Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2056 (8.11.1924)
- Date
- 1924-11-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2056 Men, Meinl*Tee neuer Ernte Ägesbericht. ” Rund tun die Welt in 15 Sekunden. Ein amerikanischer RMoerfolg. Aus New-Dark wird telegraphiert: „Rutid unr die Welt in 15 Sokuitlden!" Das war der Rekord, der bei der Eröffnung der R a d i o a u s st e l il >tt n % gestern in New-Jork erzielt wurde. Der Buchstabe S und der Buchstabe C wurden radiotelegraphisch rund uirn die Erde geschickt, der eine östlich, der andere in westlicher Richtung. Das S gewann um eine halbe Sekunde. Tausende von Neugierigen wohnten diesem seltsamen Wettrennen bei. 8« neun Lagen von Mich nach Teheran. Der Plan eines Schweizer Fliegers. Zürich, 5. November. (Del. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Schweizer Flieger Oberleutnant Mittelholze: beabsichtigt, einen Flug von Z ü r i ch nach Teheran zu vollfuhren. Sein Weg beträgt mehr als 5600 Kilometer. Den Piloten wird nur ein Mechaniker begleiten. .Seine Reise teilte Mittelholzer in zehn Etappen ein: 1. Zürich—Pisa <500 Kilometer), 2. Pisa—Neapel (500 Kilometer), 3. Neapel—Brindisi <500 Kilometer), 4. Brindisict—Athen über das MitteNänd sche Meer (700 Kilometer), 6. Athen—Rhodos (500 Kilometer), 6. Rhodos—Mcrsina (700 Kilometer), 7. Mersina—Nesibin (700 Kilometer), 8. Nesibin—Bagdad (700 Kilometer), 9. Bagdad—Hamädan (500 Kilometer), 10. Hamadatr—Tcheran (300 Kilometer). Die ersten Mai Etappen gedenkt der Flieger m einem Dag zurückzulegen, so daß der ganze Flug in neun Tagen vollsührt werden wird, immer -in fünsttündigen Etappen bei einer Dttrch,schnittsgeschwtudi-gkeit to>tt 130 Kilometer. Am ersten Tage 'beabsichtigt er eÄva 1000 Kilometer zurückzuleigen. Der Flieger gedenkt unterwegs, hauptsächlich aber in Persien, kinematographische Aufnahmen von Gegenden Vorzun-chnven, die bis jetzt noch nie gefilmt oder photographiert wurde«-. In Pevsien wird sich der Flieger etwa zwei Monate aushalten und dort auf Wunsch der persischen Regierung geeignete Orte suchen, wo neue Luftverkehrslinien geführt werden könnten. Falls die Arbeiten Mittelholzers Erfolg haben sollten und das Projekt der persischen Regierung sich verwirklichte, würde zwischen dem europäischen Westen und dem Stillen Ozean ein regelmäßiger Luftverkehr hergestellt werden, denn die neue Luftverkehrslinie wäre eine Fortsetzung der Lnststrccke M a rs«i l l e — G e n f—Z ü r i ch — W i e n — B io l g r a d — Konst antinopel— Angora. Die Reise von Zürich nach Angora dauert jetzt 2,5 Wochen, sie wäre aber durch den Luftver- M)r auf drei Tage herabgesetzt. Oberleutnant Mittelholzer ist einer der besten schweizerischen Flieger und hat sch.nt viele schöne Fliegerau-fnahmen hcrgestellt. Konftlmtinovler Leermü'-r. Sie machen nicht mehr, wie in den Novellen Calderons, das ganze Mittelmeer unsicher, diese türkischen Seeräuber von heute. Sie wagen sich nicht mehr in die Hoheitsgebiete fremder Staaten, wo das kleinste Kreuzerchen oder Torpedoboot, ja selbst die handfeste Mannschaft eines Passagierdampfers ihrem Unwesen ein rasches Ende 'bereiten würde. Sie beschränken sich aus den Bosporus und das Goldene Horn, jenen mitten durch Konftäutinopel ziehenden schmalen Meeresarm, der Staturtil von Galata und Pera trennt und über den zwei Brücken den Verkehr vermitteln. Hier treten sie auf, mitten im Herzen der Großstadt, und verspotten mit ihren Verbrechen die Langsamkeit des Staatsarmes, der sie nie erreicht, obwohl man die Leu^ kennt. So Wiener Morgerizelturrg. 8. November 1924 Seite 8 Me Hakenkreuzleret. ZngmSerzirhimg in Lentschland. Berlin, 6. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng".) An der Obervea-lschule i>n Neukölln (früher N.ixdo-rf) 'war a,m 1. Mai d. I. ein neuer Mathemutiklehrer, Dr. Greiling, angestellt worden. Grelling ist Julde und hatte von Anfang am aiiiit den größten Schlvierigkeitien zu kämpfen. Die Schüler der obersten Klasse, in der er unterrichtete, waren gegen ihn aufgehetzt and die Mehrzahl erklärte: „Wir deutschem Jungen lassen uns micht vom eimem Juden unterrichten." Nach der Da>ril><Mng des Falles in der Bezivlsverfaim'm- Dumg vom Neukölln durch einen s-ozia-l>de mokratischen Mgeordneten sollen der Direktor der Schule, Doktor Marsch-all, und einige Lehrer die Hetze gegen den neuen Mv-thsmakNehrsr unterstützt ha-ben. Schließlich kam es zu einam Schul streik. Die Schüler erklärten, so ka>n«ge strdiken zu wollen, bis Dr. Grelling von der Schube entfernt fei. Der Direktor Dr. Marschall hat sich diesem Streik gegenüber vollkommen passiv verhalten. Schließlich sah sich Dr. Grelling genötigt, Mist um seine Versetzung Mzusinchen. .Fünf Schüler der obersten Klasse hatten sich an der Hetze gegen Grelling nicht beteiligt und auch am Schulstre>'ck nichtteilgencimitnien. Sie wurden vom ersten Tag an boykottiert. Bei einem Schülevausstug, der im Oktober unternommen wurde, wurden nun diefe fünf vom Lehrer abgedrängt, einer wurde beiseite ge>no!ntnen, geschlagen, mit Füßen getreten und einen Abhang hin ab ge stoßen. Der SchMer mußte sich in ärztliche Böhandliutig begeben. Das arr-lGche Attest sprach von schlveren MißhaMungen. Dex Schüler war längere Zeit bettlägerig. . Das Provirnzialschulkolleginan, dem diese umchörten Vorfälle endlich durch den Direktor berichtet wurden, hat mit großer Schärfe eingegvifsen. Fünf Schüler der obersten Klassen wurden von der Schule verwiesen^ Elf Schülern wurde die Androhung der Verweisung Anteil. Im Lause der nächsten Woche ist das endgültige Urteil zu erwarten. Wahrscheinlich wird auch gegen den Direktor Dr. M a r s ch a l l im Drsziplinarwege vorgegangen werden. Der Jassyer UrnveefitLtssenat gegen Cuza. Jassy, 5. November. (I. T. A.) Der äkadsmische Senat der Jassyer Universität nahm in eiirer Sondersitzung Stellung zu der Ermordung des Polizeipräfekten Manciu durch den Antisamiiten Eodreanu. Anwesend 'waren 33 Professoren. Nach einem Referat des Prof. S l a t i n e a n u sprach Professor Cu za, der die Tat des Codreanu als einen Mt berechtigter Notwehr qualifizierte. Die Ausführungen Cuzas erregten starken Widerspruch. Professor Berbnlescu wies die moralische Schuld Professors Cuza an dein Verbrechen nach und sagte: „Henne Prosessor, als Mörder können Sie nicht länger in der Universität bleiben!" Pros. Maiei Cantacuzino sagte, Prof. Euza trage einen großen TcÄ der Schuld a«m Morde. Mtatei CaukaeniKno' .schloß: „Herr Pvdsessor, Sie sind der moraliifche Autor des Mordes! Ich erwarte, daß Sie das einsehen und das tun, was jedermann in Ihrer Situation schließlich tun -müßte!" Hieraus wurde eine Resolution angenommen, die -unter anderem besagt: „Der akademlsche Senat der Jassyer Universität, versammelt, um Stellung zu nehmen zum Attentat aus den Poli-ze-i.PräsÄten Manciu, stellt mit großem Schmerze fest, daß dieses Verbrechen das Gewissen des Lehrkörpers di-es-e'r hohlen Jnistttntion für Kultur und Erziehung tief erschüttert hat. Dieses Verbrechen ist das Resultat einer bestimmten Schule, die vom Pros. Cu za gebeitet wird, eiiiuet Schule, die unter dem Mantel der R e l i g i o n u. n d d e s N a t i o tt alis.nt u s als aus den Au'sslärttugen des Pros. Cu za hervorgeht, daß er seine Mitschuld a m Verbrechen nicht oinbekennen will und eine Aendevung seiner Haltung nicht zu erwarten ist." Dieses Coinmuniqne wurde von. 30 Professoren unterschrieben; drei verweigerten die Unterschrift. Sodann wurde die Sitzung geschlossen. Ein erwachendes Grabdenkmal in Budapest. Ans Budapest wird ums geschrieben: Der Verein der Erwachenden begeht am Sonntag den 9. d. die fünfte JHresfeier seiner Begründung und beabsichtigt, an diesem Tage dom Gefreiten Matthias T r e >m ui e l, der bei einer' Schlägerei von -deine Geslügelhänd'er Löbl e rst o ch e n wurde, ein Grabnval zu errichtete. Dieses Gmbmal lstellt Jesus dar, der die »Hand schützend über einen verwulndiet aus dom Boden liegenden Soldaten auestreckt. Aus einem bosotrd'eren Relief ist die Gestalt Lötls modelliert, wie er, ein Schlächter Messer tu der Hand, sich an den Qualen des verletzten Matthias Tremmel weidet. Das Ausstellon von Gra'bdetckntätern ist an die Bewilligung einer besonderen Kortrntissiotl der Friedhossderwaltimg goknüvst. Eine Entscheidung i-st n-och triebt erfolgt. Der Erzberger-Mörder kömmt nach Rumänien. Budapest, 7. Nove'mber. (Tel.-Ko-nch.) Der Mörder Evzbergers, Heinrich Schulz, wird morgon aus dom Bu'daPsster Schubhaus an die rumänische Grenze überstellt worden, nachdem die türkische Regierung die Einreise des Mörders verwoigert hat. Rumänien hat sich bereit erklärt, Heinrich Schulz aus sein Gebiet zu lasten. Zwengauer entkommen. (Eigendieinst der „Wiener Morgenzoitung''.- München, 7. Novomber. Der 25jährige Stitdem August Zwengauer, den im August vorigetv Jahres vom Münchner Volksgericht wegen Ermordung des Studenten Baur zum Tode verurteilt und in der Folge zu lebenslänglichem Zuchthause öegnadig»t Wurde, ist aus dem Krankenhaus Straubing ents wichen. Zwengauer ttnd Baur waren Mitglieder des vom Bund Oberland abgesplittertetr B l ü ch e r - B u n >d e s, der am 3. Februar 1923 mit französischen Best e ch u n g s g e >l d e r n seine Fahne einweihte uurd dem Kampsbund Hitlers beigegliedert war. Aus seinen MitgMedevkreisen erwuchsen der Hochverrat des Professors Fuchs und des früheren Chefredakteurs de's „Völkischst Beobachters", Machhaus, der Atteutatsplan gegen 'die Frankfurter Synagoe, die Tschekagründung des PaHoloKschen Judenfvesters Dr. Arnold Rüge und Baurs Mordplan gegen Scheidemann. Ba-nr war von Rüge zum Leiter der Tscheka ausersehon, die programmgentäß die Ermordttng politischer Gegner, daru-nter des Reichstagsabgeordnetan Dr. H e i ni> betreiben sollte, imude äber mach Aufdeckung de's Mordpllawes 'gegen Scheidemann durch den sozialdetnokr-alischeu Journalisten Franz v. Puttkammer jprwen Mitverschworetien als Verräter verdächtigt. Er wurde daher an die Isar gelockt, e r s ch o s s e « u nd in den F lu tz g e w o r s e n. Zwengauer 'wurde des Mordes überfühtt und verurteilt. Füv wen arbeitet der Kn-Ktnx-Klnn? Hamburg, 7. November. (Del. der „Wiener Morgett» zeitungsd) lieber detr Ku-K'ur-Kla-n. die amerikanische NachbMdung der Häkenkrme,ler, berichtet die „Wartezint-mer-Zeitung". 'daß er nach Mitteilu-'.'getr des Bundes „Rettet Amerika" von a nt eri k a n i s ch e tt M ädchendte Jivgend auf falsche Wege su-hrt. Tw Frucht dieser Schule sind Göwalt mrd Verbrechett-. Der akctdsmische Senat ___ ,-^. - ist umso schwerer getroffen vom Schmerze über diese Tat, geht dann nach Deutschland Händlern finanziert wird. Ein Teil dieser Dolla em kleiner Ferienaufenchalt von einem Dutzend Londoner Polizisten hier, und Konstantinopel wäre dieses schandbaren Zustandes los und ledig! Da fährt am Bosporus ein rot angestrichenes Segelboot, plump gobaut und vielleicht Jahrhunderte alt, rasch, mit Motor versehen, an tms vorüber. Zwei Leute sind sichtbar. Schmutzig und verwahrlost Boot und Mettschett. „Das ist em Tcckka," sagt uns ein Kenner und zwinkert init den Augetl. „Ein Takka?" fragen wir. Und wir erfahren, daß diese Leute allerlei Lth-epp.-ienste und kleinere Transporte besorgett, daß aber einige unter ihnen diesen redlichen Erwerb dadurch vermehren, daß sie gelegentlich, das heißt, wenn ihnen Beute in die Hände lättst, als Seeräuber anftreten. Vor einiger. Zeit erfuhren etliche von ihnen, daß in einetn Vorort eine gut möblierte Villa am User schlecht oder gar nicht bewacht sei. Das lockte zu heldischer Tat. Die Takla fährt in der Nacht an das Ufer. Ein Paar Banditen steigen ans, erstürmen die Villa, nehmen, was ihnen wert | WerbetAbüuneuteufjirdle f! „Wiener Morgenzeikung" I erscheint, mit, kommen noch eimnal, holen den Rest, verstauen alles schön und sorgfältig in das Boot und satlsen ab ... so "rasch der alte, wackelige und stets mit der Explosion drohett-de Adotor es erlaubt. Die ganze türkische Kriegsflotte liegt in der Gegend uni weiß nicht, wozu sie auf der Welt ist. Bor einigen Tagen haben die Seerättber ihr Hanpistnä geliefert. Am hellen Tage, wo Hutt-dcrte von Sehisstn und Booten das Goldene Horn beschrett, haben sie m türkisches Segelschiff in diesem Goldenen Horn überfallen, den Besitzer ein weni-g gewürgt utvd, als er sich zu wehren versuchte, mit einem breiten Messer ins G.isicht gestochert. Dann häbett sie ihm sein Geld genommen, sind wieder attf ihr Boot gestiegen un> laut singetid davottgefahren. Fast jede Woche hört man von ihren Taten. Ihre Berühmtheit und Frechheit trägt ihnett eine Art von Sympathie ein. Man srägt sich vergeblich, wozu die >:hlreichen Polizeiboote da sind. Aber matt srägt in der Türke' ohnehin vergeblich. . Im allgemeinen ist die Polizei Konstantinopels nicht ungeschickt, aber erreicht keineswegs die Sicherheit der Weltst-'dte bei Nacht. Das mag an der Fülle des Gesindeils liegen, das Konstantinopel bevölkert, ttnd an der grenzenlosen Verrohttng des Volkes durch den Krieg, der ja für die Türkei fast acht Jahre währte. Ten Seeräubern gegenüber aber ist die Polder gänzlich machtlos. („Bascleir Nar. Zig.")