Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2057 (9.11.1924)
- Date
- 1924-11-09
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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-TPTBKW %Xiie 8 Men, Sonntag. «WS ÜL^'V1 mm Anatole Kranre Äelbstbiographie i. Der kleine Peter Deutsch »»» Vmtrtce Gack- II. Vlütezeit ür< Lebens Deutsch von Arthur Eelffhsrt Jeder Bond tn Hottlelnen S.- B«r. * .Diese Kkndererlmienmgen des klu-en, -ütißen ftsnziisischen Ironikerenthalten «undervolle Setten, nirgendszei-t sich France gütiger, küchelnder, zarter als in diesem liedenSmürdig«« Luch/ Hermann Hesse (.Tlatlonalrettun-'). Eines der entzückendsten Bücher, die unS Franer «etchenkt . ' »chmer 71.7k/). hat. Dr. B. Hübscher (»Münchener .Das Buch enthält soviel Köstlichkeiten herzerfrischender Naivität, daß man ,S zu den besten KindheitS-Lrinnerungen großer Persönlichkeiten rechnen darf/ (»Dan,lgerS,klung)/ Reizend in seiner geistreichen Feinheit hat unS A. France vor einigen Jahren seine Jugendzeit in der Geschichte vom »Kleinen Pete/ erzählt. Ihr folgt nun alS Fortsetzung die »Blütezeit deS Lebens', Erinnerungen aus den Jahren am Gymnasium und auf der Universität. In lockerem Gefüge sind die einzelnen Episoden zarte Kunstmerke voll Empfindung und schalkhafter Weisheit. Das kleine Kapitel, daS der Verehrer der klassischen Literaturen »A§l/ taufte, zwingt in wenige Zeilen die ganze Herzensnot des Knaven, der zum Jüngling reist. Es möge dem schönen Buch viele beschauliche Leser »erben. Der Bund, Bern. Durch alle Buchhandlungen zu beziehen Kurt Wolfs verlas München Sühne und Kunst. „Ser M«li»M." Mckernes Theater. Der Abend besteht aus einem Varietvakt «mb beider überdies mich noch aus einem Lust-PLl von Sa sch er Guiöry. Der Bcwiet'salt ist vortrefflich u-ud Leopold Kramer würde ntft feinen -verömWenden Zauüer-kunststücken a-wch im Apollo oder Romcher volle .Häuser machen. Uciöer Ano-rdnuu-g des LnstspielkÄhters trägt ihm -die P-rodwkdion im Modernen Theater eine Liebesnacht bei der hübschen, ilsbenÄusdigen, aber aug verrrunzten Jscq-rreÄ-ne c-in, die Tvartte Karlse-n nicht durchaus erquicklich stMr. Nämlich: Wenn die KLnfckevin -die gewisien rauheu scharfen Br.usttön-e produziert und der Spiellener nicht vor der Aufführung die harten Pavageienschreie der Künstlerin abarrr-bhnt), geht ihre sonst so entzückende Anmut flöten. Ein avmcs Mädel vom Dariete spielt Marin O-rska bemerkenswert. Bon vollendeter Anmut wieder Frrtz Leh ckls' junger Liolhaber. LeopÄd Kramer wurde als Illusionist und Hr-r^nsHrcchor gleich so^iert. Im Vorspiel erfrswie überdies'Marie Ast i durch sehr charteristische, vollendet graMft russische Tänze. C. A. . gias tient Sper von Leo» Fanacrk. (üraussührnng des „Listigen Jüchslein" im Staditheater in Brünn.) Leos Janacck, der Nestor der tschechischen KontPomPelr, tcx 15 Jchre aus die EchwMchvung -soi-ner „Jemufa" warten mußte und noch vor zehn Jahren außerhalb Brünns völli« nnbelann: war, ist nun endlich als d?s Erkannt Worden, Was er in seinen zahlreichen Opern und Kammermnsi(Werken ist: Als ein slowakischer Mussorgsty, der im Zusammenhang mit Bolksinm und Bolkstm-isen immer neue Kräfte aus dem heimatlichen Bbden in sich ausnMmt. So ist auch seine neueste Oper „Das listige Jüchslem" ein echtes Geschöpf der mütterlichen slowakischen Landschaft. Thne das Slawentum mit feiner tiefen Symbolik owvb Melancholie wären Wort und Weise dieser mehr tragischen als heiteren Oper kaum möglich. D-as Füchslein, dessen Äußerer Lebenslauf ganz einfach vor sich -geht — Gefangenschaft fat den Menschen, Ehe, viele Kinder, Tod durch bas Wer des Jägers —, ist kein gcwöhnliches Tier des Waldes, sondern ein 'leidender Mensch mit Tiermas-ke, der schichsoilsmäßig vom Bosen nicht bos-ommt mrd dem ewigen Kreislauf des stets gleichen Erdenleides unterworfen ist. Und so haben auch die Menschen des Stückes, die willenlos dem Schicksal und damit dem Bösen, das niemals ausstirbt, erliegen, ihre tragische Tiermaske. So gleicht etwa der Pfarrer fam Dachs, der in seinem Ban lebt, older der Lehrer der Gelse, die stichelt und stachelt. Und beide lieben das Füchslein — eme SonneM.nme! — und walken mit idessen Tode dcchm. Ter Mensch als Tier und das Tier als Mensch im Zwange einer höheren Macht, das ist so recht ein Stoff für Janac'ek, dem die Wahrheit des Ausdruckes über alles geht und die Schönheit der Melodik, die sich hrn etwa in dr« reichen inie umentalen Zwischenspielen auAvirkt, nur Mittel zum Zweck ist. Der -nnbe<«mMe TonM der stowafischen Bmrettch»rache Wiener Mor,»n-eU««g. lebt in seiner Musik weiter, volkstümliche Melodien und zweiteilige slowakische Rhythmen — im Dienste des Ausdruckes ' innrer wieder frei verändert — gchen durch das Werk, in de» alles, was -in WM und Feilld Mrcht und -öveucht, Kintzenid charakterisiert ist. Eine prächtige Fuchshochzeit, bei der alle Ti-eve affistir««, ist wich an Tanzchythmen, eine Szene der Henm mit ihren vielen Küchlein von ursprünglichem Humor erfüllt. Das Geigenspiel der Grille, das Drehorgellürd deS Heupferdchens, die tvagchche StzMenpavtöe der DorGawooattvnerr unld dck eindringliche Geftalttmg aller Naturgerausche Mgen, daß die Urkraft dös gernoken Tondichters an der Schwelle des achten Jahrzehnts seines Lebens nicht nachgelassen hat. Der Befall, der auch der sorgfältigen Aufführung gaikt — Frcmtisek Reumann birißvetfe und Ota Zitier führte die Regie — war ungDmeM lebhccht. . Ah. lirfilliitt Diese Opevstte, ya de« Fevx Dör«an« de» Layt> rmd EM Steffa« die Muftk g^chei»ben Habens stellt Gahk den Aipfäl der G-es chmELigkatt dar. Man mäst G chMAdonr oder Monarchist sein, -daß die vom einer .perchvbiche« Tvagök «mtvi-tbevte Gestallt des AaGers Kartl «in das Brachdmd dar Ostnratte s-rst-M wkd, daß der PrDdent, d« KchM« Mdchie» «» T irviler Bmwmüoistüm MMtt, daß stotidsthe OaMad» dE heutigen Oesterreich als Zielscheibe Mr «tue lftlbhze Pechistqste dienen, mach von ald« mit »ntrüstNUß P«Üch>M»üch» vaardb». Der DantlMnenhunger d« iAbwttisten scheint keine GejchnnnkSgrenzen zu vsnnen. Mich die Mustk von Aacht SteGe« -ist «me arge EnttöuschMG. lVie Qntytarfw stießt ^hr dstn« udd ist an .den 'lyrischen Stellen von «irta einschtSferuden LiüßGchkeit. Ein Trauenncackch «in DMoll «it VMvechumg bm -choststen Tramstelrn^ «iw parvtstlistheS Dnett, «in Wae-Step «e shnkcipierttzn FLnstaiettÄM sind Dastn im der mustkakstchen Wüste. Wenn sbeüenwvise doch «lvaas wie iHedüeMit «chßam, ft» buchen zwell MAvMende d« Verdienst süc sich « AnGmuch nchmen. 'Klara Karrh ist m die erste Reihe der Wiener Soubretten vorgerückt. Ihr züigMoses Dümpe-rmw^nt, das-sich oft in Jbnprvvisat«nen> enÄlüdh chr idwllilges JAom, das dom EnMchen wie dsm GramMischrn leinen hS'imcvWchen, wenn auch nicht gerade rein wisnevvschen DeiiMmg veÄeiht, chve ausgezeichnete TanghrchwK weirden ihr.fwiS Motzen Erfolg sichern. Fritz Schultz ist vmsr der bosten jugenübichen Operetten-! komiker. Sem Mwerbvauchter Hu.mor, seine Marivnet.ten°- hast« Leichtigkert >im Tanz, gewinnen .Hm baLb die Ar«iekenniu.ng des PuibMums. Redwt Nästeilberger kund HÄda Schultz Äs senÄmeniales, unMisöuÄches LirbeApaar, Haus Lack na-r Äs 'KllMmerstMZer, Oskar Sachs, Dely Dre'xler waven in chrrn vom iWbwttülsten MichnÄttitMÄH dcharMte» Rollen sehr ^bemüht. dt. Aus deu Theatern. Burgtbeater. Morgen, 7 Uhr zu kleinen Preise« »D e r Z e r r i s s tn e". — Dienst» g, 7 Uhr, „Salles steinsLager" und „D i e Piccolomini". Mittwoch, Vs3 Uhr, „D i esK a takombe n". A k a d e m i e t h e a t e r. Morgen, lj.ß Uhr, e r Widerspem st igen Zähmung". — Dienstag, '[& Uhr, deutsche Uraufführung des dreiaktigen Lustspieles M a m a Nicole"- von Jacques Bousquet und Pml Armonts deutsch von Berta Zuckerkandl. — Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, „Die Mau s". D o l k s o p e r. Morgen ,.M a r t h a\ Deutsches Bolkstheater. Heute, V»3 Uhr nachmittags, „Der Feldberrnhügel". — Morgen abends ,.Z i r k u S l e u t e", Dienstag „M a r i a S t n a r t", Mittwoch, 3 Uhr nachmittags, „Das grobe Hemd". K a m m e r s p i e l e. Heute und morgen AndrejewS „Der Gedanke". — Dienstag, 7 Uhr, StrindbergS „D e r V a t e t". — Donnerstag deutsche Uraufführung dek dreiaktigen Schauspiels „Jacqueline" von Sascha Guitry. --Nachtvorstellung. Täglich »K ü s s e u m M i t t e r- « a ch t". N e u e S W i e n e r S t a d t t l, e a t e r. Bon morgen bis Samstag, V28 Uhr. „Moritz der Gute". Raimund-Theater. Heute und morgen, *48 Uhr abends. „P e n s i 0 n Schüller". — Dienstag Erstanffuhrnng von Henry Bernsteins Schauspiel „Der Die b". WienerBürgertheater. Ab heute täglich, */,8 Uhr abends. e 0 anch e". Im Lustspieltheater wird die Neuheit „D i e kleine Heilige" vorbereitet. Der Tag der brstauffiihmng kann jedoch noch nicht bestimmt werden. Johann-Slrauß-Theater. Donnerstag 50. Aufführung der Operette „Doll h". Renaissancebühne. Donnerstag Uraufführung der TragÜdie „G e l d". Neue W i e n e r B ü h » e. Heute und Montag „M e i n F r e u u d T e d d y". Dienstag 7 Uhr Erstaufführung der dreiaktigen Komödie, „D e r M a n n 0 h n e M 0 r a l". Moderne- Theater. Täglich */,8 Uhr, „Der Illusion! st". * ' Wochenspielplan der Staatsoper: Sonntag, 1l«1 Uhr, „Tannhänse r". Montag, 7 Uhr, „O rv h e u s", 'hierauf „D 0 n I u a n" (Ballett). Dienstag, ^8 Uhr, „Die Ruinen v 0 n A t h e n", hierauf „D 0 n Juan" (Ballett). Mittwoch, */,7 Uhr, „Der Rosenk a v a l i e r". Donnerstag, 7 Uhr, „Die t 0 t e S t a d t". Freitag, 7 Uhr, „Der Bajazzo", „S ch l a g 0 b e r i“. SamStag, Vi>7 Uhr, „L 0 h e n g r i n". Sonntag, 7 Uhr, „F l e d e r m a n s". W 0 ch e n s p i e l p l a n des R e d 0 u t e n i a c> l 8. Sonntag, */,'8 Uhr, „D 0 n P a s q n a l e". Dienstag, Uhr. „D 0 n P a s q u a l e". Mittwoch, 8 Uhr,^ Balettsoire: E 0 n v e r i n-R avel-Rameau-Johann Stranß. SamStag. 7 Uhr, „FigaroS Hochzeit". Sonntag, ^»8 Uhr, „Der Barbier von Sevilla"' Marti« Spotts Jechilaum. Hr'vl'e ftnÄek in K-a.^lsbad ein großes pl/ckharmowisches JMlÄuiMsko-mzert stat.:. Käpell«vsist«r. Martiim S p ö r r hat vor A Jahren sdie -phWavmon-ischen'.Koch-^te iins Leben Kernftn, dirssehHvr «ine stä,ydijge Ein^ichtlmg ' iw MüinsÄobert &»?>£«. An l? ■'* Konzevten wirken - stets -hervorrxvgSnde Künst-Kir mit, ist» 9. RvveMer 1VS4 M. 2987 Lucy Kie , -in foetf lJviMiavt -i . 11., Sours tag de« en,wKd M Reknihardt Itu vre: ffimtBiiortteten amftrÄtien, die Fwi-tag de« - 16. .n>n,d Smmtog «dem 1«. d., 10 -Ulhr akbmids, staitit-mden wenden. ' , Pietro Maseagni in der Bolksopsr. Püetw M-ascaanü >wmd SvmMg, -den SO. d. in Äor BokkSov« die WMjLwMen von ,/EovalveVva uustzivaara" uind Ott» Schmorte wurde von ,^3«iqtzo" dimigieMN.' r DKMor Geyer Dr am die uMier seinsr KeÄmg ftchenden "iBühmn ««rs-rssss viele derartige Werke im Privatbchitz befinden, ergebt »« daß Publlißu« die Bitte, diese Wert« der Aufistelluna im Künsilev« haustm atzrlassen und so baL olS möalktz im^etN c^ MEilden. Kvmstlechaus. 1. 5, 51.00Ü. Wie wir ersah««, brstcht die über «in eiaon-arck-geS, Weisen verfügt, «uh zu Kl bOMttfcftttl. > au «wem W;e««r KonKertnbe«- Serichtssaal. »er „KanrleiSirettor »er Familie jjavibarg-. Zu einer Mi«« Gpene kam «s «ftern bvi einer Ber- MV-ÄLVLV'' wem» Richter Hoftoat Hellmer: Was stwd Sie jetzt? — Angekl.: Kantzle-ldireLchor d«er Familie Habsburg. — Richter.: Wo arbeiten Sie da? — Anaekl.: Das ist vevschnLxn. darüber kann ich keine näheren Mitteilungen machen. (Gelächter im Zuhörerrcmm.) — Richter: Am 16. Juli IWl sollen Sie den Herausgeber der «Fackel". Karl Kraus, du.rch Zurufe gKhrlich brdvoht h<chen:^Da sitzt der iKaiis-vrmövder, «och ein Wort über das Kaffechans und die 'Kveatnr ist hin." Der Angeklagte, der zwei Rummvern der Zeitung .Die - Monarchie" in Le-r Hand halt: möchte znech ewe kurze zu den prinzipiell« Erklärung^« n^»e §Ä«? Gerichten m Oesterreich <Lgeben." Richter (scharf unterbrechend): Zur Annahme solcher Erklärungen ist das Gericht nicht da. — Angekl.: Ich ev- »e dieselbe Kompeten8c,i.nwendung, die ich immer Vovaebracht >be . . . — R ich-ter (scharf unterbrechend): Da Sie « derselben Weise fortfahren, wird in Jhvvr Abwesenheit verhandelt. Auf Weisung des Richters wird später Bodajaunia wieder in den Saal geführt und «mahnt, ittdisiltch zur Sache z« sprechen. Padcujamu-g stählt dann, er habe schon Ich« vorher mit einer Dame fveaendschaftlich verkehrt «ch ste gebeten, KrattS m-rtzuieilen, daß er auf der schwarzen Liste der Monarchisten stche und daß ihm etwas pameren römnte. Es wird hierauf Karl Kraus als Zange Vernvnttnen der angibt, daß er seit vielen Jahren von Pcwai«mig i» öKentsw lichen Lokalen beschimpft und belästigt werde. Der Richter verurteilte den Ävaetlagte« «n &kmt der AE age zu zwei Monaten Kerker. Kurorchefters i anjts'ÄMMn Dpo: >das JuWäumKkMve-e.Lt r^" pi bkißicm. Die „Schwimmhaut" des Gatten. Frau« und Antmrie E. sind ein Ehepaar, das in Unfrieden Vbt; sie ist W, er 41 Jahre alt. Sie hat die Hasen an. Am 9. Augwlt war wieder eine Differenz Zwischen Leiden, däbei bediente sich die holde Gattin aller in ihrem Bereich liegenden Deller, Gabeln, Löffels «nd da sie schon dadcii war, erwischte sie auch ei« Messer, das sie «ach ihm warf. Während er fönst immer nur unbedeutende Verletzungen dadoutrug. war es diesmal doch etwas ernster; er wurde von dem Messer getroffen und an der Hand verletzt. Strafanzeige, Verhandlung vor dem Bozirksgericht Favoriten. Der' Richter verliest das Gutachten des ^^rEspoltzeikommissariats Favoriten (wörtlich): Franz E. zeigt a« der ..Schwimmhaut" (der Richter liest das Wort drei-, viermal, schuttett den Kopf und spricht: „Es heißt wirklich Schwimmhaut, Jrvtum ausgeschlossen") zwischen Daumen und Zeigefinger eine eineinhalb Zentimeter lauge Schnittwunde sowie Hautabschürfungen. — Richter: „9luai weiß ich es. daß es auch Menschm mit Schwimmhäuten gibt." Urteil: 60.000 K. Geldstrafe. Weil die Iran so oft ins Kino geh kommt der M«n» kein Nachtmahl. Der Zimmermabermeist.. Eduard W. hatte sich gestern wogen Mißhandlung feiner Gattin Anna M verantworten. Er hat es vorgezogen, zur Verhandlung nicht zu evscheinen. Landesaorichtsrat Dr. Donau (Be-irkSgeriqt Favoriten) verhandelt in seiner Abwefenbeit. Seine Gattin hatte bei der Polizei angegeben, daß ihr Gatte ste derart geschlagen habe, daß sie am Rücken und am Kovfe Versetzungen erlitt. Der Gatte sagte, daß seine Frau schr häufig ins Kuts gehe, daß sie die Wirtschaft vernachlässige und daß er an den ,Hiuoabeniden", wenn er müde rwd hungrig nach Hanfe komme, Kam Nachtmahl bekomme. Deshalb sei es auch' damals zu« Streit gekommen. Er habe ihr die Wahl gelassen zwischen Kino und häuslichen und Gattenpflichten. „Entweder ich oder daS Mno, so acht es nicht weiter. Im Laufe des StvoiteS gab ich «ihr eine Ohrfeige." lieber Befragen des Richters entschlagt siw die Gattin .der Aussage. Der Richter verurteile den Gatte« zur Strafe des strengen Bettveises und sagte, $u der Fron: ,-Gehen Sie nicht zu oft ins Kino, wenu Ihr Man« es nicht will." „Für mich ist das Leben ohne dich zwecklos..." Gm von Liebesbeteuoru-ngen strotzender Brief an «ine, verhnrarete älieve Frau bildete gestern veim Strasbezirksgericht 1 den Gegenstand einer Verhandlung, in welcher der Privatbeamte Heinrich P. Mer Privatklage ides Bimdesanaestellten Johann W. wegen Ehestörung angeklagt war. Der PrivaMä^r hatte vor -einiger Zeit einen Brief aufgefangen, den der Be>chulvigie au die Gattin des Klägers gerichtet hatte. In diesem Briefe bctMerte der Beschuldigte, daß er ohne Frau W. nicht leben könne. Es heißt i« dem Briefe: „Für mich ist das Leben ohne Dich zwecklos, ich kann aus dem. blutigen Herzen die Liebe zu Dir nicht reißen, Du bist mein Leben oder Tod. Ich weiß nicht, ob ich noch weiter leben kann, oder ich frage Dich, ist dre Erlösung ii'ähe?" Der Kläger evklärt-e in seiner Klage, daß )er Beischuldigle «ich so-ust zu seiner Gattin in mehr als fteundschaftlrchen Beziehungen gestanden sei. Bor Gericht erklärte heute der Angerlagle, ldaß er allerdings den inkriminierten Brief an die Fkau des Klägers geschrieben habe, doch habe er in dem 'Briefe nur seiner Verehrung gegen diese Frau, die ihn in schwerer Krankl-eit gepflegt habe, Ausdruck-^oe« wollen, einer Verehrung, wie sie ein Sohn gegenüber seiner Mutter hegt. Ter Richter fand den Angeklagten der versuchten Verleitung zur Verletzung .der .che'lichen Treu«, begangen lediglich durch den evivähidten LK'beSbrief. für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 500.000 K., eventuell zu 48 Stunden Arrest. Der Brief sei mit Rücksicht auf.Inhalt und Form -geeignet, bei -der Frau des Pripaiklägers Gefühle auszulosen, die geeignet sm'o. eine fccs Ehe des Klägers hervoMrufen.