Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2019 (28.9.1924)
- Date
- 1924-09-28
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Skr. MS Wien, Sonntag Wiener Modenzeitung. 28. September- M4 'Seite 10 Produktion normal 0 Paar pro Ta fl II Gegr. BRÜDER KLEIN Schuhfabrik / Mödling, n.-o Stadtb ureau: Wien, I.Werdertorgasse M Telephon 664-79 150 Verkaufsstellen in Oesterreich Unsere polnische Niederlassung befindet sich KStOWICGi ul. Pocztowa 3 Copyright OesterhNd 8l Lo. Strlag, Berlii. Schluß. Das Mädchen im Nebel. Kriminalroman. Bon Josef Gollomb. Zn den 'Straßen der Stadt Web der letzte Karren sichtlich zurück; als die anderen sechs Wagen zum Covent- Gavden einbogen, fuhr -der letzte gemächlich weiter, den „Strand" hinunter. Ein Polizist kam näher, mm den schlafenden Kutscher ^aufmerksam zu machen, aber ein energischer Ruck der Zügel überzeugte ihn von der Wachsamkeit des Führers, der dteli leicht in eine andere Gegend der Stadt zu fahren chatte. Er lfuhr die Eommereial-Road hiunter und wand sich -durch die Gassen in -der Nähe des Muffes, -bis er vor einem kleinen Lagerhaus an den Tillbury-DockZ haltmachte. Vorsichtig Lliickte sich Hutch um, und da er niemand in der stillen Gasse sah, schwang er sich von seinem Sitz herunter. Er gab den Pferden einen leichten Schlag, sie zogen an und der Wwgen fuhr führerlos weiter. Hutch schlich sich zur Rückseite des Hauses, zog einen Gchliüsfel aus der Tasche und öffnete eine kleine eiserne Tür. Der Geruch der vielen cutsgestapelten Waren schlug ihm entgegen. Er ging eine Wendeltreppe hinauf in -den zweiten Stock und klopfte mit einem bestimmten Zeichen leise au» Mn Manu von orientalischem Typus öffnete die Tür und blickte ängstlich fragend auf Hutch. Dieser war mit der Schnelligkeit einer Katze im Zimmer und schloß sich mit Lascar ein. Im Schein der GaSlamPe sich Hutch fürchterlich aus. 'Sein tierisches Gesicht war.voller Kratzer, feine Kleider in Fetzen und der «Schweiß rann ihm über die Stirn. Schnell verständigten fie sich in der Taubstummenspräche. : ,Me habeav uns erwischt, war niemand hinter dir her?" „Min. WaS M ich tun?" „Du sollst mich verstecken und auf dem nächsten Fva'chtdampfer mch dem Osten einschiffen. Komm mit." : Einen Augenblick überlegte der «Inder. \ ,-Heute nachmittags gcht ein Schiff nach den GtraitS Settlements, wir sichten!" [ Hutch entdeckte Brot und Whisky; gierig griff er danach. Gr fand Patronen, lud den Revolver und schob ihn in fein Hemh! Mm* ■:;. [ Die beidm gingen hinunter und suchten unter den Kisten und Ballen nach einem Berste». Sie entschlossen sich zu einem großen Ballen; LaScar schnitt M Nähte ans, warf einen Teil des Jnhcckts heraus, und Hutch machte sich Matz," '' - Der Inder nähte den Ballert -wieder zu und stellte ihn so, daß er bei der Verladung zuletzt an die Reihe kommen mußte. , In wenigen Stünden würde er an Bord sein und der Inder sicher als Matrose Beschäftigung auf dem Schiff finden. Das einzige, womit Hutch nicht rechnen konnte, war, daß Lasoar durch Pete Ennis Brief an Scotland Dach verraten «worden war. Hawley dachte, daß der Mann ihnen nützlich sein könnte, und ließ ihn polizeilich bewachen. Der Fvachtsrgler ,Mally Dre" nahm seine Ladung von Wollwaren, Küchengeräten und Lumpen an Bord. Die eisernen Ketten der Krane, die sich unermüdlich mit ihrer Last vom Kai zum Schiff schwangen, klirrten, der Dampf strömte Pfeifend und zischend aus den Winden. Zwei Hafenarbeiterrollten einen großen Ballen -mit Matratzen heran, der für ein Spital in Lahorebestimmt war. Der eine nahm die Kette und befestigte sie um den enormen Ballen, dann machte er ein Zeichen, und der Kran , -hob längstem das große Paket in die Ahe. Kaum hatte es sich etwa einen Meter über den Boden erhoben, als der Maschinist den Kran stillhalten ließ; der -Ballest schaukelte langsam in -der Luft. "w Aus der Blechhütte des Hafenwärters traten vier Männer heraus. /-Laß e-8 ein bißchen tiefer herunter!" rief der Anführer dem Maschinisten zu. Die Winde ließ kreischend den Ballen etwas herabsinken und hielt dann an. .Die Arbeiter begannen mit ihren Haken die Umhüllung -herunter zu reißen. Deutlich konnte man das aufgemalte Zeichen: Dawson Bedding Co. LM. SIX CiÜMFURT 3-4 SIZE MATRESSES* BR. 364.865* Series AB. ' lesen. Als die Arbeiter zwischen den -Ketten die Leinwand aufrissen, begann es in-dem Ballen lebendig zu werden. Zwei Hände wurden sichtbar, die sich bemühten, die'dicken Matratzen auseinaüderzureisM. Dadurch wurde, der Ballen iir leichte Schwmkuugeu versetzt/ Plötzlich'kam Hutchs Gssicht zum Vorschein. Als er sich verloren , sah, Wurde es von Maßloser Wut verzerrt. Seine.Hand.glitt schnell wieder zurück und kam .gleich darauf - wieder hervor. Schnell schlug einer der Arbeiter mit seinem eisernen Haken darauf und klirrend fiel der Revolver aufs. Pflaster. Einen Moment schien Hutch wie betäubt. Dann begann ein merkwürdiger.'Kampf. Tie eiserne Kette hielt ihn fest, wie einen Tiger in der Falle. Aber der Bucklige hatte die Hoffnung nicht aus-gegeben nud versuchte, Inspektor Hawley beobachtete ihn ein paar Minuten. HutA Angen waren blutunterlaufen. Seine Kehle schwoll an. Schweiß tropfte zur Erde. Hawley trat näher, so daß Hutch von seinen Lippen lesen konte: Wozu strengst du dich an? Du kannst die Ketten nicht zerbrechen, und wenn du dich freimachst, schießen wir dich nieder. Der Bucklige hielt einen Moment mne, dann begann er von neuem seine Versuche. Mit den Zähnen verbiß er sich in das Eisen und krampfhaft umklammerten seine Finger die Ketten, die ihn zu eng umschlossen. „Er ist verrückt geworden", sagte einer -der Umstehenden. „Nein," erwiderte ein anderer, „er versucht, sich selbst zu erwürgen!" Die kleinsten Adern und Arterien -waren so angeschwollen, -daß sie platzen mußten. Hände und Gesicht waren blau, und noch immer kämpfte er, um sich durchzuwinden „Furchtbar, wie er sich zu'Tode quält!" Schweigsam sahen die Männer zu. Plötzlich nahm es ein Ende. Nach einem Moment der äußersten Anstrengung schwand die Farbe aus Hutchs Gesicht. Die Augen blieben offen, ausdruckslos und -voller Wut. Der Arm fiel schlaff herab. Der Kopf sank herunter, - der Mnwd -war weit geöffnet. Inspektor Hawley trat -heran und befühlte -das Herz des Toten. Dann ließ er die Ketten lösen. Einige Monate späier erhielt Hawley einen Brief, in dem er unter anderem las: ,D«s Geld, das ich überweise, ist. nur. ein schwacher Ausdruck meiner und meines Mannas Dankbarkeit. Wenn Sie es als «Fundus benützen wollen für Leute, die in ihrem Dienst verwundet wurden, würde ich mich sehr freuen. Ich wünsche, -daß das Geld von Ihnen selbst verwaltet wird. Sie haben mir und Hugo das Leben geschenkt; kann irgend etwas in der Welt ein solches Geschenk aufwiegen? Meine einzige Hoffnung ist, daß Sie uns einmal besuchen, werden,, dann sollen Sie-sehen, wie sehr Hugo unfr ich Sie in unser Herz geschloffen -haben. Herzklichst Ihre ' Eileen Goodrich-Garra." Es war alles wie aus den Bildern Corot's. Der See « den Adirondacks im - Mondlicht,. die Insel mit dem Lager-- feuer, die silbernen Birken, /die Frau und der Mau« nt ihrem Boot. > . '. - ' Eileen und Hugo betrachteten stiü den sternbesä^n Himmel. Seit Monaten lebten sie hier ist der Stille und alles ivar ihmn wie-Musik. Plötzlich hörten sie ein Rascheüd Pt GebüsA Eileen hielt erschreckt Hugos Arm.!Ein junges Reh wurdeim MvMichk sichtbar; W blickte scheu umher, dann ging esans Wasser und begm» zu Einsen. *0 -