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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-28 · Heft 2019 (28.9.1924) · p. [Seite]

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2019 (28.9.1924)
Date
1924-09-28
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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m Nr. 2010 cker „Wiener Morgenzeitiing^ vom 28. September 1924, W^MWWW» jtSrtfr* Bleibende Eindrücke von einer __ Palästinareise. ,V. Vqh SiegfriedvOraubäri (Innsbruck). Wiir sasseri, mein Reisegefährte und ich, im einfachen Arbeits'zttmmer Ussischkms im -Nationalfonds- Bureau in Jerusalem, Ussisohkin uns gegenüber. Ich fragte (J s s i’s chkih, ob wir ihm etwas von Europa 'erzählen sollen, und et antwortete: „Vorgestern würde in Bemjamina ein Pferd gestohlen; es wieder herbeizusdhäffen, ist mir jetzt wiiohtiger ^als die ganze europäische Politik.^ V (Damals holte ich mir keine Erlaubnis von Ussisvhlkln ein, von ^Mesern Gesp>rach Gebr auch zu machen; aber* da man mich auffordert, etwas von meiner Palästinareise zu erzählen, so wage ich diese Indiskretion, weil obiger Ausspruch das neue Palästina schärfer > zeichnet als viele langatmige Aufsätze darüber. ' ■ - - Einige Tage später besuchte ich einen Freundin B eth-Al p h a. Wir 'hatten uns einige Jahre nicht gesehen, und als er mich erblickte;' brärihten ihm“Wohl tausend Fragen über die . Heimat auf den''Lippen. : Ei* unterdrückte aberseine Neugierde und1 Hess mich warfem dehn er hatte noch ein Pferdegeschirr für einen auszufahrenden Pflug bereitzustellen, eine Sache; ,die ihm wichtiger 'unddringlicher -war als alles, was ich ihm mitbringen konnte. * . ■ - Diese selbstverständliche und natürliche Art und Weise, mit der unsere Pioniere unten ihre Loslösung von Europa vollziehen, bewirkte es vor allem anderen, -dass mein bis dahin von Zweifeln nicht freier Glaube an die Zukunft Palästinas neu .befestigt wunde'; der (Glaube, das« in Palästina ’e i n n e u e s K r af tr z e n t r um entetpht, das einer verbildeten und ver? wilderten Judenheit und Menschheit neue underfris.djen'de. Kräfte zuführen Aylrd. Ein russischer Jude und. Freund, der vor vier Jahren hoch der eleganten jungen Herrenwelt von Wladiwostok angehörte, zeigte’ mir sein Reich: ein Häuschen und einen Orangengarten und seine Bienenzucht in Ein Ganim. „Sehen Sie“, erzählte er. vU. a., „ich war ein Jahn weg auf Arbeit, und als ich hiebei zurückkam; umarmte und kifSste, ich, jeden Baum wie einen; heben Verwandten;“ * Die anjgeboteile Ziganette aus seinem selbstgezüchteten. Tabak schmeckte vorzüglich, aber sie-. bereitete mir einen Olücksrausch, als ich dabei in des Freundes stolze und frohe Äugen blickte. ' ft ~ •J M V'-i -M Eine Arbeiterinnen-Kwuzah hei det Bauarbeit Unser-Führer Jehudabi, schon sieben Jahre: im- Lande und zur Kolonisation wegen körperlicher Schwäche noch nicht zugelassen, ist in Nahal;al verliebt. Nalialäl ist eine Musterkolonie des Jüdischen Nätionälfonds im E m e k, und dort möchte ej anger siedelt werden. Jetoudahi vergass absichtlich seine Brille dort und wir mussten nochmals hinfahren, um sie zu holen. Damit machten wir ihn überglücklich. Das Pferd von Benjamina, das Geschirr von Beth-Alpha, der Bäum von. Ejn Ganim, Nahaläl — das ist das neue Palästina und das neue Judentum; - Ich wundere mich nicht, dass alle jene - Palästina-Touristen ' enttäuscht zurückkommen, .die eiif Reich Alexanders des Grossen, Wolkenkratzer unid Nachtlokale mit TangOrChaluzoth zu sehen hofften. Andere wieder meinen einfach, Pälästjpa Sei zu klein* ■ : ' Ja, das sah ich auch, dass es ein kleines Land ist* Alles ist klein, die Kolonie ist klein,^äas Budget ist klein, die Spende ist klein. - . -’-i Jeder aber, der Palästina bereist und nioht bland ist,.sieht dort über^dM.GeÄ etwas., ganz^unMhort 'Grosses. > Dieses Grosse ist der Motor, der dort die Mtzn-7 seihen treibt, ihre geistige Bewegung, die -SpannÄäj und nicht die Masse. * * Einstein fand, dass der Weitenraum begrenzt sei. So hat das Naturgesetz in seiner absoluten Weis-, heit dem grössten denkbaren Dange Grenzen gesetzt; Der jüdische. Geist wurde klein, als er 'seine Grenzpfähle umwarb denn er verlor seine Spannkraft und seihe Tiefenwirkung. . Die geistige Bewegung unserer Pioniere, . , da$ Grosse, das unsere Fonds in Palästina mit kleinen Mitteln schaffen, ist unsere Rettung geworden. ■ Unsere weichen Sehnen werden straffer und die persönliche Spannkraft jedes einzelnen, auch wenn' er nur. besuchsweise in Palästina weilt, wächst, und s« die unseres ganzen Volkes. - . ' *■ . ."...■ . . - Es ist; nicht wahr, dass wir mit unserenbisher viel zu kleinen Spenden .Palästina schäften. Es bedarf erhöhter Anstrengungen, und' doch schafft es sich letzten Endes selbst und erschafft, uns Gailuth-Judert schon. jetzt von neuem* . . Das habe ich am eigenen Leibe erfahren!; Neueste Aufnahme der Herzl-Strasse in Tel-Awiw s -r*: jüdische Tabakpflanzer in Ejn Charod ÄiS ► * *■ „ \ f * .; ' 1 > * 4 , & -s f <

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