Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2037 (19.10.1924)
- Date
- 1924-10-19
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MsWnzeWttA 19. Oktober IM Nr.M Atte Arten von Bankgeschäften Kommandlte der Kroatischen Eskomptebank, Agram WIEN. I. SEITZERGASSE 4 (ECKE BtÄG,S?5E BBM Telephon: 22*5-90 Serie mmmmmnmmmmmmm Telegrammadresse; FRAPOBANK Kredit- und oraben) Warengeschäfte Volkswirt Serie 8_- Men, Sonntag AMERICAN TAILQRS . B rüder Koch Ges. m. b. H. tSKs:; 8. »er.. MaMWtftrabe 17 AAfLtz Erstklassige Maß - Schneiderei für Herren / Reiche Auswahl in feinen englischen Stoffen / Elegante Ausführung / Billige Preise bringen, wird betont und darauf hingvw-iesen, daß im Nahmen des geplanten .Instituts auf palästinensischemBoden die Erforschung, Sammlung und Weiterentwicklung Der Mischen Bolksniusrk die geeignetste Pflegestä-tte wäre. Hier könnte auch der richtige Platz für eine Kantoren schule fei», welche für einen tauglichen Nachwuchs von gebildeten Kantoren sorgt. Es ist zu hoffen, daß die förndernswerte Aktion, die ■ Professor Wolf einleitet, von Dollem Erfolg begleitet ist. Las Mappenwerl Lazar Kreftiar. Seit Jahrzehnten wurde die Wiener Kunst von ostjudifchen geistigen Potenzen befruchtet, während hinwiederum Oesterreichs kulturelles Zentrum diesen aufnahmsdurstigcn und anfncchmssähigen Elementen jene cechnifchproduktiven Mittel gab, die man mir dem abgegriffenen Wort Zivilisation bezeichnet. Auf dem Gebiet der Malerei zeigte sich die Wiener 'Schrtle als eine Fortsetzung des internationalen Naturalismus, der allerdings hier gemildert war durch cm Streben nach dem Dekorativ-Schönen uud Gefettschaftlich-Repäftniativen. Ass Lazar Krest sin nach Wien kam, fand er eine malerische Kultur vor, die das Farbige favorisierte, das Anekdotische im B-ild noch nicht ablehme, es aber mit einem Schinnner von Sentiment umgab. Aus solcher Sphäre heraus müssen seine Bilder gewertet werden. Seine Sujets sind nicht von der Schablone hergeholt, sondern starke Gefühls- und Bil'derlebmsse, tven-n sie auch veraltete Titel tragen wie: GhettopolitÄ, Betende Knaben, Alte Weisen, Talmudstndium. Das Streben nach Ehrlichkeit in Form, Farbe und Brtdausba-u verleiht ihnen einen über die Zeit hinaus gültigen Wert. Die „H a r u a ch" hat nun 16 Werke Krestins sdas gediegenste — das Selbstporträt) in einem Mep- Penwerk vereinigt, das, drucktechnisch einwandfrei, sich als vornehme Heliogravürenfammlung repräsentiert mw den höchsten Anforderungen gerecht wird, die heute an dergleichen Reprodu-ktronen gestellt werden.' o. r. Modelle-Marburg I. OPERN BING 3 KLEIDER * KOSTÜME * MÄNTEL elegant m so11d Aus den Theatern. B u r g t h e a t e r. Morgen nur ya7 Uhr i e Raube r"; Dienstag um 7 Uhr „E y r a n o von B e r- 8 er a c". A k cr d e m i e t!) e a t e r. Akorgeu um V,8 Uhr ,,D e r Zerr iss e n e"; Dienstag um */.8 Uhr .,D i e L i eb c wach t". , Schonbru n it e r S ch l o ß t h e a t e r. Morgen um 1i2S- Uhr „Die Mau s"; Dienstag um */,8 Uhr „251 e Kinde i". - Volksover. Heute nachmittags „Die Z a u b e rflöte", abends „D e r B e t t e l st u d e » t"; morgen Montag „D e r f l i e g e » d e H o l l a rr d e r". Jur Moderne «Theater geht Donnerstag den 23. d. simt erstenmal Lucien Besnards und Henri Rivotrs Lustspiel „M einFrennd Teddy" (,Mov »nü Teddy*) nüt Arnold Serif in der Titelrolle in Szene. Im B ü r g e r t b e a t e r findet am 28. d. die Premiere der Operette „R e v a n ch e" von Oskar Jascha, Buch von Beda und Lunzer, statt. _ Freie jüdische Volksbühne. Heute um halb 3 Uhr Nachmittags finde: im Klübsaclle, 8. Be',., Bvmwpbatz 1, eine PropagandMersamnAnng für das zu gmndende jüdische Theater stau. i Katharina Schratt in der RenaifsanceLLhne. Katharina Schratt tritt nach vielen Jahren der Zurückgezogenheit um die Weihnachtszeit zum ersten Male wieder auf. Die Künstlerin ivird au der Renaissancebühne die Hauptrolle im Lustspiel „25-ex Störenfried" vou Bensdix spielen; ihr Partner wird Adolf Weisse fein. Das Erzherzog-Rudols-Stück vom Bürgermeister verboten. Dia Direktion der Renaissancebühne hat gestern folgende Zustellung erhalten: Der Herr Bürgermeister als Landeshauptmaun ist zufolge Entschließung vom 8.. Oktober 1924 u i (f: t in der Lage, die von der geehrten Direktion erbetene AufsührungsbeWillig>:ng für das Bühnenwerk „Der Erzherzog".' ein Drama in drei Akten von G. A. Borges«, zu erteilen.' Gegen diese Entscheidung steht der geehrten Direktion die binnen vier Wochen, von dem der Zustellung nachfolgende« Tag an gerechnet, beim Wiener Magistrate als politischer Landesbehörde einzubriugende Berufung an das Bundes« Kanzleramt (Inneres) offen. Hiewon erfolgt zufolge Erlasses des Magistrates Wien als politische Lcmdesibrhorbe vom 10. Okrüber 1924 die Verständigung. Die Direktion: der Renaifscmoein-hnL hat daraufhin den Rekurs eingebracht. Italienische Novitäten im Lustspieltheater. Die Direktion des L u st s p vc i t HL a ter s hat «zwei -in-teveffante ÄM-snische R-ooiräten zur AuMchrung erworben. Das neuHe Werk van Lmyi Piranidello ,ß>te leibende Maske" (Hoiirrich der Vierte), in dem Josts Jarno die Hwupt-rolle stMen wvd, uüo „Paris" von Giuseppe Adami. 'J-n 'letzterem Stück wich Chcvvlotte t'l«de r ihr diesjähriges Gastspiel beginnen. Russische Schauspieler auf der jüdischen Bühne. Aus Ezeravowitz nnw uns berichtet: Die bekannte vu-jisAche Schauspielerin Lydia Potozkaja. die übrigens.«»ch aaits Wt deutscher! Bühne heworgetreteu ist «und siM^ZoMmg Mitglied des T Mischen Theaters m Berlin ümter Max Reinhardt war, har ein jüdisches T'h-ea-tereirsemb'le gMMtdeü, dem eme Anzahl früher aus der Mjistschen Bühne tätige.jM° iche Schau.fp-.2ler angehären, die sich..nun Maz dem MrMn Theatrr widmen wollen. Die Truppe d&faMm, gsgrnWawtz mit großen: Erfolg ein (Äastspi^l in ESevnvwitz; es kommen Werke älterer und neuer jüdischer Autoren zur. Aarssühwung. „Der Jeldherrnhügrl" übt auch ünr RwimiundLLbeatxr seine Zugkraft aus das PM-Anm. Der ergötzliche MckitüVschwa-irk, Äber dessen ansMpichMte Wr^rrMe wir aMHch der «chlsn AMHvung isu Raiirm-no-Äiearer Lsrichset-rn,. Kng igOevtr Mm 28. Moütz M IZse.se. Liederabend. Jeane Starr-Unterm-.yer gcvb im MiW-sren Konzorthansfaal enrerr Äivdcräbeud. Die Künstlerin fang wlsgewahlte Lieder von Schubert n.nd Wolf mit Gaschnwck und tiefem Empst'NdeÜ. DaS zahlreiche Pulblitum spendete 'leblhafterr Beifall. - ' Jüdischer A^erabend Dnlitzkaja. Im BovtraMa-cü des Schviftstellervereinz „Die Scholle" saug HAida D u l! tz k a j a 'eine Reihe jüdischer Volkslieder von Scha'lit, Engel und Schi? tomirsky, heiteren und ernsten Charakters, die im Grunde .ge-- noni;in«n nichts weniger geben a^s Einblicke m die -jüdische Volksseele. Frau M-injanl Höfilich-Sch nab-e's brillierte mit Rezitationen nurderner Äymk, (Max Brod, Rirdolf Fuchs, Evlgen Höflich), die e-benfo wie die Gefällige der Frau Dulitzkaja van einenr e>m'pM!gsb-ereij.en Publikum mit warmer Erg-rifs-enheit Esgrnommrn wurden. Die Ueberführung der Leich« Henryk Sienkiewicz'. Die Usberfuhrnng der sterbuchen Ueberrefte des im November 1916 in Vevey verstorbenen polnischen Dichters Henryk S ienki-ew i c z nach Warschau findet im Lau.se dieser Woche statt. Donnerstag den 28. d. trifft die Leiche um 6 Uhr 40 Minuten früh am Wiener Westbahrchos ein und wird von dort auf den Franz-Josess-Bahnhof gebracht, von wo sie über Prag nach. Polen gosührt wird. Die hiesige polnische Kolonie wird das A-tt'donkHN des Dichters durch ' eine Huldigungsfeier auf denk FranzqJvfefs-Bahllcholf (unr halb 11 Uhr) ehren. Aufferdem wird eine Festa kaoein i« stattfinden. Mit diesen Veranstaltungen befaßt sich ein Konritee unter Vorsitz des Ministers a. T. Dr. Julius v. Twardoski. tzerichtsjaal. ein WiderftanSrfonds gegen antisemitische Sebergrkffe. Bor dem Richter beim Strafbezirksgerichte 1 (Oberlandesgcrichtsrat Sieber) erschien am 17. d. ein Herr Ratk^ unter der Anklage, Herrn Dr. Alfred R o s e n f e I b, Gerichtsdvlnl^tsch der ungarischen Sprache, grundlos als „frechen Galizianer, SaujUd'" beschinchfl z« hecken. Nach Aufklärung durch den Richter erklärte sich der schimpflustige Herr bereit, einen Sühnebetrag zu leisten. Dr. Rosenfeld forderte Erlag an das Zionistische Landeskomitech und zwar für einen „Widerstandsfonds gegen antisemitische Uebergriffe". Der Beschuldigte wollte hieraus nicht eingchen. Der Richter me inte,, man solle die Politick nicht in den Vechandlungssaal tragen. Der Privatan-kläger führte jedoch aus, daß er einzig nnd allein eine Leistung ff,r diesen jüdischen Zweck als entsprechende Sühne betrachte, da jeder, der es wqge, einen Juden wogen seiner Volkszugehörigkeit anzuflegeln, den lebendigen Beweis für die Notwendigkeit eines solchen.Forcks erbringt.'Der Boschuldigtc 'mußte'sich schließlich zum' Crfage bequemen. Es wäre wünschenswert, daß in solchen Fällen stets dar-' auf bestanden werde, daß die Sühnckbeträge der Zionistischen Organisation mit der Bostim-mung zufliehen, einen Fonds zu -schaffen und zu stärken, der jedem, an dom wogen seines Juden-.; tnürs ein mit den Mitteln des Strafrechtes verfolffbarer. U^ber-i griff begangen wird, ohne Rücksicht auf die Einbringlichkeit der ^Kosten, wirksamen Schutz durch Beistellung' eines Rechtsanwaltes leiht. Der Briefstil des Waldviertels. Landesgerichtsrat Doktor Arie (Strasbezirksgericht 1) hatte gestern. Wer eine bemerkenswerte EhvenbeleidiguugsÄage zu verhandeln, welche der Kaufmann Moritz Lettner, vertreten durch Dr. Max Gelber, gegen den Drauereibesitzer Rudolf B r u n nstei uer aus Höllenstein a. b, Mbs angestrengt hatte. Gegenstand der Klage bildete ein Brief, den der Beschuldigte rm Verlaufe■ einer geschäftlichen Differenz an den Kläger geschrieen hatte. In dem Brief erklärte der Beschuldigt«, daß' eine angebliche Perdächtig!lng des Klägers gegenüber seiner Person als:etne Gemeinheit auszufassen sei, die nur einem frechen, im übrigen hierorts (in Höllenstein) sowohl in Avbeiter, als auch Geschäftskreisen sattsam -bekannten e ch 1 o st j ü d i s ch e n Hirn des Klägers M-zuschveiben sei, Der Angeklagte hatte versucht, einen M-ahvheitsböweis zu Dhron, schließlich jedoch es unterlassen, Beweisanträge zu stellen. In der gestern durchgeMrten Schlußverhandlung kam ein Ausgleich in der Weise zustande, daß der angeklagte Brauereibefitzer eine umfassende Ehrenerklärung abgab, weiters sich verpflichtete, binnen 14 Tagen alls Butze einen Betrag von acht Ml 1 lionen für wohltätig« jüdische Zwecke zu Haniden des Klagevevtreters zu erlegen und die B-e r 1 re tu ngskosten rm Betrage von zwei Millionen zu bezahlen. Ter Kläger zogsvhin den Strafantrag zurück und das Verfahren gegen den Angeklagten wurde eingestellt. . Ein völkischer, der Krieg gegen den jüdischen Gott führt. Wie aus Hannover >gvm«Get .wird, hatte sich der -vlieidevhol't varbüstrafte Redakteur des VÄkischen Wattos „Dev Sturm", Georg Qnimdel, im Zuswrmnenhcmge m>vt «mem in diesem Blatte deEsBlichten Artikel „Der Jndengott Jahw^ wegen Gottes lä st -er ung zu dera-n-ttoorten. In den: Ar- WÄ Mhvt Qwiindell aus, «8 Mi Götter. Jahwe: Jahwe i und Jahwe S. Diesem Jahwe 8 dichtet«* >er alle imö-glichen schlechten Eigenschaften au und sagte, man müsse Gott vor B^rwechs-lungen urit Geisern Jahwe 2, der nur in g e.wifse« jüdischen Kreisen vevchrt würde, schützen: .Ms SachvSkständcher wurde Herr Rabbiner Do. Fr«uckd vernommen, ferner Profeffor Bihchosf aus Lsckzig, - der, obwohl fckhr rechts gevichtet, dennoch -erklärte, drtz Quiwdel.nicht m Fühig-kM hübe, -logisch rmd.sachlich zu denken. Das Gericht er-, achtäte eine grobe Gottes!ästernng als voM-vgend und erkannte, ä»f 150 Mark GÄdstvafe an Stelle einer v-erwrMn /GefängniM-oofe von zwei Wochen, indem.'eS als mbldernd -ansah daß Qu-i-udel wohl eilt« Menge Bücher gcklesen hätte, .aber nicht d'e geistigen.Fähiglei:en blitze, sie zu.lccr- , dmlen/rvud dechÄb gu Heiimn Abstrakten Jdsen gekommen wäre. Beruhigung der WeltwiMaft. Die Nachrichten, welche von , den ausländischen Märkten über die Placierung -der deutschen Anleihe ein-. langen, wissen durchgehends von den Erfolgen dieser Anleihe zu berichten. Uc-berall wurde die Reparationsanleihe, toelche sich bekanntlich auf 800 Millionen Goldmark beläuft, stark überzeichnet. Die Tatsache als solche Ntuß gebührend gchvertet werden, wenn es auch feststehl, daß eine beispiellose Reklame von fetten der emittierenden Bankinstitute hier mitgewirkt habe. Sei dem wie immer. Nachdem diese Anleihe wirklich aufgebracht ist und die deutsche Regierung mit ihr nunmehr rechnen kann, ersteht die Frgge, ob durch die Perfektionierung dieser Anleihe für die im Dawes-Plan vorgesehenen Zwecke, auch das Loch in Mitteleuropa, welches bisher jeder Wiedergenesung -er europäischen Wirtschaft im Wege stand, endgültig verstopft werden wird. ' Bisher wurde immer behauptet, daß das ungelöste Rrparationsproblem das Hauptmotiv dafür sei, daß sich die Wirtschaft Europas noch nicht stabilisieren konnte. Nun sind die ersten Schritte dafür getan und es fragt sich nur, ob die Regeneration der deutschere Wirtschaft auch eine Regeneration der anderen europäischen Wirtschaftsgebiete mit sich bringen wird. Zweifellos wird dies, in absehbarer Zeit der Fall sein. Ob aber schon die Meldung über den Anleiheerfolg auch eine rasche Beruhigung der Welt-wirtfchaft bringen werde, ist mehr als fraglich. Es stellt sich immer mehr heraus, daß wohl das ungelöste Reparationsproblem der Kernpunkt der EÜeltwirtfchaftskrise' ist, daß sich aber um dieses Problem noch eine Reihe anderer wirtschaftlicher Probleme gruppiere, die ebenfalls überwunden werden müssen, bevor an eine allgemeine Wirtschaftserholung gedacht werden kann. Die Folgen der Nachkriegswirtschaft als solcher benötigen ebenfalls eine gewisse Üeberwindluig. Die Lösung des Reparationsproblems wird Wohl viele Hindernisse, welche dieser entgegenftchen, beseitigen. Sie kann aber die natürliche Entwicklung, die längere Zeit in Anspruch nimmt, nicht unverhältnismäßig stark befchleunigen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dieser Prozeß noch Monate dauern wird. Es ist kein Wunder, daß gerade aus die Nachrichtelc über den glänzenden Erfolg der Reparationsanleihe dennoch die deutschen Börsen lange nicht in dem Maße reagierten, als es sonst von Außenstehenden erwartet wurde. Im Gegenteil, die Haltung der Berliner Börse, ist eher als abwartend und zurückhaltend zu betrachten. Wühl hat sie schon gleich nach Schluß der Londoner Verhandlungen in gewisser Hinsicht die. künftigen Ereignisse voreskomptiert. Doch war diese Bewegung nicht derart, daß sie tatsächlich als vollkommene Reaktion aus die Lösung des Reparationsproblems angesehen werden konnte. Auch jetzt scheint die Berliner Börse bei ihrer sonstigen günstigen Beurteilung der Situation sich doch nicht manchen Bedenken zu verschließen. Ebenso sind die anderen europäischen Börsen mehr zurückhaltend. Paris versucht krampfhaft, seine Aktivität aufrecht zu erhalten, ohne daß ihr dies vollkommen gelingen könnte. Die französische Wirtschaft 'benötigt dringend eine ausländische Anleihe. Hinter den Kulissen werden diesbezügliche Verhandlungen gepflogen, ohne daß das Resultat derselben noch klar bestimmt werden konnte. Gewisse Haisische der Inflation horchen schon gespannt aus die Vorgänge in Frankreich und es werden vereinzelte Stimmen über das mögjliche Wiedererwachen der Franlenentwertturg laut. Es ist hier nicht am Platze, über den Wert oder Unwert dieser Vermutungen ein Urteil zu fällen. Daß sie aber schon in den Gegenstand der Diskussion gezogen werden, ist symptomatisch. Es zeigt, daß die Wirtschastsverhältnisse Frankreichs, als des -an der Reparationslösung zunächst beteiligten Staates trotz der Lösung und deutschen Anleihe dennoch lange nicht so konsolidiert sind, daß sie als nonnal an-gesohen werden könnten. Auch die Entwicklung der englischen Wirtschaft ist ungewiß. Es herrscht dort eine gewisse Zurückhaltung, die wohl durch die innerpolitischen Verhältnisse mit verursacht ist. Mit immer größerem Mißbehagen werden die Meldungen des englischen statistischen Bureaus zur Kenntnis genommen werden, daß die Zahl der englischen Arbeitslosen immer mehr steigt und daß der Absatz der englischen Industrie und des Handels immer mehr zu wünschen übrig lassen. Die einzelnen Industriezweige denken an weitere Betriebseinschrankungen. Auch hier zeigt sich ein gewisses Manko in der Entwicklung. . Von der wirtschaftlichen Gestaltung der Nationalstaaten soll hier nicht gesprochen werden. Die Lage kann in allen diesen Staaten ohne Ausnahme als trist geschildert werden, ob es sich nun üm Oesterreich, die Tschecho-Slowakei, Ungarn, oder alle anderen Staaten handelt. Die Geldknappheit ist die gemeinsame Krankheit aller dieser Staaten. ,Ihr Kapstalsmangel M direÄ ^911290519485975