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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-02 · Heft 2021 (2.10.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2021 (2.10.1924)
Date
1924-10-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPoien ZOgroszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschteisstalle (Trafik) monatl K 40.000 Strassenverkauf in Wien durdh die Kolporteure der Firma Goldschmied» 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postvers&nd für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00 Ts checho-Slowakei Mon. K 20. Jugoslawien Mon. Dinar 60. r o 1 e n: Mon, 37s Zloty, Deutschland; Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 15 AMT NachjmhluDgeo *1W bei Preiierhohunirei» vorbeb altes | Preis K 14001 England: Mon, 4 Schilling) Italien; Monatl. 15 irr, Rumänien Mon. 1501 ei. Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 ^edäkli.'!' n ^.dminitha'.loo Wien, II., Taborstr. 1—S elephoue:! I -< -I»1V. AhSUhrabd» 2M02.25-282 IX. Universitätsstrasse 6—3 (Dhickerei Steinmann) Oeaterreichiscbes Postspar - hassen - Konto Nr. 150,698 Rr. 2021 Mm. Donnerstag, 2. Lktsber 1924 8. riflfirflmm Sem Weltfrieden entgegen! SKlutzdebatte über Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung i« der Müerbnndvemmmlung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Die Debatte. erster Redner in der Nachmittagssitzung der VAker'bun'dvevsamimlung> sprach der belgische Delegierte Ae Bankbeamten. Genf, 1. Oktober. In der Sitzung der Völkerbund- Versammlung erstattete Politis namens -der Ersten Kommiffion den Bericht über die abgeaiiLerten Bestimmungen des Protokolls m der Frage der Schiedsgerichtsbarkeit. Er Hob die absolute Neuartigkeit der Bestimmung Hewor, womch der Angriffskrieg ein Vergehen gegen die Souveränität der in tmwrf tonalen Gemeinschaft und ein internationales Verbrechen barstellt. Die Bestimmungen zur Ausfindigruachnng des Angreifers würden sich allerdings erst -in der Praxis bewähren müssen, aber sie werden sich bewähren, wann der gute Wille vorhanden ist, sie durchzufühcen. Wenn der Völkerbund vielleicht noch längere Zeit gewissen Konflikten gegenüber ohnmächtig feilt werde, so liege dies daran, daß es Konflikte gibt, die wir heute mit den Regeln unseres Rechtes noch nicht erfassen können. Mit der Annahme des Protokolls, schloß Politis, beginnt der Völkechnud ein« neue Epoche, irn der das erhabene Ideal verwirklicht werden tmrd, das den Namen der Gerechtigkeit trägt. Nach Politis eoßM Dr. Benesch Las Wort, um namens der Dritten Kommiffian über die Frage der Sicherheit und der Abrüstung zu Lerichtem Er besprach vorzüglich die Artikel, die sich auf die Möglichkeit der Entstehung eines Konflikts beziehen, her trotz der Bestimmungen über die Schiedsgerichtsbarkeit ausbvechen könnte. Das Protokoll werde erst dam in Kraft trete», wenn der Wan, den die Abrüstungskonferenz Mstzuarbrlten hat, durchgeführt sein wird. Die Herabsetzung der Rüstungen soll zunächst das Ergebnis der allgemeinen Sicherheit sein, die durch die Bermindemng der Kriegsgefahr als Fotze der Schiedsgerichtsbarkeit und als Folge des Beistandes, den alle Staaten dem angegriffenen Lande gewähren, geschaffen wird. Da aber die Gefahr eines plötzlichen Angriffes gleichwohl besteht, genügen die vorgesehenen politischen uud wirtschaftlichen Sicherungen albein nicht. Darum haben verschiedene Staaten den Wunsch ausgesprochen, vor der Einberufung der Abrüstungskonferenz bereits über die militärische Hilfe genaueren Bescheid zu erhalten, die sie erivarten dürfen. Das in dem Protokoll nunmehr vorliegende Werk des Völkerbundes werde bereits kritisiert. Endgültiges über seinen Wert werde erst die Praxis entscheiden. Aber wir haben, schloß Benesch, Gedanken in die Welt gest r e u t, die sich ihren Weg unwiderstehlich bahnen werden wie sine Lawine. Der Gedanke der friedlichen Beilegung der Konflikte zwischen den Völkern wich nicht mehr verschwinden. Nach der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede Dr. Benesch' wurde die Sitzung auf Nachmittag, halb 3 Uhr, vertagt. L der deullch-sranzbMkn Verhandlungen. (Gigenldienst der „Wiener Morgenzeitung".) Parks, 1. Oktober. Heute nachmittags wurden im Ministerium für das Aeußere die Handelsvertragsvevhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland o f f iziell eröffne t. Den :Vorsitz führte H e rr rot, während der deutsche Gesandte v. Hoesch der deutschen- Delegation präsidierte. Herriot begrüßte die deutsche Delegation mit London. Daun bestieg der frühere französische Ministerpräsident Br Land unter stürmischen Beifall die Tribüne. Er sagte: Im-Namen der fvanzösischeu Delegation und in' voller Ueberemstimmung mit der -Regierung meines Landes erkläre ich, daß F ra nkrei ch das Protokoll zu unterzeichnen bereit ist und daß es von Frankreich auch ratifiziert werden wird. Auf den in Washington ergangenen Appell hin habe Frankreich 50 Prozent seiner Str-eitkräste zur See geopfert. Ebenso bereit werde es sein, an. der -Mrüstungskonferen; von morgen mitzuarbeiten. Briand schloß mit den Worten: Es ist für Frankreich eine Ehre, dieses Protokoll anzu-- nehmen, und es ist für mich die glücklichste Minute meines Lebens, in der ich hier die vorbehaltlose Zustimmung Frankreichs überbringen kann. (Stürmischer Beifall in der ganzen Versammlung.) Darauf -gab Lord P a r m o o r die Erklärung ab, daß die englische Delegation bei ihrer Reg ierung und bei ihrem Pa rl a m e » te ihren ganzen Einfluß änfbieten werde, damit dieses' e'ndgültig äbi genommen werde. Lord,' Parmoor wandte sich sodann gegen die Meinung, als obsdtz. britische Regierung dem Völkerbundrat ihre -Armee '■ und Flotte für die Sanktionen zur Verfügung gestellt hätte. England habe nicht die Absicht, ausdem Völkerbund einen U e b e r st a a t zu machen. Die Abrüstung sei Ziel und Zweck des gauM Abkommens. So- -lange aber die AbvüstungskouferenF nicht ein bestimmtes Programm beschlossen, und durchgeführt habe, solange könnten auch die Bestimmungen über die Schiedsgerichtsbarkeit und die Sanktionen nicht in Kraft treten. Senator Scialoja (Italien) stellt fest, daß zum ersten Male ein vernünftiger Versuch unternommen worden sei, den Krieg durch Schiedsgerichte zu ersetzen. Italien habe bereits durch den Abschluß mehrerer Schiedsgerichtsverträge gezeigt, daß es nicht nur die Schiedsgerichlsidce befürworte, sondern daß es sie auch zu verwirklichen trachte. QuinonesdeLeon (Spanten) gab im Namen der spanischen Delegation deren volle Zustimmung zum Protokoll bekannt. Präsident M o t t a teilt mit, daß noch zehn Redner eingetragen seien, weshalb eine gewisse Selbstdisziplin der Redner notwendig erscheine. Auf seinen Vorschlag hin wurde sodann mit großer Mehrheit die Abhaltung einer Nachtsitznng beschlossen. Hymans gab den belgischen Standpunkt zum Protokollbekannt, >der in rückhaltsloser Sympathie zum Ausdrucke komme. Er zeigte, wie das Londoner Abkommen, den Weg für ein Werk des Aufbaues frei gemacht habe. Enckell (Finnland) erklärte, Finnland stimme den -im Protokoll niedergeleoten Grundsätzen zu und die Delegation frone sich, ihrer Regierung die Unterzeichnung des Protckolles empfehlen zu können. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. einer Ansprache, in der er die deutsche Delegation begrüßte und ausführte, daß die heute beginnenden Besprechungen für beide Nationen die logische Fortsetzung der Verhandlungen bedeute, die m London angetzngen worden sind und dort zu einem glücklichen Ergebnis geführt haben. Der deutsche Botschafter erklärte in seiner Antwort, daß die deutsche Delegation vom besten Geiste beseelt sei, die Verhandlungen einem guten Ende zuzuführen. Die meritorischen Verhandlungen beginnen morgen. -y. Wien, 2. Oktober. Gestern hat in den Wiener Großbanken der verschärfte Abbau der Beamten und Gehilfen begannen. Es ist dies die zweite Staffel des Entlastungsprogramms, in gewisser Hinsicht eine Konsequenz des Streiks, der im Hochsommer ausgefochten wurde und unter der Patronanz der sozialdemokratischen Partei verloren ging. Der Abbau betrifft diesmal zirka 2000 Personen, eine Ziffer, die den großen Volksparteien nicht sonderlich imponieren wird. Die Sozialdemokraten sind an ganz andere Massen gewöhnt, die regierenden Christlichsozialen haben an ihren sonstigen Sorgen genug. Und zudem sind die Entlassenen in der übeuoiegenden Mehrheit Inden, gehören mithin dem Teil der Bevölkerung an, für den der Staat und seine Machthaber nur ein höchst beschränktes und negatives Interesse aufbringen. Es sind Juden und deshalb müßte es der jüdischen Gemeinschaft Wiens eine Pflichtsache sein, den vom Abbau Betroffenen beiznspringen und den sozialen Aussaugungsprozeß zu erleichtern. Diese Bankangestellten sind ein Teil der jüdischen Jugeitd, die in ihrer Gänze durch.den Krieg ans der gewohnten Entwicklung herausgerissen worden ist. Es ist ein trübes Kapitel aus dem jüdischen Leben, ein Prozeß der Umschichtung, der noch, nicht beendet ist, aber schwere Schatten auf die Zukunft wirft. Das Judentum teilt diese Besorgnisse -mit den anderen Völkern, aber es trägt weitaus .schwerer an ihnen, weil ihm die Mittel fehlen, seine Jugend vor den geistigen und materiellen Wirkungen der großen Zeit zu schützen' und tveil die-Entzwöhnüng der Jungen vom Elternhaus bei uns viel' rascher vor sich gegangen ist. Die Cvakmevnng der jüdischen Siedelungen im Osten', die durch die österreichrschcheutscheu und russischen Heere mit-der gleichen Gründlichkeit besorgt wurde, riß die Familien auseinander. Die Väter gingen für die Vaterländer an die Front, die Akütter mit den Kindern in die gastlichen Jnternierun-gs- und Flüchtlingslager. Die Söhne, die noch nicht kriegstauglich waren/wurden aus Stellung und Berus in die Fremde getrieben. Diejenigen, die in den Mittelschulen-lernten, mnßren unfertig, unerprobt, unvertrant mit dem Leben hinaus ins Verdienen, itnt der Mutter und den Angehörigen zu helfen. Viele verdarben, angesteckt von der sittlichen Fäulnis des Seelenaufschwunges;, viele hakten sich irgendwo fest und versuchten, im Strom mitzuschwimmen, das, was sie gelernt hatten, nutzbringend anzuwenden. Die reiche, natürliche Begabung entwickelte' in ihnen die Gewandtheit, sich mit den neuen Verhältnissen abzufinden. Die Inflationszeit nach dom Kriege riß. sie widerstandslos mit. So und so viele gingen zu den Banken, weil ihnen der Millionenrausch, die MöAichkeit des großen Berdienens, das klare Denken verwirrte und ' ihnen das Streben nach der'Selbständigkeit mit ihrem eingeschränkten und sorgenvollen Dasein als etwas Minderwertiges erscheinen ließ. ... Der Jude war vor dem Krieg — insoweit er sich nicht den freien Bernsen anschloß —- Kaufmann, stolz auf seine Unabhängigkeit, er stellte seine Sache nur auf sich, aus sein in den Lehrjahren erworbenes Können. Der Beruf des Bankbeanrten, einer nach der Lage der Dinge fest abgeschlossenen Schichte, aus der nur wenige unter ganz besonders glücklichen Umständen den Weg hinauf fanden, lag ihm im großen urch ganzen fern. Der Wische Kaufmann ist dabei nicht schlecht gefahrene Er fand sein Auskommen und konnte seine. Kinder zu guten Bürgern erziehen, wobei, ihm und ihnen die naturgegebenen 'Weltverbindungen des Judentums zustatten kamen. Der Sohn des jüdischen Kaufmannes war, wenn er den Beruf des Vaters ergriff, in Wien so gut wie in Buda-> Pest, in Prag, in New-Dork zu Hause, sicher, überall verständnisvolle und sympathische Aufnahme zu finden. Der Krieg hat diese Verbindungen zerrissen, der jüdische Kaufmann ist proletarisiert, der Sohn mußte seine eigenen Wege gehen und die führten ihn zur Bank. Nun schneidet auch diese Möglichkeit jäh ab und in Wien allein -müssen an die tausend junge jüdische Leute umlernen. Sie müssen — da hilft nichts — zur Auffassung der Väter zurück und es. mit züsammengebiffenen Zähnen mit der Selbständigkeit versuchen. So schwer-es ist, nach einer Zeit der Geborgenheit und des verhältnismäßig ersparen Sie beim Einkauf von S v. ffen kür.Herbst und ^Vinter, Damen- und Herrenwäsche, Le nenwaren, Strick- und Wnkwaren, Teppichen, Vorhängen usw. Im Waren tan« s II. TaborstraSe 48 Talente on 47-1*79 En gros En deiall

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