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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-10 · Heft 2058 (10.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2058 (10.11.1924)
Date
1924-11-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wien: Zum Abholen in der Kvpcdition, II, Taborgtr, 1*3, odet in einerVerschleisBtoU i'piafik) monatl, IC 40.00'1 Sllassenverkauf in Wif>'' durch die Kolporteure c!e> Firma Goldschmied, 1. Bez. Wollzeile 11 h!i', Foslversand flit ^ien Oeslerr. monatl. >> 40 1 s c h t. c '■ o* S I o vv a I' * - Mon. K 20 lusrofilawim Mon. I)inar6Ö. Po leu: Moill'/t Zlotv, Deutschland Mon. Gold mark 4, F t a n k r., Belgien: Mon. Fres. 15 ■'Mtz Nachzahlungen *W beT” Preiterhohunzan Vorbehalte» icner Wy v Nr. 2058 Wien. Montag. 10. November 1924 f 99 Schwere Niederlage der Sozialdemokraten Das Resultat der gestern vorgenommenen Wahlen kn den Vor st and der jüdischen Kultusgemeinde ist folgendes: Wahlbeteiligung etwa 40 Prozent. Abgegebene gültige Stimmen: 14.865. Davon erhielten die Vereinigten jüdischen Parteien 11.205, die Sozialisten 2266, der Religiöse Block 943 und die Bereinigung Achduth 451 Stimmen. Deumach stellt sich das Ergebnis: Vereinigte jüdische Parteien 28 Mandate, Sozialistische Vereinigung, 5 Mandate, Religiöser Block 2 Mandate, Achduth 1 Mandat. * . Bon den 28 Mandaten der Vereinigten jüdischen Parteien dürften zehn den demokratischen Zionisten zufalleu. Da auch di? Mitglieder des Religiösen Blocks zionistisch gerichtet sind, werden di« Zionisten wahrscheinlich zwölf Mandate besetze«. * Der Plan der Sozialdemokraten, die Gemeinde zu erobern, ist zerschlagen worden. Sie hatten ihren Einfluß überschätzt. Alle guten Bedingungen eines Sieges lagen ans ihrer Seite: Sie hatten die moralische und die außerordent- . lich starke.materielle Hilf« der Lbermäch- I Ligen Partei für sich, einen umfangreichen Wahlastparat und geschulte Agitatoren. Sie konnten mit leichter Mühe ihre Reserven heranziehen, während ans der Seite der bürgerlichen Parteien erfahrungsgemäß der Nichtwähler in der Mehrheit ist. In zahlreichen Betriebsversammlungen war von seiten sozialdemokratischer Gewerkschaftsfunktionäre die Wichtigkeit dieser Wahl betont und die proletarische Pflicht der Abstimmung für die soziale Vereinigung unterstrichen worden. Das Ergebnis aller dieser Mühen, denen sogar die „Arbeiterzeitung" ihren kostbaren Raum widmete, ist mehr als. kläglich. Von den 36 zu besetzenden Mandaten erreichte die soziale Vereinigung ganze fünf und ist damit zugleich an die Grenze gelangt, d i e s i e a u ch i n Z u k» n f t nicht überschreiten kann, da sie ihr W 8 h l e r r e s e r v o i r schon gestern erschöpft hat. Der Anschlag auf die Gemeinde, diese Zelle der jüdischen Autonomie, wurde mit leichter Mühe abgefertigt. * Die Wahlen vollzogen sich in vollster Ruhe und ohne jedweden Zwischenfall. Für die Wahl des Kultusvorstandes bildet die Stadt Wien einen einzigen Wahlkreis, während die Vertrauensmänner in zehn Wahlkreisen gewählt werden. Das genaue Wahlergebnis wird im Laufe des heutigen Tages in allen Details bekanntgegeben werden. mm®. Die Massenkundgebung d«r Gewerbetreibenden. Die gestrige Ku>ndgMin.g der Gewvvbeirorbvnden n<n .bet voMhalle und vordem Rathmilse gegen den St-euerdiruuck kw>t das BAd Mer Mccheiidemowstralilm. Die Zahl der Teilnehmer wird aus 26.0 00 geschätzt.' Die Hcmptryfeiate wurden in der BoMshalle erstattet. Natüimailirvit Knnschalk wandte sich gegen Wie SteuerpciM'vk des Finanzreserenten B rei tner, wobei es gegen diesen zu' stürmischen Gntwüstuingsruson kaiml Wenn die Erkenntnis Platz greiisch führt«, Redner weider aus, daß man mit der Besteuerung von Ha-wdel und Gewerbe zu woit gegangen seit, mehr verlange, als sie tragen können, daun müsse man ebwm Rückzug Ofrtttreteut. Broitmer habe ttm Gomemdorat eMir-t, die Geivevbetreiöbenlden bönnen machen tvas sie wollen, an den Stenern werde doch «nichts geändert. So tastet die Antwort der Gomeinde Wien M>f Ihre Fordernngen. Das ist der Niederschlag eines kranken Geh«rrns. Der nächste Ressrent, Notiomalrat P antik, prvitestievte stegon ldiie wWürlkiche SteiuovbMvesslU-ng seitsns der Stmerdchö'rde und beandragte eine RssaMtipn, in der es heützt: , GäniMch nnverstärMich nnd zu entrüstetism Protest herauJfordernd erscheint jedoch dem Gewerbe die rasende F inan Hst olitik der Gemeinde Wien. Das Gewerbe «ist nicht gesonnen, dem Starrsinn ei'N«er verfehlen JmamzipÄilK eü-nos einzelnen Reis-mantem mit feinem eiigenen Untergang zu" bezahlen. Die Mstimrnlvwg über die RdsolMon erg.rb deren einst i m m >i g e Annahme. Auf dem Rathausplatz wurde gleichzÄtiig von zehn Stellen aus gesprochm. Boom Abmarsch kam es gü einem ernste,ren Z^vischensall, -a£8 von e&meim Fenster des Museumstr-aMes des Mathauses . ein Mann, ,, eine: . Handbeiwegung des Aushängen s machte.- Der'Menge, die m-dem Manu eiioion städtischen Beamten veomlutete, bemächiligte 'sich große EWttevwng nnd sie stiiinüte gegen das Giitbertor des .Ratha-uifes an. Das Tor wurde sridoch rasch ^schlossen, und ein großes Wachemlfgcbol verhinderte Gewaltakte. Minister a. D. H e r n l begab sich, um die Atenge zu beruhigen, in das Rathaus, wo sich heran spellte, daß der Mann, der die Gebärde gemacht hatte, ein Besucher der städtischen Scunml-ungen, der sich rasch verzogen hatte, gewesen war. Nur langsam beruhigte sich die Menge. Die Polizei war in riesiger Anzahl unter Kommando des Vizepräsidenten Dr. Pamer ausgeboten. Keine Verhandlungen. — Der Ausstand dauert an. Auch der gestrige Tag hat keine Aeuderung der, Streitlage gebracht. Es fänden' keine' Dechandbunigen zwischen der Leitung der Bnudesbahnen und den Gowerüsthasten statt und auch die politischen Besprechungen ruhten, wegen der Donntagsfeier. Im Lause des , heutigen Tages dürsten die meisten Abgeordneten und Dundesräte in Wien eintrvfsm. Morgen treten die Klubs des Nationalrak'es zusammen. Die Plenarsitzung wird, wie schon berichtet, r.ach der offiziellen Mitteilemg über die Kabinettsdemission gcischlossen und erst wieder einbe- 'rusen werden, bis der HmwtMiZ-schuß, der die Vorschläge über die irate Regierung Kl erstatten hat, zu einem BäschÄlß gekommen sein wirb. Es kann als sicher gelten, das; das K a!b in e t t .S eip el in seiner jetzigen Form wieder zur Wahl gestellt werden wird. Das wäre freilich eine unglückliche. Lösung, weil der Bruch der Koalition damit wieder nur provisorisch veMeistert wird. Eine amtliche Erklärung tciiTr mit, daß die Regierung die Demissimr des PrÄsidendm Günther noch nicht ' angenommen hat. Heute ist mrs den Bahnen wieder ein dürftiger Notverkehr für Arbeiter, Schüler und LclbenÄnittälircrusporte eilMrichtet worden. Die P ostv erw al tun g errichtet eiuen Autoverkehr zur Grenze. Zu diesem Zwecke tourden svl-geude Postkrastwageuvcrbinduiugen eingerichtet: Wien—Linz—SÄ.zhurg und Innsbruck—Kufstein für die deuische Post u>ud für die Post nach und ans den westlichen Ländern, Wien—Luudociüurg und Wien—Sirmimem'U für die tschechvuMvabische n-ud die über die Tlschecho-SLotvakei gehende Post, Wü-u—Oedenbung für die ungarische, Weu—Bruck a/ d. M:lr—Marburg für die j-u-goslaw-ische urcd Bruck—Klage-nfnrt—Tarvis so«wie Innsbvnck— Brenner für die liialienilsche Post. Wegen Aufrcchter>ha«Itung des Postvcrkehres zwischen Wien u'.ch den übrigen LandcÄ)a>uptstädtm laufo>: die Verhandlungen weiter. N« brennendes Flozzeug k« Mrrn. Am Samßiag wollt« der Pilot Karl Krieger mit seinem Apparat auf dem Aifperuer Flugsold aiu'ffteigen. Schon als her Apparat aus denn Hangar gezogen wurde, zeigte es sich, daß der Motor nirhi ganz in Ordnung ssi. Er sing auch richtig zu brenneu an, als ihn der Mechauiker anlasson wollte. Krieger, der bereits am Volant saß und auch, den Gashabel bereits gezogen hatte, konnte sich mir mit großer Müh« ans dmn brennenden Fahrzeug retten. - ab IU Nov. 1924 | illllllMlllllli: Marla-Lheresten-ß i Kkao i § Marlahilferftratze 70 § miiuiiiiiiiiiiiiiumtiiiiiiiiiiiniiimiiT | Preis K England: Mon. 4 Schilling; Italien: Monatl. 15 Lire, Rumänien Mon. 150Lei. Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr. 1—3 elephone: 44-0*38,43-3*19, AifiUhrabds. 21-102,25*282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) 0österreichisches Postspar» Icassen-Konto Nr. 150.693 Boston, 9. November. (Wolfs.) Senator Lodge ist - gestorben. Mährisch-OstrM, 9. November. (Tschech. Pveß-B:or.) Gestevn fainden hier itri.tcr großer BetsiWirntz >d'ie Gemeind ew ahle n statt. .Fast 90 ProZeni der Wähler er- ■ schienen bei der Urne. Es erhiMen die tfchecho-stciwabischen,. So'zliaü!deimL'kr>a>tlen 16, NabionalifolZvailisten 5, deutsche SozjiaLdemokvatiLN 1, Legionäre 2, tschechische Volkspartsi 7, > Rutsche Fre'cheitspartei 1, Juden 2, Gewerbepavtei 2, deu'ifche Waihlgememde für Minderheits,schütz 12, Na.tion'aild>emo>kvaten 5 und Kammuittisten 7 Mevudate. München, 9. November. (Wolfs.) Der Vormittag ist, abgeseihen -von einigen belongloistu Zivischeufällen, ' ruhig verlaufen. Als sich gegen die Mittagsistuinlde vor der Feldherruhalle eine dichte Menge ansammelte, wurde der Besohl zur Räumung des Platzes gegeben. An de-m einen Löwen vor -der Residenzwachwurde von Nationalsozialisten ein Kranz ausgehängt, der entfernt wurde. Dessau, 9. November. (Wolsf.) Bei der gestrigen Landiagswahl in Arrhalt erhielten die Sozialdemokraten uwd Demokraten einen' starken Stiiiumenzulwachs gegenüber der Lundtagsivuchl im Juli, loähvenld die Kommunisten eine staucke G'mbuße an Stimmen erbitten. Die übrigen Parteien ibehaulptetien ungefähr ihren Bssitzstand. Berlin, 10. November. Wie die Blätter Ibevichten, ist die g r o ß e Volk s v p e.t„ die im Theater des Westens Hverr Sitz ha^ f i ny-rrz»eil zusa-mmeüg'..eb r.o ch e n., London, 9. November. (Reuter.) E ng l is ch e F a sziste'n ver.Ma,lteten aus dem Trafailgar Sguare eine Kundgebimg. Es IwuÄde eine An-zahl von Reden gehalten, worin der Bolschewismus verurteN wird. London, 9. November. Nach verschiedenen Meldungen aus Spanien sind in einzelnen Zentren r e v o l ut i o n ä r e Unruhen au sieb rochen. In Bewa in der Provinz 'PauHlEa wurden bei einem Z'.nsau'-m»istoß zlv'i-schen AuWndi-scheu und Gendarmen acht Personen getötet. Konstan.tinopel, 9. Nove>mber. (Reuter.) Die 'Kommission für die B e r t c i l u n g d e r a l t e n o t t o ni a n is ch e n Staatsschuld iinter die Nachsolgestaaten hat beschlossen, daß 17.5 Millionen GcNire von Gviechenlawd, 5'Millionen von Palästina, 12,5 Milli.men von Mesopotamien und 15 Millionen Goldlire von Syrien zu übernehmen seien. Der Jahvesschulden.di'enst der Türkei wurde von 9,5 Millionen auf 6 Millionen GaMire herabgesetzt. Tie Entscheidung der Kommission ist den interesiierten Staaten mitgete-ilt worden, die innerhalb dreier Monate gegen diese Regelirng Einspruch erheben können. Zusammenschluß aller ziouWfchen SrgaMa« tioue» in Psken. Warschau, 9. November. (I. T. A.) Die Bechondkmiigsn über den Zusammenschluß' der vier gesonderten zionistischen Organisationen in Polen sind zu.einem erfolgreichen Ende gelangt, so >daß in diesen Tagen die Eini- Gln-g eine vollzogem Tatsache stün wird. Bis jetzt bcstanden gesonderte Organ-isatzionen in dem früheren Kongreßpolen nuit dom Zenitralsitz in Marschau, im Wilnadistrikt mit dom Sitz in Wilna, in Wostgalizien (Krakau) uind in-Ostgalizien (Lemberg). Zwecks Vorbereitung des' Zirfa'mmen'schiusses ist ein Oberster Rat geschaffen worden, in welch an zwei Vertreter des Warschmler urid je ein Vertreter dos Wil'naer, Kmkauer und Lemberg er ZentraUomitees sitzen werden. Demnächst wird ein g em'e i n famer K o ng re ß alb er vier Organisationen stattfinden,. ans welchem die Einigung proklamiert werden wird. Es wurde ferner beschlossen, das; die z i o n i st i s ch c n Deputierten uud Senatoren im polnischen Sejur eine einheitliche Z r a k t i o u bilden sollen, als ein Teil >des allgemeinen. jüdischen ParlameutMabs» dorn auch die orthodoxen und unparteiischen jüdischen Dep»utierten und Senatoren angehöven. Die neue zionistische Sej'mfraktion soll in allen Fragen der inneren Politik einheitlich Vorgehen. Die zionistische Fr.rkiinu würde im K'lüb die Mehrheit bilden.

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