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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-09 · Heft 2027 (9.10.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2027 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen: 20 grogzf 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.000 Ts che c h o-SIowa k ei: Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. DinaröO, Polen: Mon. 3% Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr ankr., Belgien: Mon. Frcs. 15 SV* Nach sah I unsren "WO bei Preiierhohnn^en Vorbehalten Nr. 2027 Lener | Preli K 14001 England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 15 i -ire, R u m a n i e n Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 ’t.edsVHonn, Administration Wien II., Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ASfiÜhr ahds. 21 -102,25-282 IX: Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspai - 'lösten^onto Mr. Wien. Donnerstag. 9. Mober 1824 k. Mrnana KrWftllnden in London. Ser Stnrmlmf gegen Mae Zomid Eigenbericht der „Wiener-Morgenzeitung". London, 8. Oktober. Bor volkbesetztem Hause begründete als erster Redner der frühere unionistische Minister Sir Robert H o r n e den Antrag - der Unionisten, worin die Regierung wegen ihrer Haltung bei der Zurückziehung der Anklage gegen den Herausgeber des kmnmun ist i scheu Blattes'„Werkers Weeklh" getadelt wird. Sir Robert Hörne erklärte, wenn die Ausführung der Gesetze erst der politischen Zweckmäßigkeit untergeordnet, werde, würde die Gerechtigkeit überhaupt verschwinden. Der Atterneh General sollte völlig frei von Politischen Einflüssen sein, wenn er sich seine Ansicht bilde. Kein größerer Kamps könnte gegen die britische Zivilisation geführt werden als der, daß der Oberste Gerichtshof für Parteiinteresseu benützt werde, und der Vorwurf gegen die Regierung fei eben, daß sie derartige Dinge getan habe. Sensation rief bic Erklärung Harnes hervor, daß zwischen dem Staatsanwalt und dem Alterney General eingehende Besprechungen stattgefuvden hätten, und daß die vor dem Gerichtshof abgegebene Erklärung mit voller Kenntnis Hastings erfolgt sei. Das Unterhaus wolle wissen, ob und bis zu welchem Grade die Entscheidung des GeneMstäatsanwa-lts -beeinflußt wurde oder nicht. Sir Harne erinnerte daran, daß die Liberalen eine parlamentarische Untersuchung vorgeschlagen hätten . sei noch'weniger annehmbar als die Tadelsmotion der Konservativen. - . Darauf eMrff der Genemlstaatsanwalt Sir PatrA H a sting s das Wort, um sich gegen die gegen ihn erhob.'uen Anschuldigungen -zu verteidigen.- Wenn auch .der k-ouseroative Autrag sich gegen das ganze Kab:-iett richte, so sei er doch in der Hauptsache gegen ihn' gerichtet. -Er verlas eine von den höchsten Mitgliedern der . juristischen _ Hierarchie Englands zu diesem Falle verfaßte Erklärung.^ Er Jelbft habe gar keine Entschuldigung vorzn'bringen.' Sir Hastings erklärte sodann, daß das Kabinett auf dem Lausenden gehalten wurde und daßniemals ein Minister gegen seinen Beschluß Protest erhoben habe/Er habe'außerdeut zuvor die Ansicht des Solteitor-Generäls eingvholt, der,ihn irr seiner Ansicht .unterstützt habe. Mac Dvnald. selbst, tob. bis Meinung ausgedrückt, daß von Anfang an. die gerichtliche Verfolgung nicht begründet gewesen, sei. Nun ergriff Sir FohnSim o n das Wort. Er erklärte, «wenn Mac-Donald sich weigere, die von den, Liberalen vorgeschlagene parlamentarische - ttniersuchungskommission zu akzeptieren, dann würde er einem Manne Reichen, der ein wichtiges Dokument besitzt Und lieber sein Haus verbrennen ließe, als daß er dieses Dokument beiauntgibt.'' Sodann -brachte S.i man den liberalen Mäuderungsanirgg eür.. . i : : ’ ■’* •, :: i '- Der König nach London abgererst. London, 8. Oktober. - Mt Rücksicht-auf. die politische Krise verläßt-der König heute, abends Balmoral und -trifft morgen früh in London ein. Die Krise Mar Donalds. —V-Wi e n, 9. Oktober. Das englische Kabinett hat die Zustimmung des Komgs erhalten, für den Fall der Niederlage im Unterhaus mit der Auflösung vorzugehen und neuerlich an die Wähler zu appellieren. Mac Donald hat diesen Kampf mit einer größeren Rede vor dem Kongreß der Arbeiterpartei angekündigt. Sein Bericht ist eine umfassende Darlegung des politischen Systems der Regierung, eine schwerwiegende Kritik der Friedensverträge und eine scharfe Stellungnahme zu den letzten Genfer Abrüstungsbeschlüssen, die Mac Donald alles romanischen Glanzes entkleidet. Der Frieden, wie er heute aussiehr, ist nach diesen Ausführungen eines von sehr hoher Warte Blickenden lediglich eure. Pause zwischen zwei Kriegen. Er wird von Personen bestimmt, die dm Krieg nicht prinzipiell und ohne Vorbehalt ablehnen und die bestenfalls eine kurze Erholungszeit für die Menschheit festfetzen wollen. Diese psychische Verfassung unterscheidet sich in nichts von dem Zustande, der in Europa vor dem Kriege herrschte und von Mißtrauen und Argwohn aller gegen alle und gegen einander durchsetzt war. Alle spielten mit der Waffe, bis sie losgmg, alle aber setzen die Politik des eifersüchtigen Lauerns fort und erzeugen damit immer wieder neue Komplikationen. Wie vor dem Kriege, so beteuern auch jetzt die Staatsmänner ihren festen Friedenswillen, aber zu laut und zu oft, als daß nicht hinter der Maske ihrer Redensarten die Angst vor dem Nachbarn sichtbar würde. Die Arbeiterregierung war -sicherlich von den Vesten Absichten geleitet, als sie in die Ordnung der Weltwirren eingriff. Sie ist demokratisch und spricht' das, was sie will, offen und mit aller wünschenswerten Klarheit aus. Sie. hat denn auch Großes geleistet und es ist ihr durch die unbeugsame Energie ihres Auftretens gelungen, auch in Frankreich eine andere Stimmung zu erzeugen und die bösen Geister des Krieges Zurückzuscheuchen. Das ist in der Giftatmosphäre dieser Zeit;ehr viel. Woran es aber auch der Arbeiterregierung fehlt, das ist der Mut, sich, von der Gedankenwelt des Krieges vollständig loszusagen und ihr Programm des Friedens durch die Tat zu beweisen. Mac Donald ist der Chef einer Minoritätsregierung; er muß Kompromisse machen, er kann nicht die letzten Konsequenzen ziehen und vor der ganzen Welt.das „Nie wieder Krieg!" bekennen. Vielleicht könnte er dies, wenn auch die führenden Männer in den anderen Staaten den Mut dazu aufbrächten. Aber der Grundfehler all der Reformkonferenzen ist eben der, daß scheinbar so viel guter Wille vorhanden ist, einer aber aus den anderen wartet. Jeder hat daheim die geschlossene. Front der Durchhalter, der ewig besorgten Patrioten, der berufsmäßigen Kriegspreiser mit ihrem Troß an bezahlten Maulaufreißern gegen sich. Die Rücksicht aus diese Nutznießer des Hasses und der Hetze nennt man die Politih der Tatsachen, nnd sie ist es, die heute genau so wie vor zehn Jahren die Gehirne der Klügsten umnebelt und ihre Offensivkraft wächst in dem gleichen Maße, als die Führer der Politik ihre Aengstlichkeit zeigen. Auch der Zusammenstoß Mac Donalds mit seiner Opposition kommt aus diesem Winkel. Mae Donald sagt dies sehr klar: Die großen Arbeiten, denen sich seine Regierung widmet, können nur von Männern geleistet werden, deren Autorität unangetastet dasteht. Die konservative und die liberale Opposition, deren Tadelsantrag die Regierung mit der Androhung der Neuwahlen beantwortet, kämpft gegen den mit Sowjetrnßlaud abgeschlossenen Handelsvertrag. In Wirklichkeit aber wendet sie sich gegen-den Geist der neuen Demokratie, dem Mac Donald das Bett bereiten will. Daß der Kabinettschef und Herriot gemeinsam sich aufs Handeln mit den alten Mächten einließen und stets nur auf den Beifall oder das Mißfallen' ihres Auditoriums horchten, macht ihre Stellung verwundbar. Der englische Kabinettschef ruft die Entscheidung der Nation an uni er scheint sicher zu sein, daß sie sein Wirken bekräftigen wird. Ehe aber ihr Votum vorliegt, kommt wieder Unsicherheit in die politischen Verhältnisse Europas. Man kann nur wünschen, daß diese Krise rasch vorbeigehe. In ihrer Entwicklung liegt das Schicksal des Friedens. Re „Volksgemeinschaft". Die Bedingungen Dr. Marx' für die Koalitionserweiterung. Berlin, 8. Oktober. Die vom Reichskantzler Dr. Marx für den Eintritt in die Volksgemeinschaft herausgegebenen Richtlinien fordern die Aue rkennnngder V e r fass u n g als rechtsverbindliche Grundlage des staatlichen Lebens. Ungesetzliche Abä-nderungsversuche gelten als H o chverrat. Die Richtung der Außenpolitik wird in erster -Linie durch die Londoner Abmachungen bestimmt. Die erlassenen Reichsgesetze sind. loyal durchzuführen. Die Ausnahme in den Völkerbund soll erstrebt werden. Die. Lasten aus dem Londoner Abkommen sollen nach den. Maßstäben der Wirtschastssörderung und der sozialen Gewchtigkoit verteilt werden. Die Demokraten gegen einen Regierunas- * Wechsel. Berlin, 8. Oktober. Die Fraktion derDemokrate n hat in ihrer heutigen Sitzung einstimmig eine Entschließung angenommen, , worin erklärt wird, daß eine Änderung der Regierung in der: jetzigen politischen Lage nicht erwünscht sei. Sollte sich eine Aendernng der Zusammen^ setzung der Regierung durch die Haltung anderer Fraktionen nicht-vermeiden lassen, so würde die Fraktion gemäß dem Vorschlag des'Kanzlers einer nach rechts'und links erweiterten Regierung die Unterstützung nicht versagen. Das Zentrmm stimmt zu. Berlin, 8. ' Oktober., Die Zentrumsfmktiml beschloß, die Bemühungen des - Reichskanzlers Dr. Dtarx p unterstützen, die bestehende Koalition durch Hinzuziehung aller zu einer aufbauenden Mitarbeit bereiten Parteien nach rechts-und links zu verbreitern, um dadurch eine starke, gesicherte Regierung zu schassen. Die deutsche Bokksparter firr Koalitions- Verhandlungen. Berlin, 8. . Oktober. Die deutsche Volkspartei gab um 8 Uhr abends folgende Entschließung ihrer Relchstagsfraktion bekannt: Die Richtlinien der ' Reichsregierung erkennt die Fraktion als eine b r a n ch b a r e Grundlage für K o a l i t i o n s.v e r h a n d l u n g e.n au. Sie billigt einmütig das Verhalten ihrer Unterhändler und ersncht sie, aus eine beschleunigte Lösung der Frage der Regierungs er- Weiterung hinzuwirken. Horthtz liefert den brzberger- Mörder nicht aus. Budapest, 8. Oktober. Die ungarische Regierung hat die Auslieferung des Mörders Erzbergers, Heinrich Schulz-Förster, v e rw e i g e rt. Hiezu erfahrt das Ungarische Telegraphen-Korrespondenzbureau: Der Justizminister hat im Einvernehmen mit dem Budapefier Strafgerichtshof die Auslieferung Heinrich Schulz-Försters, dessen Auslieferung von deutscher Seite verlangt worden war, unter Hinweis auf die Politische Natur der Straftat und.wegen mangelnder Reziprozität verweigert. Die deutsche Regierung hat nämlich seinerzeit den die Auslieferung des Mörders des Grafen Tisza, C s e r n h a k, abweisenden Beschluß damit begründet, daß die Straftat ausschließlich aus Politischen Motiven und im Laufe Politischer Ereignisse begangen worden sei, die den Politischen Charakter des Mordes außer Zweifel stellen. - ' , v. Dänemark röstet oh. Kopenhagen, 8.. Oktober.. Im Reichstag u-nterbrertete - der Landesverteidignugsirnnister den Entwurf eines AÜr ü ft u >n g sgesetzes, wonach das Krieg s- und das Marine m i nisteri um a u s.g e h o b e n, die Mil itär d*t enstpfli ch t a b g e s ch a f st, die B es e st i g u ngeu geschleift und die-Heer es- und Mar in e- Werkstätten in staatliche Zivil u n t e nt e h in tt ngen n mge Wan de l 1 werden sollen. An Stelle der Armee soll ein W a ch k o r P s treten, das die Gendarmerie zu unterstützen haben wird. An Stelle der Närrin e soll zur Ueberwachtmg der dänischen Gewässer ein anderes Korps treten. Schwere KMtrMe des LuxuMges Paris—Rom. 6 Passagiere tot, 15 schwer verletzt. Rain, 8. Oktober. (Stesani.) Der Luxuszug Paris— Rom ist bei Santa Margherita in der Rahe von Genua entgleist. Die Maschine und mehrere Waggons st ü r z t r n um. Bon den 60 Passagieren, die sich im Zuge befanden, sind s e ch s t o 1 und f ü n s z e h n s ch w e r v e r l e tz t. Der Materialschaden ist sehr bedentend. ersparen Sie beim Einkauf von Stoffen für Herbst und Winter, Damen- und Herrenwäsche, Leinenwaren, Strick? und Wirkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. gfljr* Snt Warenhaus Schiffmann II. TaborstraSe 48 Telenhon 47»1«7P En gros En detail

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