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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-11 · Heft 2029 (11.10.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2029 (11.10.1924)
Date
1924-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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jpoian ZOgrowri Wien: 2«m Abholen in der Expedition^!. Taborntr. 1-3^ oder in einerVergchleisstelle (Trank) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bcz., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 40.000 | Preis K 1400 teuer Ts ehe eh o-Slowakei: Mon. K20. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. PoienrMon. 31/, Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. IS England: Mon.4 Schilling, 11ali^n: Monat1.15 Lire, RumanienMon. 150L ei, Bulgarien Moni 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ausland. monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien. II., Taborsfr. 1—3 Telephone: ANSÜhrabds. 21-102,25-282 IX. UniversitätsatraBse 6—8 (Druckerei Steinmann) _ N««faxahIob;«i "W> b« Pre!i*rliöhun?eD Vorbehalt«« Oester reichischea Postsparkassen - Konto Nri 150.693 Sr. 2629 fflfeit, Samstag. 11. LVober 1624 Der englische Wahlkamps. zusammerischlutz der Mraerlichen gegen Mar Donald? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. Oktober. Die Proklamation des Königs über die Auflösung des Parlaments wurde heute in der traditionellen Form Von den Stufen des königlichen Palastes herab von Herolden verlosen. Alle Parteien haben während des 'hsutigen Tages ihren Schlachtplan für den Wcchlfeldzug entworfm. Wahrend die Vorposten bereits ins Land hinairsg-ezogen sind, Halten di'ie Parteiführer noch m London Kriegsrat. B a l -d-- win präsidierte einer Zusammenkunft der Konservativen, Asquith konferierte mit Lloyd George und Sir Artur Mond. Das Wahlmanifest der Arbeiterpartei wird morgen veröffentlicht. Es tmrvde heute von Mac Donald selbst entworfen und wird alle Punkto des Programms umfassen, das vllrn Partaikongrest der Ääbom Pa-rch aufgestellt worden G, und zwar: dL Natronalisiernng der Gruben; 8. Nat'wnaWevung der NahrungsmitbelMdustrie; Z. neue Zusichemugen in bezug auf die Avbe'Motsig- Zeit; 4. neue Pläne für den Pau von Wohnungein; ' ö. allealtey.Vovschlage überdisNationak^ievMgder '' oizitäts- und Wafservechte. Die liberale» und konservativen Wahlaufrufe ' 'wurden ebenfalls heute entworfen Die Liberalen werden in ihwm Manifest hmtptsächlich die von der Arbvitevrsgierung für Sowjetrußla-nd m Aussicht gestellte Anleihe kritisieren sowie den Mißcrfolg der Ar- Heitcrpartoi tu der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zum Gegenstand ihres Angriffes machen. Ueber den Inhalt des konservativen Wahlmanisestes sind bisher noch keine näheren Details in die Oeffentlichkeit gedrungen. In PoM'schen Kreisen verdichten sich die Nachrichten über ein bevorstehendes Zusammenarbeiten der bürgerlichen Parteien in der Wahlkampagne. Danach sollen Liberale und Konservative ein Übereinkommen: in dom Sinne schließen, daß in denjenigen Wahlbezirten, wo ein Kandidat der Arbeiterpartei aU'stvitt, entweder ein konservativer oder ein liberaler Kmrdkdat ausgestellt lverdeü soll, um ein gegenseitiges Bekämpfen zlveier bürgerlicher Kand'-datvn zu vernreiden. BesoMrs die liberalen Führer.befürworten ein solches Wahlabkommen. Die Presse veröffentlicht Angaben über' die Stärke der den verschiedenen Parteien zu Gebote sichenden Wahlpropagandagrlder. Danach übergab Lloyd George bei den letzten Wahlen der liberal.«n Partei einen-Parteiöchatz von 100.000. 5R ’f n tt 5t . feiert» «i»» Al.» ..ul—■ •' ■'* ’ 4ÄM reiche Lord I v e a g h. ferner Sir: George fj o u'ng e r, der bei den letzten- Wahlen oinenso gewaltigen Wahlsonds ausbrachtf, daß die konservative Partei heute noch über einen ansehnlichen Ueberschuß Verfügt. Die Arhe >iterpa r t e i wird in ihrer Wahl-' kampagne durch d'e Trade Unions unterstützt. Dazu kommt, daß die Arbeiterpartei die meisten unbezahlten Wahlagenten in ihren Reihen hat. . Anleihe umerreichnet. London, 10. Oktober. Die Ueberamkonmien über die deutsche. Anleihe-sind Heutevon den'. Vertretern .der doutfchen Negierung und der Let-eMglen Bainken unteM.ichnet worden. Der ganze Anleihebettag von 800 Millionen wird an die Deutsche Reichsbant für.Rechnung des Generalagenten für die ReParatiMsZahlungen' omgezahlt, .der während des ersten Jähres 'die Sachlieferungen zu begleichen, haben wird. Frankreich, dasdrei Millionen «inzahleu wird, wird im ersten Jahre. 20 Millionen zurückerhctiten. Die Finauzdelegierten find heute vormittags m der Bank von England zufammengetreten und haben am Schluß der Sitzarng das Arrangement unterfertigt. Englands Antwort an Deutschland. Heute überreicht. London, 10. Oktober, (Del. dev.,/Wiener Morgenzeitung".) Die englische' Antwort, auf das deutsche Memorandum über den Eintritt Deutschlands m den Völkerbund ist heute dem. deutschen Geschäftsträger in London überreicht worden. . Re Bestrebungen St. Marx' um die Regierungrerweiterung. Berlin, 10. Oktober. Ueber die heutigen Verhandlungen des Reichskanzlers mit den Parteien in -der Frage der Regierungserweiterung verlautet - nichts Verstimmtes. Es heißt, die.Sozialdemokraten Wien dem Reichskan^er mitgeteilt, daß sie den Plan der Ällsgemeinschast n i ch t als ges cheite rt bewachsen, sondern nur die Richtlinien der Deutschnationalen, als uncmnchinbar ansehem Nachdem die Führer des Zentmns und der Dinnokraten eine einseitige Aufnahme,/der Deutschnatiönalen als unannehmbar anfehen. Mchdsm die Führer des Zentrums und. der Demokraten eine einseitige Aufnahme der Deutschnationalen in das Kabinett abgelehnt hatten, teilten? die Vertreter der deutschnationalen Reichstagsfraktion dem Kanzler mit, daß' die Fraktion die Richtlinien des Kanzlers als 'geeignete Grundlage, für die WoiterMvuug der BerhcmdWM LetvagM, - Damit haben sich die Verhandlungen sozusagen im?Kreise Hernmgedreht und man steht wieder am Ausgangspunkte, nämlich bei den Richtlinien des Kanzlers. Von den sozialdemokratischen Unterhändlern tlvurde nach ihrer Besprechung mit dem Kanzler erklärt,-daß ^'ie eine Aenderung der Richtltmen nur insoweit wünschen, als ergänzende Feststellungen' notwendig erscheinen. Der Kanzler habe dieser Auffassung zugestimmt. Der-Reichskanzler ist. mit den -Parteiführern dahin übereingekommen, - die nächste 'ZufanMEmst anf Dienstqg den 14. d. antzuberanmen. -- Amh iu Uugam Nrnwvhlen? Minister Szabo noch im Kabinett. Budapest, 10. Oktober. In.der politischen Lage ist .noch immer' keine .Klärung eingetreten. Ackerbaurninister Szabowill heute dem Reichsverweser seine Demission überreichen, doch soll sein Posten vorläufig nicht besetzt werden, bis.seine.Prozeßarrgelegenheit ausgetragen ist. Die Drohung des Grafen Bet hie n, daß er unter keinen Umständenan die'Spitze,eines Koali- -rfonskrbinett's treten wolle, beran'laßte den Ackerbauminister, mit seiner Gruppe vorläufig in der Regierungspartei zu bleiben. In den Wandelgängen des. Parlaments wurde heute sestgestellt, daß der Ackerbauminister höchstens auf eine Gefolgschaft von 25 Mann rechnen könne, - so daß Bethlen noch immer übereine Mehrheit verfügen würde, wenn - auch; Szabo und seine' Anhänger die - Partes verlassen. PoMufig ist aber keine Red e davon, daß der Nagyatader?: das: Regierungslager vexläßt. Er will vielmehr versuchen, die Wünsche seiner Anhänger durchzusetzen. Diese Wünsche beziehen sich auf die' Durchführung der B o d e n r e s ö r m, die Regelung der Kriegs invalid enfür sorge und die Nenorganisierung der Verwallnng. - Ob es unter solchen Umständen dem Ministerpräsidenten gelingen, wird, für ein normales Funktionieren des Parlaments Sorge zu -tragen, besonders aber die..N evision der Geschäftsordnu.ng durchzuführen, ist-sehr'fraglich. Die Situation spitzt sich jedenfalls so zu, daß man in der, Regierungspartei schon heute mit der A u'flb's'N n g de s P är l a me n t s und Neuwahlen rechnet. Mae Donalds Wahlassstchten. ... , -7-y. Wieu.-Il. Oktober. Die Neuwahlen in England sind aust derr 29. Oktober angefetzt worden. Das Parlament soll dann, wie die Auflosungsproklamation bestimmt,, am 18. November wieder zusammentreten. Der' nahe Ternün der Wahlen bedingt es, daß die. Wahlkampagne unmittelbar nach der entscheidenden Sitzung des Unterhauses -mit voller Kraft eingesetzt hat. Es ist selbstver-stäMich, daß die beiden großen Parteien, die: Konservativen mit ihren 257 .Sitzen und die Ärberterparteifer. mit ihren 182 Sitzen,, die Hauptlast des Kanrpfes zu tragen habenwerden, während die Liberalen — bisher 162.Sitze — ihren taktischen Anfmarsch nochnicht vollzogen haben. - Die Entwicktung der internationalen Angelegenheiten' aber steht fetzt -unter dem Druck dieses Intermezzos dessen Ausgang unbekannt-ist. Obzwar selbst ein großer Wahlsieg der Konservativen keinen. ruckartigey Rückzug auf-die Balwinfche Politik und kein -plötzliches Ausgeben der Mac Donaldschen Grutcktinien mit sich bringen.' würde,. wäre er doch als Anzeichen einer Stinn'nungsänd'erung bedeut-, sam und er würde seine Konsequmzen schr bald 'bemerkbar machen.-Siegt 'Aber"die 'Arbeiterpartei entsprechend ihren Hoffnungen derart.-daß-sie. gestärkt a-n die- Regierung zurückkehrt, dann rymmt.eD doch, nöch^nnMex' aus die zukünftige. Starke der Oppositiowaw Es ist also -möglich, daß auch' die' sozialistische Regierung im'ch dey - Wah-.. len aust der schwankenden Basis des KonchrpmiKs bleiben mE-wWI^sie^nW' Ms-Mer 'eigenen?.-Mist"; die. 'MhrhÄt.deh Unterhauses -stellenÄM.' Diöse-Wnttlyli-,' täten drücken auf. die gesamtpolitiföhe iSituation ustd machen sie für die nächste Zeit ündurchsMi'gf . " - Dies spricht sich auch bereits in der Thronrede aus, die.im Haus der Lords verlesen wurde.' Mau hört/den', unverkennbaren Ton der. Sorge'heraus,- wenn die .erfreulichen Ergebnisse, der .'Londoner Konferettz - ünterstrichen und so gleichsam angedeutet wird, daß'dieses Ak- ' tivum der, englischen Regierungsbilanz Paralysiert werden könnte, wenn durch die Wahlen eine'Kursänderung eintreten müßte. Auch der starke Hinweis anf die cnglisch-russischen Verträge,, die der wirtschaftlichen Wieder-' Herstellung Europas eine neue Basis'geben Men, dient diesen! Zwecke, das Land und den Wähler auf die heikle Aufgabe auftnevksam zu machen, die vor ihm. steht und deren Lösung unter den Augen der Welt erfolgen? soll. Denn.die zu fällende. Entscheidung greift in die Verhältnisse des Kontinents tief ein,'weil sich die Politik aller Staaten in diesem Jahr in'jeder 'Beziehung ans die li'nksdemokratische Orientierung Londoits.hatte? einstellen müssen. Die. Auswirkungen eines Frontwechsels müßten/ Ivenn ihn die Mehrheit der englischen Wählerschaft. oestätigt, nach einer gewissen Respektssrist zeigen, por allem in einer neuerlichen Aktivität 'der Rechtsreaktion in Deutschland, die schon jetzt den -Reichstag gelähmt und auch die unglückliche Idee-der Volksgemeinschaft' end--' gültig erledigt Hai. Der. Gedanke der Neuwahlen gewinnt immer größere Verbreitung"und die Agitation der Parteienvollzieht sich' selbstverständlich unter, dem Einfluß der Vorgänge in Euglandi und der Stoß der Vater-, ländler' richtet sich mit neuer Wucht gegen den Eintrilt Deutschlands. in den -Völkerhund.- Die englische Regierung hatte hierfür das Terrain geklärt und einen freundschaftlichen Gedankenaustausch zwischen Deutschland und Frankreich herbeigeführt. Die Haltung Mac-Donalds in dieser Frage hat in den Kreisen der Industrie,?'di.e.das Wioderaufldben des deutschen Dumpings für den Fall der Durchführung des Dawes-Planesbesorgt,?? verärgernd gewirkt' und das Mißtrauen verstärkt.- Dieser Opposition liefert die deutsch-chauvinistische Propaganda den helfenden Stoff stir ihre Kampagne. - Die englische Krise muß-freilich, was als tröstlicher Entstand sehr in die^ Wagschale fällt, rasch ablaufen. Die Gegner Mac Donalds zeigen ihren Unmut offen,-'daß der Wahlte'rinin so kurz befristet wurde, und sie erblicken darin einen taktischen Schachzog.-des Käbrnetts, das seine Vorbereitungen schoil seit Wochen begnmen habe.. Trifft dies zu/-so hat die Regieruttg --ben mck'is anderes getan, ' als was ihr die Haltung d-?r Opposit'oi> verschrieb, die cs an deutlichen FreuMichkeiteu aegenöbee Mac Donald nicht fehlen ließ und den' an sich sö geriugsügigen Prorrkr-smiininnistisib^i, ^TvvftYÄ+ti*J?t• -ttw Airlöb biV',

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