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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-26 · Heft 2017 (26.9.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2017 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. NU.7 Men, Freitag Wiener Morgenzeitrmg. 26. September 1924 Seit« 8 Bühne Md Kunst. „Wer torint tun Amknaik?" (Erstaufführung im Rainmnd-Thrater.) Gin junges Menschenpaar, dunipf und gierig, blickt ins Leere, stumpfen Herzens, genuPereit; wirb in derselben Atmosphäre, nur ein paar Schritte entfernt, der gütige Manisch, der beschenken und sich aufopfern will. Das evgilbt «eine heute schon abgegriffene und veraltet erscheinende ■ These: der Mensch ist gut, aber die Menschen sind schlecht. Gewiß also ein dichterischer BoÄvil'vf, tief genug, um in eine dramatische Fabel gebracht zu werden, und stark genug, um den Menschen und die Menschen zu packen. Und eine zjweite These: der gütige Mensch ist überflüssig aus dieser 1 Welk. Er zerstört Weltanschauungen, er verletzt das Strafgesetz, er bringt ab von Lebensfreude diejenige^ die nicht Güte, nur Genuß suchen, um ihr Schicksal zu erfüllen. 'Diese Prolblemstellung wetterleuchtet überall um die 'modernen Dramatiker, sie sind jung, brauchen Ideale und präi sentieren ihre idealen Forderungen wie weiland Gregers Wevle. Richard Dehmol hat dieses Problem in seinen ,Menschenfreunden" tiefer gestellt und reifer gestaltet. Juckenack wandelt am Mgrund der Lächerlichkeit, ein sol- 'chev Mensch kann, mag er sich noch so tragisch gebärden, lächerlich wenden. * Der GevichtSbeamte Juckenack, Junggeselle, begütert Lud unabhängig, ist nach einem alltäglich abgerollten, tvofölosen Leben gestorben. Ist er gestorben? Ein neues mystisches Leben erwacht in ihm und nun begimt seine Lebensbahn zum zweiten Male, verschnörkelt, mit Handlungen tiefster Güte und Opferfrendigkeit ausgeMt. Er soll kein überflüssiger Mensch sein. Es möge jemand weinen um 'Juckenack, wenn er sein Dasein abgeschlossen hat. Und nun, um das Schicksal zu erproben, gibt er alles hin: sein Herz, sein Geld, seine Stellung. Lina, das junge, verdorbene Großstadtgeschöps, beschenkt er, um ihr den Wog zu erleichtern. Den Filou Edmund Walter rettet er vor dem Kriminal, indem er die Strasprozeßakten gegen ihn vernichtet. Den letzten Rest seines Vermögens vermacht er dem bösartigen Geschöpf von einer Wirtin, Frau Nagel, und, welch überquellender Herzensreichtum: zwei Strolche, die an ihm einen Raubmord verüben wollen, läßt er entweichen, um sie nicht der irdischen Gerechtigkeit auÄiefern zu müssen. Der Mensch ist gut, Juckenack übevstrümt vor Menschenliebe, damit, wenn er abgeht, jemand um Juckenack weint. Wer weint uur Juckenack? Undank, Verrat, Gemeinheit, das sind die KeuLenschläge, die seine Stirn treffen. Die denselben Menschen erschüttern, der die Symbole dev indischen Gemeinheit aufbowahrt, sie kost und küßt. Juckenack ist ein Narr. Die Welt gcht au seinem Edelmut vorüber. Er kehrt Drück nach oben, denn auf der Erde, wo ui-emand %m tfjtt weint, hat Juckenack nichts zu suchen. * 1 Man könnte diese Fabel straffer anfassen. Die Menseln härter gegeneinander schlagen lasten, Pointen zum Weißlichen bringen. Der junge Dichter Hans I. R e hjfisch läßt sich, wie alle jungen, grübelnden Poeten, zum Dozieren verleiten. Er will übevdmMch sein. Er überläßt uns nicht die kleinste Aufgabe des Nochfpürens, des Mitschaffens. Aber er verzichtet auch (Schwäche oder Absicht?) aus dramatische Tricks, löst Weltanischauungskonflikte in Dialoge aus, läßt ErdenschweveS ins Mystische verschwimmen, um eine höhere Sphäre des Gefühls und des Geschehens zu erreichm. Dichten heißt aber auch VevhlKtM." ‘ *J. “ 9 Mitteilungen aus dem Publikum. ». in 6en mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig unä nach Maas bei billigten Preisen beim Spezialisten RUOOLP QOLDSTEIHi WIEN, II. 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Feldhammer kämpfte ehrlich mit allen Teufeln und Tücken der Rchfisch"schen Dichtung und hatte Mühe, sein- Mvisfeln zu verwischen. Trotzdem eine respektable Leistung, zu der ihn scheinbar der Regisseur Renato Mordo und der Dichter selbst anfeuerten. Werner-Kahle hatte sich für den Staatsanwalt, dessen Weltanschauung durch das Treiben Juckenacks erschüttert wird, zarte und diskrete Töne zurecht gelegt. Frau Hetsey plagte sich ehrlich, stellenweise auch mit Erfolg, mit einer Else-Lehmann-Rolle. Lilli Loh rer und Alfred Neugeba-u er zeichneten mit ein paar Strichen und Gesten Menschen tieferer Rangordnung, die lieber genießen als um Juckenack weinen. Man war sich dessen bewußt, es mit der Dichtung eines ehrlich Ringenden zu tun zu haben, und respektierte sie auch dort, wo die Mystik ins Lächerliche umzukippen drohte. Mer Rehfisch' Stück ist ja eine Tragikomödie und man nimmt sich das Recht heraus, zu lächeln oder gar Zu lachen. Die Ergriffenen riefen den Dichter und einige Buben entblödeten sich nicht, zu zischen und Pfui zu rufeir. * .. Gs war ein großer Etfolg. Und ,/Wer weint um Juckenack?" ist keine Operette. OskarRosenfeld. „ver Bettriftndent" ln der vollrover. Um der künstlerischen Arbeit willen, die setz dem Amtsantvitt des Direktors StiKcy gelePot wird, «würde die BoMs- «per em.fveuMicheres Schicksall verdienen, als es das von immer netten materiellen und politischen Krisen geschüttMe Theater erleidet. Doch trotz der ununterbrochenen KonifliAe bringt Doktor Stiedry die Energie auf. Tag um Tag an 'der Einstudierung von Schönlbergs Musikdrarna „Söie MWche Hand" ztt arbeiten und gleichzeitig eine höchst anerkermenswerte Neuinszenierung der Millöckerschen Operette ,Mr Bettelstudent" herauszubringen. Wenn man bedenkt, daß der Direktion keine Geislingen, kein Girardi, kein Schweighofer, ja nicht einmal bescheidene Operettenkräfte oder die GeDdmkttetl für eine efMvolle Sgemrie zur Derfüguug standen, so mutz man den künstlerischen Erfolg um so höher werten. Dr. Stickdry, der moderne, seinnervige Dirigent, der sich ebensowohl auf den Kassischen Operettenstik wie aus den Wagner- und Mcvchchner-Stil versteht, wußte seine Opernsänger dahin zu erzichen, daß sie in der Operette nicht Figurinen abgeben, sondern sich beinahe als muntere LPevettengesMen bewegen und mit Lust und Laune die noch immer jugendlichen Mllöcker-MÄodi-en singen und spielen. Ja, sie sind alle jung und gesund geblieben: das WalzeÄied des Obersten Ollendovf, der die schöne Lmva „nur auf die Schulter Mißt hat" (das Lied ist übrigens um volle Ly Jahre Mer als der ,Mttefftudervt"), das LMied auf die Metze der Polin, der schmissige EingangSchar, das zaghafte Geständnis ,/Jch setz' 'den Fall", das Couplet ,Mhwamm dvMer" und bange Reihe der übrigen Schlager, die Doktor Stiedry ohne sonderliche Retouchen auf zeitgemäße'MvAimg herzurichten vermochte. So erzielten die lustige Darstellung der Frau Ertl und der Herren Bandler, Resni und Doktor IKroegler sowie die schönen Stimmen der Damen Friedl Böhm und Ba ck und des Herrn Ritter sh eim gemeinfmn mit dem flotten Spiel im Orchester und der gewandten Regle des Herrn Forest einen ganz außerordentlichen Erfolg. Gegenüber einer so lebendigen Aufführung des ,Mettelftujdentey" Mt es noch lange kein ,^Schwamm dMber!". Sr*" : MMmnsanrftMng des Wiener Knnftgetoeideverrinr. 7 Im Oesterreikhifchen Museum für Knnst und Industrie. Die Fülle der Wiener Ausstellungen evfuhr heute eine neuerliche Bereicherung durch Eröffnung der Ausstellung des Wiener Kunstgelverbeveremes aus Anllaß seines 40jährigen Bestandes. Sie gibt wie alle früheren trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Not abermals sin anschauliches Bild der hohen Leistungsfähigkeit des weithin bekannten und amerckauuten Wiener Kuustgewerbes, des ernsten Strebens der einzelnen Künstler, der.innigen und verständnisvollen Zusammenarbeit von^ Mnstler und Kunschandwerker, der Energien, die in diesem Bevern vertreten sind. Dein unbedingten, unaushaltsamen Mllen nach stets neuer F o r >m« gestaltung verleiht diese Schau beredten Ausdruck. In den vom Architekten Pros. Otto Prutscher gestalteten Räumen ist eine unendliche Mlle Wiener Edelavbeit ansgestellt. Der Mittelraum ist dem allgemeinen Kunstgewevbe ^widmet, die um das Zentrum angeordneten Räunie sowie wenige Räume des 1. Stockes, deren Ausgestaltung einzelnen Architekten anvertraut wurde, bchevbergen die mit großer Sachkenntnis gruppierten Erzeugnisse der Wiener Mäbel- .indnstrie. Auch hier ist sehr viel Wertvolles, StMitdendes und Musterhaftes zu finden und werden Elemente zum Ausdruck gebracht, die als Mevtzvichm modernen Geistes und Stilgefühls gellten können. In jiwanzig Räumen repräsentiert sich die österreichische Jnterieurdunst, die durch die Architekten Professor Otto Prutscher, Robert Oierly, Pros. Joslef Hoff manu, Dr. Stephan Fayaus, Prof. Karl Witz mann, Hugo Gorge und andere Prominente charakteriisiert erscheint. Einen speziellen Zweig bildet die Wiener Porzellanindustrie, die sich vom alten Stil zu emanzipieren beginnt und jene Richtung anstrebt, -wie sie vom Deutschen Werkbund propagiert wird, während die Wiener Werlstätte nach wie vor als Mustermstrtut für Edel- und Geschmacksarbeit hervortritt. Die Ausstellung wurde durch den Bundespräsidenten Dr. Hauisch in Anwesenheit des Bürgermeisters 'Seitz, des Polizeipräsidenten Schober, des Hofrates Dr. Leisching und anderer Persönlichkeiten eröffnet. Ans den Theatern. Operntheater. Morgen, l/tl Uhr, „L 0 h e m g r i n" mit den Damen Born, Weidt und den Herren Oestvig und Schipper. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr, *3) a 3 Abenteuer inChina". Im Akademietheater findet morgen Samstag die Uraufführung „DerKaiserimWal d", ein Märcheuspiel in vier Akten von Walter E i d l i tz, statt. Anfang l/»8 Uhr abends. Schönbrunner Schloßtheater. Morgen. V.8 Uhr, .Die Maus". Bolksoper. Heute »D e r B e t t e l st u d e n t". — Morgen (Samstags beendet Kammersänger Josef Schwarz sein Gastspiel in „Hoffmanns Erzählungen". JmDeutschenBolkstheater beginnt die heutige österreichische Uraufführung der Kourodie „Kolportage" von Georg Kaiser pünktlich um 7*8 Uhr. Der Dichter hat der Direktion sein Eintreffen zu der Vorstellung angezeigt. Kammerspiele. Morgen 100. Aufführung der aktuellen Revue „W a S Frauen t r ä m e »" von Karl Farkas und Dr. Robert Kätscher, Musik von Dr. Kätscher. Anfang 10 Uhr nachts. JmTheaterinderJofefsiadt findet Dienstag den 30. d. die Erstaufführung des Lustspieles „P r 0 t h e r 0 s Hilfe" (A Social convenieace) von H. M. Harwood statt. JmCarl-Theate rfindet heute, 7 Uhr abends, die Erstaufführung der Operette a s c 0 t t ch e n", Musik von Walter Bremme, statt. JmLustspielth eater findet heute die Erstaufführung der Nestroyschen GesangSposse „EineWohnung zuvermieten" statt. Beginn der Vorstellung 7,8 Uhr. Karl Burian gestorben. In Rakowitz in Böhmen ist am MÄtwoch nach längerem schweren Leiden der weltbeLanntr Dmar Karl Burian im 54. Lebensjahr gestorben. Eine schwedische Schauspielerin bei Max Reinhardt. Das EtosMvAe Max R e i n h a r d t s am Jofefstädter Theater wird eine vnteresscmte Bereicherung echMen. Jesste Wessel, die berühmte schwodische Schauspielerin, deren Wirken am Königlichen Theater in Stockholm in der schwedischen Oeftentlichkeit sich großer Beliebtheit erfreut, ist als neues Mtglisd verpflichtet worden. Die Künstlerin Miegt noch deutschen Stüdien; sie wird aber «noch in dieser Saison mit Moissi in der,,MÄdente" als Hödwig debütieren. Ein weiteres Auftreten ist in der „Schule der Frauen" und in Lormonds „Der Schattenfischer" vorgesehen. Arnold Korff im Modernen Theater. Arnold Korff, der dieser Tage von seiner Ameritareise zuvückgekchvt ist, wurde von DireEtor Geyer für einen Teil der Spielzeit verpflichtet. Korff wird Freitag den 3. Oktober im Modernen Theater zum ersten Male wieder vor das Wiener Publikum treten. Der KünsÄer eröffnet', seine Wiener Tätigkeit in Avtur Schnitzlers Eimkterzyklus ,-Komödie der Worte". In Angelegerchrit der Raumbühne. Wie wir berichteten, hat anläßlich der Eröfsnnnasfeier der Ainsstellung im Kouzertchaus Herr Dr. Moreno Lewy Herrn Friedrich Kiesler als „Plagiator" bezeichnet. Herr Friedrich Kiesler ersucht uns nun. zu veröffeMichen. daß er dunh seinen Rechtsanwalt gegen den Vöslauer Arzt Dr. Moreno Lewy wegen der in der Oeffenvlichkeit vorgebrachterv Beleidigung die gerichtlichen Schritte Ängvkeitet habe. Der Hagenbnnd veranstaltet in der Zeit vom 20. Oktober bis ungefähr 16. Noveinber d. I. eine graphische Ausstellung, an der sich auch Nichtmitglieder beteiligen können. Ms letzter Amnetdetermin wurde der 15., als letzter Einsendetermin der 19. Oktober^ bestimmt. Außer Radierungen, Holzschrritten, Monotypien können auch Zeichnungen und Aquarelle eingefendet werden. Aufnahme ftnden jedoch nur gerahmte Arbeiten. Tine Musterbühne. Die Leitung des Stadttheaters zu Münster in Westfalen hat mit Beginn der Saison Doktor Hcms Niedecken-Gebhard, der bisherige Oberspielleiter der Hannoveraner Oper, übernommen, dem ein glänzender. Ruf als Opernfachmann vorauSgcht. Er will an dieser Weinen Bühne die Oper als Kunstform mit denr Geiste unserer 0 as Schekellahr Ist bald zu Ende, Jeder Juden beeile sich daher, den Schekel zu bezahlen SS

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