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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-07 · Heft 2026 (7.10.1924) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2026 (7.10.1924)
Date
1924-10-07
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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fe EÜ _TOeit, MmÄag _ Wiener Morgenzeitung. I SktoS-r 1924 Nr. iS Fußball. Die Uruguayer über den europäischen Frch-Msport. Wir ciitnefjmcit uachstchenden interessanten Artikel der „Prager Presse^: Nach .der triumphalen Rückkehr des olympischen Fußballteams von Uruguay wurden die einzelnen Teilnehmer felbstverstäMich von unzähligen Reportern und Interviewern bestürmt und uni ihre Eindrücke befragt. Die Mehrzahl der von Führern und Spielern gemachten Äußerungen ist in echt spovtmaMer und bescheidener Art gehalten, wobei sich jedoch alle Teilnehmer der glatten Ueberlegenheit des südawerrkanischen Fußballsports über jenen von Alieuropa bewußt sind. Für den tschecho-slowatischen Fußball ist die Meinung der meisten Spieler des Urnguayteams von großer Bedeutung, welche die tschecho-slowakische Mannschaft trotz ihres Mißerfolges im Spiele gegen die Schweiz für die beste aller europäschen Mannschaften, die am Pariser olympischen Turnier ieilnahmen. halten. Der Führer des Urnguayteams, Sr. Mart'inez, behauptet, daß Uruguay seinen olympischen Sieg seinem sorgfältigen Training sowie den in Spanien vorher ausgetragenen Wettspielen verdanke, welche die Mannschaft in bester Kondition erhielten. Der Kapitän des Teams von Uruguay, Nasazzi meint, daß Südamerika die ersten vier Plätze des olympischen Fußballturniers zu Paris besetzt hätte, wenn außer Uruguay noch Argentiniern Chile und Paraguay oder Brasilien teilgenommen hätten. Wahrlich, keine schöne Meinung vom alten Europa! Nach seiner Meinung, welche auch von den übrigen Spielern geteilt wird, waren die Tschecko-Slowccken, die Schweizer und die Spanier die besten europäischen Mannschaften. Romano, der glänzeit-de Halbrechte der Uruguayelf, hält ebenfalls die Tschecho-Slowccken für die stärkste Mannschaft von Europa, doch mangelte es ihnen an Schußvermögen. Andrade, der schwarze Läufer und der populärste Fußballer der Olympiade, sagt gleich zur Einleitung seines Interviews: „Mit Ausnahme der tschecho-slowakifchen Mannschaft schienen mir alle anderen europäischen Teams unerhört schwerfällig." Andmde hält auch die französische Elf bei' gewissem Training für Vielversprechend. Zrbechi behauptet, daß die europäischen Spieler Maschinen seien und nicht genug inte ll i g e n t s p i e l e n. Die Schweden, sind kalt, aber sie kombinieren besser als die Tschecho-Slowaken. Auch Zibechi glaubt daß sich Argentinien, Paraguay und Brasilien in Paris placiert hätten. Aus dem Wiener FuWallvevband. In der gestrigen Sitzung lag ein Schreiben der Spielen wuon vor, womir sie sich gegen die Bvüskierung ihres Präst. denten Grünfeld durch Herrn Hugo Meist verwahrt. Der Bundeskapitän hatte nämlich öffentlich die Erklärung abgegeben -.»rrn GrrinfeV unterhandle. Herr Meisl' t, daß es ihm ferne geigen sei, die Prasckenten beleidigen an wollen. Auch e Spielerunion das primitivste Reckt daß er nicht mehr mit Herrn GrrinfeV unterhandle. Herr Meisl aab nun gestern bekannt, ***“ *—- -*v— r Spielevunion oder deren _w ^v. beabsichtige er -nicht, der Spielerunion daö' Primitivste" Reckt einer Gewerkschaft, die UnterhäMer, die ihr genehm sind, zu entsenden, absprechen zu wollen. Er habe rein persönlich erklärt daß er für seine Person mit Herrn Gvünseld nicht vechandelu wolle da letzerer bei den Besprechungen zu aggressiv sei. SeMt» veOandlich wird der Verband an Stelle des Bundeskapitäns zu etwaigen Besprechungen mit der Spielerunion andere Herren delegieren, wobei die Bereinigung der Fußballer jedes ihrer Mitglieder des Vorstandes als auch ihren Präsidenten entsenden kann. Ein diesbezügliches Schreiben wird an die Spieler. Union abgesendet. Aus Antrag des Vertreters des KontwMomitees tourte vom W. F. B. folgender Beschluß gefaßt: Bei einem Vereins Wechsel eines Amateurspielers hat der Stammklub ni< das Recht, die Freigabe zu erteilen. Das Recht der steht nur mehr dem Kontvollkomitee zu. Wenn sich also ei: Amateurspieler bei einem neuen Verein anmvldet, dann nur dieser Klulb um die Freigabe beim Kontrollkomitee anfuchen. Dadurch soll verhindert werden, daß für einen Amateurspleler eine Ablöse verlangt wird. Drefe Bestimmung gilt auch für Amateure, die bei einem Nichtamateurklnb spielen. . Der W. F. B. genehmigte gestern auch die Gründung eines eigenen Struma und eines eigenen Beglaubigungsausschusses für die NichtamateuEgen. Die Amateure der MchtamateuvTubs unterstehen aber nach wie vor dem alten Strumck. Auf Antrag des Vertreters des Finanzjkomitees wurde der Boschluß gefaßt, daß die Delegierten des I. S. E. Bar-Kochba umgebend vor dem Finanstomriee zu erscheinen haben, widrigenfalls der Verein. suspendiert wird. Der erste deutsch-franzvftsche Hallkampf «ach dem Kriege. Run wird er doch zur Gewißheit werden, nachdem so viele Pressemeldungen, die mehrere Vereine als angeblich nach Frankreich fahrende Fußballmannschaften namhaft machten, überholt sind. Beim Deutschen Fußvallbund als zuständige Stelle für die Genehmigung solcher Spiele liegen bisher zwei Anträge vor: Tennis-Boru sia (Berlin) gegen Club Francaise Maris) am 18. Oktober au der Buffalobahn zu Paris und 1. Freiburger F. C. gegen A. S. S. (Srratzburg) am 2. November in Straßburg. Ein Angebot an den deutschen Meister, d 1. F. C. Nürnberg oder an die Spielveremigung Fürth bisher nicht ergangen, dagegen soll auch der Karlsruher FU! ballverein eine Einladung aus Bordeaux besitzen. Es verlohnt sich, noch vor Beginn der! schen Fußballkämpfe den Verlauf der Ereignis anzösi- _. . . ,e rückschauend u betrachten. Die Einladung an Tennis-Borussia, wie auch an den 1. F.-C. Freiburg, ging von den beteiligten französischen Vereinen aus. Die deutschen Klubs mußten nun darauf bestehen, daß von den Franzosen alle Voraussetzungen geschaffen werden, damit die ergangene Einladung-auch in ihren Konsequenzen gehalten werde. .Die Tatsache, daß der französische Verband eine offizielle amtliche Erklärung beransgab, nach der er seinen Wettsprelverkebr mit deutschen Vereinen gestattete, trug ungemein zur Förderung der Begegnungen bei. Es ist weiter anzuerkennen,, daß der französische Verband darüber hinaus, noch diesen seinen Standpunkt, in Verbindung mit der Bewilligung des ersten Spieles Tennis-Borussia (Berlin) gegen Club Francaise (Paris), oem Deutschen.Fußvallbund schriftlich bekanntgab. Dre Entscheidung des Deutschen Futzballbundes zu den beantragten Spielen dürfte in ganz kurzer Zeit fallen. Sie kann nur zustimmend lauten, zumal auch der Berliner und der süddeutsche Verband dje Anträge der Vereine unterstützen. In r—11 vl- —firjL £—'"'He Be- Tennisspäter wirb "dann in Straßburg das'Spiel Hreiöurger F. C. gegen Straßburg folgen. Auswärtige Resultate. . Slavia schlägt Sparta 3:1. Das wichtigste Prager Eveignis des gestrigen Tages war das MeisterischaftsispN Slavia— Sparta, das die Slavia ülbevraschend 3:1 (0:1) für sich entscheiden konnte. Denr Wettspiel wohnten 27.000 Zuschauer bei, eine Zcchl, die für Prag einen Rekord -bedeutet. Der Sieg der Slavia kam durchaus veüdient, da sie -besonders in der Meilen Spielhälfte dem Gegner glatt überlegen war, was allerdings hauptsächlich deni Bechagen Kadas in diesem Zeitraum zuzuschreiben ist. Beide Mannschaften hatten einige neue Leute eingestellt, die sich Uber nicht bewährten. .Den ersten Treffer erzielte die Sparta durch Kolinaty, dann glich Krrtochwill aus. Zwei Minuten vor Schluß schoß Dobias unter großem Jubel des Publikums das zweite Goal für Slavia. Die Resultate der englischen Ligaspiele. Arsenal-— Blackburn Rovers 1:0, Won Villa—Huderssield Town 1:1, Bolton Wanderers-—Cardiff City 2:1, West Bromwich Albion—Burnley Irl, Bury—Sheffied United 1r0, Liverpool— Everton 1:0, Birmingham—Leeds United 1:6. Manchester City— Westham United 3:1, Nottingham Forest—Newcastle United 1:1 Not 18 County—^Sunderland 1:0. — Manchester United — Clapton Orient 1:0, Conventry Er 1H —Bradford City 0:0, Crystak Palace—Stockport Couty 3:0, Blackpool—Barnsley 4:2, Fulham—Pourtsmouch 0:0, Dertbh Blackpool—BarnZley 4:2, Fulham—PourtSmouth 0r0, Derby County—MiddleSbrough Sri, Oldham Athlettc—Stocke 2:0, Port Vale—South Shields 0:0, Goüchampbon—«CheUeia 0:0, Leieester City—Weonesday 4:1, Wolverhampton Wanderers— Hüll City 2:1. Meisterschaftsspiele in der Schweiz. St. Gallen—Veltheim 1:1. Wring Fellow—Lugano 6:4. Winterthur—Mne Stars 6:8. Grashoppers—Zürich 3:2. Basel-Aarau 0:0. Eonrordia—Luzern 1:1. Foung Boys—Nordstern 1:0. Chaux-desonds-Etorle 1:0. Eioile Courage—Servette 4L. LausaMe Sports—Cantonal 3:1. Fribourg—Montreux SpovtS 1:0. Spiele kn der Tschecho-Slowakei. S. C. Lieben—Spavta Kosir 3:8. MalostranSki—Prag 7 2:0. Meteor Weinberge— Viktoria Nusle 8:0. Prag Vrsoviee—Nuselski 3:2. Glavoy 8— Sportbrüder 5:1. Sparta Gladno—Viktoria Weinberg 4:0. Cechie Karlin—-S. C. Gladno 2:8. Olympia Pilsen—C. A. F K. 2:1. F. C. T^wlitz—Sportbrüder Schreckenstein 0:1. A.S.C. Parduvize—A. S. Kralove 2:1. Meteor 8—Ziden'ree Brünn 2:1. Brunner Sportklub mit Blue Star kombiniert-Union Zizkov 4 :8. Spiele in Ungarn. Die gestrigen Meisterschaftsspiele der der ersten Klasse brachten! in dem unentschrvdenen Spiele M. T. K.—Universität, das torlos endete, eine Ueberraschung. Der Meister war gezwungen, ohne Molnar und Opata anzutreten. Die weiteren Ergebnisse waren: 3. Betzirk^-U. T. E. 1:0 (1:0). B. T. C. Maß 3:6 (2:0). B. A. C.-WröqueS 2:1 (0:1). In Steiermark kamen folgende Wettspiele zur AustraaMg: G. A. C.—Sturm 8:2 <1:1). Hakoah-A.-E. C. 6:1 (2:0). Rapw—Gggenbura 4:2. ^KronMen—Möstmg 8:1. Voitsberg— A. A. K. (Mnbiniert) 4:0. ' Die nächsten Meisterschaftsspiele.- Hcckxch gegen Mdmiva, Wßewüa gegen W. A, C., Rapild gegen SpoWM, Simwermg gegen RuWfShlügÄ. Die Amateure GiÄlen mr kommendm Sown'tD auf dem , Menen Platz gegen den Pvaigsr D. F, C. Das RetourMel findet am 1. Saovemiber ikn Prag statt. Schaffer ist gestern zu Orientieruugszwecken nach Brünp obgereist. > . Wüste Fußballbegeistemng. Aus Paris wird uns berichtet: Am vergangenen Sonntag hätte in Buenos Aires das Retour- Länderspiel zwischen Uruguay und Argentinien stattfinden sollen. Der erste Länderkampf endete bekanntlich 1:1 unentschieden und kam jüngst in Montevideo zur Austragung. Infolge des koloMen Interesses, das dem Wettkampf entgegengebracht wurde, war der Sportplatz schon Tage vorher ausverkauft. Am Tagender geplanten Austragung drangen aber so viele Zuscher auf den Sportplatz und ^Mstaus das SpielffekL ein, daß daS Match nicht aefpielt werden konnte. Die Polizei hatte alle Mihe, die allzu begeisterten Fußlballanhänger zu entfernen. Schließlich kam es im Publikum zu großen Schlägereien, wobei^ zahlreiche Personen Verletzungen erlitten. Wisla (Krakau) spielt, von Schlosser, ehemals M. T. K. (Budapest) trainiert, ernige Wettspiele rn Konstantinopel, dann in Ledi (Italien) und in Mailand, auf der Ruckreise rn Budapest gegen M. T. K. und F. T. C. kombiniert. Zum italienischen Verbandskapitän wurde an Stelle V. Pozzos G. Milano gewählt. Italien spielt am 16. ^November gegen Schweden und am 83. November in Stuttgart gegen Deutschland. In die akademische Mannschaft des I. S. C. Makkabk, die sich auch an der Meisterlchaiit beteiligt, werden noch Spieler, besonders solche, die in mchtzüdischen Vereinen tätig sind oder waren, ausgenommen. Anmeldungen im Cafe Lido, 8. Beg^, DampffchisMraße 20. Der Sportklub Zion hat in der letzten Zeit folgend« Resultate erzielt: Zion 1 und 8 kombiniiiert gegen Taubstummen 2 1:2. (0:1); Zion 1 gegen Amicus 1 1:8 (0:0); Zion 2 gegen Amiens 2 6:2 (4:1); Zion 2 gegen Mittelschüler Sportklub Aar 11:1 6:1); Zion 1 gegen ZeleritaS 1 0:0; Zion 2 >gegen Raimer-GyMMisium 1 1:1 (0:1); Zion 8 gegen Rainer-Gymmvsimn 2 8:1 (8:0). Willy Seidler, der Gchtige Verteidiger des I. G. R. MakkM, der im Spiel gegen Republik eine schwere Knie« Verletzung erlitt und seither m ärztlicher Behandlung steht, -ist dank der außerordentlichen BeMwhugen der Herren Dr. MaM und Dr. Schwarz aus dem Wege der Besserung und dürste schon in Vier Wochen seine Mannschaft verstärken. Copyright 1984 hy Deutsche BerlagSanstalt, Stuttgart. Nachdruck verlioten. 6. Fortsetzung. Die Stadt an der Moldau. R o m a n. Vorr Auguste Hanschner. Jakob beobachtete, daß sie, von Rührung überquellend,' zu ihnt strebte und wie Herr Percziller ihre Absicht ■ hennnte. Der Advokat, bei Jakob angekommen, wartete einige Sekunden aus des Leidtragenden Ausbruch von Schmerz und Dankbarkeit. Da beides ausblieb, ließ er die Trauerkundgcbung beiseite und äußerte sich tadelnd über den unstatihastenr Vorfall, daß ein Tscheche sich erlauben durfte, unangelneldet das Wort am Grabe eines deutschen Judcll zu ergreifen. Von oben Herab kam die Ermahnung: da er seine natürlichen Ratgeber verloren habe, fühle er als sein Brotgeber sich verpflichtet, Jakob vor. dem Verkehr mit Josef Zahradil zu warnen. Schlecht beleumundet, ein tschechischer Zelot, ein Deutschenhasser. Man bringe seine - Nwtriebe in Zusammenhang mit den gestrigen Zusammenstößen vor dem Deutschen Haus imb den Ausschreitungen vor der Leschalle. „Und immer geht es zuerst über die Juden. Im Stadtpark haben sie gestern eiuenr Freund von mir die Fenster eingeschmissen." Stolz setzte er hinzu: „Es gehört für einen Mann in meiner Lage einiger Mut dazu, heute cinevi jüdischen Beerdigung beizuwvhnen. Man hat mir zwar keine Steine, aber Hepp, Hepp imb Drohungen in den Fiaker geschickt." Mit einer höflichen Verbeugung sagte Jakob: Ihm sei von diesen Ereignissen nichts bekannt, er habe sich in den letzten Tagen von der Außenwelt ganz abgeschlossen. Die gedrückte Stimmung, in der diese Erklärung abgegeben wurde, söhnte den Ergrimmten aus. Herablassend klopfte - er seines Konzipienten Schulter und erklärte: er wolle ihm gern noch einen Tag Urlaub geben, um sich von seiner Erschütterung zu erholen, aber wie er aus eigener Erfahrung wisse, liege in der Arbeit der beste Trost. Eduard umarmte Jakob. Während er sich' kräftig schneuzte, rühmte er die kolossale Beteiligung. „Wie hätte der Urgroßvater sich gefreut." Jakob dachte: Vielleicht hätte ihn das Kommen der armen Leute, die ihre paar Groschen für die Elektrische ' und für einen Büschel Blumen ausgegeben haben, vielleicht hätte ihn das gefreut. Zum Greifen deutlich sah er den weißen Haarkranz, der noch so dicht in die klein gewordenen, tief eingesunkenen Augen hing, aus denen nie ein Fünkchen von Humor verschwand. Er 'hörte den Ausspruch, in dem er die Erfahrung seines Lebens zusammen faßte: „Mba . . . ka Gegenstand." x Von. den anderen abgesondert, trat er zu Fuß 'den Heimweg an. Mit gesenktem Haupt, Beute trostloser Gedanken. Im Innern eine Schlaffheit, eine Leere, eine Ueberzeugung von der Zwecklosigkeit seines Lebens. Er war ehrlich genug, sich zu gestehen,-daß ihn der Verlust allein in diesen Zustand brachte. Drei Tage laug war er der Arbeit fern geblieben. Drei Tage lang war er Theresen auf denr verglasten Gang nicht begegnet, der Wohnung; und Kanzlei verband. Drei Tage lang hatte er entbehren müssen, was-täglich viernndzw-anzig längen Stunden Sinn und Würze schenkte. Wie denr Hungernden Genuß köstlicher Gerichte, gaukelte Phantasie dem Schnsüchtigen Bilder unwahrscheinlicher Erfüllung vor. Gewiß, sie ließ der hergebrachten. Beileidszeile ein Wort des Trostes folgen. Zu allen Postaustragszeiten lief er denr Briefträger entgegen mit Sekunden geizend,- die ihm die Botschaft vorenthielten. Nach der Enttäuschung die Erwartung. Er belauerte die Stubentür. Therese stand in ihrem Nahmen, sie saß an seiner Seite. Er durfte, den Kops in den Falten ihres Kleides, zu ihren Füßen weinen. Bei Dunkelßvevd-en schlich er um ihr Haus,-lugte nach einem Zeichen. Schlaflos durchwi'chlte er des Urgroßvaters Hinterlassenschaft. Er fand ein verblaßtes Daguerrotyp seiner Mutter, von dem er meinte, es gleiche dem Mädchen, das er liebte. Sein Blut verbrannte in der Schwüle von Sabbatar Zewis' erotischen Gedichten. Der schönen 'Sarah Ivaren sie gewidmet, deS Messias unzüchtiger Bichlin, dem Weib mit den Korallenlippen, „deren Milchfleisch üppig aus der Badewanne steigt". Unkeuschheit 'war ihre Sendung. Gottgleich durste sie einen jeden erhören und beglücken. So zehrte sie das Böse und die Sünde auf. Und öffnete denr -Gnadenstrom der Sefiroth die Kanäle, aus denen Befruchtung und Erlösung auf die niedere Erde strömte. Lechzend las er die Beschreibung der Eingänge in das Paradies der Weibesreize. Die Lust des Todes überreizte seine Triebe. Ihn fror in seiner Einsamkeit, es verlangte ihn na>ch der Wärm« eines Frauenleibes. Wollüstige Bilder verfolgten ihn und spannten seine Nerven auf die Folter. Eine letzte Hemmung hielt ihn ab, eines der nahegelegenen verrufenen Häuser aufzusuchen. Als Maria ula, im Aufträge ihrer Herrin, eine Mehlspeise brachte, zitternd vor dem Zimmer, in denr jemand gestorben war, packte er sic lüstern, die er bisher -nie beachtet hatte. Durch ihr Geschrei zur Besinnung gebracht, ließ -er ab von -dem Versuch, sic hinzuwerfen. Trübselig, entlang der -schattenlosen Straße schreitend, breitete Jakob diesen Zustand vor dem Andenken des Rrgroßvaters'üus: Er sprach zu ihm: „Ich kann vor dir bestehen, du würdest mich bedauern, aber'nicht verwerfen. Du hast zwar nie davon gesprochen, aber dir Ivar keine Adenschenregung fremd." Mit Willensauswand entriß er sich dem Grübeln und beschleunigte den Schritt. „Nicht draußen Mischen 'den Massen liegst du begraben, in meinem Herzen habe ich dich oingesargt." (Fortsetzung folgt.)

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