Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2051 (3.11.1924)
- Date
- 1924-11-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Ser Wer. Bvn Dr. Viktor Grüstwald (Tel-Awiw)'. Neben den Zöllen ist der Zehnt« (Oscher) die wichtigste Einnahmsquelle der palästinensischen Regierung. Im Finanzjahre 1819-26 brachte er 262.006 ägypt. Psund, 1921-22 4S1.551 ägypt. Pfund und 1923-23 862.907 ägypt. Pfund. Der Ursprung deS Zehnte» isturalt — daS arabische Wort Oscher entspricht dem hebräischen Maasser. Er geht sicherlich Ws altsemttische Gebräuche zurück, ist in der Bibel vorgeschrieben, ebenso im Koran. Ms die Araber daS byzantinische Reich eroberte», wurde» dem Zehnten nur jene Ländereien unterworfen,. die den Mohammedanern zugeteilt worden waren, während die „Paya" höhere Steuern zahlen mußten, die teilweise bis 86 Prozent vom Ertrage stiegen. Mit der Zeit jedoch glichen sich die Gegensätze aus und der Zchntt wurde von allen Ländereien eingehoben. Allerdings waren eS nicht 10 Prozent, sondern bedeutend mehr. Im Beäaufe der Reformen, zu denen sich das türkische Reich i» der Mitte d«S vorigen Jahrhunderts entschloß, wurde der Zehnte auf 16 Prozent herabgesetzt, jedoch erzwangen die finanziellen Mite infolge der viele» Kriege bald abermals eine Erhöhung und zwar auf ein Achtel, genauer 12,63 Prozent vom Ernteertrag. Dies ist die Höhe des Oscher in Palästina bis zum heutigen Tage. Diese Steuer wurde seit jeher heftig kritisiert, dochrichtete sich die Kritik meist gegen die Art der E i n h e b u n g. Die türfische Regierung verpachtete nämlich die Steuer jLhrlqch auf Grund einer öffentliche» Versteigerung und dieses System führte natürlich zu großen Mißständen. Ursprünglich besaßen die Paschas das Monopol der Steuerpacht und auch als sie dies verloren, besserte sich nicht viel. Die Pächter verabredeten sich vor Yen Lizitationen, um die gegenseitige Konkurrenz auszuschließen und so kam eS, daß die Regierung/ »ur relativ wenig erhielt. Verrechnete sich aber einmal ei» Pächter und bezahlte zu viel, so trieb er das, was tzr bezahlt hatte, rücksichtslos ein und der Bauer mutzte w«i? mehr zahlen als ein Achtck seines Ertrages. Auch schonte» die Pächter, die selbst Grundbesitzer waren, hie, reichen Grundbesitzer und hielten sich an die armen Bauern. Die ottomanische Regierung versuchte öfters mit diesem System auszuräumen, Hessen Mängel ihr klar waren, es gelang ihr aber nicht, da sie nicht üb er. das nötige Beamtenmateriail verfügte und die Kosten der Einhebung sich viel zu hoch, gestellt hätten. Nach verschrienen mißglückten Versuchen! kam sie immer wieder auf das BmPqchtungsMem zuÄck und so blieb die Lage mit all den. geschilderten Mißständen auch m Palästina bis zur Eroberung des Landes durch die Engländer. Die britische Regierung ging wie cmch sonst auch auf diesem Gebiete von dem Grundsatz aus, nur allmählich Aenderungen einzuführen und zunächst die gröbsten Nebel zu beseitige». Es wurde also das System der Steuerpacht aufgehoben, ir» übrigen aber HO türkische Gesetz beib eh alten. Dieses Gesetz, das auS dem Fahre 1889 flammt, unterwirft alle Bodenprodukte dem Zehnte» mit Ausnahme gewisser Gemüsesorten, ferner den Ertrag von eir> gezäunte» Grundstücken i» Städten und Dörfern, soweit fie nicht größer sind als ein Dunam. Durch spätere Verordnungen wurden amerikanische Weinstöcke für zchn Jahre nach der Pflanzung vom Oscher befreit, ebenso Baumwolle, für zwei Jahre m® de? Pflanzung. ES war nicht leicht, eiM befriedigende Art der Steuererhebung und Eintreibung zu finden Md wir haben im! Verlauf von drei Fahren in Palästina schon die dritte Verordnung über dasselbe Thema, ein Beweis, daß etwas nicht stimmt. Cs findet zwetMlk m Jahre eine Abschätzung der Ernteerträgnisse stattim April, Mai und §tyrit für Wintergetreide, im Juli, August sstr Sommergetreide. Außerdem gibt eS zu Beginn des Winters Abschätzungen von Orangen, Oliven, Kohl usw. Die Abschätzung wird po» Kommissionen vorgenommen, die guS einem von der Aegiermtzg besoldeten Mitglied und ans einem unbesoldeten Vertreter des Dorfes, ferner einem Sekvetär Heftchen, der Ebenfalls Honorar bezieht. Jede solche Wsnmsssion ist für ei» gennsses Areal bestellt. Ferner sinh pyn der Regierung Schätzungsinspektoren, eingesetzt, die hie Ergebnisse überprüfe» könne». Sie sind, zugleich hie ziperte Instanz Wer der Kommission im Falle von Beschwerden. Wenn die Ernte zur Abschätzung bereit ist, muß der Mucht<xr (der Regierungsbeamte im Dorsch, hem Distriktsgouverneur hievon Mitteilung machen, Wenn nun hinnen?HTayen vom Datum dieser Mitteilung die Schätzungskommission nicht eintrifft, so kann der Much tan mit dem Dorfälteste» die Schätzung selbst vornehW» unh nachher kW-» her Hxusch beginnen. Das Resultat der Abschätzung muß dem Gouver- »Wr bekanntge geben wechen und er kann. binnen zehn %Qaen hiß abgeschätzte Ernte inspizieren lasse», Getreide wirh aWs.dffr Tenne (Goxe») nach hem SchM abgeschätzt, ffrüchtz urch Gemüse bevor sie gepflückt, respektipe ejrigesammelt sirch. Auch bei letzteren kan» die Abschätzung von dm Dörflern yorgenommen. werden, wenn die Kommission während lsWMr Zeit nicht ristrifft. W scheint. M, daß hje Interessen dev Bauer» genügend sichergestellt sind, in Wirklichkeit jst ßß jedoch anders. Wenn, die Ernte zu hoch geschätzt wurde, was ziemlich Wiener Morfierizeitimk. häufig vyrkommt, können sich zwar die Bauern beschweren und sogar eine Nenabsthätzung verlangen, aber, wie das Gesetz sagt, auf eigene Koste». Diese Kosten sind aber, wie die Praxis lehrt, derartig unsinnig hoch, daß sich, abgesehen von dem Zeitverlust usw., eine Neuabschätzung nicht lohnen kann. Die Bauern müssen also die Ergebnisse der Schätzung hinnehmen wie sie sind. Seit der britischen Okkupation wird übrigens die Abschätzung in Kilogramm vorgenommen. In der türkischen Zeit hatten die Bauern daS Recht, HM Zehnten in natura abzuliefsrn oder in Geld »bzulüfen. In den letzten Jahren vor dem Kriege wurde übrigens die Ablösung in Geld von der Regierung gefordert. Heute ist eine Ablieferjustg in nytura nicht mehr gestattet. Eigene Kommissionen setze» die Ablösutngspreise für jeden Distrikt fest, und zwar in Anlehnung an den Marktpreis, jehoch in der Praxis etwas niedriger als dieser. Diese Uhlösumgspreise werden in jedem Dorf veröffentlicht »ind hinnm zehn Tage» von der Veröffentlichumg können beim Distriktsgouverneur, der darüber endgültig entscheidet, Beschwerden gegen die Preise eingebracht werden. Der Stewsrbeträg wird beim Difiriktsgouvernorat für jeden Bauer errechnet, aber nicht direkt eingetrieben, sonder» dem Muchtar zur Eintreibpng überlassen, der dafür zwei Prozent vom Erlöse erhält. Größere Beträge brauchen nicht auf einmal gezahlt zu. werde», sondern in drei gleichen Monatsraten. Die Klagen, die Wer den Zehnten erhoben werden, sind zahlreich. Die Steuer an und für sich ist zu hoch, die Abschätzungen erhöhen sie noch ungerechtfertigter Weiftder Bauer weiß niemals im vorhinein, wieviel, er wird zahlen müssen und kann nicht budgetieren, die Zahlungspflicht trifft ihn zur ungünstigsten Zeit und um zahlen >zn können, muß er den Bodenertrag verkaufen, wenn die Kreise niedrig sind. Auch für die Regierung ergeben sich Schwierigkeiten dadurch, daß der Ertrag deS Zehnten unbestimmt ist und von hem Ernteergebnis abhängt, sodaß ihr Hauptposten im Budget völlig ungewiß ist. Dennoch scheint di« Regierung keine Lust zu haben, das Stenersystemzn ändern; sie behauptet, die Steuer sei gerecht, nur das Sy» stem der Einhebung weise noch gewisse -Mängel auf, die aber allmählich behoben würden. Ferner sei die Steuer traditionell und die Bevölkerung daran gewöhnt. ES wird auch darauf verwiesen, daß Frankreich in Nordafrika ebenfalls den Oscher beibehalten hätte. Eine Beschwerdedelegqtion jüdischer Bauern wurde vom High Commissioner ziemlich kurz und ungnädig abgewiesen. . - Dennoch > wird .sich der Oscher auf die Dauer nkht halten lassen, vor allem deswegen, weil er nicht zweckmäßig ist. Die Abschätzung und was drum und dran hängt, verursacht enorme Kosten, die zirka zehn Prozent dg? eingehobenen Summen anSmachen. Ferner wird beim! Ofchersystem der faulere oder unfähiger« Banar, der geringere Erträgnisse hat, begünstigt. Wichtiger ist, daß viele Großgrundbesitzer gax nichts zahlen, indem sie ihr Land unbestellt lassen und cuff eine» günstigen Berkaufsmoment warten, Es besteht zwar in Palästina daS Gesetz, daß Land, welches drei Fahre nicht behaut wird, dem Staate anheimfättt, dies ist aber leicht zu umgehen, indem man alle drei Jahre eine Scheinpfl-gung vornehmen läßt. Wenn eine Grün dstener eingcführt würde, die auf alles Land fällt, das sich zur Bebauung eignet, würden die Großgrundbesitzer gezwungen sein, ihr Land zu bestellen pder zu verkaufen, statt wie jetzt zu .warten und die Prekft zu treiben. Ein erster Schritt zu? Ourchbrechu»g h%I Osch ersy st ems geschah bei der Tabaksteuer, inoem von jedem Dunam, das mit Tabak bebaut wird, zwei ägyptische Pfund jährlich zu entrichten find. Die Reformvorschläge gehen entweder dahin, eine Grundsteuer auf Grund der fünfjährigen Durchschnittsertrage einzuführen, oder aber, sollte dies für Palästina zu kompliziert sein, eine Grundsteuer von einem Pfund pro Hektar kultivierten Boden und einem halbe» Pfund pro Hektar unkultivierten aber kultivierbaren Boden einzuführen. DM- Steuer wäre sehr einfach und wllrde mit Rücksicht ans dm in Palästina vorhandene» fultivierbqren Boden weit höhere Ertrage liesern als der Oscher. Ueberh-ies wyre fitz fix und der Bauer und auch die Regierung wüßten, woran sie sind und auch die Zeit der Zahlung könnte so festgesetzt werdenj wie es für den Steuerzahler am leichtesten ist. Natürlich lynche hiese Steuer vpr alley» hie Großgrundbesitzer treffen, die ungeheure Ländereien n»Wa»te» WhßNs haßen, hqgegen wäxgmöglich, M ErWtzxung Mm, bMr» dm erste» Hektar von der Steper gan^fvejzMssen iurch trotzdem wäre das Ertragnis größer als daß chßß NMßM, Ernste Lage der palästinensischen Tabak. ' Industrie. In der Tabakindustrie in Palästina P des dort in diesem Jahre hevvschenden Exp o r tü bers chusse s, für -werchen kom MM tzoHgachM" ernftß sage gescharffm Woche». Die Palästinewsffch'ZionistWe hat pi»e dringontze i.Ko»!feverlß e'mbevnftn- ' die die Auisgcchtz ' Wen wird, Mlttel und Wege für die B«ix'itzert«ng d er'Laibah ernte in den «ächsttn Fahnen M suchen. Ko t>aß Hie HK, wiSluing der Laba'kmduistrie m Paikästinawicht gchommt wird. 8. November 1924 «L Ml Ar Mgahmdtt PalMEMive im : «uplt J924, Ei » g L » g t: EG Muh Keren Hajessod, London . . . . . . - . . . - » Eingänge ä Konto früherer Budgets ...... , 1.588 ^0 82.056 97 ' ■:;1 i An s.tz ab e nr Schulwefm . . . . - . . - Kolonisation. Plus TahMHM . r . . - - - Jnrmigration.. Gesundheitswesen (Habassah) . Landwirtschaftliche Versuchsstation . Arbeitsbevartement . . , ... > . SpeziM An-gchen . . . . . . . Handel ü»d Industrie... . , . - ZnzÜaM Mastinavgvillon au? brstischen RtzichSausstelluntz . . Pfandbriefe und Aktien (Solefboneh) Ur i 'srsiW , 256-48 « * »? 1 - ' * * v r W ' 44184 M'SY 258-07 Technikum' . . . «' » . * * i * *■ *'i * * MiSachiorganisation .. uÄchnßÄÄg?nge über'die SsMaben (wodurch ftühere Defizite reduziert werden) . * 6.000’*« 1.4S454 3.83018 2.528-89 biö'D 1.288-82 350-85 773-24 S.SYl)'- 883-07 35'.- 860- UX 0-27 12,038-51 82.05997 fktläftitta fii* den Palästiilaaufbmi. Die Keren - Hajessod - Kampagne in Erez - Israel. Wie MS Fernsalem bericht'tt wird, hat in Fe -vusaLem ein« Konferenz aller j ü d is ch «,» y r t «, Kolonien n-nd Organisationen stqtttzvsMden, <m der auch Präsident Dx. Weizmavn Wd Dp. BerkhM» Feimel, her Vertreter des Keren - Hajessoid?. Di-vOorm-ms, Teilnahmen. Die Kons^kknz faßte den einstimmigen Beschluß, daß Pitz Ms ihr vertretene Msche MöflernM Palästinas noch ich-hörigen Fahr 80.000 Psumd für Von Keren Hajessod Nchrchrmgen Di« Me Stteichholffabrik. im nahen Osten. D;. Bolßert «ach vtt GckÄver Weirzmann WS Kowno e>rrichNen M Haiifa die erste StteMoUzfaLrir deS nahen Ostens. Für di« WevichWM «ind WSMMDNg der Fabrik st eme WWW von Sjß.OQO Pfund invesiiett. Eine Seideniabrik in Tel-Atyttv. D«r Wiener BmAisr. vnd FndustrieÜe DeMnsß, her sich setzt i>n Pckcvsttna aushalt, WM Ainordmmsen zur Svrichdu-nig «me-x SeidelnsaDrik in Tel-Aw-iw. Er hat zu diesem Zweck 30,000 Pfund investiert. . worden. _ PEsttria htmfät Bpezialävzt^. Gfl wir «mer Anschrrst htzS Herrn Dr. I. Freilich, Apothekers in Tel-MMy, eMnchMÜ, macht sich M Zusanmenhang mit der xmchmenden EiMcmdevMg m Palästina Bedarf an Spezialärzten fiMbar, Mn Tel'Awiw könnten sich, wie Dr. Freilich angibt, Äiinderärzte,'Neurologen, Laryngolvaiein und Dermatologen «me Existenz begründen. Die^nÄttgen Instrumente und neuesten Apparate müßten mitgebracht wesden. KenntM der hebräischen Sprache mch einer der in Palästina am meisten verbreiteten «urypäischen Spkschen (engpisch oder französisch) st erforderlich. Do» Gnsenkm sicht FstMsienttzN mt näheren NuWnsien gern pr PMgWg. .. von 10.000 Psund für die Jerusalemer Unwersttät. Ei» reicher Kwusmcmn aiuH Sorvlh Port, Herr SEohen, hat E ÄÄv?mächt>niS im Bst>v<bKe von 10.000 sitz »im ieimn »Nid seiMr W»u Namen tmgende si W d-ha FmiMainer UWversNät hmisvlossLn. Eine wertvolle Biicherspende aus Amerika für die Nniversttätsbibliothek. Herr Oskar Leomard in S-t. Louis hat dev Mm>sälsm«v RatiopÄbWliochsk «ist« Büchevsammlunig, bestchtzO MS ss-liolpässchtzn Wch stlationa'löironomzschen Werift», yeschtzM. Die Eröffnung des FMMche» Instituts in Jerusalm. Pie EvosfnunH des Fnftibu>bs Wr Mische Wissenschofteli in st G? GsthtHMemhHlx fGMcht worden. Eine palästinensische Knlturkonferenz 'YlO Tel-,Aw^W heMtst F. %. Im Hause deS . DichttrS M P. Pialik A» MMvich fMd Me'Beratung stast, M Utz FMAe herHchnH hsstz.' ^»ltuirniveau 8 "Mttx htz» Fudsn Halästinss W Zusiammenhmg mit hop Hesttzi-tze-vtxU W Oechach neue TM» A W Hach hMgf, M tMm, VZ WOtz heschlosstzn. im pgkMslßrMschs Wßu- Hiden, atitib KN dechMen M PMMr, HMÜWMW Wd m, GeOWn Mn EWn PschW» WHY WkKIr Ä? OMpMiche? hl Z^Msalem. Hie ülW« W, JlWi sch W WM MWMachbe GMmt- »mme Gr die ffkGaWMWjg der iMM-Ms-He« zu .Fern» allem auf svwa 74.W M Amerikanische Zionisten in Palästina. Die MtAieder des »dm^iistvativen KomriW pW Zi>onistischen Or-- anisMon, Richter Bernarv A. Rofendlat t, Herr Loms ", sind -st Jerusalem ilM" " ' ' sie sie G Mch^iMMchtz MeiMve hat eine ' - in Pa- ( ssjgssssamaaaattaaam