Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2053 (5.11.1924)
- Date
- 1924-11-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1P o i b n: 20 gro82y t Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr.1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1; Bez., Wollzeile 11 Mit Postveraand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00' Ts eherh o-Slowakei. Mon. K20. Jugoslawien; Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. 37s Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a nk r., Belgien: Mon. Fres. 15 VW* Nt shxahltiflf «b dWW bei Preii«rhöhuBjr«B verbtbaHra Nr. 2953 Wiener Ifa-Pa la st-Kin o ILTaiorstrasse US 1 Preis K 1400 I England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. ,15'Lire, RumanienMoni 150Lei, ' Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweix und djas übrige Ausland monatlich Free, 4. Redaktion U. Administration Wien, H., Taborstf.l—8 Telephone: 44*0«38,4S-M9, AliöUhr abds.21-102,25-282 IX. Ümyersitatsstr^e 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichische* Postapar« Icasseo* Konto, Nr. 150*698 fflten, Mittwoch, 8. November 1924 6.3oHr»o«g . - —.—. ... .. ■ -:-—— —hm» Auswanderer. Saldw!» öbervimmt die Kabmettsblldung. L oitb o n, 4. Äöpember. Nach hem heute nachmittags ab gehaltenen Ka-rnettsrat begab sich Mge Donald Wn » Ahr nachmittags nach dem Buckingham-Palast, uw dem Aömg Vas N ü ck t r i t t s g e s u ch des Kabinetts zu überreichen, das dieser a n n a h m. B a ld w i n hat die N eub ild tt n g des Kabinetts übernommen. Der letzte Kabinettsrat Mae Donalds. (EigeiMcinst. der ,MZiener.Morge«gsituiNH".).' , ' London, 4. Oktober. Um 3 Uhr nachmittags trat das Kabinett zu seiner letzten Wtzung zusammen, die eindrriviertel Stunden dauerte. Meich darauf begab sich Mac Donald zum Königs um ihm die Demission des Kabinetts zu überreichen. Die Audienz dauerte fast eine Stunde. Mae Donaü> kehrte dann ins F o r e i g n O f f i c e z ü r L ck, um dort die letzten Anordnungen zu treffen. - V . ■ Baldwist in London. Während Mae Donalds Kabinett seine letzte Sitzung abhielt, ist B a l d w i n in London eingetrofsen. Er wurde am Bahnhof erkannt und lebhaft begrüßt. Um 7 Uhr abends wurde P a l d w i n vom König e.m p fangen und. mit der Kabinettsbildung beaustrooi. ' ' -''' ' ^igeirdienst der „WiürerMorgenzeitung^) L rndon,' Ä-er Freitag drtv-4xtct •mit! die-'DkstMllWbL' de^.zuNl^ftigen Rcierung B a l d w r n s. Es verlautet, Mß MlK KöMwl>miinister>'iu>m, in weiches die Han^diatsgebiete refsoWreN,'' durch' Lord, B i r k e nhea d ^besetzt werden wird. Die ni''>mstevie'le 'Kvm.m'iffl.on.H 'Uiriersiuchu-rg 'der Bviefafsäre' soll'das Schreiben Sinowjews als 'Fälschung erLcmn? lhalben. Dom Auswärtigen Amt lag kein Origiml, sondern rmr «rne.Kvptze vor. . ' , Jas Programm der KoWrvatlven. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 3. November. Der frühere konservative Minister Johnson Hicks hielt hier eine bedeutungsvolle Rede, die Rückschlüsse auf das Programm der nächsten Reg ierung zuläßt. Der. Redner erklärte, es •müsse eine Regierung vorhanden sein,. die. auch, den Willen habe, zu regieren. J.n.d ien sei große Freiheit tzeävährt worden, aber die letzte Entscheidung, müsse «bei der. britischen Regierung sein. Wenn die Regierung auch nicht den Wunsch 'hege, etwas zurückzunchmen, so müsse sie doch-,darauf be- . stehen,.daß keine Aufstände oder iVeäva'lttate» irgend einer Art statff-iuden, die zum Ziele Haben, die briti-' sche Herrschaft in Indien zu stürzen, \. .'"; . : ' Hicks sprach die Hoffnung aüs, -°HH.alle .u n e r-'!w'üns ch t e n fr e mde n Elemente, tzie düs,Land.be- ,treten haben, v e r t r i e b e n und daß' Fremde, die/ das Land zn betreten wünschen, ei ne.r'eingeHenden D. r üfm,n^u.ntevw'0vfeitz.MKech '.;4 7. ‘ Die Regierung sehn,^sondern müsse die Politik der s o! z i a l e n R e s o rM eir sovffetzen. Die 'Wohnungsfrage. müsse energisch in- Angriff, genommen werden. Äegen die Arbeitslösigteit sei da's.einzige M.ittel die Festigung des britischen Handels. 'Redner kündiigte. stpenge Shärsamkcit in den öffentlichen'Verwaltungen, und , eiste möglichst', baldige H e r'a b s e tz u n g der S.'t e u e r n an.' VehMkkchWÄ glößs WahlhcteMgung. — VlMge Asammenstöße und WNSrmhMAUstMd. — Wer HM HrMent? 99 m' Mt»,- »1' (Eig.'ttdK'>uist der „Wiener Morgenzvitun-g^.)! N e w -?) o r k. 4> Oktober. Heute hat in den Vereinigten Staaten die Wahl des neuen Präsidenten stattge- fündech zu der wie selten zuvor von allen Seiten irxoste Vorberettunaen getroffen wurden. Viele Staaten der Union haben, kein Msttel gescheut, um di§ Wähler aus ihrer Interesselosigkeit aufznrüttelu und an ihre Wahlpflicht zu erinnern. . So ivurden im Staate Wisconsin während des ganzen hent'gen Tages alle halben Stunden die K i r ch c n gl o ck e n g e l L u t e t. Ueberall haben die Pa"t"^en einen riesigen A n t o m o b i l d i e n st^ eingerichtet, um die Wähler in die Wahllokale zu fii f? ren, so daß selbst in den an Automobilen so überreichrn Vereinigten Staaten noch nie ein' derartiger beängstige »de•: Automobilverkehr zu beobachten war. Der Erfolg blieb auch nicht aus: '•'**8 Millionen Amerikaner sind heute znr Urne gegangen, *ine überraschend große Wahlbeteiligung, die auch kein Optimist erwartet hätte. Tie in allen Städten getryffeyen umfassende«, Sicherhejtsvorkehrungen haben sich an vielen Orten als vergeblich erwiesen. In Chikagö kam es zu blutigen Znfammenstösten zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien, bei dencn, soweit bisher bekannt wurde, ein Todesopfer zu beklagen ist. Einige W ah l l o.'k a l e w u r d est gestürmt, die Wahlurnen entführt und die Waylzettel verbrannt . Zahlreiche Zusamme«stötze werden insbe. spndere aus N e u m e x i k o gemeldet, wo über die Stadt Las Vegas der Ansnahmszustand verhängt werden mutzte. Die ersten Wahlresultate, sind ans A s h f o r d und S o m m e r s e t im Staate M a s s a chst s e t s eingelangt. Es wurden 3 2 W a h l m 3 tt » e r gewählt, von welchen sich 2 8 für Coolidge und 4 für Davis erklärten. Die Präfidentenlvahl erfolgt in Amerika bekanntlich in der Weise,- daß jeder Staat so viele W a h lmänner wählt, als er Vertreter in beiden Häusern des Kongresses hah das heißt, daß insgesamt 531 Wahlmanner zu wählen sind. Am'zw eiten Montag im Jänner kommen die Wahlmänner.E zusammen, um den Präsidenten nud den Vizepräsidenten mit einfacher Mehrheit zu wählen. Bei dieser Wahl geben alle Vertreter desselben Staates ihre Stimme für denselben Kandidaten ab. Erlangt kein. Kandidat die absolute Mehrheit, so hat das Repräsentantenhaus den Präsidenten, der Senat den Vizepräsidenten zu wählen. Mischer gusmdkongretz. - . -(Eigendionlst der -,Meuor Mo-vgeiHeHümig".) Livorno- 4. N-ovsmLer. Am 2. NdvMitber, dew IahreS-. .tag. ld>er. Bwlsour-DeUawtiivv,, trat hier, der -Kongreß. ,ixe’t j ü 'd rschen I n g e n du n d ' 'K n i t u rder ei ne J.ta >l i e ns tzusammen. Der Tagung ,'ivare.n zaMreiche Begrüßungen zugekvnMen. Ein Tolegramm' des. Präsidenten. W e i z m a n n vurde mit stürml>sche'M^J'.'M ausgenyimmen. —j. Wien, 5. November. Ununterbrochen finden Konifevm'Ken Mt-t:- -Ueber die deutschen Repawtiorren, über:. >WrßistMg,<--^Äb«-^ Schiedsgericht, Mer das Petvoleunr von Mossul — über tausend Dinge, an denen die .Mächt!igdn iNteresfievt scheinen und hie noch -MaW-geren interessiert stnd. Es' handelt si'ch. ja um Geld.und. Gekdeswert; dire Me>n>sihe>N' .st«d , ihre Avbeit spielen, wenn überhänpt, nur stchr fehr untergeordnete Rolle. Me find Matewak für HchtistÄ, mehr nicht, und ihr' Schicksal scheint kestrer'- ÄkDerurvg Und keimr der unter so'pomphaften. Titeln austretenden Körpevschasten wert , und würdig/ doch wenWenA -so^zu tun, als ob man auch daran dächte.'Da gibtres M dem Kriegsende eiine ganz ■ neue Kategorie des grauey Elechs.. Da -wandern Menschen in Are Hunderte' uich. tausende von Land zu Land, von Hastn.zu' Hafen, wchvch'e:.OPfer profiHungriger Äuswanderungsagenten, ZWrst - m irgend omer Tabelle eines fleißigen StcraitAvissenschcvftlers, Objekte, mit denen irgend^ em^ nachHeiMicher Philosoph sich besänftigt, wenn die sonstigen Zeitereignisse nickst sein Interesse restlos fesseln-.^ Nienvanh.^kem Kabinett großer oder kleiner Minister, kümmert fich -um diese armseligen Menschen, die, abgestumpft vom Leich und von der Teilnahmslostgkelt, nicht mehr' wissen. daß man auch anderswo, lebest kann, als in verlausten. Viehtransportwagen oder in.Hüfe>ws!pMMM,/.dstß Md Geld' bester verwerten .kann, M-"es.- m .-MMchey^dßer. stnd .ihre OMül'sationen zu verlieren, M-e/ .hMw.tzerf gessen, daß es eine andere Welt gibt, der sch einstmals öngehört. hatten.. Sie kommen, aus deyr. Elendsustd gehen ms Elend, führen durch -die Welt urch'' sterben''ir°FeMvo - - in der Freude^ zwischen den Grenzen, ^ie chyzige . Körperschaft,' die^hnen austnerksE Beachttrng schenkt, fft die Po-M, die-berufene Hüterin'der PaWenzen und der schönen Ordnung die'chs Friedens. Sie, wacht därüber, daß'diese Wanderer die vörgeschriebene Route einhÄten und sich keinen Tag länger dort aufhalten^ wa .es die' Gastlichkeit gestattet, und daß sie ja um Gottes Mllen niemandem Unlberufenen mit ihrer EMtenz lästig fällen. Sie registriert und protokolliert und telegraphiert. Aber ditz Menschen, diese Ziffern in der Statistik, verkommen inzwischen in Dreck und Rot,, verflucht von allen Frestnden' geruhsamen Lebens. Ms eines Tages irgendwo der Zusammenstoß zwischen diesen toten Seelen und der GeselLschast dir ist. Eine kleine unscheinbare Meldung der Pariser aurtlichen Agentur erzählt zwischen einer Nachricht Mer den spa-' nischen Diktator und einer Revolution in Hondums das 'folgende: „235 Russen, die in Gherboitrg m den Hallen der Auswandernngsgesellfchaft untergebracht waren und die Ansrevse nach AmeriEa antreten wollten,, denen aber seitens der Vereinigten Staaten die Genehmigung der Einwanderung versagt wurde, begannen, da die Gesellschaft sie nicht mehr behÄbevM wollte, den. Hungerstreik,' nachdem die Gesellschaft sich geweigert hätte, das Reise'geiöd zuvückzuzahlen. Die Auswanderer warten schon seit einem Jahre auf das Visum. Die Polizei-hat in die'A'ngeliegeNheit emgegvvsfen." Man hat^ alliso diese zweihundertsünfundbreißig Menschen -KviMn- Rußland und Amerika seit einem Jahre, das. aus zwölf Monaten besteht, hin und her geschoben, ihnen das Geld abgenommen,. die Pässe verweigert. Wären es Ochsen oder Menagerietiere, geüveseu, danir läge die Säche'anders.' Solcher menschlicher Reilsegesellschaften gibt es in Havre, in Hamburg, in Brindisi, in .Konstantinopel, in allen größeren Häfen der Welt,-die sie als unnütze Fracht^ mit ihrem armseligen!Leben erfüllen.^ Sie treten in. den Hungevstroik, wollen demnach durch einen Mt d-er passiven Auflehnung Ausmerksanlkeit ergingen. Es wird einige Erregung geben, mehr geheuchelte als empfundene. , Der Srwjetvertreter art Paris wird einen Brief an den Mmifter des Aeußern schreiben, der wird einen Bericht der Hafenpolizsi einfordern und eine Kopie dein russischen Diplomaten schicken. Der wird dann den Moskauer Herren bsxickM, und die werden entweder Protestieren oder auch nicht, je nachdem siedie in Cherbourg huwgerstreikende Gesellschaft als Proletarier oder als Bourgeois auffassen. Das Friedhossamt wird anfra genin welcher Ecke'diese inzwischen verstorbenen Russen zu vevschavven ' wären. in Stoffen, Futter, Leinen und Wirkwaren, ganz besonders billig bei TL Linke Wienzelle 40, im Hof«