Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-10-12 · Heft 2030 (12.10.1924) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2030 (12.10.1924)
Date
1924-10-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981113--20763-3008016
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seit« 3 Men, Sonntag | Meer 51t schlitzen. Tic londoner Konferenzen verfolgten 'den Gedtnrktu, durch die Milderung des deutsch-französischen Streites eine Pause der politischen Sammlung zu schaffen. Beides ist bisher nicht ansgereift. Die KonservativeU und Liberalen kämpfen gegen den Vertrag mit der' Sowjetregierung und haben das Kabinett zu Fall gebrächt. Dies muß die Stimmung in Rußland wZeder verschärfen, was sich dann in weiterer -Holges nach dem Gesetze der FortpflanzunA des Stoßes an den bloßliegenden Punkten der Peripherie des Imperiums äußern muß. Solche Punkte liegen in Südarabien und au der Suez-Nil-Linie. Der Beweis ist heute zu sehen. Wahrmd sich Europa zerfleischt, frißtder Brand im Orient weiter. Zagluls Erklärungen. Paris, 11. Oktober. Der- „Matin" dewi,.-üUcht rin Interview mit ZaglulPascha, das die bis- , herigen Meldungen über den Verlaus seiner Unter-! redungerr mit Mac Donald bestätigt. Zaglul erklärte, daß überhaupt keine andere Frage zur Besprechung gekoinmen sei Äs die Räumung Aegyptens durch die englischen Truppen. Auf das Anbot einer Allianz habe ec erwidert, daß eine militärische Besetzrrng mit einer Allianz unvereinbar sei. Es gebe kein Beispiel, daß ein Land in einem alliierten Gebiet Trupperl unterhalte. Weiters sei das Gebiet des Suezkanals durch die Konstantinopler Konvention vom Jahre 1888, die von allen Großmächten unterzeichnet worden sei, neutrales Gebiet. Wenn der Schutz des Kanals durch Aegypten ungenügend erscheine, so könnte der Kanal ml nter de n S ch u tz d es V ölkerb undes gestellt werden. Mac Donald habe diesen Vorschlag abgelehnt, worauf die Unterredung abgebrochen worden sei. Zaglul werde aber versuchen, in dieser Frage doch den ägyptischen Standpunkt durchzusetzen. Die Türken in Mossul. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 11. Oktober. Auf die drei P r 0 t e st- Noten der englischen Regierung an die türkische Regierung über die Einfälle türkischer Truppen in, das. Wilajet Mossul ist heute in London eine Antwort der türkischen Regierung eingetroffen. Nach den letzten Mewungen sind die türkischen Truppen nicht nur nicht zurückgezogen, sondern im Gegenteil in den letzten Tagen beständig v e r st ä r k t worden. Der englische Gesandte in Konstantinopel hat den Auftrag erhalten, bei der türkischen Regierung ener-, gische Vprstellungen zu erheben. . Wm und die Weltmächte. Morn ina Post" bringt die nachstehenden Darlegungen des. ehemaligen englischen Generalkonsuls für Chinesisch-Turtestan über die inneren und äußeren Ursachen der Kämpfe. ’ Ter Fortgang der Ereignisse inr Osten und die Ausdehnung des Operationsgebietes auf die Mehrzahl der achtzehn Provinzen Chinas sind von höchster internationaler Bedeutung. Das Feld, das diese Frage eröffntet, ist so weit und umschließt so verschiedenartige -und lErstvobende' Kräfte, daß der ganze Komplex die Volker des Westens unmittekbar in Mitleidenschaft zieht und vielleicht einen weitreichenden Einfluß auf di Geschicke der ganzen Welt ausüben wird. Bis jetzt haben wir die Wirren in China als rein lMle Kämpfe betrachtet, die in dem Verlangen der verschiedenen Tuchuus oder Provinziälgouverneuve nach, Macht und Reichtum ihren Uvspvnng haben/ Das war auch der Anfang der Kämpfe, aber diese scheinen sich nun über ganz China auszudchnen, alle ProvinziälHouvernsnre und, andere machtlüsterne Elemente in ihren Strudel zu ziehen, so - daß die Gefahr besteht, daß auch die westlichen Nachbarstaaten Chinas von dem Aufrrchr ergriffen -werden. Sollte dieser mörderische' Krieg sich weiter ausdehnen, so werden die reichen westlichen Provinzen von Szechwan, Aunnan, KanslN und Chinesisch-Turkeslan eine Hauptrolle spielen, und der Kampf wird, weil diese Provinzen Indien,. Rußland und den aufstrebenden mohammedanischen Staaten des mittleren Lötens nahe liegen, von höchster Wichtigkeit werden. Es wird von Interesse fern, die auslä ndischen Einflüsse, die in diesen Kämpf hineinspielen, zu unter-. suchen und einige Streiflichter auf Charakter und Sitten . der Cheineserr zu werfen, die für die gegenwärtige Lage und die bei dem Neuaufbau Chinas und der Wi-ederherstelluing. eines friedlichen und einigen Staates ' sich ergebenden Schwierigkeiten zu einem großen Teil verantwortlich sind. Bor allem muß man darauf Hinweisen, daß die Haupt- ’ Ursache der Wirren in der durch die im ganzen Lande in der Verwaltung «und PoMk Herrschet Korruption vernrehrten Macht- und Geldgier zu suchen ist. Die Korruption wird einerseits durch di-e weite Ausdehnung Landes und durch die entsprechende Schwierigkeit der Ue'berwachung, andererseits durch die Gswöhnheit begünstigt; denn Betrügereien und Unterfchkeife sind schon lange Zeit an der Tagesordnung. Das Uebel Legt daivin, daß die Beamten eigentlich nicht bezahlt werden, bmu ihre Gehakter sind für die Befriedigung der dvingendjt;’H LebenSbÄdürjmisse gänzlich tlugenügend. Sie blicken 'r nach möglichst großem Gewinn aus und dulden 1 r;?mr ihre Untergebenen eine ähnliche Politik befolgen!, '-ad -von dieser einfachen Tatsache aus -kann man schon schließen, welch? Grundsätze für die Regiern-ng maßgebendsind, , , , - .. Wienev Morgeuzeitunsi. 1.2. Oktober 1924 Nr. SM Met derHerrschaft des Hakenkreuzes. Füdrnllusttieisungen und ihre Folgen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) *it Ost-vbvr. Der ,Hov wall t 'tneldet aus n am s w e L f u n g e¥ Wndsr . Berlin^ 11. MMeichuUrDile^M a f-.jc 'BtäatsWrgehörig.e.v j ü bischer -Religiml, ßvie sie m Me cklenb.urg-Schw e r in -tzvon. der Regierung, betpfebcu iVcrden, wurden vonr Tluslaud mit der Androhung von Gegenmaßregeln, näMch mit Maffenausw e i s u n g eit deutscher Staat'sa n ge ho r i g e r, wirkungsvoll beantwortet. So mußte Mecklenburg davon abgchen, und Emze'lausweisnugeu mußten rückgängig ge- ">acht werden, weil ausländische Staaten erklärten, für joden Arbeiter oder Gewerbeirciberiden einen Gut sbefi tzer de n tsch er Staa t sz ug chö rigk e it auszuweisen. Dies wirkte regelmäßig sofort, so daß sremde Staatsangehörige nun in Ruhe gelassen werde u. .Aber angewiesen muß werden, und so «i st man daran, nach sogenannten Staate u l ose u zu fahnden und diese Unglücklichen über die Grenze zu bringen. Tenn hier sind Gegenmaßnahmen nicht zu befürchtet:. Die Organisation Consul. Berlin, 11. Oktober. Me die Blätternielden', beginnt vor dem Reichsgericht -in der nächsten Woche die Berhandluug gegen die Angehörigen der berüchtiigten Organisation „C", die sämtlich frühere Ofsiz>rere sind. Der Erzbergcr-Mörder TyLesfcn in Prcft- Snrg verhaftet? (Eigeitdienst der „Wiener -Morgenzeituttg".) Preßbürg, 11. Oktober. Gestern nachmittags ist hier ein 'Reichsdeu t.s ch e r unter-dem.Verdacht Ungehalten und peHaftet worden, mit dielm flüchtigen Erzberger- M nvde r^Heinrich ThYl es s en identisch zu sein. Auf der PoWr gab er zu, daß er ohne Austveispapiere und ohtte Paß über die ffchecho-flowakische Grenze gckomuten sei, doch leugnet er, mit Thylesseu ideniffch zu -se.i>n. Verschiedene Anzeichen! weiseir a>ber darauf hin, »daß ein gewisser Zusautmenhamg zwischen dem Vechafteten und denn Erzberger- Mörder bestehen umß, da aus seinen Schriften hervorgeht. daß er sich längere Z eit in Ungar u aufgehaltetr habe. Auf seine IdenAät läßt au'ch der Antstaind schl>i>eßcn, daß die.scharf MsMprägben Ohrmuscheln mit denen Dhylessens übereiitstimnten. Der Verhaftete gab an, daß er schon einiml in Wie n als Dhylessen verhaftet worden sei, es habe sich aber dann heraus,gestellt, daß er nicht der Gesuchte sei. Während des Verhöres wechselte der Verhaftete mehMtails-seimn! Namen. Die Polizei hat alle Schritte eingeleilet, um die Identität ktarzustellen. Schulz hält sich verborgen. Budapest, 1*1. Oktober. „Az Ujsag^ erfährt, daß der Erzlberger-Mövder Heinrich S ch u l z - F ö r ft e r entgegen der bisheriMn Ansicht, nicht in die Billa des /Abgeordneten Gömbös in Nagyteteny zurückgekehrt ist. Schulz hält sich dielmehr seit seiner Freilassung verborgen, weil er sich fürchtet, daß ihn die Polizei.dechaften oun dals lästigen Ausländer aus Ungarn abschassen könnte. Nach einer anderen--Meldung soll Schulz aus Ungarn v c rs chwun.deln sein. JJ -- u Stets dos Neueste und Eleganteste in Strickkostiimen Westen etc. ^Öealstrwmpfnur L Trattigerhof 2 (Graben); '„Gie<Ber.waht^ng LeLitztkein Rb.chnnngsfw'e s en, von den BeMben sind Ähre chrtungen nicht zu bekommen, NNd fM Maschinerie, die zu -ihrer Beawsstchtigung ^eingerichtet würde,-müßte bald.m ihrer Tätigkeit gehemmt; werden. Steuern werden verpachtet, 3Honopole, vergeben, und jeder eiiMne hat nur den Trüb, möglichst viel für sich dabei herauszuschlageit. Es gibt Erlässe, die 'Len Betrag dev zu erhebenden St enern .festsetzen, aber es sind so viele Aus nähmen gemacht und Abänderungen getroffen, Laß man zwischen einer rechtmäßigen , und' unrechtmäßigen Steuer nicht mehr unterfchcrden noch abschätzen tann, -.welcher Teil, der gesammelten /Dummen wirklich in die Staatskassen fließt. Auch kann inan die Zahl der Stenern nicht abfchätzen, denn es finden nicht um uiMsetzliche Eintreibungen statt, fondern die Steuern eines Diftrikt-es sind von denen eines anderen Distriktes Vevschieden, und ein Beamter erhebt -oft gänzlich ande-re Steuern als sein Vorgänger. - Seit dem Zusammenbvuch der Monarchiein Ruß- -land und dem Aufstieg des Bolschewismus ha'ben die Ehineseir die Politik befolgt, Len Einfluß der Sowjetregierung als einer,«ihren Interesse feindlichen Macht aus zu schalten, da die Doktrinen Moskaus den gesunden demokratischen Anschauungen des äußerst praktischen Chinesen zuwiderlaufen. Die Bolschewiken 'haben «immer wieder Versuche gemacht^ Berhandlumgen mit China anjzuknüpfen und eine Bevtvetung in Peking und besonders im Westen zu erlangen, wo sie in meinem AmMezirVe mit Ausdauer, wenn auch ohne Erfolg gearbeitet haben. W m Jahre 1921 das englisch-.russische Handelsabkommen geschlossen wurde, zeigten die - Chinesen für dieses großes Interesse. Die Chinesen sähen, dqß es den -Bolschewiken -weit -mehr darmn zu tun war, ihr verfügbares Geld auf die Proprgainda als auf den .Handel zw; verwenden. @i-e bestreiten nicht, daß es höchst /wünschenswert ist, mit Rußland Handel zu treiben, aber sie bezweifeln, daß es rötlich ist, mit den Bolschewiken, deren Lehren den Grundsätzen des soziaAn und wirtschaM-chm Lebens in China straks Mviderlaufen, .HandckWeziehungeir anzukvüpfen. Ein anderer Faktor, der in Betracht -gezogen werden muß, ist die große .in 0 h a nr nr e d a n i s ch e Volkszahl in Len westlichen Provinz-en und die von Moskau gemachten Anstrengungen, diesen wichtigen Bevolkerungsteil, der an Indien -grenzt, in Ansrähr zu setzen^ J-m Westen ist «der führende Mamr Ma-.Fu-Hsiang, aber er betreibt eine fortschrittliche Politik nach europäischem Muster, übt einen mäßigenden Einfluß ans, trotzdem die Kraft und die^Ntigkeit PerMoharmnedanerfehr angewachsen sind. Sie besitzen.fetzt Waffen, Munition- und Geld, «während die - m0hammedanisch e Be w egung u-n-te r den C h i n «e {e n schnelle Fortschritte macht. Ein anderer Faktor, dev «in Betracht-gezogen -werden mrlß, ist die Mo ng-ole i im Norden, ein Land mit u«ngeheneF reichen Eodenschätzeir und großer lW-wirkschaUicher^ Zukunft, auf'das die japauische HanLelswett ein Auge geworfen 'hat. Die Bolschewiken habecr sich schon früh um die Mongolei bemüht, sie vevteilteir Propagandisten über bas ganze Land und strengten sich an, den Mongolen die Zeit ihwr Vorfchretr ins Gedächtnis zurückM-mfen, die im zwölften und dve'rzehnteU JahvlMndert Asien und Ercropa überfchwenmcten und ein Reich errichteten, da's sich vom Japanischen Adeer bis an die Advia erstreckte. Obschon zwischen der Mongolei u u d C h im a nach dem Fallder Alonarchie im JahM 1911 ein R i ß entstanden ist und die äußere Mongoilei ihre Unabhängig-, keit erklärte, hat sich die Stimmung jetzt gewandelt und die Mongolen -möchtell wieder unter di«e chbirvstsche Herrschaft zurückkehren, imiib wenn sie an dem gegelulvärtigen Kanips teflne hmen, so werden sie sich auf die Seite der .m«onarchrftischen Bewegung -stellen. Es. hat sich gezeigt, daß bei -diesem Problem einige Mtoren zu berücksichtigen sind, auf die «man in' Europa bis jetzt-nicht geachtet'hat, möglichevwerse, WE man keine Zeit nnd Gelegen«heit gehabt hat, sich die Größe der jetzigen Kämpfe iur Osten, die mächtigen Gegensätze und Eifersilchtelcien nnd -die unheilvo-llen Verbindungen, die von geldnnd machthungrigen Führern noch eingegangen werden können sich zum Bewußtsein zu bringen. Die Kämpfe in China. London, 11. Oktober. (Del. dev- „Wiener Morgenzeitung".) Wie aus Schanghai gemeldet -wird, ist T s ch ip e n g, eine Stadt nödlich von Petschili -mit 500.000 Giulvöhnern und einer 60.000 Mann starke^ Garnisom«, von der mandschurischen -Armee eingenommen worden. - Die zweite AMee der Pekinger Zenträlregiemng wurde geschlagen, wobei iusbesondeVe die 19. und die 13. Division vernichtende Verluste erlitten. Wo-Pei-Fu hat die 3. Dibilsion an die mandschurische Fvoint gesendet. Me Ermordung Je Haans. Jerusalem, 9. Oktober. (I. T. A.) Die Unter* suchung gegen Frau Maniia Schochat-Wilbus ch ewits'ch die am 21. September verhaftet Md dann gegen «die persönliche Bürgschaft von Dr. M«agnes aus der Hast entl-assen «wurde, ist nunmehr e n -d g ü l t i <j c i ngestellt worden. ' MinUeraMage r» der SkOschtina. Belgrad, 11. Oktober. In der heuliigen Vormittagssitzung wählte die Skupscht'ma einen 21gli-sdrigen Ausschuß, der mit der Untersuchung gegen die drei der KorruPti0n angellagteu Minister d.er früheren Regierung itzetraM ist. Die Wahl vollzog sich unter heftigen Demonstrationen der Opposition, die wiederholt in die Rulft ,M lebe die Armee! Cs lebe der, König!" aiusbrach. Der Kommandant der königlichen Leibgarde, P i vkovic, wurde zum Kviegsmin'ister an Stelle des znrnckgetvetenen Generals Hadzie ernannt. Szabo-Nagyatad« Demissto«. Budapest, 11. Oktober. Wie „Nyolez Ovar Ujsag" meldet, hat Ackevbcmministör S zaboMagh attad heu-te mittags seine Demissrön dem Mnisterpräsidenien schriftlich zur K c n u l n i s g e b r a ch t. Der Minister 'beruft sich hierbei a>nf seine evschüttevte Gesundheit und bemerkt, Latz ihn überdies verfchi'eden>e bei -der Durchsührung der Bodenresornr gentachte Ersahvnn'gen veranl-asftn, von - seinem Amt s'cheidein ' ' -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.