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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-03 · Heft 2022 (3.10.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2022 (3.10.1924)
Date
1924-10-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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|Pmen 20 gramI Wien: Zum Abholen in der Expeditiob, H.Taborstr. 1 -3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00t Ts eh e c h o-S I owa k e i Mon. K20. Jugoslawien Men. DinaröÖ. P o len: Mon. Sl/t Zloty, Dentschland: Men. Goldmark 4, F r a n kr., Belgien: Mon. Ffcb. IS tntp Naeh2ahiuD5.cn ~sm leS Preiterhofiunven vorbehaiter lener *1.2122 Men. Freitag. 3. Lktober 1924 | Preis K lÜ5o} England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 l irr, Romani e h Mon. 150 Lei, Bulgarien Mon. 80-L.ewa. Schweiz und das übrige Ansland monatlich Frcs. 4 Redaktion u Administration Wien. II., Tabarstr. 1—3 Telephone: 44-0-38,4Z-3-M. AhöUhr abds. 21-102.25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmahn)' Oesterreichisches Postspar* ka«sen-Konto Nr.. 150.693 Ksialirgang geschlossen Allgemeine Annahme des Fnedensvattes dmch die Delegierten. (Elgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 2. Oktober. Die große Debatte über den Garantiepakt wurde in der N a ch t s i tz u n g, die gegen 10 Uhr begann, fortgesetzt. Sie ergab die Zustimmung Japans, Norwegens, Portugals, Jugoslawiens, Dänemarks und Englands. Knapp vor Mitternacht wurde die SitzuM abgebrochen und sodann heute vormittags wieder ausgenommen. Als erster sprach B 0 n c 0 u r (Frankreich), M mit seiner äußerst versöhnlichen Rede einen stürmischen Beifall erzielte. Nachdem noch B T a n t i n g (Schiveden) und Dandurand (Kanada) gesprochen hatten, schritt Präsident M ott a zur Abstimmung. .r§r hob hervor, daß es sich um eine der f e i e r l ich sten A b st i m m u n g e n. handle, die jemals im Völkerbunds Delegationen erhielten Belgien 34, Brasilien 40, Schweden 37, Spanien 3b, Tschecho-Slowatei 40, Uruguay 43, Holland 15 und China 14. Somit gewählt: U r u g u a h, B r a s i l i e n, Ts che cho-S bo w a k e i, Spanien. Belgien und Schweden. .Run teilte Präsident M 0 t t a mit, daß die folgenden 10 Staaten das Protokoll über die Schiedsgerichtsbarkeit und die Abrüstung bereits unterzeichnet haben: Albanien, Bulgarien, Estland, Frankreich, Griechenland, Lettland, Polen, Portugal, Jugoslawien und die T s ch e. ch 0 - Slowakei. Damit war das Programm der fünften Böllerbundversammlung erschöpft. In seiner Schlußrede vorgenommenwurden. Die Resolutionen 1 u n d 2 wurden mit sämtlichen Stimmen der 47/. anwesenden Delegationen in it-<*' m.intNcher' ‘A'bsiimmung arrgen0mme«. Die ' erste 'Rösvlutton Mlpsichlt den Regierungen die Annahme des Protokolls aufs ernsteste zu erwägen. Der Kölkerbundrat wird durch die Zweite Resolution, ersucht, eine Abrüstungskaufe re nz einzuberusen. Als'Präsident Mo tta die dritte Entschließung zur Abstimmung bringen wollte,' die dem Rate einen umfassenden A >b? üstungsplan als Grundlage der Abrüstungskonferenz empfiehlt, erhob sich der Präsident des Rates H hinaus und machte folgenden Vorbehalt: Es sei unmöglich, ein derart umfassendes Protokoll zu improvisieren, der Rat müsse daher sich die volle Freiheit Lei der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz. Vorbehalten. Mit diesem Vorbehalt wurde die dritte Resolution dem Rate überwiesen. Die Versammlung schritt herauf zur Wahl der nichtständigen Mitglieder des Bölkevbundrates. Bon den 47 Stimmen der anwesenden gab.der Präsident Motta einen Ueberblick über die Arbeiten der ..Mnsten .Völkechundverjammlnng, die einen entsch eä.den.den Wende'p'ünkt in der Eü t- .wickln n'g d e . B ö l-LKw' . 'bedeute,. .und Dhvte. äusV -'. . „ /. .. . ... " . : -»Zm'Maii dieses Jahves' urachie ich. eine «Reise durch Frankreich - Ich durchschritt das Gebiet, das von dem Blute einer Million Soldaten getränkt-ist, und meine Seele. bat Gott, er möge endlich den Weg zwischen dun französischen u n d' d e m deutschen V 0 l k e für eine auf Gerechtigkeit gegründete Wieder-verföhnung frei machen. (Begeisterte B-eifallskundgebungen der ganzen Versammlung.) Es scheint mir, daß die kürzlich e Entscheidmrg der deutschen Regierung, die dem Reiche den Weg zum Völkerbund anzeigt,,eW gutes Vorzeichen ist, Md ich möchte glauben, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nähe.bevorsteht." Sodann erklärte Motta die fünfte Versammlung des Völkerbundes für geschlosstn. Die Versammlung erhob sich und 'bereitete dem Präsidenten eine stürmische Ovation. Antisemitische Unruhen an der Budavester UWersM. Aus Budapest wird un^ gemeldet: Heute vormittags kam es zu Skandalszenen an der Universität. Nach Schluß der Vorlesungen besetzten rassen schütz lerlscheStudenten dieAusgänge des Universitätsgebäudes und verlangten, mit schweren Stöcken bewaffnet, von jedem Hörer vor Berlasieu des Gebäudes die B örw e i s u n g d er Legitimation. Wer sich nicht Mt dex Mitgliedskarte des rechtsradikalen Studentenverbanves auswies, wurde verprügelt. Sechs jüdische Universitätshörer wurden auf diese Art mit Stockhieben nicht nnerheblichverletzt. . __ Hussein aus Mekka geflohen? (Gegendienst der „Wiener Morgenzeilung".) London, 2. Oktober. König H u s s e-i n war nach Meldungen hiesiger Blätter aüs Kairo entschlossen, m Mekka zu bleiben, um dort die Verteidigung der Stadt zu organisieren, aber die Kommandanten der Hedschasarmee, Emir Ali (Husseins Sohn) und Sabri Pascha el A zaust eMärten ihm, daß an einen Erfolg nickst zu denken sei. Hussein flüchtete mit seinen Ministern und seinem Hof nach Dschedda. (>9chch anderen Berichten soll nur seine Familie Mekka verlassen .haben.) Auch das Staatsarchiv wurde nach Dschedda gebracht. Die Wahabitenarmec, die 25-000 Mann stark sein soll und vom Sultan Jbn Saud kommandiertwird, rückt langsam gegen Mekka vor. In Mekäl herrscht Pan i f. Scharenweise flüchten die Bewohner aus Kamelen und zuFuß nach Dschedda, alle Regierungsgebände sind gvsckstosseiu Wie uns in später Nachtstunde gemeldet wird, ist Präsident Castiglionr gestern abends von Triest abgereist und trifft heute vormittags m Men ein. (Elgenidienst der ^Wiener AiorgetHeitmrg".). .- London, 2. Oktober. In der Versammlung der 'liberalen Führer, die gestern nachmittags zusammentrat, und an der unter anderem Lloyd George, Asqurth und Sir Alfred M 0 n d teilnahmen, wurde beschlossen, daß die Liberalen' mit i)en Ko nf.ervativcn stimmen werden, wenn der Mißtrauensantrcig aus Anlaß der kommunistischen Zeitungsaffäre zur Verhandlung kommen werde. Asqnith hielt eine längerb Rede, worin er zum -englisch-russtschen Vertrag Stellung nahm und erklärte, daß seine Kollegen und er nach eingehender Prüfung des Vertrages zur Ansicht gekommen feien, daß die liberale Partei diesen Vertrag nicht u n t e rst ü tz e n k ö u n e. Besonders eine Anleihe an. d ie S 0>»v j e tr ep ublik könne sie nicht billigen. Die Versammlung beschloß hierchrf, dem Unterhause eine N e s 0 l u t i 0 n in dem Sinne 'vorzuschlagen. Diese Resolution soll am 20. d. zur Berharvdüing. kommen. Das. Organ der Arbeiterpartei, „Daily Herold", bringt in Fettdruck die Aufforderung: „b e reitet e u ch a u f Ne u w a h l e n v 0 r". und erklärt, der. Premierminister werde Neuwahlen anberauruen, wenn die Regierung bei dem am Mitti.uoch von den Konservativen einzubringenden Mißtranensantvag eine Niederlage erleiden sollte. \ Lemottatte und Minderheits recht. —y. W i e », 3. Oktober. Die Abrüstungssession .des Völkerbundes ist abgeschlossen. Es sind eine ' Menge von Resolutionen verhandelt worden, die schließlich zu einem Protokoll zusammengefaßt wurden, in welchem die Vertreter der Völkerbundstaaten ihre Anschauungen , vereinigen. Dieses Protokoll muß nunmehr in den einzelnen Staaten ratifiziert werden, worauf dann'um die Mitte des nächsten Jahres eine allgemeine Mrüstungskonferenz zusammentreten soll, der die Ausgabe zuge-' dacht ist, die Magna Charta des. Weltfriedens zu verkünden. Ob noch vor der RatifizieriMg ein Krieg möglich ist, darüber ist kein bündiger Beschluß gefaßt-.'wvr-, den. Diese traurige Eventualität besteht demnach fort und daß sie im Bereich, der Möglichkeit liegt, zeigt die Tatsache, daß während der Abrüstungsdebatte Spanier und Marokkaner aufeinander schossen,, italienische' Truppen an der Solmn-grenze gegen. Aegypten aufmarsck'ierten, Mekka von dem Wahabitenstamm - belagert'.iunb Schanghai von der Artillerie-der gegeneinandervon Sowjetagenten und japanischen Emissären aufgehetzten chinesischen Armeen bombardiert wird. - Alle Mächte, die^ da: in Genf über Angreifers Schiedsgericht und Sanktionen-, diskutierten und spitzsindige Klauseln zu. Protö- -koll brachten,-sind an diesen - Vorkommnissen interessiert. ,Eberkeine' versuchte eine. Intervention ünd fp 'lieferte der Schlachtenlärm die., groteske. - Begstistnusik - zu -den Friedensreden..undzu den- BegMckwünschungen,i die.alle zum Pazifismus avancierten Diploinaten einander widmeten. Es gab aber, ehe man zu-dem sirerlichen - Ailgen-» blick der Abstimmung kam, einen ZwMenfäll, der noch greller als die erwähnten Tatsachen.die Schwäche diejes Paktes beleuchtete. Die japanische Delegation-erhob schärfsten Einspruch gegen die von der Kommission worgeschlagene Definiüon, als Angreifer,' gegen den mit Sanktionen vorzugehcn ist, sei jener Staat anzusehen, der im gegebenen Fälle die Anrufung des Migätorischen Schiedsgerichtes verweigere. Die : japanischen ' Vertreter leiteten ihren Protest daraus ab^ daß ihre Naüon starke Minoritätskolonien außerhalb der Staatsgrenzen besitze und sich genötigt sehen'könnte, , zum Sckutze dieser naüonalen Interessen mit Waffengewallt einzugreisen. Sie brachten damit ihren Konflikt mit Amerika, ohne ihn aüszusprechen, aufs Tapet - und' fanden sofort die kräftigste Unterstützung bei den Jugoftawen, die eine ständige Mlnoritätsrccbnung mit Italien besiüen. An . diesem Intermezzo, das mit - einer schwächlichen '„Wasch mir den Pelz und mach mich nicht näß"-Kr»mPromißformel beendigt würde, ist zu erkennen, daß die gesamte Friedensfragc damit steht und fällt, ob es gelingt, das Minoritätenproblem zu schlichten und in halbwegs erträgliche Formen zu bringen. In diesem Problem kulminiert die Krise der Welt und die Endentscheidung des Völkerbundrates, die dahin geht, es sei die Unabhängigkeit der Mitgliedsstaaten peinlichst zu respektieren, geht unter dein hörbaren Zwang der Kanonen und Dreadnoughts dem so gefährlichen Zenträl'prmkt^ aus dem Wege. Ist die Bedachtnahme auf den SLaatsfttiischismus das Um nnd Aus der Abrüstungsdebatte,- dann kann der Pazifismus sich wieder aufs Ohr legen-und schlafen, denn dann bleibt das-Schicksal-der nationalen oder konfesslonellen Minderheiten weiter eilte der berüchtigten inneren Angelegenheiten, deren' bösartige Eiterung höchstens schrekbbeslissene Feuilletonisten - interessiert. An dieser Entscheidung des Vö.lkerbundrates zerschellen wieder tausend Hoffnungen und die Konfliktsstoffe, die gegenwärtig.aus dem Balkan, so vielen Mettfchen das.. Leben kostetl und in aller Weltdurch die .Friedensverträge geschaffen wurden, gelangen zur Versteinerung. - - Den Kern der Friedenssrage bildet einzig die Weg» schaffttng des durch die - Versailler Verträge hervorgerufenen Zustandes. Will der Völkerbund dem Pazifismus und der Demokratie zum. Siege verhelfen, dann muß er vor allem aussprecheu, daß der Krieg als Politisches Mittel für immer zu verschwinden hat, daß eftte Staaten bis zu einem festen Termin ihre. Gesetzgebrurg und staatliche Konstrtlktion'dieser Fordertmg anzupassen haben und daß das volle Recht de? Minderheiten, sich

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