Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2045 (27.10.1924)
- Date
- 1924-10-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981128--20924-3008192- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mt ME, Monksg MeML MSMdlkM». 87. MoVer M» Nr. 8045 Tagesbericht. Lei Mann mit den 4L Branten: Das Register des Heiratsschwindlers. Duivch eine HeivatsanNMve, 'welche die Mjvstre ^Muhrges Heim" trug, lernte eine im 1. Bezirck tätige Schmiderm vor einigen Tagen» einen jungen Mann kennender sich Eduard» Mohr nannte. Nach seinen AngLben war er früher Ossizier und betreibe jetzt eine GverÄerei, i>n 'der auch feine Mutter tätig fei. der nächsten Zniftmmenkunft machte der Mann dem Mädchen eine LiebeKerklärung und sagte, er wolle sie heiraten. Gleichzeitig lieh er sich „für einige Stunden" vier AN lli0nen Kramn aus, um Kohle fürdas Geschäft zn kaufm. Am Abend des gleichen Tages kam er pnnlkMch wieder, brachte jedoch kein Geld und vertröstete das Mädchen für den nächsten Tag. Da der Schneiderin jedoch die vollständig neue Kleidung auffieil, in der Mohr diesanrit erschien, stiegen ihr doch Bedenken auf, daß der Mann vielleicht ein Schwindler sei. Um ihn in Sicherheit zu wiegen, erzäWc sie chm. daß sie noch über weitere Ersparnisse Vovsivge »md er solle nur ruhig am nächsten Tage kommen. MS er nun am Samstag zum RondeZvous erschien, ließ sie ihn von einem Wachsbeamten in Inneren Stadt in dm Nachtstunden archalten. Beim Verhör ergab sich sehr bald die Gewißheit, daß der Mann den HetratZ.schwindÄ als Gewerbe ausülbe; denn durch eine bei ihm vo-vgefundone Liste seiner Opfer gelang es, ihm nachzuweisen, daß er sich nicht weniger als achtzehn falsche Namen bsigelegt hatte. Zunächst stellte Po'lizeiobetkonvmnssär Doktor Weiser fest, daß der angebliche Mohr in Wirklichkeit der 1998 zu Budapest gvborrve, nach Men zuständige kaufmännische Angestellte JvrDnis G r ü n w a l d ist, der im 14. Bezirk in der Karl Waltergasse 8 wohnt. Er behauptete bei feiner Einve-rmchrne, daß er seit Zwei Jahren ohne jede Beschäftigung fei untz im Genüsse der Arbet Mosen- MrtLvstützMg stehe. Seine letzte Stelle will er in der Inneren Stadt bei einer größeren Firma als Comptoirist gehabt haben. Er stellte jede betrügerische Absicht in Abrede und behauptete, daß ex von der Schneiderin, seiner Braut, den Betrag von Vier Millionen Kronen sich nur deshalb habe als Darlehen geben lasten, um sie auf die Probe zu stellen, ob si ihm Vertrauen schenke oder nicht. Er mußte aber dann FUgeben, daß er den Betrag tatsächlich dazu verwendet habe, um sich vollständig neu zu Neiden. Bei einer Durchsicht der Effekten des Angehaltenen fand man aber auch eine sehr genaue Liste, ein Formular, in italienischer und in deutscher Sprache, in dem er ein förmliches Tagebuch bezüglich seiner ^Braute* * geführt hat. Darivsiudgenau die Namen der Mädchen, ihre Adressen, der Tag und die Stunde sowie N der Ort der Zusammenkünfte eingetragen. Nach seinem Tagebuch kommen bisher nicht weniger als 42 Bewerberinnnen in Betracht. Unter den ZusammenkunftSorten, welche Grünwald «ach de« Aufzeichnungen im Tagebuch mit feine» Opfer« verabredete, befindet sich unter anderem auch — doS Gewerbegericht. Set Sierlieferant. Vor einer Woche verständigte der gewesene Schlofserweister Rudolf Gkrabl telephonisch die GeftLgeHandlnng Jakob Fürst, Liechtenstomstraße 16, daß er -am Südbchnhof acht Kisten mit Eiern liegen habe, die er dem Geflmgelhüwdler sofort übergeben könne, toenn «r ihm das Geld zur Auslösung der Kiste« übersende. Fürst schickte seinen Angestellten Franz Wald! zum Bahnhof und dies« übergab dem Skrabl Ijb Millionen Kronen. Der Gaun« führte den Angestellten zum Sommerperron der Südbahnhoses, wo er ihn warten hieß, und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Der Schwindel sprach sich in den verschiedenen Geflngelhcmd»- lungen herum, und als am Donnerstag Skrabl wieder einen solchen Betrug bei der Firma Hirschl, Mariahilfersttatze 185, traf die gleiche Weise versuchen und so 8 Millionen Kronen herauslocken wollte, wurde er, da die Firma vor ihm durch Waldl gewarnt war, am Bähnhos festgenommen. Durch die Erhebungen wurde dem Sckrabl auch nachgewissen, daß er am 29. August d. I. dem Josef H-esch aus Hartberg am Aspcmgbahichof ungÄlich für Eier und Butter 1,100.060 K., dem Altton Schmidt aus dem Gurgenland für Eier 880.000 K. und am 28. April d. I. am Südbchnhof der Händlerin Rosalia Tepesch aus Katzelsdorf für Eiersendungen 1 Million Kronen auf die gleiche Werse herausgelockt hatte. GkrM, der bereits wegen Betruges vorbestraft ist, wurde nach Abschluß der Erhebungen dem LandeSgericht eingelkfert. Straßenbahnzusammenstotz in Hietzing. Drei Verletzte. Gestern abends ereignete sich um 9 Uhr 45 Min. in Hietzing ein StraßeMahnzufammenstoß, der großes Aufsehen hervorrief, glücklicherweise aber ohne schwere Folgen verlies. An der Ecke der Reindlgasse und Fenzlgasse fuhr ein Sonderzug de^c Straßenbahn ineinenZugderLinielO hinein, der ziemlich, stark besetzt war. Der ^Zusammenstoß war von bedeutender'Heftigkeit und die Passagiere des Zuges der oK Schuhe! mit eingebautem „Berson“-Gummi-Absatz Linie 10 wurden dnrcheirmndergeschleudert. - Drei Personen erlitten leichte Verletzungen. Es sind dies der 35jährige Straßenbahnpensionist Rudolf K a u d e l a, 14. Bez., Montleartstraße 58, der 04jährige Gesangslehrer Siegmund G r ü n h u t, 16. Bez., Ottakringerstraße 108, welche beide einen leichten Nervenschock erlitten, und die 52jährige Stadtschutzwachmannsgattin Aloisiä Groß, 16. Bez., Hasnerstraße 22, welche eine Verstauchung des linken Sprunggelentes erlitt. Nur Jemonstration der Kleinrentner. Der Verband der Sparer und Kleinrentner veranstaltete gestern nachmittags in der Volkshalle eine Versammlung. Es wunde eine Resolution beschloss««, in der die Valorisierung der gerechten Ansprüch: der Kleinrentner verlangt wird. Nach der Versammlung formierten sich die Kleinrentner zu einem geschlossenen Zug und marschierten über die Ringstraße zum Schwarzenbergplatz, wobei Rufe wie „Wir wollen Gerechtigkeit!" und „Nieder mit den Schiebern" ausgestoßen wurden. Als die Demonstranten zum Finanzministerium ziehen wollten, stellte sich ihnen Polizei entgegen. Es kam hiebei zu stürmischen Szenen und erst nach längerem Bemühen gelang es der Polizei, die Menge zu beschwichtigen und abzudrängen. Der Pottzeibevicht über eine beabsichtigte „Dsmoustvatrcm" von ein paar Dutzend Personen, die vor her Wohnung des FinanzministerS stattftnden sollte, „nhwnrt" folgendes „wcrh?^: Kurz nach 5 Uhr nachmittags fanden sich auf dem Hohen Markt gegen 50 Personen ein, die sich mutmaßlich einer vorausgegangenen Vereinbarung zufolge einzeln in die Stadt begeben hatten, um beider in der Nähe gelegenen Wohnung des Finanzministers zu demonstrieren. Sie wurden jedoch von der Sicherheitswache rechtzeitig wahrgenommon (!) Md Mstreut.. Die BolksopeMse. Der Brief des Bürgermeisters an den VerWalÄSngsrat der Volksoper, der keim Hilfe für das doch sicher der ernsten Kunst dienende Institut in Aussicht stellt, dafür aber gute Ratschlage., gibt, hatdie Sttuatiion der Dolksoper verschärft. Die -Möglichkeit eines Zusammenbruches ist nicht ausgeschlossen; allerdings bemüht sich der BerwaltungSrctt, diesen zu vermeiden. Wie wir erfahren, wird die Dokksoper-Ge-tri^bs-Kl^G. den vom Bürgermeister gewiesenen Wey beschreiten und sich tu dieser Angelegenheit ans Um» terrtchtSmiMsterium wenden. Die BoWoper wird aber vorläufig selbstverständlich fortgeführt. ES bleibt äbzukwarten, wie sich die Regierung zu dem Ansuchen der BoAsoper verhalten wird. SSss Buben Bühne Direktion: Rolf Reinhart-Hans Kaiser N. PraterttraBe 60 Telophon 43.5*69 Motto: Täglich 8 Uhr aktuell« satirische Szenen -Eintrittspreise von 15.000 b 1 s 40.000 K Der Hausarzt. Harnbeschwerden bei Kindern. Redigiert boit Dr. Smtef Beer. Im allgemeinen schenken 3>te Mütter oder die Pftege- Mnen'der Harnentilverung her Dä«u«gÜWge «unib Ki«nder keine besondere Aufmerksamkeit. Sie interessieren sich höchstens dafür, wie ölst der Säugling die Nntevlagcn naß macht, welche sie «dann häufiger wechseln müssen. Und doch kommt es bei Meinen Kindern häufig zu ErkranBun>gen des hairnlbilldenden Apparates, der Blase und der Niere. Besonders ^gefährdet sind die Mädchen, bei ‘b-civen es viel leichter dl$ beim Knalben zu Endzi'mdmigcn der Blase kommt. JNfolye der nahen Nachbarschaft «der lwoiblicheu Harnröhre mit der Mngelbimg des Afters wandern, wie wir heute wissen, gewisse Bazillen leicht int die Blase ein -und erzeugen eine Enttzündung der Blase. ' Ms erstes Symptom des Katarrhs, der also «wicht durch ErWtnng entstanden zu «M>ren ist, stellen sich Beschwerden, ein, Re. sich in SchmeMu bei der HarnentteerunF, häusi>gerem .Harndromg amd DvucksmpfinWchksit der Blnsengogeud äußern. Die bis dahin völlig gesunden Kiwder., ureistevs sind es, wie angedeutet, Mädchen, zeigen eine gewisse Unruhe,'schreien heftig auf und wimmern oft. ilcmge. Hohes Fieber gesellt sich dazu. Gör. der genauesten Untersuchung findet der Awzt meist gar «nichts, obgllsich das Kind alle Jsichen schwerer Erkrau- Lung «MswÄst. Es Müst schlecht oder gar Nicht, 'verweigert die N<chr.Mg, erbricht auch bisweilen. Wenn der Arzt eine Erkrankung der Ohren airsschssiießen kann, was durch eine Untersuchmug der -Ohren 'mit dem Spiegel «nicht veraHäuM werden darf, so kann «man mit. größter Walhrschsinlichkert Re Diagnose ans einen Blasmioltarch stellen. Fwilnch ist der Beweis für die richiige ErkennMg 'deir. Kvancheit bei einem SimKing nicht so Leicht -u erbringen. Es gÄin-gt nämltich vor allem!s«chrr schwer, den Harm auishHangsn^ um ihn einer genauen GäsichtiMvg nnd Untersuchung zu untsrNichsn. ES bedcvüf hiertzu besonderer Anllsrtjung, die der Arzt göwohnilüch angibt. Der Harn erweist sich dann ailS «trüb mrd zeigt bei der mikr-oftopischen Untorisiuchung vörischisderte charakterü!ft!!sche Wien, 27. Oktober. * Tödlicher Absturz. Der IHähriae Moschmvnschlosier Karl W i s a c z aus Wien ist bei einer Bevatoarr am P e \ lst e -i n, wie uns aus Wiener-Neustadt berichtet wird, abgestü-rzt. Er erlitt einen SchädeWruch und war sofort tot. * Die Lebensmüden des Sonntags. Die 69jährige Private Fanny G. hat sich gestern aus unbekannter Ursache mit Leuchtgas vergiftet. — Durch einen Revolverschuh verletzte sich gestern die Gastwirtin Franziska G. wegen häuslrcher Zerwürfnsise schwer. — Auf die gleiche Meise hat sich der Hilfsarbeiter Johann P. aus Trübsinn äetötet. — Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlagten den 63iährigen Privaten Emil B. zu einem Sellütmordversuch mit Leuchtgas. — Die Arztensgattin Gisela K. versuchte, sich mit Verona! zu vergiften. — Der 20jährige Maschinenschlosser Emil F. versuchte nach einem häuslichen Zwist Selbstmord, indem er sich mit einem Rasiermesser Schnittwunden am Handgelenk Mfügte. * Betriebsstörung bei der Straßenbahn. Gestern nach 11 IHr nachts war in ganz Wien der Straßenbahnbetrieb eiui«ge Minuten Laug stillgelestt. Die Erh-sbungen über die Ursachen dieses technischen GMechens s-'uch wo6) nicht ckbgchchlosjen. * Die erste Synagoge in Südweftafrika. Wre uns ms London berichtet wird, sano am 7. Schtenilber die Grundsteinlegung für eine Synagoge in WiMvoek statt. Es ist dies die erste Syn-agoge in Südwestasrika. Die religiöse Zeremonie wurde vom Oberrabbiner Dr. I. L. Land an aus Johannesburg vollzogen. An der Feier, nahmen die höchsten Vertreter der Regieruugs-- und Loikalbchorden teil. » Tanzinsttült Hermann Br»nnr, 14. Bez., Reindorsgasse 42. (Entgeltlich.) Es gilbt aber auch Fälle, bsr denen die schweren Erschsiimmgon, wie Fieber, fehlen, das Kind nun blaß ist und mangelnde Eßlust zeigt, die Harnniteirsnchung, wenn sie dor- Venommen wird, duirch den Beftmd von EiieuKrpcrchsn die MffMom der Haimblatse srben-nen Läßt. Gm foklcher Glasenlvat<mch verläuft meist ««Knstig. Boi Bettruhe, Warirnhallten und Derordnu-wg desin'fiÄgierMder MNÄ für die Blase verischiwinderr die Beschlwerden meist «rai'ch.. BisweiAen aber zieht sich die EnHiebevung in die Länge und läßt ein HinaMoandern des kvcmIhaften Pirozesses gegen das Nierenibeck-eu und die Meve dernmien. Gvne solche Kornplikc'- tion Läßt sich lim H<«mbchrnd ernennen. Neben dies« AGebtiou^ die «us einer bakteriellen, also lwftMöftr Basis entsteht, gilbt «8 einen sehr, «ummgenchmen Zustand, der «ohne krankhafte Veränder.u.ng des Harnes einhevgeht und lgelkannt sein soll. Die kle«'men Kinder schreien nämlich plötzlich fürchteEch aus, als ob sie von heftigen Da«nmlkvampsen befallm würden und stoßen einen He.rnsircihl aus. Es handelt sich hier um einen schmerizhaiften Wasmkrampf. Krampf der BlasM«MrKkwl«a>tulr>, von: dem Mädchen und Knaben -gleich engrUGon lwerdm. Dollche Zufälle sollten besser beobachtet «und gekannt sein, weil! sie leicht zu beheben sind. Eine Abkochen von Bevlappsamen, die «man den Kindem Löffelweise verabreicht, Lindert die Kr«ampfe pr^ompt. Wieso dieser Biiasenkramps Wstande kommt, ist nicht aulfgsklärt und er hat sicheaÄich mit dem vom Bollksinnud VeschuLdigten Zahn!U«ngsvowgcm>ge nichts zu schalsten. Die Zah-- nung wird n«ach den neueren Anlschminngm als ein normal^-, psychologischer Alkt lbctvachtöt, der »im «allgemeinen von keiinenM Beschwerden beglsitett ist. Fieber, Erbrechen, Krämvse sind Kvan/kheftstzelichen. Biell besser gekannt ist das Bettnässen der größeren «Kinder. Auch dieses KvanchMWM) ist nicht gmügond geklärt. Man Iftndot Bertwässen meist «bei sch!wä5)licheu, Aussen, nsrvös brilastetetM Kinder. Sicherlich fpie'loir mich Traumzustände ome große Rolle dalbei. Wenn einmall die .ittüwilttiir- Ache nächtiliche EMosvnng sich Lmmer wiederholt, rst diese unangenehme Gewohnheit schwer zu beseitigen. - Die besten ResMate sryi'M man n«r>ch mit s«lbgge»st!0^r BichandlluwMMihode, die von einem sachkunv>i«gen Alrzt durch- «gSführt worden soll. SeilbstverstäMich wird man der .Krästigung -und Stärknng des Mgeme>iWU»standes «große Ä>isme«vkscrmke^it widmen, bisweilen wird man auch mit einer ett»aS schmerzhaften ellektriischsn Behandttmig Erfolg haben. Es kommt aber auch vor, daß bereits rein gctoKn:«kiic Kinder wieder «die Kleider verillinreiinigen. Man hat -es daun oft entweder mit Ki«ndcrn, mangelhafter geistiger Gntivicklun«g odeir, mit solchen, «die alle Zeichen der Frlühvelift au«stveiisen, 50 tnm. Immer tut eneoMchvs Gingreliftn not, das «die Kinde-. Vevanilassen muß, «m bestimmen Zwiische-lwän'men ihre vichttMM zu bchor«gen. sür KoWme md IM 139 R». 'W*.«fc/7Ö2j5^