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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-06 · Heft 2025 (6.10.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2025 (6.10.1924)
Date
1924-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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iPolea: 20 groszy j Wien: Zum Abholen in der ( Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschl eisstell c ( (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverlcauf in Wien ( durch die. Kolporteure der , Firma Goldschmied, 1. Bez., < Wollreile 11 1 Mit Postversand für Wien u, ( Oesterr. monatl. K 40.000 Tschecho-Slowakei- Mon. K20. Jugoslawien: Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. SV» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frankr., ( Belgien: Mon. Frcs. 15 1 Preis K. 1400 England: Mon,4 Schilling, Italien: Monat!. 15 Lire, Rumänien Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Sch w e i z und das übrige Ausland monatlich Frei. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstr; 1—3 ’eieptione: 44-0-38,43-3-19. Ah6ührabds.21-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—^ (Druckerei Steinijiann) IBRF* Naehmlilunjren "tB# bei PreiierhBhiuipen Vorbehalte« 91t. 2025 Wien. Montag, 6. Malet 1924 Oösterreichisches Postspar* kassen -Konto Nr. 150.693 t. Wrgang London. 6. Oktober. Lord Beoverbrock tritt im „Suntzay Expreß" .-für 'eine Regievnnigsübernchwe durch die konservative Partei ein, und ZImar ohne NeMvahlen, denen sich das Land tvk-evsetze und die keine grundlegende Veränderung in der gegenwärtigen parlamentarischen Lage dringen würden. . London, 6. Oktober. Nach dem „Observer" ist der Sachverständige für Luftschiffahrt, Bur neh, gestern nach Friedvichshafen abgeflogeu, um den Z. R. 3 vor seiner Abreise nach Amerika zu besichtigen. Der Berliner Berichterstatter des „Observer" schreibt, -wenige Schiffe hätten je den Hafen mit so viel Hoffnungen verlassen wie dieser Lnstviese, dessen Anblick einen epochsmachenden Zeitpunkt in der Geschichte der-langsamen, aber sicheren Schritte Deutschlands in der Richtung seines Wiederaufbaues symbolisiere. London, 6. Oktober. „Daily Mail" meldet aus Houston (Texas), daß 5000■ mexikanifche Soldaten gemeutert hätten. Paris, 6. Oktober. Nach einer Meldung des ,,Oeuv.re"„ soll das JnternatioMe Institut..fürgeistigeZiffamMeüarbeÄ bi dem Gebäude untergebracht werden, in dem sich; die ehEalige: österreichisch-ungarische Botschaft befand. Berlin, 6. Oktober. Die Berlin-er Mühlenarb eite r haben den Eintritt in den Streikbeschlossen. Der Beginn des Streiks wird von der Zentre-lstroNeitung festgesetzt werden. GnMotri. Die Verhandlungen mit der Banea kommet« ernte. Int Laufe des gestrigen Tages ist in der Angelgenheit E-rstiglioni-Depositertbank keine wesentliche BevätMrmig eingetreten. Der R echtsanwalt des italien'ischen Instituts hat .sich zur Berichterstattung nach Mailand ibegeben, während die übrigen Vertreter noch in Men sind. Sie 'warten ldas Ende der Verhandlungen ab, die mit -der Geschästsausticht 'der Depositenbank geführt werden. Sollte die -Geschäftsaussicht!der Depositenbank auch weiterhin Jordevungen Kellen, die attilfc dem finanziellen 'Status des Hauses Castiglioni nicht in Einklang zu bringen sind, dann würde sich die Banea Commereiale gezwungen sehen, von de^ ge Planten Sanierung A 'b st andz unehmen und den Konzern . und dessen Unternehmungen ihrem -Schicksal überlassen. Goldstein und Nenmann kommen nach Wien. Wie -verlautet, werden im Laust dieser Woche die Gesuche des ehemaligen Präsidenten der Depositenbank, Paul Goldstein, und des Direktors Gabor Neu manu um Gewährung freien Geleites ihre Erledigung, finde«. Bekanntlich haben/die Behörden ursprünglich die Zusicherung der steten Geleites von der Leistung einer höheren Kaution abhängig gemacht. Seitens der Vertreter Goldsteins und Neümanns wird jedoch nach wie vor geltend gemacht, daß ihre Klienten, nicht in der Lage seien, eine größere materielle Sicherstellung zu leisten. Da aber die ansländischen Behörden nur dann Schritte gegen Goldstein und Neumann unternehmen würden, falls ihnen das gesammte Aktenmaterial des Wiener LandesgerichteS ausgefolgt würde, ist es wahrscheinlich, daß die Staatsanwaltschaft auf den Erlag einer Kaution Verzicht leisten wird. Der. Krach der AaMch-MerrrWchrn HM. Wie verlo-utet, .wird die t NoMH-OesterveichiM ßoitf in der allernächsten Zeit bin •' Gesuch um E x o f st uung des Aus glerchsv erfahr ens einbvingen, lven-n die von Rechtsanwalt Dr. Kätscher mit den Vertretern einer etrglrschvy Gruppe geführten BerhandWüHn z \\t keinem günstigen Resultat führen. Die Einlagen l&t Bank 'betrgg-en ^vHiemhM Milliarden, die Kosten der ' luxuriösen Einrichtung des „Bankpala-is" viereinhalb PMiarden! Die Effekten,.die der Bank zur -Aufbewahrung. bexPEgrl-d.et»^ Der Umsturz in Hedschar. London, 5. Oktober. Das Reutersche Bureau meldet aus Port Sudan, daß die Regierung von H e d s ch a s gestürzt sei. Der Thron sei dem Emir Aly angeboten worden, der aber das Angebot ab gelehnt habe. Mau hoffe auf Verhandlungen mit den Wahabiten. _^ Bor der Annahme Schanghais. Bon drei Seiten bereits orngeschlosstu. London, 5. »Oktober. Mch .einer Meldung aus Schanghai haben die Kiangsütruppeni die Stadt Chin sau an der Mste südlich von Schanghai e i-ngenommen,. so «daß S ch a n g h a i nunmehr von d r e i Seiten eingeschlvss-ru ist. Sine Wahlrede Soolidger. Washington, 5. Oktober. Präsident Coolidge hielt hier eine Rede, die als Antwort 'auf die Genfer B e f ch l ü s s.e angesehen werden kann. Er erklärte, daß Amerika gezwungen sei, um jede» Preis feine Unabhängigkeit aufrech t z ü erhalten.' Am erika müsse sich das Recht reservieren, zu bestimmen, mtt welchen Mitteln es seine Unabhängigkeit wahren solle. Amerika gebe zu. daß es einen Teil der großen Bölkerbrüderschast darstelle. die amerikanische Reglerüng werde daher jederzeit Verträge begrüßen, » nur unter der Bedingung, daß sie der amerikanischen Politik nicht zuwid erlaufen. WasdieFinanzierung desDawes-Planes sowie alle Maßnahmen für den wirtschaftlichen Wiederausbau Europas anlange, so seien dies Angelegenheiten der 'amerikanischen und europäischen Privatleute und nicht offizielle Angelegenheiten der amerikanischen Regierung. In politischen: Kreisen wird der Meinung Ausdruck gegeben, oäß durch die Genfer Beschlüsse sich die Aussichten der R e p ub l i k a » er gebessert und die der völkrrbundfteundlichen Demokraten v e rsch l echt er t haben. ^_ Amtole Fronte im Sterben. Paris, 5. Oktober. (Wolff.) Wie einige Morgenblätter aus Toure berichten, hat sich der Zustand Anatole Franc e s so verschlimmert, daß er zu den s ch l i m mst e n B e s ü r ch t u n g en Anlaß gibt. 8rkM «edschid im Wl. Tevritet, 5. Oktober. (Schweizerische Depeschenagentur.) Der gewesene Kalif Abdul Med sch i d, der am 17. März d. I, in Territet Aufenthalt genommen hatte, ist heute nachmittags mit seinen Kindern und seinem Gefolge nach Cimiez bei Nizza abgereist, wo er eine Billa mieten ließ. K«e p«lWche Uetze 8Ma«r'. -Paris, 5. Oktober. In Le Wans hielt heute Caiüaux eine politische Rede, in der er auf den ihm gemachten Hoch- Verrats Prozeß zu sprechen kam. Da er im Jahre 1917 die Ansicht vertreten habe,!daß die Stimmung in der Welt Fried.e nsan sstchten biete, habe man ihn ins 'Gefängnis geworfen. , Nach dem Journal .des Dobcrts" ging Eaillaiux auch auf die elsaß-lothringische Frage ein. Gm nationalistischer Schriftsteller habe chm geschrieben, es wäre besser gvwesev, Frankreich hätte Gljsaß-Lothrin g\tn nicht, wieder bekommen und den Krüg nicht geführt. Diesen Ansspruch mache er sich voMommen zu eigen, aber er. müsse hiuzusügeu,. als dev ^iationalismus'die Regievungsgewalt inden HMen. hatte, >habe er es nicht verstanden, die Opfer an - Menschen und Blut nt «Einklang mit dem erlangten Siege zu^bringen. Don der Erinnerung an die Bergan-genheit erfüllt und von einem unerfreulichen -Jnrperialismus träumend, habe der Nationalismus -die. Realitäten/außer acht , gelassen. Caillaux billigte schließlich die-Politik Herriots. HD» SMli,»en Mvtz Sefijit in Wenblrtz. Lsndon, 5. Oktober (Wolff.). „Sunday Expreß.^ hält es D sicher, daß die britische.Reichsausstellung von Wmbley einen großen finanziellen Fchlschlag bedeute. Das Defizit werde wahrscheinlich 4 bis 6 Millionen PfundhAagen. Mac Donald und das Automobil. — Rathenau Rr. 2. st. Wie n, '6. Oktober. Der englische Mnisterpräsi-dent hat ein' Automobil, einen Kasten auf vier Gummirädern -mit einer Maschine vorne dran; also ein Automobil, -wie es deren dreißig Millionen oder noch mehr auf der We-lt gibt. Alle dreißig Millionen Automobile machen gelegerttlich Krawall und stinken mehr oder weniger, und die Menschheit hat sich daran gewöhnt. Aber das ibesagte Automobil Mac Donalds hat vor kurzem einen Kraivall gemacht, der -noch in allen Ohren gellen, -und. einen Gestank produziert, der in alle Nasen kriechen wird. Die konservative Londoner Presse hat die Meldung gebrächt; daß sich der Ehef der englischen Regierung und Arbeiterpartei von einem. Zwiebackfabrikänten hat- ' dreiMt-äusend Pfund schenken lassen und ihm dafür den SM verschaff: hat. Mac Donald führt-in einer Gegenerklärung aus, -daß hier -lediglich eine ^Perckettung^fatalK^-H^fäM-voM^e... ..Döv^AMsbackfabM-ant'^fvHrtt"seit'l'Mhren"'^eunder. Er hat ihm wiederholt-das Geld angeboten; mit der Begründung, daß einem-Manne von der A-ufopferfähigkeit des in engen Verhältnissen lebenden Mac Donald, die Mittel -für eine bequetne und standesgemäße Lcheusfübi ung von Freunden seiner Person und seiner Sache -geboten werden nmßten, unrsomehr, als englische Minister leine Pension erhalten. Er, Mac Donald, habe.w'ederholt die Annahme des Geschenkes verweigert.: Aber der Spender und -andere Freunde hätten ihn unter Hinweis auf die absolute Harmlosigkeit der Sache, so .lange, gedrängt, bis er nachgegeben hat. Er hat schließlich zugeimnmt, daß man das Geld auf seinen Namen erlegte, mrt der Bestimmung, daß-von den Zinsen die Erhaltung eines Privatautomobi-ls bestritten werde und daß nach dem Tode Mac Donalds das Kapital a-n den.Spender znrücksällt. Daß sein Freund, -der Zwiöbäckfabnkant. gleichzeitig vom König geadelt worden ist, sei ein Unfall. Er, Mae Donald, habe sich mit dieser AngÄegenlMt nie besaßt. Es liegt ein gutes Stück Tragik in diesem Geschehnis. An der Lauterkeit Mac Donalds, der ein' Wenschenalter an exponiertester Stelle gewirkt hat, ist nicht zu zweifeln. Aber er hat Freunde und Verwandte, und Freunde und Verwandte können den Besten und Großlen zugrunde richten; ehe er's begretst, an den Pranger bringen.. Dieses ausdrirujliche und' besorgt tuende Gesindel der Freunde,. Basen, Tanten und Vettern, wÄches den ' vom aufregenden und äbsp atmenden Tagewerk heimkehrenden Kämpfer in der Häuslichkeit mit Ohrengeflüster und Ratschlägen überfällt und seine niedrige Freude daran: hat, den draußen so -großen, starken und zu Hause sowehrlosen, schwächen Mann zu gängeln und zu leiten.. Mac. Donald, sei gescheit! Was-ist den dran! Nimm die dreißig tausend Pfund,-.nimm das Automobil! Drt -bist es-dir, lisi es deiner Fantilie schuldig! Und Mac Donald nimmt, er weiß nicht recht warum, auf seidenen Wagenpolstern sitzen, war nie sein Lebensziel. Aber'die guten Freunde drängen so und die liebelt Kinder machen große Augen. Also nimmt er und der Kot schlägt über ihn und 'Vtnerhehren, durch dreißig Jahre makellos: gehaltenen Mannhastigkeit zusammen.- :; . Die Autonwbilgeschichte hat gewiß, nicht, den Ausschlag .gegeben, wenn jetzt die' Opposition Sturm. gegen Mao Donald, -und' .seine' Partei läuft.' Aber sie. hat -den Elan der. Feinde gehoben. Mac Donald und seine Freunde werdett gewiß ntannhast käinpfen, aber der Krawall und der Gestank des Automobils und.des geadc-lten Zwiobackfäbrikanten. werdet::. an ihren Nerven zerren und werden sie stärker belasten, als eine verlorene politische Schlacht. Es gibt Kleinigkeiten, allerwirtziZste Kleinigkeiten, die fürchterlich sind, je winziger umso fürchterlicher. Hol' der Teustl alle gttten Freunde, Vettern, Tanten und Basen! ' ' In Thüringen haben sie den Präsidenten der Staatsbank weggeiagt. Der Marm hat sein HäSLfl&

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