen Oesterreichs tun dies allerdings in einer dem Ansehen J>etf Lehre wenig förderlichen Weise. Sie fordern unablässig die Kritik heraus und es ist heute kein Zweifel mehr/ daß sie in Führung und Organisation durchaus veraltet fin5> und daß ihre Teilnahrne an der aktiven Politik sich mit ihrer Zweckbesümmung nicht mehr verträgt. Sie sind Kampfinstitute, in denen nicht gelehrt, sondern gelärmt, gehaßt, gerauft wird, und demgemäß ist auch ihre Wertung unter den Nullyuntt gesunken. Nirgends nimmt man diese Schulen und Lehrer ernst, gnd mau weiß, daß sie nur mehr als politische Jnstitilte in Betracht kommen. Die Hochschulen sind ein fossiler Nest ausdem Ntovast der Vorkriegszeit. Sie haben ihre neuen Aufgaben nicht begriffen, das Volk zu einer höheren Auffassung der Lebensinhalte zu führest. Sie gehören einer sich gegen die neue Demokratie ofwnjiv verteidigenden Kaste an, die sich zur Reaktion bekennt. Jridieisem Jahre ist reichlich viÄ von diesen Hochschulen und insbesondere den Wiener Anstalten die Rede gewesen. Sie haben die öffentliche Austnerksamkeit in unerwünschtem Ausmaß auf sich gezogen. Keine neue wissenschaftliche These, keine technische oder medizinische Entdeckung konnte für sie eintreteN- Es waren nur Exzesse von Studenten, die draußen Beachtung fanden, aber nicht im schmeichelhaften Sinn. Die Masse des ferner Zclineeschuhe u. OaloscUen ebenfalls sebr preiswert be! Kann & Fried T(. linke Wienzeile 44

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