Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2043 (25.10.1924)
- Date
- 1924-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Polen 20groszy 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition. II. Taborstr. 1*3, oder in einerVerschleisstelle § Trafik) monatl. K 40.000 trassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Be&, 1 Wollzeilc 11 i Mit Postversand für Wien n, ' Oesterr. monatl, K 40.000 Tschecho-Sl owak ei: Mon. K 20. jngoslawieni Mon. Dinar60. Po len: Mon. 3l/t Zloty, Deutschland: Mon. Gofdmark 4, Frank r., Belgien: Mon. Fres. 15 _ Naehtahlunsren *TB8 Sei Preiserhöh unsren Vorbehalten 91r. 2643 Men. ömnstns, 28. SVob« 1924 I Preis K 14001 Eng land: Mon.4 Schilling, t a 1 i e n: Monatl, 15 llire, um« n i e n .Mon. 150 Lei, •^Bulgarien Mon.80 Lewa, S c h w e i r. and das übrige Ausland monatlich Fres. 4. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr. 1—3 Telephone: 44r0»38,43-3*19, Ab6Uhr abds.21-102,25-282 IX. UnlversitätsstTas8e 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisches Postspar* hassen-Konto Nr. 150.698 6. Mrgang I London, 24. Oktober. Feit-Hu-Slang, der Pekinger Divisionskommandant der nationalen Armee (OberVesehlshaber Kriegsminister Wn. Pei-Fn), ei» christlicher General, hat dem Befehl des gegen die Truppen des mandschurischen Oberbefehlshabers Tschang- Tso-Lin kämpfenden Kriegsministers, seine Truppen in der Richtung auf Ichor einzusetzen, nicht Folge geleistet, sondern hat die Partei Tschang-Tfo-Lins ergriffen und hat mit seinen Truppen das Präsidentschaftsgebaude in Peking besetzt. Der Präsident der chinesischen Republik, Tsao-Kun, ist ans Peking geflohen. Tschang-Tso- Lkn, der bekanntlich hauptsächlich mit japanischer Unterstützung gegen die Zentralregierung in Peking Krieg führt, hat nach den letzten Meldungen den General Fen-Hu-Sianq beauftragt, einen neuen Präsidenten einzu sehen. Das Reutersche Bureau berichtet über die Vorgänge in Peking: Der Staatsstreich hat sich ganz unerwartet und von der Bevölkerung fast unbewerkt vollzogen. Eine Grupps von Generalen beschloß, die F e i n dselig k eiten einzustellen. mid traf Matznahmen, Uchtes dem GeNeicäl in die Stadt z»r kommen, die Befehlsgewalt zu übernebmen und General Wu-Pei-Fu zu verdränge«. In früher Morgenstunde ließen die Truppen' der Pekinger Garnison die Abteilungen Fen-Hn-Siaugs in die Stadt. Diese ‘ schnitten sofort alle Verbindungen ab, besetzten die Ministerin und übernahmen die Leiinng der öffentlichen Dienste. Eine Division des Generals Fen-Hu- Siang umzingelt: das Präsidentschastsgebände und verhaftete den Finanz min ist er «nd den Generaldirektor des Militärrates. Der Handelsminister, der Verkehrsnrinister und General Tsa- Jui, der Bruder des PLäsidsnten, waren nicht anfflndbar. Die Mehrzab? der Minister, ausgenommen der Erziehungsminister HnangFuo-Tsang, der der jungchinesischen Partei angehört, haben sich an dem Anschlag nicrt beteiligt. Die Mitglieder der Gruppe dtx Jnngchinesen gebe» bekannt, sie seien entschlossen, den Feindseligkeiten ein Ende zu festen und sodann eine allgemein e Ko nf e r e n z einznberusen, zu der T f ch a n g - T s 0 - L i n, Fen-Hn-lsiang besetzt das PrWeutfchaftsvalair. chinesischen Republil geflohen. — kine unblutige Revolution. Sun-Dak-Tf<n M die 'änderen ParteiMrer eingeladen werden sollen, um die v Einheit Chinas zu verwirklichen und hieraus die dringend nötige ausw a r t i g e A n l e i h e abzuschließen. Tschäng-Tso-Lin soll bereit sein, de« Wünschen -er Jnngchinesen nachzukommen. Ein TagesS-efehl Fe«-Hu-Giangs «erllart, es Ware sch mählich, wenn die Armee zu inneren Kämpfen gebraucht, würde, statt di« Nation zu schützen; die Regierungsbehörde« müßten für den Frieden eintreten. Es herrscht Ordnung und es wurde kein Schutz a b g e ge b e n. Die Leibgarde des Präsidenten, ungefähr 3Ü0Ü Mann, ist entlvaffnet worden. Fen-Hu« Siang hat Proklamationen anschlagen lassen, worin ein« K0nserenz; der Kriegsührenden und der Schutz der Fremden verlangt und der Präsident aufgesordert wird, eine.Verordnung zu erlassen, in dep die El n st e l l n n g der F e i n d s e l i g. keite«verfügt wird. .. :.* Jn der Stadi lausen unzählige ' ' s ';C •; .. chWSLiK im PrasidentschäftspalaiS. befinde. WKi Meten' BerW tung««'wich'-Nichts gemeldetes PrDirxMMster Jen erledigt nach wie vor hat den Anschein, - d^ ^- Weise jede Unterbrechung in der LäsiMtlderRchiernstgs« behörden zu vermeiden wünsche.' 1 v.:;/ SLerlrtsfLMch «metzst s« HalbamtlichManhtgeMen,' Last einige Führer der M ult en t r n psp e n in /Muk den . einen Ähnlichen Staatsstreich durchgeführt Hätten wie' in Peking. Es ist unmöglich,. eine VeMigüng dieser Nachricht m erhalten. \ GinsteMng der FeiMEgketten. London, 24. Oktober. Um-'8 Uhr äbenswird geimeldet: 'Ts ao.k u n habe ein D ek-rw t. u n t erzeichnet, in itvelchem die sofortige Einstellung der Fein d s e l i g k e'i t e n aMWen,'W u p e i f u aller seiner gegenwärtigen FuinVoneri- - ',chHo°bere wird nwd weiters die Parteien von Tschilr' nüd Mukdck. angewiefen werden, den Status sin0 a^lsrechtzuerhalten. Sir Herbert Samuel und Dr. Weizmann treffen zur Berichterstattttttg ein. (Eigeirdienst der „Wiener M>'r,qenzsltnug".) Genf,' 2Z.- Oktober. 3«. der. Sitzu!Üg der Mandatskolllmission, über 'bereit Erösifnung Zlhr Korrafpondent telog-mphisch berichtete, trifft. Msmnlmen, mit dem vribischi'tt' Obeckommlssar für Palästina, Sir Herbert Samu el, welcherden Bericht über das englische Palästinamandat erstatten wird,- auch der Präsident der Zionistischen Exekutive, Dr. Wejzmann, ein, um in seiner Ei-gienschast a-ls Präsident der Iewish Agen cY über die Arbeit der-Je w ish Ag e n ch in Palästina sowie ihr Zusammenwirlen> mit der P a l ä st i n a v e r tv a l t >wn g Bericht zu erstatten. Der 46 Seiten umfassende Bericht der Jewish Agency ist beroi-tS fertiAgestellt,'. Er ist in englischer' und fvangösischer Sprache abgchaßt. ILM Angora, 24. Oktober. Honte iwurden .'mr M'^Mvuim StzeS Aau-ßern d i e R a t i f i k a t i ans n r l 0 u des Freundschastsvertrages zwischen dec r'ürkei und O e st e r r e i ch AtägLtauijcht. MCMMW Neues Eingreifen der Mailand, 24. Oktober. Das K 0 n s 0 r L i u nr für die S a n i e r u n g d e s H a n s e s E a st i g lio n i wird nach hier ein'geholten - Informationen' -^ g.e'b'i l d e twerden! Wie Ihr' Korrespondent erfährt, sind die Perhandlungen seit dem heutigen Tage' wieder in - v oll ctit Gan g e. Dr. Rossi, der Vertrauensmann der Mailänder Bant, befindet sich zurzeit in München im Aufträge der Banca Commereiale-und dürfte sich in den nächsten Tagen nach W i e n begeben. Man spricht auch' von einer Levorstehendeu Reise des Direktors T ö p l i tz' nach Wien. Die interessierten W i e n e r B a n k e u haben sich in dieser Woche direkt an die Commereiale gewendet, um ihre Beteiligung an der Rettungsaktion dttrchzusetzen. Verhandlungen werden auch mit der Wi e n e0 Regierung gepflogen, da man ihrer Einwillig u n'g bedarf, um die K u n ft f a m mlunge n des Wiener Bankiers für den V er kauf aufzutei le n Und'- ins Ausland zu exportieren. Ue KriegsMeHe in der Lschecho-SlowaM. Brsinn, 24. Oktober. (Eel,',l!derl „Wiener MovganzoituugH Wie die ,MV. Nov." NtoMn, hat .Präsident M'a sa ry k das Gesetz über.dia Regelung' der Kriegs- Wei-He bereits nntersertlHt. ' Jas 8«M«m der Gömbör. . —y. Wien, 25. Oktober. Bor drei Jahren, am 24. Oktober 19^i, zerschlug der >.Genevalftabshauptmann und Abgeordnete Gömbös in der Schlacht von Budaörs den Revolutions- Versuch des EKaffers Karl und führte die Internierung dieses betrogenen Opfers der homagialen Ehrfurcht herbei. Herr Gömbös will nun dieses Jubiläum festlich begehen. Er will an der Spitze bewaffneter Scharen den Budapester Juden eine neue und unmitzverständliche Demonstration : des christlichen Nationalismus vorsühren. Er will ihnen seine Auffassung von Freiheitsbegriffen eiMäuen für den Fall, als > sie sich untere stehen sollten, 'bei den Wahlen zur Budapchter Stadtvertretung so zu stimmen, wie sie esl 'für angezeigt halten. Der moralische Mut, der diesen Generalstabshauptmann vor drei Jahren beseelte, ist noch nnge-. bvochen. .Damals rief er'die Studenten auf, gegen die tschechischen Hilfstruppen . des Verräterischen Habs-. Lurgers zu kämpfen. Heute fühlt er die-Mfold-Brigade, den' Blutbund vom Doppelkreuz und -t)ie Scharen der Erwachenden hinter sich,-und er muß, um sie mit dem richtigen: Furor zu erfüllen, nicht' erst lügen. Die Juden stich Wähler und sie wollen wirklich ihr Recht ausüben. Sie könnten es fertige bringen, die bis ins Mrvk hinein.'korrumpiere Grsellschast'der WoW-schen.Stellen-, jäger und^Budgeldiebe aus dem Rathaus zu jagen und dort Ordnung zu-schäfsen;/ freilich nicht sie allein, son-. iiesn-'M-,Htten. die".Dre^rtMiehphtzii.öex Bevölke^. UrA^MZas>tzHMn -der' stehlenden'^ uu^ MfählKn m den. Hals hinein satt Hai". Die. Reimgüng KM)e rertMnev^, Daher' die Ent- HlöWtzest des ' GeMraWbshaüptinannes', für die Sinmnung' -h^'BölÄlEruM^ Räche an den Juden zu nehMen'Myh durch einen 'Mü'Michen Generabfestpogrom voWrrgend zu .wirkend Dör'liebe Tibor Eckhardt schließt' sich dem Vorredner vollinhaltlich an. . ' Graf Bethlen ist ehrlich und aufrichtig erschrocken. Gerade jetzt, wo' ntan. dem Ausland mit gewandtester Fingerfertigkeit, das Tschardastrio von dem Konfolidierungswillen und, der Friedenshe-geisterung der magl)avös^n'BevylEerung,phüe'.ArckechPch'' der^Partei, Konfession und sagen wir Rasse vmspielen wM wuß dieser Gömbös die Bombe. läden? Da hat. mäft" mit vieler Mshe. ' die. politische Charakterlpsigkeiv einiger - reicher Israeliten' zu einem' Pump - ausgeibeüteti und soll sich nun von .den Ebredös in die Su-ppL spucken, lasten? Der Ministerpräsident erklärt resolut und bestimmt, daß er nicht dulden werde . . . energisch . . .- Freiheit der Äbstimmüng. . Was man eben in solcher Lage von einem, Ministerpräsidenten zu hören Mvartet. EL meint, es diesmal sicherlich so, wie er sagt. Aus den oben-angeführten Gründen. Fragt sich nur, ob er im - gegebenen Falle über die „Mittel-der Golvalt" so frei wird verfügen können, wie der Gömbös über seine Bravi;' zweitens, ob dies der Schutzherr des Generalstabshauptmannes, . Seine . Hoheit, der Herr Reichsverweser,/gestatten wird..Denn hie'derzeitigen Machthaber in. der "hauptstädtischen .Verwaltung haben doch nicht allein für den Gömbös.und' den sieben Tibor goarbeit-et. Sie standen im Solde eines 'Höheren, über den sie allerhand erstaunliche Dinge schwarz auf weiß in'der Brieftasche - besitzen. Die "Energieanwandlungdes - Grafen Bethlen dürste im- Ernstfälle, wenn der Oberleutnant 'Heijas seine Alsölder-guten Burschen heranpfeist, nicht lange Vorhalten.'Graf Bethlen hat ja im Szatmarer Ger^ichtssaal, als er dm Csongrader Frauenmördern den Prozeß machen wollte, eine scharfe Lehre über die Grenzen feiner Macht erhalten- Er-wird wegen der. Budapester christlich nationalen Konzessions- . und LizenFchacherer nicht Leib und Leben riskieren. Aber Ungarn geht es an den Hals. Daß der Gömbös auf Befehl Horthys den ins.'Land gelockten König einsperren-ließ, mag .man in-der Welt draußen hingenoMmen haben, weil dadurch.ein Bürgerkrieg vermieden wurde. Daß. aber 'jetzt ,die Korruption einiger aus öffentlichen Geldern, teuer bezahlter Individuen als. heilige Angelogenhe.it ausgeaoben und vor dem Boliksgericht geschützt werden soll,'das würide .sich die Welt außerhalb der Grenzen des Glöbus nicht bieten lassen. Für alle Putsche solchen Schlages haftet Ungarn solidarisch und , aus dieser Erkenntnis dürfte Bethlen .trotz aller Hemmungen den Mut sch>''pstu. l-'n Wort wahr zu machen.