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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-09 · Heft 2027 (9.10.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2027 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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m 2037, Wr«n, Donnerstag MMeilimsen aus dem Publikum. 1VS »o^el.-ne5^vir^nr J. QUTH II. HO LL AND STRASSE Nr. H "TO ANERKANNT BESTE KUCHBI Moderne MerMe. Ulster, Anzüge nach Maß zu mäßigen Meisen und in tadellosev AuDvrung h Großes Lager feinster tztoffs 1» Schneidermeister Rudolf Goldstein Segr. 1868 Wien, U«, Taborstratze 54 Tel. 4v«ss Küdienetagire m» JffiBJBR, AJUIVj l. Wlpplingerstrasse Nr. 18 Diplom. Optiker HugoWolf Wien,* I. Rotentürmstrasse 16 und Graben 7 Die heue Brille Q a n z Europa trinkt Tee MissotzKg -— Moskau Gegr. 1849 (Die nachstehenden Ankünditzungen sind entgeltlich.) Srendi. OttafiouSteppichhalle! Hunderte von Kauftepvichresten, Möbelstoffen, Borhang- •fto rfrcftcn, Resten für Tstchdecken, reduzierten Ueiberjvurfen, Lambrequinsusw. An der Okkasionsresienhalle des großen TcWichhcms-es OreM, Wien. 1. Bez., Fleischmarkt 1. Zugang gleich neben dem Kino. * Tan-institnt Hermann Braun, 14. Bez., Reilidorsgasse 42. Gerichtssaal. Ler „Kurier des Bundeskanzlers". Mit 16 Jahren Viehhändler, Theaterdirektor und Kohlen- YäMer. Vor einem Schöffenscnat des Landesgerichtes 2 hatte sich vorgestern der 21 j ä h r i g e Johann Stöger zu verantworten. Seine bewegte Laufbahn ist ein echtes Produkt der „großen" Zeit und ihrer Folgeerscheinungen. In den Kriegsjahren verlegte er sich trotz seiner Jugend mit großem' Erfolg auf den Schleichhandel. Mit 15 Jahren war er schon ein bekannter Viehhändler. Er war sogar der Lebensmitteltieserant des Montnrdepots Brunn anrj Gebirge. Das Kapital, das er sich auf diese Weise erwarb, legte er als Pächter des Stadttheaters Baden!an. Am. 1. Mai 1920, also noch als 16jähriger, eröffnete er in Baden das bis dahin gesperrt gewesene Stadttheater und gleichzeitig auch die Arena. Er schloß auch Gastspiel- Verträge mit verschiedenen Wiener Bühnen ab. Das Badener Theater ging damals glänzend, so daß er über Aufforderung des Gemeind-ecmsschusses eine eigene Truppe engagieren mußte. Sie bestand aus 107 Personen, einschließlich Mu^ siker und technisches Personal. Seine Wirksamkeit als Theaterleiter erstreckte er auch auf die Bühnen von Wiener-! Neustadt, Berndorf, Neunkircheir und Mödling, die er für Gastspiele pachtete. In der Folge ging aber das Theatergeschäst sehr schlecht und im Februar 1921 stand Stöger ohne Kapital da. Er mußte aus Baden flüchten, da er keine Gagen bezahlen konnte. Stöger wandte sich dann dem Z r r k u s f a ch zu und beraifte die größeren Städte Oesterreichs. Im November 1920 kehrte er nach Mödling zurück, wurde verhaftet und bottti Landesgericht 2 wegen betrügerischer Krida zu fünf Monaten Arrest bedingt,, ein zweitesmal wegen verschiedener anderer Betrügereien zu sieben Monate schweren Kerkers verurteilt. Nach seiner Haftentlassung wurde er Kohlenhändl e r. Neuerlich kam er mit den Gerichten durch verschiedene Prellereien in Konflikt, die er-vornehmlich an Chauffeuren tzerübt hat. Er wandte sich schließlich nach Graz. Bald stand er auch dort ohne Geld da. Da er sich nicht einmal eines Fahrkarte nach Mödling lösen konnte, wo sein Vater ein Fichrwerksgeschäft betreibt, nahm er sich ganz einfach einen Chauffeur auf. Ans diese Weise kam er bis zum Semmering. Dort kehrte er im Hotel Panhans ein und ersuchte den Direktor, einstweilen den Fuhrlohn, der einige Millionen betrug, für ihn auszulegen, lim mehr Einbruch zu niachön, bestellte Stöger im Hotel einige Zimmer ans mehrere Page. Der Hoteldirektor ging aber auf diesen Vorschlag nicht ein und der Chauffeur, der Stöger bis dahin seiner Aussprache nach für einen Amerikaner, aebalteu hatte, jetzt aber, als er seinen Wiener Mormerizeitunk. ' d. Oktober 1924 Seite 7 Fahrgast plötzlich im österreichischen Dialekt sprechen hörte, Verdacht schöpfte, ließ den Burschen verhaften. Stöger wurde dem Bezirksgericht Gloggnitz etngeliefert. Nach einigen Stunden wurde er aber wieder enthaftet, da er den dortigen Richter mit dem Hinweis auf seine Eltern in Mödling, die Großfuhrwerksbesi her sind, täuschte. Aus der Haft-weg ging.Stöger zu einem Fuhrwerksunternehmer in Gloggnitz. Er erzählte ihmj, er sei ein Kurier, des Bundeskanzlers Seipel, habe einen Automobilunfall erlitten und müsse rasch die Korrespondenz nach Wien befördern. Dieser Mann ging aber aus den Schwindel nicht ein, sondern erkundigte sich bei her Gendarmerie, wo er natürlich dje entsprechende Auskunft bekam. Unterdessen war Stöger verschwunden. Einige Zeit später wurde er in Wien, als er wieder den Versuch machte, einen Chauffeur zu prellen, verhaftet. Der Verteidiger Dr. Kraus beantragte die Psychia- Irierung Stögers, da der Angeklagte bereits einmal von zwei Mödlinger Gerichtsärzten für größenwahnsinnig erklärt worden sei, während der Gefangenhausarzt Stöger für normal erklärt hatte. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt und Stöger zu vierzehn Monaten Kerker verurteilt. Set fingierte Ueberfall. Die Phantasie eines MonarchistensAhrers. Eine seinerzeit in der OeffeMichkeit diel besprochene Geschichte einer fingierten Raubanzsige bildete gestern -denn Strasbezirksgericht 1 den Gegenstand einer Be-vhandlnug, in. welcher der Bezivkshaupdnanu a. D. Otto Dahmen WMn Irreführung der Behörde angeklagt war. Am 18. Juni gegen 11 Uhr nachts wurde vor dem Hanse Hegebgasfe 8 ein junger Mann, es war dies Otto Dahmen, in scheinbar bewußtlosem Zustand, eine Spagatschnur um die Hand gewickelt, aufgefnnden. Auf die nächste Wachstube «gebracht, erzählte Dahmen, der seinerzeit bei «den Wahlen eine führ ende Rolle in -der monarchistischen Partei inne-gehabt hatte, nachdem er bas Bewußtsein wieder erlangt hatte, daß er, vom Stadt-, park kommend, ans dem Hinterhabt von einem Manne überfallen, durch einen heftigen Schlag zu Boden geworfen und bewußtlos wurde und daß ihm daibei ein Paket mit dem Inhalt von 197 Millionen Kronen in lauter Noten zu 590.000 Kronen geraubt worden sei. Das geraubte Geld hatte Dahmen, wie er erzählte, kurze Zeit vor dem «Neibersall von einenr Juden namens Sommer im Kurfalorr des Stadtparkes -als Darlehen «erhalten. Dahmen wurde zunächst in ein Sanatorium -gebracht und hier über seinen Wunsch von einem höheren Polizeibeamten verhört. Dem Beamten gegenüber «gab Dahmen zu, den lieber fall sin «giert zu haben und betzeichnete auch die Geschichte mit «dem Gelbe als A u s- -gebiurt einer krankhaften P h a,nt a s>ie. Ms in «einem «Blatte der Widerruf der Anzeige über das fingierte Raubattentat erschien, ließ Dahmen vom Sanatorium aus an eine Tageszeitung sowie auch an einen Polizeibeamten Briefe schreiben, in denen er seine ursprünglichen Angaben über den Ueiberfall aufrecht hielt und in Abrede stellte, daß es sich um einen fingiertere Mberfall gehandelt habe. Schließlich gab ijedoch Dcchmen bei der -Polizei zu, daß er die ganze Sache frei erstinden habe. In der gestern durchgeführten Becha-ndlun-g gab Dahrnerr zu ferner Verantwortung folgendes an: Ich stehe auf «bem Standpunkt, daß ich zur kritischen Zeit finn-esver «wirrt war. Am kritischen Tage habe ich mit einem Geldgeber Esriel wegen eines größeren Darlehens, wie .ich glaube in einem Kasf-echaüse in der Gnmpeudorferstraße, verhandelt. Vom Kaffochaus ging «ich Mt einer Partei!sitzun«g in die Strndelhofgasse und ich habe von «dort nreiner Mutter telephoniert, das; ich das Geld bereits bekommen habe. Dann ging ich zu meiner Frau ins Sanatorium und wurde später von ntciitcm Bruder in den Stadtpark begleitet, woselbst ich gegen halb 10 Uhr abends den Geldgeber im K'ursa'lon treffensollte. Vom Kursalon gütg ich über die Johannesgasse nach Hause und war auf dem Heimwege «dort «der fixen Idee erfaßt, «daß ich das Geld, welches ich in Wirklichkeit vorn Geldgeber nicht bekommen hatte, bei mir halbe. Was mit .mir auf dem Heimwege geschehen ist, daran kann ich mich nicht erinnern. Da bei den Vorerhebungen seitens der Behörden. der Ver- «dacht laut wurde, daß Dahmen «den Aeberfall und den Raub «des Geldes fingiert habe, weil er zur kritischen Zeit insbesondere eine größere Hotelschnld hatte und diese «in-cht bezahlen konnte, so erklärte der Angeklagte, -daß er keineswegs es notwendig -gehabt habe, -aus «diesem Grunde den ülcibersall zu fingieren. Er hübe zwar damals im Hotel Meißl u. Schadn, in «Ivelchem er sechs «bis acht Monate «gewohnt habe, eine Schuld von 17 Mllionen, die nicht beglichen waren, gehabt, doch halbe die HotÄdirektion ihn. kein-eKwegs gedrängt. Der Richter beschloß, dett Geisteszustand des Angeklagtetl durch GerichtSpstichiater untersuchen, inAbesoudere prüfen zu «lästert, ob «!>er Beschuldigte zur Zeit des fingierten IMevfalles in einem Zustande vorüber-gchendkr Si-M'esveMirrung sich befunden habe. Schl'i-ehlich wurde die Verhandlung vertagt. Der Prozeß Putkammer-Getzmaütt. «Dr. Paul Kl e mperer teilt uns als Anwalt der Frau Keoirtür-e Pntkammer- Geßmann -mit, daß das Strafverfahren geaerr sie bezüglich -aller Beschuldigungen eingestellt wurde, da sich ihre völlige Schuldlosigkeit ergeben hat. Zer neue zoütarif Rumiiniwr. Aus Bukarest Wird uns geschriMn: Rach dM Mr-tivenbericht, der den Erlaß derneuen Mmanischen KoL- «icrif begleite:, paßt sich der neue Zolltarif dem alten (seit 14*21 in Geltung befiMichen) in bezug »wf Struktur nnd Staffelung völlig an. Er soll als Mnimyl-tariif gelterr ge-geniiber allen denjenigen Ländern, die ihrerseits Rumä-men gegenüber ihre Minimalsätze «in Anrechnung bringen, beziehrmgsweise den rumänischen Waren die- GeistbeLünstignng zuerkennen. In «allen Fällen jedoch, in welchen diese VorMSsetzmrg nicht zutrifft, soll das Dreifache, jemr HoWN M «Anwendmlg gelangen. Es ist uaturtlich, daß der Neue Zolltarif von fiuanz- .mmisteri-eller Seite motiviert wird mit den MMchten, welche die Regierung zum Schutze -der - heimi-schen ZMdustr.i-e nchmon '.nüsse. Die Gef-chr des ausländischen Dumping ist MrdingS nicht zu vwkeunen.. Sie droht namentlich den Indust-r-ien, deren Exporlfühigkeit noch in den Anfängen steckt, also der Texüb, Konfektions-, Zeurent-, Papier-, Glas-- und Gerbindustrie, die eines bchöMichen Schutzes «gegen die auM-ndische Konkurrenz schon ans dem Grunde bedürfen, um aus ihnen in nicht allzu «ferner Zeit wirkliche Exportindustrien zu machen. Bei den übrigen JndustriM liegen «die Verhä'ltnifse jedoch anders. Hier ist zunächst Zwischen den tatsächlichen Ausführiu-dnstrien (Petroleum-, Holz- und l-andwirtschastliche Industrie) unh densemgen Indnstvien zu unterscheiden, die aus de>n verschiedenften Gründen für die vollständige Deckung des. hemrischen Bedarfes an «atbs-chba-rer Zeit «nicht in Betracht kommen. Diese bedürfen keines Zolls-chutzes. Die Invporte aus -dem Auslände sind nicht zu umgehen in allen jenen-Fällen, in denen der heimische Be-- iharf die inländische ProdMion übersteigt. Das Einstvömen dieser Importe zu den billigeren Zollsätzen hätte «den Vorteil, ans dent eigenen Märkte pveisregulierend zu wipken^ d.. h, im Sinne von Preisermäßigunigen, die ilhrerserts von günstigem Einfluß auf die allgemeine PreisgestaltuiNg sein würden und dadurch eiMr V-edbillig-ung der Pnoduiktionskosten -den Weg ebnen könnten. Daß es her Bukarester Regierung mit der Bekäuchsrm-g der Teuerung im «Lande ernst ist, darf nicht bezweifelt werden. Wenn sie, dessen -ungeachtet, die Zollsätze erhöhte, so wird «da- «durch nur der Beweis erbracht, . daß sie sich bei der Schaffung des neuen ZoWarises in erster Reihe von fiSMischen Riickllchren leiten ließ. Im Gegensatz zu den alten Sätzen wurden die neuen in GoWei umgerechnet. Nach der bisher geltenden Ürbung werden die Umrechnungskurse für feste Fristen (drei Monate) im voraus bestimmt. Gegenwärtig beträgt der Kurs 30 Papierlei «gleich ein GoMm Gei einer augenblicklichen Züricher Notiz, von etwa 2,70). Wenn auch die neuen Zollsätze ans fast alle zur Eiilfwhr gelangenden KlrtM Anwendung finden, so hat sich «der Finanzminister bei-der Festsetzung jener Tarifsätze doch eine golvisse Mäß-igwng Mferlegt, zweifellos in der Ansicht, nicht auch seinerseits zur Verteuerung der allgemeinen VeibenHaltuug .mehr als Mtsg beizutragen. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, muß albgewartet werden, ist aber arMnchmen, da die ZollerhöhiMgen nicht schematisch' erfolgt sind, sondern offenbar in einer Weife, die den Bedürfnissen des Landes Rechnung trägt. Während gm: Beispiel der Ziemlich anschnlichen Textilindustrie erhöhter Zollschu-tz Zuteil wird, die Papierindustrie «sogar die u-ur rund. 160 Prozent erhöhten Maximal,'ätze erhält, haben die Zölle auf « Maschinen der Textil- «und Papierindu strie, ferner ans Näh- und Schreibmaschinen keine Veränderung erfahren. Dagegen ist der «Satz für landtvirtschaftliche Maschinen von 120 Lei auf 250 Lei pro 100 Kilogramm, für elektrische Maschinen von 100 bis 200 Lei auf 800 bis 1000 Lei pro 100 Kilogramm erhöht worden. Es ist nicht HweifÄhast, -daß denr Staate >tm Lause der , Zeit ans dam neuen Zolltarif ein sehr namhaftes Plus an Einnahmen, zllfällen dürfte, was ihn in -den Stand -setzeil wird, «die in -be-zng ans die Konsolidierung der -auMndifchell Schuld n-enerdi-ngs übernonlmeneri Verpflicht-ungen zu erfüllen. Fim«Minifter Brvtianu über Rumäniens Manzpolktik. Bukarest, 8. Oktober. (Radio.) Der Fl-naMNliilister erklärte -gegenüber einer Abordnung von Industriellen und Kaufleuten, es sei eine Uebertreibu-ng gewesen, von einer Krise auf dem rumänischen Markt zu sprechen, was eine Be« woglt-NZ zur Zurückziehung -der Bcmikdepots hervorgernfen habe, die «übrigens gegenwärtig bereits gu-m Stillstand gekoul« -men sei. Der Minister betonte seinen festen Entschl-llß, seine bisherige Politik fortznsetzen und alle -Maßnahmen abz>l- -l-chmn, die eine Inflation gew Folge hätten. Jedes ernste Unternehmen, die gegenwärtige UÜbergangsperiode zu überwinden, werde seine Uu-teiftützung finden. U,nter den in Aussicht genommenen Maßnahmen befänden sich die FBrdernng des Berkchrswesens und im ZusanEnhang. mit dem Plane einer Rasorm der indirekten Stenern die wahrschLMliche Aufheibung der Wavenu-msatzsteu-er. Der Minister wies schließlich auf die steigetlde Tendenz des Lei hin nnd sprach die feste .Uclb-LrzeU'gU'N-g aus, daß diese Lliustvär-tsbewegu-n-g andauern werde. Kommsnclltß d6r Kroatischen Eskomptebartk, Agram WSi;&ls i> |iif2Bi46AlSE 4 sä!E B0g*9E “,H Tejephon: 22-5^90 Serie »«»... Telegrammadresse: FRAPOBANK Alte Arten von Bankgeschäften Kredit- und Warengeschäfte

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