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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-22 · Heft 2040 (22.10.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2040 (22.10.1924)
Date
1924-10-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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« tzeite 6 Wien, Mittwoch __Wiener MokSLNzeitttttK. ZI. Oktober 1924 Nr. M<l .. Kommandito dar Kroatischen Eskomptobartk, Aflram WIEN. I. SEITZERCMISSB 4 ,ECI“ Telephon: '12-3-90 Seüd GRABEN) Telegrammadresse: FRAPOBANK Kredit- und Warengeschäfte Seftemichische Nationalbank. Jas WerreWsche Vuvget. Defizit 583 Milliarden. Gestern hat Filianzminister Dr. Kienböck rin Natioaalrat den Bilndesvorauschlag für 1925 eingsbracht. In seiner einleitenden Rebe zerglic.i»ert« er die Ziffern des Budgets n. a. lvie folgt: Die Hoheitsverwaltilirg weist an Ausgaben im ganzen 9,8 Billionen auf, während die E i ritt a h m c n mit 8,6 Billionen bndgetiert find, so daß sich hier ein Abgang von 1,2 Billionen ergabt. Demgegenüber schließen die Monopol verwalt urig er mit einer Nettoa'bfu'hr von 1,4 Billionen. Die B e t r i e b e u n d E i f e nba h n e n Ergeben einen Abgang von etwa 700 Milliarde«». Infolgedessen schließt das Budget im ganzen mit einem Defizit von 585' Milliarden. Ter Abgang bei den Betrieben ist im wesentlichen auf die Deckung von Investitionen zuriiZufuhren. Der Personal-answai'd, der gesamten Verwaltung einschließlich der Bahnen beläuft sich ans 2810 Milliarden. Nach dem Voranschlag für das nächste Jahr werden die Bahnen einen Betrieb Zuschuß nicht erhalten, bezjw. dieser wird gegen die Eisen'bLhnverkchrssterier, welche mit 225 Milliarden ' vorgesehen ist, verrechnet werden. An Investitionen sind für die Bundesbahnen 394 Milliarden in Aussicht genam-, men, wovon u. a. die Waggo>nbesie1lnnge.n, VSn denen gestern in den Zeitungen die Red? war, bestritten werden sollen. Die Bundesbahnen haben sich auch verpflichten Missen, den ihnen gewährten Elektrifizievungskredit von, 450 Milliarden mit 10 Prozent zu verzinsen. In Besprechung des Einnahmonbudgets führte der Minister aus, daß bei der Effekten- Umsatzsteuer Mr mehr 50 Milliarden Kegen 15V Milliarden im heurigen Präliminare eingesetzt sind. Bei der Zuckersteuer ergibt sich dagegen ein erhöhter Ansatz iM 75 Milliarden. Er verwies aus die im Hause bereits erwgebrachten Gesetzentwürfe über die Herabsetzung der Banken- und Valutenumsatzsteuer, auf die Herabsetzung der Besteuerumg von Obligationen von 10 auf 2 Prozent und kündigte die Herabsetzung der KorperschastLsteuer, verbunden mit einer Novellierung des Slmevfußrs der all-gemeinen Erwevbsteuer an. BeAglich der Novellierung des Statuts der Natioualbattk durch Einsetzung eines Exekutivkomitees erwähnte Dr. Kienböck, daß der Generalrat die Statutenänderung bereits beschlossen halbe. Nach Fassung des analogen Beschlusses der GmevMersantmlüng soll auch das Haus di< Veraibschiedumg dieser VoÄage vornehmen. . Abnahme des Wechseleskomples und des Banknotenumlaufes. Der Ausweis der Oesterreichi scheu Nationälbümk zeigt eim-e Berringerung hes Barschahes \m mio 40 Milliavden. Das Wechse>bportefe>uille hat sich um 67 Mlliarden dervrvgert rmd betragt jetzt 2852 Millwrdrii. J.m Zu>s>ci«mmienha>ny mit den Steurungen im Gi-roverkchr mx 07 MilliaMn hat sich der Nottnumlauf um l95 Milli-cvrdsn verringert. Er beträgt jetzt 7666 Milliarden. Die Abnahme des WechsLlporteftM'es dürste in kurzer Zeit zur schon angüRndigten HvMfetznntz der Bankrate"Mvei'. gusammenbruch der Bankhauses BrevMer L 8o. Schon feit einiger-^vit wurde au der Börse Wer Zähkun.gAschwierigk.Mn der B>a.ükfi«ma B r ed i lli«t nt. Co. gesprochen. Diese Firma 'besteht aus vier Gesellschastem, die zu gleichen Leiben <m dsm Uwern-chmen de>Migt sind. Die öffentlichen Gesellschafter find: NuidotfBernd, Adolf Bernd, Paus Urban und Dr. Stephan Kim.melma nn. An den Kamittenten des Bankhauses zählen sehr diele Industrielle und Mitglieder der Familie Urban. Die Ursachen des AufandmeAmches wanen die allzu weit ausgedehnte GritnduingS' Migkeit der Firma während der InftaliMsperiode. Betoude-nde Mittel hat das Bankhaus für die Wiener Wassenf a b r i k, für eine T e ip p i ch f a b r i k «und. für die Gesellschaft W u r -m >s e r investiert. Zuletzt ist die Firma BvSdiliier u. Co. große Engagemen-ts in den Aktien der Schvaulbeugesellschast emgeg-LNgen. Sie hat diese M-ien, die nicht verwässert sind, «bei einem bedeutend höheren Kurse erstanden und muß «mit, da diese M-i-enPäkete zum Teil im der Schweiz und zrm Teil m London belehnt sind, infolge der bedeutenden KurKevwtedvigungen aus ein Dritte.! des Küiufpvckses große Nachschusse leisten. Weitere Schwrsr-iMvten sind angeiblsich der -Firma auS der Fran-kenfpsku«lati.on Dr. KimmolimavmS erwachsen. Seine Verluste an der Börse häben sein VemibFM stärck geschmAvvt. Seme Aktüven wurden durch di« bedontenden KurSseMMgrn >der Esstkten noch weite.r verringvvt, so daß er seine Zahlungen nicht leisten tonnte. Der Präsident - Vor Schrau!benM>rMgssellschast, Ludwig Urban, fall bestrebt sein, sin Avvangsmenit heobetzchühven, ivodurch dem Bankhaus dttMügjlMoit MMN werden soll, sine stille LichridMon du-rchzuDhreN!. Die Firma soll aber nicht imstcmde sein, allen ihre« Bevpflichtamgen .nach« zukommen. Die Insolvenz des Bankhauses im an im gestrigen Bors« Hau<ptHch>vLchSthvma. Es wild befürchtet, daß auch amdsvL Effeckteniposten belehnt wurden, weilche jstzt, imfölgL der AchlungSsSHMit, zu «Mrtivem Barkauf an der Börse gellöngen düoften. Es vLrLautei, daß di« GitgagMES sich nicht MLschllieWich aus SchwubenEen erstrecken, sondern, daß auch bedsuitvnde Posten Äulisse-. und Sch vaubsn werte mit sinbezogen wurden. Die Fivma versucht, den schlechten Eindduck, den dieser Zusammeübvuch in de.r OvffenMchkeii. -vrvnrsacht«, zu uckdorn, -irm aus diese Art leichte« zu simm Arrangsment zu kommen. Doch soll der Status ein zie>Ech umAnstiger sein, so daß intt der BechLiMNg des Äusgleichsvarfahrens gsoechrm wird. U«glo>Altftkkan«Baat Limited. Der BenwaltungSuat der Aw^loMustvian Banck Limited in London har beschlossen, Herrn PEdenten Ludwig U«b a n, MitOied des BerwaltiingsrMS dieses Hnstiimt«-, auch zmn Mitglied der österreichischen Neipräistn-taniz zu bestellen. (Dwbgtzltlich) Ermäßigung der Daluten. und Vaukenumsatzsteu«. Nach dem gestern dem Nmionalvrt vorgelegten GefetzentiMrs werden sowohl hi« Balnten- «ls auch die BanAermms^tzsteu«« aus ein Hundertstel des bisherigen Bvtvages ermäßigt. Dies« Ermätzigtmg soll aber erst am ersten Vage des nach feiner Kundenachnng folgenden KailendvvmvnatS dn Kvast -tosten. In dem Motidenlbevicht wird «riklänt, daß dies« Mnsrchstaivsvn M Zeit der Inflation notwewdig waren, daß aber heute bsi der Stcodif Mievuing der Krön« dieselben DberslÜßig geworden sind. Darmch soll dies« Steuer bei 10.000 K. dev 8^itGu>iWgvu>Mage, bei Geschäften zwischen DalivtenhäMevn ö K., bei sonstigen Geschäften- 20 K. uud MÄaindSgaschWn HO H. bstvagrn. Im Gesetz «ist Äber auch vorgsschen, daß dies« Gteuem durch Ab- Onduwg aus einmal entvichtet werden Vnuien. Für diesen Zweck sind besondeve MinduwgsÜblweiuSommien dovgeschen. Dmnit verzichtet her Staat aus «in Nnikomy«« von 850 MAimben qus dieser Quell:. Me Konzessionienmg drs VankgeWEe». Dem Sdatkonailrat ist gestem der G-dsttzenitwuvf vorgelegt worden, welch« die KoiHefsioninnmg des BanlkgÄvepber gesetzlich fixiert. Darnach ist dar gewe-ribSmäßig« Betrieb von DankgeschLften an die ikmnkesibchoMche BewiMgamg gebamden, beFiehMigsweis« ist der (^Mchaftsverivag der staMichen Gm^hmigimg mrterworfen. Wer ohne eine solche bundeSbchöMiche Bewilligung BMgeschäfte betreibt, kaum mit einer Straße bis zu einer Milliarde, bezichnugSweif« mit AvoSst bis $at Dauer «rnes Monates bestraft wenden. Senkung der SilrerpMfe. Die Srlbechvche, die in den letzten Tagen aus den intematiönalen MetallmäMen steigende Tendenz zeigten, haben infolge der vermindertm KauftMfträge «ine kleine SeMng «Hchven. Es lagen nämlich in letzter Zeit infolge im SiMerMemtsfionen der mitdeleuvopäischen Staaten bedeutet^« Kaufaufträge aus Silber vor. Dazu kamen noch das gesteigerte Fnteresfe für Silber von seiten der chinesischen NegievMtg, welche das SiOer für di« iLöhnumg ihr« Soldaten benvtigt«. Da nun die SÄbevkuose infolgedessen Steigevungen von. zehn AS fünfzehn Prozent echchnn, sähen sich die Negierungen, vor allem Dsutschland, zur Gtovy^Mg ihrer Kauft aufträge veranlaßt. ' f r K. 86«« für Kostüme und sicn n sei tu: C opyrifcht 1024 bj NachdruS «ttfioietu Deutsche yerlag-anstalt, Stuttgart. 1s. tzortsktzuag, Die Stadt au der Moldau. N o m ce n. Von Auguste Hanfchner. „Der Feldiwvbel ist da vielleicht die richtige I-nsMnz. Man behcmptst wen-igstens, daß er nicht Uinentpfänglich ist für die Klagen der Herren Drückeberger ..." „Mein Freund", nntevbrach ihn Jakolb, „ist pflichtgetreu und stolz. Ich niernte nur — ich halte ihn für einen hochbegabten Komponisten —, fein Verüirft wäre meiner Ansicht nach ein Raub an deutscher Kunst. Deshalb habe ich es getvagi, Ihre Blldaiug für seine Begabung astzurufen und Ihr« Menschlichkeit für toi« Bedrängnisse eines Menschen." „S-ie selbst gehen nicht hinaus?" Die Frage war mit Hochmut und Verachtung angefüllt. Ja-job ließ den Zwicker fallen; fein Mck festigte sich ,fu ernster Stetigkeit. ' „Ich bin trit Presseamt beschäftigt." „Aha!" lachte Erich aus, „im Schützengraben für die Heinuitsvont!" Unbefangen war Jakobs Mick auf den Spottenden gerichtet. „Herr Leutnant, seit zehn Tagen sind Taufende von Genossen meines Glaubens nnäevwegs. In 'Iwfi’fafe, dumAe Wagen eingepfercht. Mütter, Säuglinge aotiib Greise.' Ohm Labung, oihm GeleiKenhsiten, ihr« Notdurft zu verrichten. Sie >wer-den hier ankomme-n. Ich werde.sie empfangen und beMht fein, ihnen beizustehen. Sie sehen, meine Pflichten liegen aus einem anderen Gebiet." 19. „Was hast du denn heute mit dom Moiuc berhandelt?" fragt« Io>sef über den Mavmortiisch hinweg den FrennÄ. , Sie saßen ÄS letzt« Gäste in einem kleinen Kaffee- Haus. Iakdb beachtet« die Frcig?e nicht. Er hatte den Zwicker otgenommen, als wollt« er die Außontvelt ans seiner Sehweite entfernen. Die EnMoßnng seiner großen dumMen Augen gab chm ein anderes Gesicht. IkWechNM stoaMten aus ihm Schvärmevei und Güte. Gr fügte, von Iofsf ab« gewendet, Icifc, als seien die Worte wn Lmger Wmdevmg erschöpft: „Ich weiß nicht, wie ich -weiter leben soll in diesem C-Haos. Ich kann gut und böse nicht mehr -vonerwander unterscheiden. Ich sehe Menschen, die ich ächte, sich an dem. schöpferischesten goMchen Gefühl entzünden, an dev, Begeisterung, und sie tum es, um Bevbvechen zit begehen. Selbstlos, mit Hintansetzmig ihrer psvsüMchem 'Interessen, 'bere-iten sie sich vor, Mibmenslchen zu evmordeck Me yjküihen, wähvend ich erfviere. Ich muß mich fvageN: „Liegt foaS. aN einem Mangel meines GharviktexS? Bin sch feige?" Es war ebivas hinter seinem Rücken, das ihn zwang, sich umzudvehon. Er sah Josef damit beschäftig^ mit dev Spitze eines verckojhkten Streichholzes Fiynven auf die Tischplatte zu .malen. ,/hat dir. der Won'tÄups so die SeWistjajchtttny gebrochen?" Da leine Erwiderung kam: ,Mas halft du denn von chm gewollt?" Zögernd, als sei es ein beschämendes ^GeftÄndnlis, sagte Jakob: . . ,/Ich habe ihn gebeten, sich Gduard LeschmrS an« zun-ehmen. Er steht in MonteluPoS KompagM." Das Lachen aus Josefs Kchle ivar häWch anzuhoven. ,Is1 es zu glauben? Dam Käfer, der «ms Jagd geht, daS arme Mäuschem zu empfehlen?". Sr faßte devuhtgend nach IalkM Hand. „Aber mach dir keine Sorgen. Ich werde es Eduard'schon richten. Vorläufig, daH er zum Musikkorps kommt." . Jakob «nckschlioß sich, den Zwicker -wieder aufzufttzeNf mx des Gegenübers M-iene eingehender zu Pvüsin. „Haft du solche Verbindungen?" Er dachte: War -ich blind, oder hat Zahva-N sich so verändert? Cr ist auch Mnz anders gekleidet. Fast eksgant. Einen Samtvock mit slawischer Ve-bschnürung hat er doch fonisi nicht getragen. Joses sagte, das recht« Bein über das linke fchla>ge'ndr i,Mr Wien MimMder/ Der PMotl^ der w sin« Ecke schnmWe, ftaind «ms, um mit bedsukmgsdollem Gehaben di« zweite GaWcvmnre -über den ihm Äs Stammgäste betöamvten jmgeni Leultlen auszulvschen. Dann zog « sich AUMNgeslLvtmr SchW in den Nebenvaum zurück.. Jakobs GötmMr tötete» «Snych, M« Reihe von CrwagungW gchmfsrL „Du Mft' Mt nicht himmS?" äußerten sie sich Wm SchW. Ichef Whevt« A sich hinM M ckneim DW Von List Md SchudsnfvsM: ^gch bi« mMömMich Eintziger Schn. Mein« GtteM find dt SM» Vatex hat die KaMne in dem gvoßen WsEer SazaM MeMomen." Jetzt spvang er <mf Wd WtWe die Hm«. ,Moau> soll ich vor dir, dem ich ft» fest vevtvaue, KmttMe ffttelen? Ich' gehe nicht hinaus. Ost genug habe ich er wiederholt: Ich habe die .gvößte Hochachümg vor Dsutschvand. Mch «ich verstehe, daß Mft« Deutschen sich <m ftew WHhvß dä yvoßen Bruders hangm, mn ihre Macht durch Ahn zu erstarren, Aber waS M das «ins Slawen an? Wir sind doch Lein Mch, daß wir ms zm SchÜlchtbarÄ fiHosn Mm und', dabei noch schvöien: Gott helfe nnseven FeiMn!" Er lief «mf und niieder, haß die DM« mtter feinen SchMen krachten. „Wwmm Haben sie wicht unfsve Fwulndschaft «m« ymommen lund iMs datz Recht geboten, das MS zuVoMntt in unserem HevMttlwnd? Wenn wir für Ms«« Zukunft etwas für Ms zu Wen Men, stände Ms ganz anders." Jakob hatte feinen Kopf, in der vom Arm gestützten Handfläche verbargen, ,Mn Mrntt dich beneiden um die .Kraft deiner Ue'berMguny. Und doch", die Wie MMn samen Bmuen vertiefte sich, „ist in dir etwas, das mir widerstrebt. Etwas", wie von geistiger Anstrengung her- <msge!tyieben wövbden sich «mf ftiner Stirn die Hügel Höher auf, „du wirst mich höhnen, 'toetm ich es mmoMsch mnne. And doch . . . aber ich weiß nicht... es dst mir noch alles fo verwirrt. . ." Vom Kirchturm hörte man vier Schläge fallen, daun mit Zwifchenpauistn zwölf. In den Letzten MGrll mischte sich aufs wem IoikokbS Stimme: „Man hat dich Fräulein Perczmer voMstM. Me hat sie dir geMw?" KoEbuna Mak.l ^270 A$-99A

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