Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2059 (11.11.1924)
- Date
- 1924-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IPoibo 20proszyl Wien: Zorn Äbholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez.,; Wolleeile U Wßtjpostversand für Wien u Oeqherri monat!. K., 4i0;0Ü(; ü1 ' ' . < VT« che>c h-orS’I ow» k e i: 'Wön. K20.n: Mon. Dinar60,i?o Je n:Mon 31/* Zlotv, Deutsehland. Mon. Goldmark 4, F r an kr., 's Belgien: Mon. Frcs, 15 iiiiniimitng ab tu Nov. 1924 Maria-TherefieNl teuer Mariahilferftratze 70 1 iiiüiiiijifimiiimittitiimmiimmiHfi | Preis K 14001 England: Mon,4 Schilling, Italien: Monatl. 15 Ure,j Rumänien Mon. 150 Lei,1 Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und'das iibfige Aualand monr>t!ich Frcs»?4. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr. rclnphotve: 4443-38^43^^ ,...... 11,- , ■ A .BUKr abda. 21-102,25-232 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) IW* Naehs«Hluoc«a "W bei Preiierbohtinjen vorhehaltn B—— 9lt. 2059 Oeaterreiehisches Postspar1 kasseu-Konto Nr. 150.69$ Wien. Iienstag. 11. November 1824 8. Jahrgang Die MMe 8ei Der sonntligige WMaM'. Am Sonntag ist 4>te neue Leitung lder Wiener Datschen Gemeinde für vler Jahre gelväW worden. Das Refuiltat halben wir bereits in unserer gestrigen Mittaigs- ’ aluisgabe kirrz mitgetellt. Die in den Bereinigten jWschen Parteien KusamütengeschlossLnen Gruppen der Zionisten, der Union de r.öste r re i chische n Juden und der Agudah veremiigten aus sich 11.206 Stinmnen «mit Ausumimen 28 Mandate^ die Wahlvereinigu-ny für soziale Wirtschaft 2266 Stimmen mit fünf Adandachen, der Mi sra chi°Blo ck 943 Stimmen mit Mm Mandaten und die Achduth--Gruppe 451 Stimmen mit einem Mandat. Die WahHeteiiligung detrug an 40 Prozent, Web demnach hinter der des Sommers 1920 beträchtlich zurück, «wozu wohl zunächst das Taste Wetter, dünn ckber das Fehlen geglichen Kampfmotmenbes bei den großen Parteien beitrug. Nur diesem Umstand hatte es die svAialistische. Bereinigung KUKÜschrerben, daß sie doch fünf Mandate erlangte. Eine stärTere WaWetoiligung : hatte die W a h l z i s f e r derart gesteigert, daß diese Gruppe trotz der großen Geldmittel,, mit denen sie oiperieren konnte, sich nicht eüt>mcvl in. der geri^ngen Starke, die isie erzielte, hätte durchsetzen können. Sie hat am Sonntag alle ihre Wähler an die Urne gebracht. Die gewerkschaftliche Disziplin, die in den Von offiziell sozialdemokratischer Stelle .ausgehenden Ausrufen augesprochm.üv-unde, schließt es MS, daß' auch nur einer -dev. ,AMtzß>tzderten i M Hauise'. Meid.. Berechnet tmm, daß die Zähl der mMm/eirten Gsnvemdeangestelltsn allein an 000 .beträgt,- fo^ ergibt: sich, aus wie geringe Sympathien. diese Vereinigung rechnen konnte, die in -ihrer Ngitation alle poliitischen und soziasen Register zog. Vom Wahlre chts raub bis zum Aufs-Pslaster-Werse-n war da alles gesagt worden, was ' . geschulte Demagogie nur ersinnen konnte. Die „A r b e i t e r z e i 1 u n §", die noch vor einem ihallbön Jahr die ganze Angelegen!^it' a b-, g^e «leugnet hatte, entdeckte mit einem Male ihr Herz für die Fragen des jüdischen Kultus und eilte den Emolumenten-Empfängern zu Hilfe, mx ihnen für den bei den Nationalmtswahlen in Nordost begangenen Bolksv errat werktätig zu danken. Der Effekt stand jedoch in keinem Verhältnis zu den Anf- «wßndungen moralischer und materieller Natur. 1600 Wähler! Das ist alles. Die Mrvf-Wiännier-Fvaktion ist in der Gemeindestube bedeutungslos und. wird ihre Kraft in Klewllchkeiten verzetteln müssen. Ihr Programm ist freilich in Ausführung. Es ist nämlich die genaue Kopie des zionistischen Prvgraanme's und daß es damit vorwärts kom-mt, dafür sorgen schon die Zionisten selbst. Die Stinrmeuabgabe am Sonntag erfolgte in vollster -Ruhe. Bor den Wahllokalen hatten die am Wahlkampf beteiligten Parteien ihre Zettelverteiler ausgestellt. Der vom Wahlgesetz für den Natiönalrat vorFeschriebem Bannkreis, innerhalb dessen keine Agitation betrieben werden darf, wurde aufs strengste respektiert. Die Polizei hatte nirgends einzuschreiten. ' . Das Straßenbild war itt den - Vormittagsstunden im zweiten, rm z lv ö t f t e n und im zwanzig st.e n Bezirk in «der Nähe der Wahllokale sehr -belebt. Mittags Mute der Betrieb ab, nm erst gegen 3 Uhr, eine Stunde vor Schluß, wieder auszuleben. Nach 6 Uhr sammelten sich vor dem Gebäude der K u l t u sg e in e i n d e in der Seitenstettengasse sowie vor dem zionistischen Zentralbureau in der Taborstraße zahlreiche Neugierige, -die trotz der empfindlichen Kälte ausharrten, bis gegerr 8 Uhr die Rohbibanz der Wahlen bekanutgegeben 'wurde. Die Gewählten. Vereinigte jüdische Parteien: ,. .Oen.-ObevstaibZa>rz>t Prof. Alois Pick (Univn), Mchtsanivalt Dr. Jakob Ornstein (Union), Ober'tzaurat R-äbert S-t r i cke r (Zionist), Baurat Wilhelm Kenrpler (Unio-nh Rechtsaniwalt Dr. Drsider Friodm-ann (Zionist), Womgroßhändlier Siegmund Kauders (Union), . Nechtsaüwaft Dx.-Joses: Ticho Myigu), Mvelnderat Mr^ .Leo- . pK P l.ä s H £ e s (Zionist), Re-giertlngsrat .Bankdirektor Dr. Hermann Oppenheim (Union), Kaufmann Wolf Pappenheini (Agudah), Rechtsauwält Dr. Josef L öwe nhrrz (Zionist), Kommerzialrat Moritz. Reif (Union), Probnrist Richard Bettelheim (Uman), Rechttzanüvalt Dr. Jakob E h r l i ch (Zionist), Hoftat Dr. Wilhelm Hertzka (Union). Ko-mmerMlra.t Max Markus (Zionist), Großlndustrieller SiegMund BoM (Agudah), Kausmann Emil Engel (Union), Direktor Siegnmnd Eple.r (Zi-onist), Kaufmann Isidor Schwarz (Union), Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch (Agn.idH), Architekt. Dr. Arnold Karplns (Zionist), Bezirksrat Edmund Hosmmm (Union), Kaufmann-David Dohan (Union), Dr. med. Isidor Klaber (Zionist), Komm-erzialvat Bernhard Bu-chwald (Union), Fabrikant - Oskar Gold schm i e d (Zionist), Kanf'U'.au.u Albert Bren>er (Union). Sozialisten: ' - Dr. Ldrvin Bader. Gustav Moritz, Dr. Rndoif Glanz. Karl Pick, Salo-rnon Meister. Religiöser Block (Misrachi): Jakob -März, Jakob Pin las. Achduth: At-eschulom Scharfstein. Im nachfolgenden geben wir eine Tabelle, der St üirm-eniver te ilu>wg nach Bezirlen UMd Parteien: Gr wird wieder verhandelt. Der Eisenbahnerstreik. Gestern abends fand eine Besprechung zwischen den Vertretern der drei A n g e st e l I t e tu organisatione n der österreichischen Bundesbahnen und dem bisherigen Präsidenten der Verwaltungskommission Dr.. Günther statt, in welcher beschlossen wurde, heute Dienstag um 12 Uhr mittags zwecks M i e d e r a us nähme der Verhandlungen zusammenzutreten. . ~~y. W i e n, .11.7 November. / .Heute, am vierten Tag des EisenbahncylreUs, kommt es endlich wieder zu Verhandlungen. Im ganzen Bundesgebiet sind die Vahiten zur Rühe gekommen. Ob die nun wieder cingcleiteten Besprechungen zunr Frieden und zttr Arbeit führen werden,' ist noch unsicher, und der Zustand, der für die'lahme Wirtschaft leicht tödlich werden kann, dauert an. Das ist der gegentvärtige Stand dieser schon an sich seltsamen Anwendung des Streitrechtes, als dessen eifrige Vorkämpfer die sonst so autoritätshungrigen .Großdeutschen diesnial auftreten. Das Doppelspiel, das sie treiben, , ist längst durchschaut. Die Acinister bedauern den Konflikt, ihre Partei schürt ihn und. tut so, als sei sie von dem rechten Flügel, den Häkenireuzlern, ' unter Druck genommen worden. In WMlichkeit liegt die Sache so, daß diese Rechtsradikalen die sonst so be- ' dächtigen freien Gewerkschaften. der Sozialdemokraten , und die noch viel vorsichtigeren.CHristlichsostüleN zsimtz .Unschlnß^M. .den Streik gezwmrgen^WenJ^ÄÄ'^M^ durch den Änsitänd, daß die Führung in die Müde einest ) im Parlament nicht, vertretenen Richtünst gelängt jede Verhandlung durch drei Tage unmöglich-gemacht, worden war. Ter Nationalrat. wird sich heute versam- '. melrst Es gibt Leute, die von ihm. Initiative zur.Lösung der Krise erwarten. Aber das ist vergeblich. Das . Parlament ist genau so lahmgelegt wie die Eisenbahn. Großdeutschen müssen einerseits ihre Vcinister, andererseits ihre Rassenbrüder decken. Die Christlichsozialen niussen auf die Koalition^ und auf die Streikenden blicken, und die. Sozialdemokraten, deren Angst vor dem nationalsozialistischen Gespenst schon lächerlichwirkt, stecken in einer Sackgasse, aus der ihnen keine Dialektik den Weg öffnen kann. Die Regierung ist -zurückgetreten und steht mit verschränkten Händen vor dem blockier- - ten Geleise. Das Groteske dieser Situation wird noch dadurch verstärkt, daß die Regierung nach ihrem Demissionsbeschluß gar nichts unternehmen kann. Sie ist gespalten. Die großdeutschen Minister haben bei . der ihnen nach Bekenntnis nahestchenden Streikführnng den Emsluß verloren, und dies muß auch die Entschlußkraft des Kabinetts treffen. Es hat ganz präzise formulierte; Verpflichtungen vor dem Völkerbundrat m Genf - übernominen, deren Durchführung nur durchs dte strengste Geschlossenheit der Regierung nnd ihrer Par-.' teien gewährleistet werden kann. Diese Feststelltmg ergibt, daß durch die Unzulänglichkeit der großdeutschen Minister das Sanierungsproblem auch von der inte^ nationalen Seite her aufgerollt ist. Wieder müssen sich die durch den Friedensvertrag gesetzten Instanzen mit dem Donauland befassen und dies in der peirrlichsten Lage. . Das Wirtschaftsleben der Republik ist unterbunden und das von einer Partei, die aus ihrer Todfeindschaft gegen eine internationale Ordnung, der Verhältnisse kein Hehl macht und politische Fragen nur. mit Gewalt läsen will, weil ihr die sonst üblichen geistigen Mittel vollständig fehlen. Die Duldung, die dieze Partei erfahren hat, ist. dem Staat und seinem güten :Rufe sehr abträglich geworden. Es will scheinen, daß die Vernichtung. der Lehrfreiheit an den Hochschuleu und die Zerstörung, des Rechtsempfindens schon Schaden genügend'angerichiet haben. Das Uebergreisen auf die Pulsadern des Verkehrs, das leicht den ganzen Staats- ) I köstper sprengen kann, muß in Zukunft verhindert I werden.!!. Taborstraße 43 Telenhon 47*1 *78• £n gros Ein (Detail Abgegebene Stimmen Vereinigte jüd. Parteien Sozialisten Achduth ' Religiöser Plock Wahlkreis I (Innere Stadt). 713 676 1 36 , 11 (Leopoldstadt .. . . . 2887 1935 407 105 431 „ III (Landstraße und Simmering) .... 920 793 ■ 121; — _ * IV (Wieden. Margareten, Favoriten) .i. 755 (VIS' '! 122 — 15 „ V (Mariahilf Neubau) . ... 1033 S95 97 3 38 w YI (Josefstadt, Alsergrund) . . . . . -. 1731 IST1* 297 — 58 , VIl (Meidling bis Fünfhaus). . . . . . 825 146 — 12 „ VIII (Ottakring, Hernals) ...... 595 363 178 — 54 „ IX (Währing, Döbling) . .... .; . 553 481 72 — — * X (Brigittenau, Floridsdorf) . . ... 939 629 141 126 43 ' Die Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen beträgt 14.865 (Vereinigte jüdische Parteien 11,205, Sozialisten 2266, Achduth 451, religiöser Block 913). Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen für die Vertrauensmänner^ bleibt hinter die'er Ziffer^ weit zurück, was sich daraus erklären läßt, daß viele Wähler nur einen Stimmzettel abgegeben haben. Diese Uebersicht läßt erkeninen, >daß die Sozialsten in 'der LeopoMadt, «lfo. dem ^Zirk, 'iy dem'/ sie auf den stärksten Zulauf rechnen konnten,; hinter dem religiösen Block gurückgeWeben sind, wobei sie hier die nieiften StviN'Men erlangten. Tie Wa>hlziffer «betrug 404. ersparen Lie beim Einkaitf von Stoffen für Herbst rn 1 Winter, Damen* und Herrenwäsche, Leinenwaren, Strick* und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. im Warenhaus