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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-04 · Heft 2023 (4.10.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2023 (4.10.1924)
Date
1924-10-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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|PoiBn20gro8zy| Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVersclileisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bei.. . Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40..0011 Ts eher- > o-Slowakei Mon. K 20 Jugoslawien: Mon. DinaröO. P o I e s: Mon. 3*/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Franks Belgien: Mon. Frcs. 15 teuer I~Prets K 14001' England: Mon.4Schilling, Italien; Monatl. 15 l-ire, Rumänien Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa. S c h w e i i und das übrig» Ausland monatlich Frcs. 4 Redak tion u. Administration' Wien, II., Taborstr 1—8 Telephone: 44»0-3h, l3-3-iy. AS6Uhr abd«. 21.-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) *'.’V N a « h t b H l u b f e n K«i PreliKThnhuaven vorbchattM Oesterreichisches Poatspar1 kansen - Konto Nr. 150.69.4 91t. 2023 Wien. Samstag, t. Söobei 1924 0. Zahrgaag mit nan » (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 3. Oktober. Reichskanzler Dr. M a r x hat heute vormittags die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraflion, die Abgeordneten Hermann Müller, HiI* f e r d i n g und Wels empfangen, um mit ihnen die R egiernngsumbildung zu 'besprechen. Die Go- Zialde-mokraten lehnten eine Teilnahme an einer Regierung der'Volksgemeinschaft nicht grundsätzlich ah. Sie stellten jedoch bestimmte Forderungen; vor allem verlangen sie eine Erklärung der Deutschnationalen, in der diese die republikanische Staatsform, die Weimarer Berfassung usw. anerkennen. Nachmittags wurden die Führer der Deutschnationalen empfangen. Diese gezeichneten den Plan -der Einbeziehung der Sozialdemokraten in die Regierung als eine völlig neue Tatsache. ■ . ■ Die deutsch nationale Reichstagssraktion ,' wird ebenso «wie die Fraktionen der anderen Parteien zu, focti aufgeworfenen Fragen in der nächsten Woche endgü'ltig Stellung nehmen. Die deutsch-französischrrr Verhandlungen sollen geheim geführt werden. Paris, 3. Oktober. (Telegramm der „Wiener Morgenzeitung".) Wie verlautet, sollen die d e u t s ch - französischen . Haudelsvertragsverhaudlungen fortab geheim geführt werden.. Ein Cvmmünigue soll erst veröffentlicht werden, wenn ein Abkommen e r z i c I, t ist. . Ifiiy tzastigliom tbieber in Wien Gestern ist, ttwie von Msbereits angekündigt, Praisibent C a st i g llstö n i mm 10 Uhr vormittags in Wienemget'wsfe'ir.v Aus dem SLdba'hnhafe sichviele -Neu- -der' ÄHünft' EästiKMiS'- dabei zu. sein. Er war aber schön,in-Meidling atLsgestiegen; so daß die Neugierigen nicht ausMe- Rechnung "kamen. Sofort nach seiner Ankunft ließCastiglioni deuUutersnchungsrichter Hosrat Jakob Vevstnn-d'.aen, daßer'ihn am Vormittage aufzusuchen gedenke. Die Nachricht hierüber verbreitete sich im Gerichte, und da um 11 Uhr die -Ankunst Castiglionis erwartet worden war, hatten sich auch im Laudesgerichte zahlreiche Neugierige eingesunden. Doch erst um 1 Uhr erschien Castigttoni in Begleitung seines Advokaten Dr. Abel beim Untersuchungsrichter - Hosrat Jakob. Wie dieser den Journalisten mittei'lte, l)at Castiglioni sich aus eigenem Antriebe dem Untersuchungsrichter zur Verfügung gestellt.. Er Ivar nicht v o r g e l a d e it Word e n und tat es, im endlich in dieser Hinsicht klare Verhältnisse zu schaffen. 'Die Einvernahme Eastiglionis dauerte .zirka zwei Stunden. Ueber den Inhalt verlautet nichts, doch steht so viel fest, daß die Stellung einer Kaution nicht gefordert/ wurde/ Die Verteidiger, Castiglionis stehen auf dem Standprinkte, daß eine solche Kaution «euch juristisch nicht gerechtfertigt sei, da weder von einer Kollusionsgefahr noch von einer Fluchtgefahr. die Rede sein könne. ‘ - 7! — Seins SftfttionBellftns- Soweit bisher bekarmt, handelt es sichin erster Reihe um die A uskleiru.ug des Tatbestande§ in der S p i rü tmLÄ ff ä %■& . in - welcher ^M Stväp Meig^esl-SpiriMsindüftfiLEKLdeM^ Zusammenhänge mit Mer Frage M guchM,,^ Entschädigungssrage der Depositenbank Es heißt, daß von- CasMioni ebenfalls eine -Leistung von 100 Milliarden für die Depositenbank 'gefordert werde. Bekanntlich, haben fünf .Großbanken die- Sanierung der Depasitenbank. versucht und wich-dabei ihr möglicher Verlust für jede zirka 40 bis 50 Milliarden berechnet. Es wurde nun an Eastiglioni von dieser Seite das Ansuchen gestellt, sich im selben Maße mit derselben Summe an der Aktion der Großbank zu beteiligen. Castiglioni erklärte, daß er zu einem Schadenersätze überhaupt nicht herangezogen werden könne,, da bei seinem Scheiden die Depositenbank vollkommen aktiv gewesen sei und ex . für seine Geschäftssührung sin den Genevalversamntlnugen das Absolutorium erhalten habe. Castiglioni wolle sich höchstens an einer Aktion für die Angestellten der Bank beteiligen. Es verlautet nun heute, daß im Wege der Anrufung eines Schiedsgerichtes der Anteil.Eastiglionis an.der Aktion für die Depositenbank festgesetzt werden solle. - Anfälle Fälle zeigte sich, daß die ganze Affäre in eine zivilrechtliche Frage znsammenschrnmpft. - , Schwierige palitische Lage in gugosiawie». (Eige «dienst der'„Wiener Morgenzeitung".) (Eigeridienst der'„Wiener Morgenzeitung".) mm MM Kairo, 3. Oktober. König Hussein von H e d f ch a S hat abgedankt. - ' Die Sicherheit des Sfterlaftalr, London, 3?Oktobe.r. (Tel. d.,Wester Margenze-itüng".) Der englische, Rei chsverteidigungsrat hat. gestern. vormittags unter.Vorsitz von Ramsay Mac Donald eine . Sitzung abgehalten, in.öder.jm Zusammenhang. mieden .englisch-ägyptischen Verhandlungen die V er t eidigu ng ' des S u e z k a n a l s und" die Berte ilung der englischen Streit (täfle inAegh te n erörtert wurde. Lovd.A l l e« b h hat im Verlaufe dieser Sitzung über seine VerhandlnWen ■ mitden . ägyptischen Sachverständigen berichtet. Die , st re-u g ve r t ra u li ch behandelten Beschlüsse des Reichs-! Verteidigungsrates werden morgen'die Unterlage, bei den .weiteren Besprechungen zwischen. Ran» laysi Mae'Donald ‘ - und Zaglul Pascha bilden. . - 7 - -- .- (Eigendienst der „Wiener Morgeitgeituiig".) ' - 'Belgrad/ 3. Oktober. Der Ministerrat beriet' heute bis spät abends über die durch die Weigerung der Rad ie-Par'te i,% in das Kabinettt.csnzutreten, geschaffene Lage. Wie aus.gut informierter.Duelle verlautet, hat der ' Ministerrat beschlossen/ die Radie-Partei auszufordern, die ihnen angebotrnen 'drei Ministerportefeuilles bis zum Zusammentritt der Sknpschtina zu besetzen. Sollte die Radie-Partei ans ihrer Weigerung, an dex Regierung teilzunehmen, beharren, wird das Kabinett Davidovi.c seine Demission geben. - Die Skupschtina tritt nach' einer gestern getroffenen .Vereinbarung zwischen Ministerpräsidenten Davidovie und dem Präsidenten der Skupschtina Jovanovie am 11. d. Zusamlueu. .s, . .. ii Aus'N o m wird berichtet:'Maxim G ö r k i, der sich derzeit Verhaftung eine» arMchen Biregouverftellri in PaKstdift. Jerusalem, 2. Oktober. A.) Wie dje.arabische . Zeituitg ,M Carmel" mitteilt, ist..der a r-a b i sch e Bi-zegoudednenr von Jenin, Sab'a> am 25. September v e rhaste t wordttl. in Sö r rsi n t befindet, wsi d e r s p r i ch.tf'n einem Briefe an einem Äomer Freund den Blättermeldungen/ wonach er im Sterben liege, und erklärt, daß er sich wohl b efinde' und 'mit seinem Sohne demnächst nach Rom kommen werde. Er arbeite derzeit an e i g e u e n Erinnerungen aus der r n ss i i die« Revolutio n, darunter auch '^er L e u t n» ■ ■ v . *■ —y. Wi e n, 4..Oktober. - Ein Gutes hat die Aussprache über Abrüstung und' Schiedsgericht, die in Genf zu Ende geführt wurde, doch schon gehabt: Die JdSe des Friedens schuf sich gebieterisch Gehör. Die Erfahrungen, die man mit der- Vopkriegs-l Politik gemacht hat, wirken doch tief auf die 'Verantwortlichen, die es sehr fühlen, daß sich in der Stimmung' der Massen eine Aenderung vollzogen hat. Sie sind noch' nicht aus der Jnkubationsfvift heraus. Die Demagogie' ist noch immer stärker als die Demokratie, die ihre Ver-' teidigungsstellung nicht verläßt.. Aber die Verwüstung' der Wirtschaft hat doch zum Nachdenken Anlaß gegeben,- die Untersuchungen darüber, wie und weshalb es nach dem Krieg zum, Zusammenbruch der militaristischen Organisation der Mittelstaaten und Rußlands -kommen mutzte, haben auch in der Mentalität der Führer ihre- Spuren hintevlassen. Obzwar die : Kriegsgefahr noch immer nicht gebannt . ist, vielmehr durch die Existenz des Minoritätenproblems^ gestärkt erscheint, sind doch, wie Minister Benesch in seinem Schlußwort, sagte, Gedanken in .die.Weltsigesetzt worden, die sich ihren Weg Unwiderstehlich bahnenwerden. Gedanken sind nicht nur zollfrei, .sie sind auch unbesiegbar und ihre werbende Kraft wächst mitdem Grade'der Eindringlichkeit, mit der sie vertreten werden, und die um so tiefer wirken muß, je lauter die tatsächlichen Verhältnisse nach einem Ende des Schreckens rufen. . V sisisi -. . 7 . Der Bölkerbitnd ist nicht vollständig, , solange er nicht alle Völker-als Hllitgli.eder begmßt, djeMigen,.dir über .Siaatshvheit - mrd- 'Wfftw'>?perDgeK^''.Grk- ,.Wd?s Äbrü'stnngsPrototolls, das beileibe nochnicht: GesH.. ist. hat' aber die Genfer Versammlung IwsDrinziP dör - Gerechtigkeit bekannt und öffenkkch" ausgeGrochen/' dH' nach dem Kriege ein neues Völkerrecht geschaffen werden müsse. Freilich ist auch jetzt noch die PrÄponderänz der PÄitischen "Geographie anerkannt worden, aber nach einer heftigen Debatte. Das ist ein Ereignis von-unabsehbarer Bedeutung;. der' Machtmoloch steht nicht mehr unangefochten. Dies ist eine direkte Folge des Krieges, der die Ideenlosigkeit des Militarismus vor den .Augen aller feststellte und dessen kräftigste Maschine den Organismus des preußischen, Generalstabs auseinanderriß. Auf den Schlachtfeldern im Westen siegte die Technik, die Verkörperung des Gedankens und der Idee. Ihr Sieg wäre nicht vollständig, wenn die Welt dies nur einfach zur Kenntnis nehmen Mrde. Sie tut dies nicht mehr. Trotz , aller, Verhetzung, und trotz der eifrigsten Anstrengungen der chauvinistischen Söldner und, Soldschreiber der Kanonenfabriken wird es heute keiner Regierung mehr so. leicht fallen, die Massen in den Kviegs- , rausch zu treiben und ihnen die ruhige krihle Besinnung zu nehmen. Die,Kritik ist freier und breiter geworden und sie prüft sorgsam jeden Schritt der einst so allgewaltigen Minister nach, das Mißtrauen ist allerorten weitaus lebendiger und der Mordpatriotismus - mutz heute schon — und'das ist trotz aller seiner Lügenhasüghit ein Fortschritt — seine Friedlichkeit betonen und sich als Wlvehr maskieren. Er hat sich auch daraus verlegt, sich nach innen ausznwirken und sucht sich sur seine Aktivität die Minoritäten ans, die er für wehrlos'hält, und vor allem die jüdische Minderheit. Es ist ja kein Zufall, daß in allen Ländern der freche Chauvinismus mit dein Kanaillengeist des Antijüdentums Schulter an Schulter kämpft, daß die llnterwühlung des Friedens und der Wirtschaft damit einsetzt, die Existenzbasis.des Judentums zu bestürmeat. Bon hier. aus' ist . es dqnn - leicht, die Bresche, im -Re.chtsge- Ml zu erweitern und alle soziale'Neuordnung'i'm Blut zu ersticken. Es ist nur auf dieser Linie der' Reaktion logisch, daß sie dem jüdischen Renaissancegedanken, dem Zionismus, entgegentritt. Sie weiß und erkennt, daß er die politische Idee des Judentums darstellt, daß er im jüdischen Volk die Kräfte, die bisher brach' lagen oder irre geleitet wurden,' zu neuem Wirken sreimacht und daß das Judentuur, wenn es sich an einem Punkt, in einem Land', in seinem Land, erholen kann, zum stärksten' .Vorkämpfer ' 'für den Friedensgedanken werden muß. wenn 'es einmal Macht besitzt.' Der Antisemitismus hat seine Bestrebungen, seine Propaganda vertansendfächt, seine Methoden vevschärft und dies seit dern Augenblick, wo. durch die vom Völkerbund ausgesprochene Anerkennung der historischen Verbinbüug des jüdischen Volkes mit Erez Israel auch das Recht auf

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