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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-23 · Heft 2041 (23.10.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2041 (23.10.1924)
Date
1924-10-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2041 Wien, Dminer'Mg Wiener MorgenzeituNg. 83. OÄober '1984 O&jAJu m '2Wt58 0 Der Kampf der jüdischen Frauen in PaMina. Von Helene Hanna Cohn. (Schluß.*) Der Widerstand geht natürlich -nicht von den Arbeitern aus noch auch von dem Gros der bürgerlich-zionistischen Gesellschaft, die ja in Palästina radikalere Tendenzen hat als das Bürgertum im allgemeinen zu haben pflogt. Ein eigentümliches Verhängnis hat vielmehr >das national-sozialistische Judentum mit seinem unvergleichlichen Freiheitsdrang in Palästina auf das konservativ sie, fortschrittfemdlichste Elle ment: ' die jüdische Orthodoxie, stoßen lassen. Dieses retardierende Element, das dem vorwärtsstrebenden an Stärke und Einfluß fast gleich kommt, ist es) das die Gleichberechtigung der Frau Kurückweist als euren Versuch, an dem eisernen Gebäude der Religion zu rütteln. ' Die schärfsten Gegner der Frauenforderung in dem orthodoxen Lager sind —' die Frauen. Diese verblüffende Erscheinung 'wird ein wenig verständlicher, wenn man sich die kulturelle Situation dieser Gegnerinnen klar macht. Die orthodoxe Jüdin in Palästina gehört teils dem aus Ost- und/Mitteleuropa eingewandertm, teils dem orientalischen, besonders dem sephardischen Judentum an. Das Niveau der Sephardin. ist nur' wenig über dem der Araberin, der sie sich stark assimiliert hat. Die Arab-erin ist entweder dasgefangene, tief verschleierte, völlig unwissende, Bonbons knabbernde und Kinder gebärmde Lnxnstier der Städte oder das verarbeitete und verprügelte Nutztier der Fellachendövfer. Die orientalische Jüdin geht nicht bcvidfjlcicrt wie die Mohammedanerin, aber auch ihr Lebe,: spielt sich in der Zurückgezogenheit des Hauses ab, die sie mitunter — besonders bei bucharischen Juden — mit einer Nebenfrau ihres Mannes teilen muß, falls nicht der Manu es überhaupt vorzieht, ihr 'den Scheidebrirs zu geben, um sich mit einer Jüngeren oder Schöneren zu verheiraten. Die Sephardin der sozialen Unterklasse :st Ana lphabet in und kennt kaum eine andere Arbeit als die gröbsten häuslichen Verrichtungen. Sie kommt kaum jemals über ihr eigenes Stadtviertel hinaus und weiß von keiner Gemeinschaft außerhalb ihrer eigenen Familie und von keiner Pflicht gegen einen größeren Kreis. Die Sephardin der sozial besser gestellten Schichten geht elegant gelleidet und hat ein wenig Bildungssirnis, aber aüch sie lebt ein orientalisch abgeschlossenes, leeres und untätiges Loben und hat —mit wenigen Ansnahnren — kein Recht, -ei der Mahl des Mannes, mit dem sie eines Tages als verlobt erklärt wird, ihre eigene Meinung zu äußern. Auch sie hat keinerlei Verhältnis zu ihrem Volk und Land. Ans einer geistig höheren Stufe steht die aus Osteuropa eingewanderte orthodoxe Jüdin. Ihr Leben ist nicht so strengen Gesetzen der Abgeschlossenheit unterworfen und sie hat meistens schon ein Stück Welt gesehen. Dennoch ist ihr Anteil am Ausbau des Landes nur gering. Ihr orthodoxer Glaube führt sie zu einer allgemeinen konservatioen Geistesrichtung, die sie in jeder neuen Lebensform eilte Gefahr für die Ueberlieferung fürchten läßt. Sie hat ein höheres Verständnis für die nationalen Bestrebungen als die Sephardin, aber sie lehnt sie ab mit der Begrün« düng, daß sie an der traditionellen Religion rütteln. Die orthodoxe Jüdin ist meistens Städterin. Sie lebt mit ihrer Familie und anderen Familien ihres Herkunftslandes in einem sel'bstgeschafsmen, durch Steinmauern', von der Außenwelt^ abge trennten Ghetto, und hier spielt sich ihr ganzes, nur auf Wirtschaft und Kinder konzentriertes Leben ab. Sie, ist die Bourgeoisie Par excellenee, die sich nur um ihre Familie kümmert und darüber hinaus höchstens noch um einen frommen Wohltätigkeilsverein, dessen systemloses Schenken schwache Elemente , völlig demoralisiert. In ihren ererbten Vorurteilen IM sie wie in einer Dornröschenhecke. Zum Bestand dieser Vorurteile gehört auch dieses, daß die Frau auf ewig dem Manne untertau bleiben und es ihr verwehrt sein.muß, gemeinsam mit Männern zu beraten und am öffentlichen Wohl zu arbeiten. Natürlich gibt es auch 'hei den orthodoxen Frauen aufgeklärte Persönlichkeiten, besonders auf dem Lande, in den älteren Kolonien, wo die produktive Arbeit aus manchen Frauen starke Individualitäten mit einem lebendigen - Ausblick auf die Volksgemeinschaft gemacht hat. Eigentümlicherweise finden sich auch unter den aus dem Jemen ausgewanderten, stark an afrikanische Stämme assimilierten, gänzlich unerzogenen Frauen sehr selbständige, mit scharfer Logik für ihr Recht kämpfende Frauen. "Nicht nur den ohnehin für moderne Anschauungen unzugänglichen orthodoxen Männern, sondern auch dem Einfluß dieser Frauen ist es zuzuschreiben, wenn die palästinensische Frau in ihren Rechten auf der Stufe r/nmündigcr Kinder stoht und auchrechtlich in vielen Punkten schwer beeinträchtigt ist. u Selbstverständlich geht keineswegs das gesamte Bürgertum mit den Fortschrittsgegnern. Die große, Majorität der zionistischen Gesellschaft ist fortschrittlicher gesinnt und in ihrem Fortschrittsstreben aktiver als das Bürgertum *) Siehe „Wiener'Morgenze itnng" Nr. 2034 vorn 16. Ok- . lob er 1934., der meisten anderen Länder. Die Frauen dieser Kreise sind gut gebildete, geistig selbständige und häufig wirtschaftlich aus eigenen Füßen-stehende Individualitäten. Unter ihnen ist em hoher Prozentsatz, von Lehrerinnen, Aerztinnen rntb anderen Akademikerinnen. Wenn auch nicht unter ganz so schwierigen Bedingungen wie di« Arbeiterinnen lebend, sind doch aüch diese Frauen bewußte Mitkämpferinnen für den Aufbau des Landes. Aus ihren Kreisen vor allem rekrutieren sich die sozialen/Arbeiterinnen, die bereits ganze Gebiete der 'sozialen Wohlfahrt' — Gesundheitspflege, Mutter- und Säuglmgsschutz, Arbeitsbeschaffung, Volksbildung durch Abendkurse, Findlingsfürsorge, weibliche Fachausbildung usw. — zu organisieren begonnen haben. In diesem Kreise ist auch die Hausfrau in hohem Maße am Aufbauwerk beteiligt, vor allem durch eine ganz bewußte — mitunter mit Opfern an Geld und Bequemlichkeit verknüpfte — Förderung heimischer Produkte und nationaler Arbeitskräfte. Diese Frauen, denen sowohl in der Familie wie im engeren oder weiteren Arbeitskreise freiwillig alle Rechte emgeräumt werden, bilden selbstver-, stündlich eine gemeinsame Front mit den um die Frauen¬ Aus Johannisburg berichtet I. T. A: Sir I. H. Thomas, der britische Minister für die Kolonien, der kürzlich in Südafrika weilte, erwiderte auf eine Begrüßung der Zionisten Südafrikas, daß er Palästina besuchen wolle, um dort die fortschreitende Entwicklung zu be'bachten. „Ich beabsichtige," sagte er, „diese Reise auf jeden Fall zu unternehmen, ob es nun amtlich oder nichtamtlich geschieht." "„Es war mir eine stolze Pflicht und eine Ehre," setzte der Minister fort, „als erster Arbeitsminister im Sitzungssaale des britischen Unterhauses unsere Unterzeichnung der Balfour-Deklaration proklamieren zu können. Es war vorher meine Pflicht, den Kollegen im Ministeriunl meine Ansichten, Ideen und Intentionen betreffs der Zukunft Palästinas auseinanderzusetzen., Dies wurde in einem Memorandum zum Ausdruck gebracht, das von dem Ministeriunl e i nstimm i g angenommen wurde, und das ich im Namen ' der Regierung im Sitzungssaale des Unierhausts ankündkgen konnte. Jetzt, darf ich Ihnen Wohl etwas sehr Erfreuliches Mitteilen. Einige Tage vor meiner Abreise aus England hatte Ihr großer Führer, Dr. Weizmann, der wahrscheinlich einer der größten Stammesführer ist, eine sehr lange Unterredung mit mir. Gegenüber allerhand Gerüchten und Andeutungen, wonach die Juden das ganze Jllteresse an Palästina verloren hätten, versicherte mir Laut der unlängst veröffentlichten Bilanz der palästinensischen Arbeiterdarik für das erste Halbjahr 1924 ist das Grundkapital der Bank, welches schon in der vorhergehenden Periode um öOProzent gestiegeu ist, in dieser Periode um weitere 40 Prozent, bis auf 100.000 Psnud, erhöht worden. Der Reservefonds wurde auf Grund des diesbezüglichen Beschlusses der letzten Generalversammlung mit 2106 Pfund gegenüber 641 Pfund im Vorjahre dotiert. DaS Guthaben bei Banken an Valuten und an Bargeld ist um nicht weniger als lOOProzent gewachsen, von zirka 6000 Pfund auf 12.000 Pfund. Die Einlagen, welche jetzt der Bank zur Verfügung stehen, erhöhten sich im letzten Halbjahr um, volle 82 Prozent, von 11.102 Pftmd auf 20.026 Pfund. Die hier angegebenen Zahlen zeigen, welch günstige Entwicklung die Arbeiterbank aufzuweisen hat. Die Kadoovre-MustevgartenstavL. Dir Laura --(Kadooüie - Gartenstadt, die Herr E. S. Kadoorie aus Schanghai als Mustergartenstadt in Palästina zu -erb-auen vorschstigt, wird, wie I. T. A aus N-eiw- Aork, wo Kadoorie gegenwärtig zu Besuch wollt, berichtet, gemäß einem Zwischen der Kadoorre-Bonston-Gruppe und dem Zion Commonweail-th getroffenen Abkommen auf dem Boden Dev amerikanischen Zivu Commonwealth errichtet werden. 6000 Dunam Land, die Der Commonwealth in der Nähe der Asullah - Station besitzt, sind für diesen Zweck bestimmt worden, wobei für eineReserve im Falle einer Vergrößerung gesorgt worden ist. Die Stadt wird voneurem Magistrat unter der Kontrolle eines Siebe nerko mitees verwaltet werden. Herr Kadoorie oder einer seiner Söhne wird der ständige Vorsitzende und Dr. Pension der Mchäftsfühvende Direktor fern. Der amerikanische Zion EonniMliwealth wird in dem Komitee durch Richter Vernarb A. Rosenblatt und, Herru Harry Kottler vertreten sein. Die Durchführung des Planes geschieht unter der Aussi cht deS Ke re n Hajesfod. Kreise, die in der Gewährung von höheren Formen der Verantwortung an Frauen eine Gefährdung der Religion sehen, ist so groß, daß diese den Kampf immer aufs neue aufnchmen müssen. Das Präsidium des jüdisch-palästinensischen NationälrateS ist bei diesem Kampfe in einer schwierigen Lage. Fast durchwegs aus Zionisten und modernen Menschen bestehend, sind seine Mitglieder durchaus von dem Recht der Frauen aus gleiche bürgerliche, politische und sozial« Reihte überzeugt, und jeder einzelne von ihnen in seinem Kreise geivächrt diese Rechte. Aber der Forderung der Frauen steht die Drohung der konservativen Orthodoxen gegenüber, ein Parlament, in dem auch Frauen sitzen, überhaupt nicht anzuerkennen und damit den Kriftallisationskern der werdenden jüdischen Gemeinschaft in Palästina Zu zerstören. Und so müssen dieselben Frauen, die in Fiebersümpfen und glühenden Steinbrüchen das Land bauen, die a«S eigener Kraft imposante Einrichtungen zur Pflege und Bildung des. Volkes geschaffen haben, die das arbeitende Palästina auf internationalen Kongressen vertreten, weiter um di« Zuerkennung der gleichen Rechte kämpfen, die jeder arbeitslose Empfänger stornMr Spenden genießt. Dr. Weizmann, daß er diesmal in Amerika den dreifachen Betrag als vorher aufgebracht habe, und daß er im nächsten Jahre angesichts des dort herrschenden Enthusiasmus für die Sache mit dem doppelten Betrag als letzthin zurückzukehren hoffe. Das ist also ein gute- Zeichens und/ zwar nicht allein hinsichtlich der Geldaufbringung, sondern vielmehr ist der Beweis erbracht, daß die Juden die Entwicklung Palästinas auch weiterhin zu fördern, bereit sind. Und werter: Zwei Tage vor meiner Abreise aus England hatte der Oberkommiffar für Palästina, Sir Herbert Samuel, der einer der fähigsten Administratoren des britischen Reiches ist, ebenfalls eine Unterredung mit mir, in deren Verlauf er mir von her in PWsina vor sich gehenden . E ungeheuren Entwickln«- erzählte. Ich hoffe nunmehr, daß ich selbst in der Lage sein Derde, das Vorwärtsschreiten Palästinas in Augenschein zu nehmen, da ich, wie gesagt, die Absicht habe, dieses Land auf jeden Fall zu besuchen. Der Aufbau Palästinas ist eine Sache der britischen Ehre und des britischen guten Rufes; Sie dürfen weiterhin auf diese Ehre und diesen guten Ruf bauen, was allein eine genügende Garantie dafür bietet, daß sich Palästina zu einem Lande entwickelt, auf daS Me stolz fein, werden." Minimum von 15.000 Dollar jährlich hechellen. Mp« hofft, nicht später als im März 19(25 mit de« Arbeiten beginnen zu können. Herr Kadoovie Wird für die Stadt 600 Pfund monatlich zuschietzen. We die Jüdisch« Telegraphen agentur erfährt, hat Dr. Bension, der Delegiert« d«S Keren Hajessoid, bei einer Gruppe angesehener Juden in Schanghai 10.000 Pfund (für den Bau von Häusern iw der Gartenstadt aufgebracht. Der Wert der palästinensischen TaibakPrMcktilM. Dek Wert der diesjährigen pMstmsnisGchen Däbaksmte M Wer eine Million Dollar' ausmachen. . Ein neues großes Hotel in Jerusalem. Wir berichteten bvrvits, daß in Jeriu/falsin mit föftlfc amrorikanischen KapWM ein neues großes Hotel erbaut werden' soll. Wie „New Judaea", das offizielle Organ der Zionistischen OrgamliMÄn in enMcher Sprache, mitteilt, steht die Reise des Vizepräsidenten-t der amerikanischen Zionistischen, Organisation und des Mitgliedes des Finanz- und WirtschaftSvates, Judge Bernard A. Rossen- >b laich der in der ersten Woche Oktviber in Paris weilte nwtfo sich von dort nach IPMstirm begsben haü, mitder Frage der Erbauung dieses menen, großen HotM in Jeriusajlem kl Bsrbindmmg. n. Der neue Paläftinaftlm des Notioucüfonds. Der neu« PaWstMÄfllm des Ratio naHouds — die Wchnxchmen stammen von Herrn,Gmm>am Sommerfeld — ist nunmehr ftrtiggesbellt und kopiert. Die ersten WorßuhrmMn sollen demnächst .<rn Polen, sowohl in Warschau als auch in dem Provinzstädten. stattfistden. Eine Palästinaexkrrsion der jüdischen Studentenschaft. Am die-Mischen Studenten mit den mvuien Formen des Mischen Äsbens in Palästina und mit dem Wände sMst toeactautt ga« -moichen, am sie mit den Quellen der muen jüdischen Kultur amd ' Erziehung, insbesondere mit de-r in: Wau ibelfindilichen UniverW» -tat in, WvMhvMg zu (bringen und den jüdischen Studenten w legenlhoit zu bieten, ihrem ZHanvrwengchlbrilgkeitSaejWl Anödouck zu verleihen, hat die Exemtive »des Weltdenbaüoes -Mischsr St-ndenten beschlossen, eine Exkuasion nach Palästina zu ve-vanist-altem Die Exkursion soll (Pessach 6685 sbattfmden. Me wir erfahren, sollen schon jetzt zirka 200 Deilnehmer M dieser Exkursion bereit sein. rechte kämpfenden Arbeiterinnen. Aber die Macht der Zer englische Kolonialminifter reift «ach Palöstina. Ar M«ar will die Fortschritte der Wischen KolonMtion beobachte». Die Bilanz der «rbetterbaal in BaWina fllr das erste Halbjahr 1824 Die jKadoorie - Gs-nsion - Gruppe wird, dem Abkommen gemäß, in einem Zeitraum von fünf 'Jahren Än Kapitals-.

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