Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2039 (21.10.1924)
- Date
- 1924-10-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 2039 Men, DtenSW _Wiener MorstenzeUrMst« 21. Oktober 1924 S^te5 Kn Konftitt unter RechtsanivNten Xommsncklts der Kroatischen Eskomptebank, Agram WIEN, I. SEiTZERQASSE 4 (ECKE S%N»SE BHM Telephon: 22*5-90 Serie .. .. ' > n« TelegraramidrtMe: FRAPOBANK Alle Arten von Ban kg eschäften Kredituna Warengeschäfte •i n*<j »- Der Rechtsanwalt und Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes trat gestern beim Strafbezirksgericht 1 als' PrilvaMäger gegen den Rechtsanwalt Dr. Alois Bernwieser auf. Nach Inhalt der Klage hatte der Beschuldigte im Verlaufe eines Zivilprozesses, ut welchem Dr. Plaschkes als Zeuge verirommen worden war, sich in Schmähungen gegen letzteren ergangen, und hatte unter anderem erklärt, er wisse verschiedene Dinge von Doktor Plaschkes and daß dieser ent Mensch sei, mit dem man nicht verhandeln könne. Bor Gericht hatte Dr. Bernwieser den Beweis zu führen versucht, daß er lediglich nur eine berechtigte Kritik an dem Verhalten des Klägers geübt habe. Nachdem dieser Beweis gänzlich mißlungen war, legte der Richter dem Beschuldigten nahe, die Sache durch einen Ausgleich gütlich betzulegen. Der Klag.evertreter erklärte, daß er bereit sei, den Strafantrag gegen Dr. Bernwieser zurück- Kuziehen, wenn dieser eine umfassende Ehrenerklärung geben und weiters als Sühne einen Betrag von einer Million Kronen für den jüdischen Taubstummen verein und eine weitere Million Kronen als Kostenersatz für den Verein jüdischer K i n d e r f r e u n d e zu zahlen bereit sein luünfce. Doktor Bernwieser erwiderte, daß er zur Abgabe enter entsprechenden Chrenevklävung sowie zur Zahlung eiyer Buße für einen wohltätigen Zweck bereit sei, daß er aber das Verlangen des Klägers, für jüdische Vereine Spenden zu geben, als eine Demütigung ausehen müsse, und diese Bedingung daher nicht erfüllen könne. Der Richter, Äan-desgerichtsrat Dr. Arie, hielt dem Dr. Bernwieser vor,!daß bei charitativm Vereinen die Konfession keine Rolle spiele. Dr. Plaschkes betonte jedoch, daß'er mit Vorbedacht das Verlangen gestellt habe, daß Dr. Bernwieser, der Vertreter der Deutschen Bodenbank und ein strammer Deutschnationaler ist, für jüdische Zwecke eine Buße zahle, weil dies dem Dr. Bernwieser unangenehm sei. Da Dr. Plaschkes von dieser Bedingung nicht abgehen wollte, erklärte sich schließlich Dr. Bernwieser bereit, auch diese Bedingung a-nzunchmen und den Betrag von zwei Millionen für die erwähnten jüdischen Veveine binnen 14 Tagen zu, erlegen. Nach Protokollierung der Ehrenerklärung zog Dr. Plaschkes den Strafantrag zurück, und das Verfahren gegen Dr. Bernwieser wurde eingestellt. Der RÄakterlr des. „Stürmer" Wege« Verleumdung verurteilt. Der verantwortliche Redakteur der vom Radikalantisemiten. Abg- Streicher herausgegebenen Wochenschrift „Der Stürmer", Dr. Fritz Hüls aus Erlangen, wuvde, wie I. T. A. aus München berichtet, zu 20 Tagen Gefängnis, umzuwandelu in eine Geldstrafe von 400 Mark, verurteilt. In einer im „Stürmer" erschienenen Notiz wurde »itt bezug auf einen jüdischen Zeugen behauptet: „Dem Gericht scheint das Talmudgesey unbekannt zu sein, in welchem es heißt, daß Juden vor nichkjÄdischeu Gerichten falsch schwören müssen." Der betreffende Zeuge erhob die Beleidigungsklage. Der Tod als Gegenbeweis. Die Private .Rosalia Klimesch hatte im Vormonate ihren Untermieter, dem Jngewieur Löül, das von ihm ibewohnve. Zimmer gekündigt und als Grund der Kündigung geltend gemacht, daß sie schwer leidend sei, daß sie eine ständige Pflegerin um sich haben müsse und das Zimmer des Untermieters für die Pflegerin brauche. Der Untermieter halt« gegen die Kündigung Einwendung erhoben und bestritten, daß Eigenbedarf der Frau Klimesch vorliege, daß letztere keineswegs so krank sei, wie sie behaupte, und daß die Krankheit nur vorgeschützt sei. um ihn aus der Wohnung zu bringen. Bei der über die Einwendung des Gekündigten vor dem Bezirksgerichte Madt augeovdneten Verhandlung halte der Vertreter igenden Partei gellend gemacht, daß-die Einwendung des Untermieters. dahinMemd, daß Frau Klimesch Krankheit nur Vorschüße, um ihn aus der Wohnung zu bringen, durch die traurige Tatsache widerlegt sei, daß Frau Klimesch vor drei Tagen nach langem Leiden gestorben ist. Der Beklagte war zwar mit seiner Einwendung sachsällig, allein die Kündigung wurde als rech ts u nw ir-tsam erklärt, da durch den Tod der Frau Klimesch der als Kündigungsgrund geltend gemachte Eigenbedarf entfallen ist. Revolver und Dolch in der Ehe. Der Beamte Kurt Nagel und seine Gattin Lydia brachten beim ZivÄandesgerichte den Antrag auf Trennung ihrer Eh« wegen gegenseitiger unüberwindlicher Abneigung ein. Die Frau machte grundlose Eifersucht des Gatten geltend, der einmal einen Revol verschätz auf sie abgefeuert habe, zum Glück ohne sie zu treffen. Seit dieser Zeit habe sie in ständiger Angst und Furcht vor ihrem Gatten gelebt, so daß sie sich ein Dolchmesser anschaffle, das sie sogar nachts in das Schlafzimmer mitnahm. Der Mann brachte vor, seine Frau habe nach ihrer Rückkehr aus der Sommerfrische eine Nacht im Grand Hotel in Wien zugebracht und sei einmal nach Budapest gefahren, ohne ihm dies bekanntzugeben. Auch habe sie die Che zu einer platonischen gestalten wollen, und nachts sich in ein fest versperrtes Schlafzimmer zurückgezogen. Gegen das auf Trennung der Ehe lautende Urteil des Zivillandesgerichtes brachte der Ehobandsverteidiger die Berufti'na ay das Oberlandesgericht ein. Die Berufung des Chsoandsverteidigers wurde ab ge wiesen und die Eheirennung bestätigt. Ui'gesülittter Mord an siebe» Inden. Bor dem Pilsener Divisionsgericht fand am 14. d. die PevhaMiU'Nig gegen sechs Militärpersonen statt, die beschuldigt wurden, anläßlich des Boischewi-ke-neinfalles in die Tschccho-Slowakei im Jahve 1019 sieben Aowakische Juden erschossen zu haben. Der Hauptangekt-agte, der ehemalige Legianarkorporal H orak, der mit ewem Maschmengewehr die Erschießung der sieben Juden selbst vorn ahm und das Geld wwie Wertsache »der Ermordeten zu sich nahm, ist geflüchtet. Di« mitarligekldgien Infanteristen wurden, f r e : g e i p r o ch e u. Jüdische Kolonkvlbank. Generalversammlungsbericht. Aus London meldet I. T. A.: Die 86. ordentliche Generalversammlung der. Jüdischen Kolonialbank fand am 18. Oktober in den Lokalitäten der Bank in London statt. Herr Josef Eowen führte als der Vorsitzende des Direktorenrates das Präsidium. Aus dem vom Rat erstatteten Bericht geht hervor, daß sich der Umsatz der Pank trotz der ungünstigen Verhältnisse vermehrt hat. Eine erfreuliche Ausdehnung erfuhren , die im Ztisämmenhang mit dem Export und Import von Waren gemachten Geschäfte; vor allem die Verbindung mit den Territorien, die früher zum russischen. Reich gehörten. Das Kapital der Depositen und des Kontokorrents wies eine weitere Vermehrung aus. Am 31. Dezember 1923 betrug die Kapitals- Höhe .1,022.000 Pfund. Im Verkehr der Jüdischen Kolontalbank mit der Lodzer Depositenbank ist ein befriedigender Kapitalumsatz sestzustellen. Der Reingewinn für das Jahr 1623 nach Abzug sämtlicher Ausgaben betrug 16.732 Pfund 16 Schilling 1 Pence (gegen 18.150 Pfund im Jahre 1022). In Verfolg des im vorigen Jahre angenommenen Systems schlugen die Direktoren vor, den ganzen Gewinn für die Abschrift der dubiosen Schulden ans früheren Jahren zu verwenden. Das volleingezahlte Kapital dev Jüdischen Äolonialbank beläuft sich auf 390.887 Pfund, die Reserven betragen 4828 Pfund 6 Schilling: Es ist interessant zu bemerken, daß noch 37.126 Pfund 4 Schilling 4 Peme an nicht angeforderten Dividenden vorhanden sind. Der Bericht wurde angenommen. Die beiden sich wechselweise ablösenden Direktoren, Herr Josef Co wen und Herr Jean Fischer, wurden wiedergewähtt. Die Lage btt Jüdischen Kolomalbank und ihre weitere Entwicklung. London, 20. Oktober. (I. T. A.) In Verbindung mit der 26. ordentlichen Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank hat der I. T. A.-Vertreter die folgenden Einzelheiten über die Lage und die Entwicklung der Jüdischen Kolontalbank erhallen: Der Direktorenrat der Jüdischen Kolonialbank ist entschlossen, die Politik der Konsolidation fortzusetzen. Er hält «s daher für ratsam» eine Dividende für 1023 nicht auszuteileü. Er tut dies aus bem Gefühl heraus, daß den Interessen sowohl der Bank als auch der Aktionäre am besten durch die Abschreibung sämtlicher früherer dubioser Forderungen gedient ist. Die Aktionäre in der ganzen Wett haben durch ihre Haltung bewiesen, daß sie diese Politik des Rates vollkommen billigen. Die fortwährend sich ausdehnende Geschäftstätigkeit sowie die Vermehrung der Depositen beweisen das ungeschmälerte Vertrauen, welches die Klienten in die Bank setzen. Die Engagements vor Jüdischen Kolowiaübank in Palästiiva haben sich m vorigen Jahve nicht vermehrt, da der ganze pÄlästtne-nsische. Handel sich einige ZeU-amg bei der Anglo-Wiestine Company konzentrierte. Die Jüdische KvloniaGank beteiligte sich hauiptsächMch an Sittkatfabrik. Nach der Durchführung zahlreicher A-ettdevungen .technischer und Odm'misbrabdver Natur arbeitet' die Fabrik jetzt mit einem weit beträchtlicheren Erfolg als zuvor, ihre Produkte gelben jetzt als das allerbeste Baumaterial nicht allein in Jaffa und dessen Umgebung, sondern auch in einem sehr weiten Umkreis, der bis nach Haifa reicht. Die Tel-Awiw-Jnstallation der Palastmoustschen ElekwizitätSgas-ellschaft, an welcher die Jüdische KoloniaiHaink zu einein großen Teil interessiert ist, arbeitet mit gutem Erfolg. Der Bau der Sdatton Haifa, gcht seinem Ende entgegen. Es ist eine Mömtk Tatsache, daß sowohl Zionisten als auch aridere jüdische Kreise viele Jahre hindurch die Ansicht vertreten lMen, daß die Jüdische KoloiMbauk ihre Tätigkeit auf alle von jüdischen Massen bewohn.ten>Lände>r ausdehnen solle. Die Bankdirektoreir gaben diesem Wunsche nach; aber statt der Errichtung eigener Filialen. beteiligter: sie sich an den verschiedenen bereits bestehenden Bankmsti tuten der betreffenden Länder. Drs Banknetz, welches auf diese Weife mit der Jüdischen Kolonialbank in BerAndung tra-t, hat sich während des letzten Jahres beträchtlich erweitert. Selbstverständlich sind die . notwendigen Vorsichtsmaßregeln nicht vernachlässigt worden. Die * Verbindung besieht mit 20 Banken und Institutionen in den Vereinigten Staaten, Polen, Litauen, Lettland, Danzig. Jugoiflawien, Rumänien, Bulgarien usw. Abgesehen von dieser Verbindung bestehen direkte Beziehungen mit individuellen Klienten im östlichen Europa, insbesondere in den sogenannten Randstaaten, in einer benre-rkeMverterr AuKd-chnung. Eine sich ständig Vermehrende Anzahl Banken 'beweibt -im Wege der Jüdischen Kolomakbank Geschäfte mit England. Soweit sind also die Ergebnisse des Jahves 1924 de. sriMgend. Nur daß. die Jüdische Kollomalbank infolge des Beschlusses der Anglbo-Palestine Company, süir das 'Jahr IM keine Dividende zu bezahlen, um ihre Res erben zu stärken, während des Jahres 1924 aus ihren Aktien bei der Anglo-Pailostine CompMy keine Umsätze erzielen kann. Die Geschäftseutwicklung der Anglo-Palestine Company ist befviedigenid. Die gokräftigte ökonomische Lage in Palästina erfährt eine erfreuliche Illustration dadurch, daß sich die De« positen <m der Mglo-Palestirve Company -ständigin fortschreitendem Dtaße vermehren. Sa» Schicksal der zitsammeagebrochmen Banle«. Lombard- und Eskomptebank. — Depositenbank» Cs verlautet, daß der Lombard- und Eskompt» bank von.seiten der Bank Outremer größere Beträge zugeflossen sind. Die belgische Finanzgruppe zeigt jetzt erhöhtes Interesse an dem Fortbestand dieses Institutes und soll eine baldige Wiedereröffnung anstreben, Jn der Depositenbanrangelegenheit dürfte ebenfalls in kurzer Zeit entschivden werden, ob die Bank fortbestehen oder aber um das Ausgleichsverfahren ansuchen werde. Besonders aktuell ist diese Frage nach der Bereinigung ihrer Forderungen mit dem Hause CastiAiom. Es Verlautet,-daß vmn FinanMinister, entsprechend dem Geldinstibutszentralegesetz, ein Ausgl-eichsverwcrlter eingesetzt werden dürste. Die Lösung dieser Frage ist umso evstrsbenswerter, da bei den einzelnen Gruppen Unstimmigkeit über die Person des Ausgleichsverwalters herrscht. Es dürfte eventuell, da eine juridische Person als Ausgleichsverwalter zulässig ist, das Kreditinstitut für off e nt l i ch e Unter nehmungen mit dem Amte eines AusMchsvevWalters betläut werden. * Die Untersuchung über die Bankenzusammenbrüche. Der parlamentarische Ausschuß zur Untersuchung der Vorkommnisse bei den Banken hielt gestern eine Sitzung ab, in der Hofrat Stern.ein Referat erstattete. Es wurde beschlossen, daß die öon den Parteien' gestellten Anträge mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Angelegenheit dem Ausschüsse ' schriftlich vorgelegt werden sollen. FivanzmiMer Gradsli über die Teuerung in Polen. Warschau, 20. Oktober. (P. T. A.) Auf Anregung des interministeriellen Wirtschaftsausschusses fand hier eine Besprechung statt, au der Vertreter der wirtschaftlichen und der Berufsvereinigungen und andere teilnahmen. Mmister- . Präsident und Finanzminister G r a b s k i stellte eingangs fest, daß sich die Erwartung einer Preissenkung, die hätte eintreten - können, wenn sich Handel und Industrie an die allgemeitie i wirtschafMche Lage angepaßt hätten, als Täuschung oder znmindest nahezu als Täuschung eriviesen. halbe, denn es habe in dieser Beziehung nur eine sehr schwache Neigung zur Herab- . setzung der Preise festgestellt werden können. Diese Tendenz sei durch die schlechte Ernte unterbrochen worden. Die Hausse in Getreide habe — weit hinaus über die PreissteigeruHeu in den anderen Ländern — eine Echöhnng des Teilerungsindex sowie der Gchälter und der Erzeugungskosten nach sich gezogen. Verringerung der Mitgliederzahl im Stützungskomitee. Das Stützungskomitee an der Wiener Börse war in feiner jetzigen Form infolge der großen Zahl seiner Mitglieder äußerst schiverfällig. Wie wir vorgestern gemeldet haben, wird das ’ Stütznngskomitee nnmnchr aus 6 Mitgliede>M. bestehen, die turnusweiise ms -der Gesamtzahl des Stützungskomitees für vierzehn Tage entnommen werden. Es verbleiben, wie bis jetzt, alle Banken im Stütznn^skomitee vertreten, -umr bei Beschlußfassungen werden die früher geuaimten 5 Mitglieder das Sttltzungskomitees vertreten. Tos Jnterventionskomit-ee wird, wie bis jetzt, rm Bedarfsfälle mit Kaufen auftreten, und für den Fall, daß EntlastungskLuse aut Platze wären, auch - welche Vovn-chtmn. Dividrndeulose Gesellschaften. Die ,KörneriverEe" Bereinigte Holz-, Bau- und Jndustrie-A.-G. und die GechaMis u. Söhne A.-G teilen mit, daß für das Geschäflöjahr 1023 keine Dividende zur Ausschüttung gelangt und daher die betres-feudeu Coupons als wertlos von 'den Stücken abgstrenut werden I können. 5911299519283975